Bernhard Bartsch

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Der große Nachsitzende

Chinas Volksbefreiungsarmee hat Maos Enkel zu ihrem jüngsten General ernannt.

Er gilt als nicht sehr helle, aber sein Name strahlt dafür umso mehr: Mao Xinyu, der 39-jährige Enkel Mao Zedongs, ist zum jüngsten General der Volksbefreiungsarmee ernannt worden. Kurz vor dem 60. Gründungstag der Volksrepublik am 1. Oktober versucht die Kommunistische Partei, dem Mythos des großen Vorsitzenden neuen Glanz zu verleihen, und da sich das ganze Volk als große Familie verstehen soll, muss auch Maos leibliche Verwandtschaft öffentlich in Szene gesetzt werden – auch wenn dieser zum Leidwesen der Propagandabeamten keinen vorzeigbareren Nachfahren als Mao Xinyu hat.

Staatspräsident Hu Jintao persönlich soll es gewesen sein, der Mao Junior vor sechs Jahren ins Licht der Öffentlichkeit zog und zum Abgeordneten der Politischen Konsultativkonferenz machte. Zuvor hatte er an der Pekinger Volksuniversität Geschichte studiert und an der Akademie für Militärwissenschaften der Volksbefreiungsarmee über die Strategien seines Großvaters promoviert. Auch heute widmet sich der Doktor der Mao-Zedong-Gedanken vorwiegend seiner Forschung und hält außerdem einen Posten in der Partei-Jugendliga, heißt es in der offiziellen Vita. Unter seinem Namen sind mehrere Bücher erschienen, darunter eines mit dem Titel „Mein Großvater Mao Zedong“. Allerdings ist umstritten, ob er die Werke tatsächlich selbst verfasst hat. Hartnäckigen Pekinger Gerüchten zufolge soll Mao Xinyu von der Geistesschärfe seines Vorwahren wenig geerbt haben.

Seine öffentlichen Auftritte fördern Zweifel an seinen intellektuellen Fähigkeiten eher als sie zu widerlegen. Seiner Sprache merkt man die angeblichen akademischen Meriten nicht an, häufig kichert er. In den Medien wird er deshalb meist nur kurz gezeigt.

Trotzdem glaubt die Partei, dass er ihrem Ansehen mehr nützt als schadet. Denn seit einigen Jahren lautet die Strategie, den Menschen Mao in den Vordergrund zu rücken. Da schadet es auch nicht, wenn sein Enkel ihn beharrlich als „Gott“ bezeichnet. „In diesem Jahrhundert, in dieser neuen Phase der Geschichte, ist die Verbreitung der Gedanken von Mao Zedong und die Förderung des glorreichen Bildes des Vorsitzenden Mao wichtiger als je zuvor“, erklärte Mao Xinyu kürzlich in einem Interview. „Es ist die Pflicht unserer Familie, dem Volke dabei beständig zu dienen.“ Da dies nicht unbelohnt bleiben darf, wurde er einem Bericht der Zeitung Changjiang Ribao zufolge schon im Juni in den Rang eines Generals befördert und tritt seitdem bei offiziellen Terminen in einer reich dekorierten Uniform auf.

Im Internet wird darüber allerdings bereits gespottet. „Mao Xinyu ist nicht nur der jüngste General, sondern er hat auch die teuerste Uniform“, kommentierte gestern ein Blogger in Anspielung auf seinen gewaltigen Körperumfang und die dafür benötigten Stoffmengen.

Bernhard Bartsch | 22. September 2009 um 16:43 Uhr

 

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