Bernhard Bartsch

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Der Elektronikriese Panasonic streicht 15.000 Stellen

Die Finanzkrise ist nach Angaben des Elektronikkonzerns Panasonic der Auslöser für ein großes Sparprogramm. Der Konzern schließt 27 Fabriken. Massenentlassungen sind in Japan längst kein Tabu mehr.

Die Finanzkrise zwingt Japans Exportindustrie zu Massenentlassungen. Am Mittwoch war es der Elektronikhersteller Panasonic, der schlechte Neuigkeiten bekanntgeben musste: Weltweit sollen 27 Produktionsstätten geschlossen und damit 15 000 Jobs abgebaut werden, erklärte Vorstandsmitglied Makoto Uenoyama in Osaka. Fünf Prozent der Belegschaft würden damit arbeitslos. „Wir haben analysiert, welche Geschäftsfelder Wachstumspotenzial haben und welche wir verlassen sollten“, sagte Uenoyama. Von den zu schließenden Fabriken befinden sich 13 in Japan und 14 im Ausland, unter anderem in Malaysia, Indonesien und den Philippinen.

Panasonic reagiert damit auf dramatische Absatzeinbußen. Im vergangenen Quartal war der Umsatz um 20 Prozent eingebrochen. „Im laufenden Quartal gehen wir von noch stärkeren Rückgängen aus, die Ergebnisse werden wahrscheinlich in allen Bereichen sinken“, sagte Uenoyama. Neben der Nachfrageflaute in den USA und Europa bereitet dem weltgrößten Hersteller von Plasmabildschirmen auch der starke Yen Probleme, zumal die südkoreanischen Konkurrenten Samsung und LG vom günstigen Won-Kurs profitieren. Für das Ende März schließende Geschäftsjahr erwartet Panasonic ein Minus von 380 Milliarden Yen (3,25 Milliarden Euro). Es wäre der erste Gesamtjahresverlust seit sechs Jahren.

Gleichzeitig verzögert sich Panasonics Übernahme des kleineren Konkurrenten Sanyo, die bis Ende März abgeschlossen werden sollte. Die 3,2-Milliarden-Euro-Fusion, die Panasonic zum größten japanischen Elektronikhersteller vor Hitachi und Sony machen soll, dürfte sich noch bis zum Sommer hinziehen, weil die US-Kartellbehörden noch ihr Einverständnis geben müssen. Sanyo ist Weltmarktführer bei Lithium-Ionen-Akkus und der siebtgrößte Solarzellenhersteller.

In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche japanische Unternehmen hohe Verluste und schmerzhafte Einschnitte beim Personal angekündigt. Sony erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust von 2,26 Milliarden Euro. Um aus dem Minus zu kommen, will das Unternehmen im kommenden Jahr über zwei Milliarden Euro einsparen, unter anderem durch Kurzarbeit und die Schließung mehrerer Werke. Insgesamt 16 000 Mitarbeiter sollen laut Medienberichten entlassen werden. Hitachi und NEC hatten kürzlich den Abbau von insgesamt 27 000 Arbeitsplätzen angekündigt. Toshiba gibt das Minus in seinem Betriebsergebnis bisher mit 870 Millionen Euro an. Einem Bericht der japanischen Finanzzeitung „Nikkei“ zufolge rechnet auch Sharp mit dem ersten Jahresverlust seiner Firmengeschichte.

Die Probleme betreffen neben der Elektronikindustrie auch die Automobilbranche, das zweite große Standbein der japanischen Exportwirtschaft. Toyota, der größte Fahrzeughersteller der Welt, erwartet für das laufende Geschäftsjahr den ersten operativen Verlust seiner Geschichte. Der Absatz ging 2008 um vier Prozent zurück. Für 2009 wagt der Konzern bisher kein Verkaufsziel zu formulieren. Nach Angaben des japanischen Autohändlerverbands ist die Binnennachfrage im Januar um 28 Prozent zurückgegangen, so stark wie zuletzt 1974.

Erschienen in: Stuttgarter Zeitung, 5. Februar 2009

Bernhard Bartsch | 05. Februar 2009 um 05:52 Uhr

 

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