Bernhard Bartsch

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Der Ölprinz

Der taiwanesische Unternehmer Nobu Su will mit seinem Supertanker „A Whale“ das Öl im Golf von Mexiko einfangen.

Es soll ein klassischer Deus-ex-machina-Auftritt werden: Mitten in die Ratlosigkeit, wie der Deepwater-Horizon-Katastrophe im Golf von Mexiko beizukommen sein könnte, platzt der taiwanesische Unternehmer Nobu Su mit seiner Ankündigung, das ausgelaufene Öl wieder einfangen zu wollen: Sein umgebauter Supertanker „A Whale“ solle durch den Ölfilm fahren, „wie ein Rasenmäher durch Gras“ und durch zwölf Ansaugstutzen das Öl-Wasser-Gemisch aufsaugen, verspricht Su. 75 Millionen Liter ölverdrecktes Wasser sollen so pro Tag gereinigt werden können. Das wäre mehr als halb so viel, wie der Ölkonzern BP seit dem Leckschlagen seines Borlochs am 20. April hat reinigen können.

Ob die Technologie tatsächlich funktioniert, wird derzeit nahe der Unglücksstelle erprobt. Doch so sehr die Welt darauf hofft, dass der 340 Meter lange, zehn Stockwerke hohe Stahlwal sein Versprechen hält, so sehr rätselt sie über den Mann, der ihn geschickt hat.

In der Schifffahrtsbranche stellt man sich die Frage schon lange. Obwohl Su mehrfach mit unternehmerischen Coups Aufsehen erregte, gibt er von sich selbst wenig Preis. Er gibt selten Interviews, es existieren nur wenige Bilder, nicht einmal sein genaues Alter ist bekannt.

Allerdings Su dürfte ungefähr so alt sein, wie das Unternehmen, das er von seinem Vater geerbt hat. 1958 gründete Su Chin-wun die Speditionsgesellschaft Taiwan Maritime Transport (TMT) und begann, Bananen von Südamerika nach Taiwan zu verschiffen. Seinen Sohn Su Hsin-chi schickte er in Japan auf die Schule, wo er sich den japanischen Vornahmen Nobu zulegte. Zum Studium ging Nobu Su ins schweizerische Lausanne und machte 1982 einen MBA-Abschluss. Danach sammelte er in verschiedenen Branchen Erfahrung, bevor er 2002 nach dem Tod seines Vaters TMT übernahm. Seitdem steht die Abkürzung für Sus Credo „Today makes Tomorrow“.

Schnell bewies er ein gutes Gespür für Markttrends. So erzählt man sich in der Branche die Geschichte, dass Nobu Su einmal drei Wochen lang mit einem Helikopter die australische Küste entlang geflogen sei, um zu beobachten, wie dort Kohle und Erze verschifft wurden. Er kam zu dem Schluss, dass es an Schüttgut-Frachtern mangele und investiert massiv in Speditions-Termingeschäfte. Die Rechnung ging auf und brachte Su eine dreistellige Millionen-Dollar-Summe ein.

Auch hinter dem Einsatz der „A Whale“ dürften sich Geschäftsinteressen verbergen. Sein Anwalt stellte bereits klar, dass Su „zumindest seine Unkosten wieder heraushaben“ wolle. Möglicherweise spekuliert er darauf, das eingefangene Öl behalten und weiterverkaufen zu können. Ein solcher Trick würde zu seiner Geschäftsphilosophie passen: Kreatives Denken in der Wirtschaft sei so wichtig, dass er dafür an seiner Alma Mater in Lausanne eigenes einen nach sich selbst benannten Lehrstuhl stiftete, die „Nobu Su Professur für globale Führung“. Im Golf von Mexiko wären alle froh, wenn er sie tatsächlich übernähme.

Bernhard Bartsch | 05. Juli 2010 um 19:19 Uhr

 

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