Bernhard Bartsch

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Der gefallene Ölprinz

Ex-Chef des Rohstoffkonzerns Sinopec wird wegen Korruption zum Tode verurteilt. Er ist nicht nur Opfer seiner Gier, sondern auch politischer Machtkämpfe.

Irgendwann stellte Jürgen Hambrecht fest, dass sein chinesischer Partner verschwunden war. Das war im Sommer 2007. Zahlreiche Großprojekte hatte der BASF-Vorstandsvorsitzende mit Chen Tonghai, dem Chef von Chinas staatlichem Rohstoffkonzern Sinopec ausgehandelt, darunter die größte Auslandsinvestition des Ludwigshafener Chemiekonzerns im ostchinesischen Nanjing. Doch plötzlich war Chen weg, ohne Abschied oder Erklärung. Allerdings gab es das Gerücht, er sei wegen Korruption verhaftet worden, am Flughafen, beim Versuch, sich aus China abzusetzen. Seit gestern ist klar, dass Hambrecht seinen ehemaligen Verhandlungspartner nie wieder sehen wird. Der 60-Jährige wurde in Peking wegen Bestechung zum Tode verurteilt.

Die Strafe ist für zwei Jahre ausgesetzt und könnte in lebenslange Haft umgewandelt werden, wenn Chen Reue zeigt. Nach einem Bericht der Volkszeitung soll Chen 20,4 Millionen Euro Schmiergelder angenommen haben. In der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua hieß es, das Urteil solle anderen Managern als Warnung dienen. Die Bereicherung an Staats- oder Firmengeldern ist verbreitet, geahndet wird nur ein Bruchteil der Fälle.

Chens Laufbahn liest sich wie die typische chinesische Kaderbiografie. Er studierte Ingenieurswissenschaften an der Nordost-Petroleum-Universität, machte im Ölsektor und der Kommunistischen Partei Karriere. 1986 wurde er Vize-Bürgermeister der Hafenstadt Ningbo, acht Jahre später wechselte er in einen hohen Posten in der Pekinger Staatskommission für Entwicklung und Planung. 1998 wurde er Vorstandsmitglied von Sinopec und stieg 2006 in den Top-Posten auf.

Doch Chens Aufstieg war begleitet von den Versuchungen vieler chinesischer Top-Funktionäre, die mit Milliarden jonglieren, aber selbst nur bescheiden bezahlt werden. Allerdings dürften bei seinem Sturz auch politische Machtkämpfe eine Rolle gespielt haben. So berichteten Hongkonger Medien, Chens Fall sei Teil einer der größten Korruptionsskandale der vergangenen Jahre. Kurz nach seinem Verschwinden erklärte auch der damalige Finanzminister Jin Renqing seinen Rücktritt. Angeblich sollen beide Männer in eine Sex- und Bestechungsaffäre verwickelt gewesen sein. Gegen Jin wurde nie Anklage erhoben. Womöglich hatte er die besseren Beziehungen.

Bernhard Bartsch | 16. Juli 2009 um 05:25 Uhr

 

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