Bernhard Bartsch

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Der dicke Bär macht Stunk

Widerspruch für Kim Jong-il: Sein ältester Sohn kritisiert aus dem Exil Nordkoreas Erbfolgeregelung.

Das enfant terrible des Kim-Klans meldet sich zurück: Kaum hat Nordkoreas Diktator Kim Jong-il seinen jüngsten Sohn, Kim Jong-un, bei einer pompösen Militärparade als Machterben präsentiert, kritisiert sein Ältester die dynastische Herrschaftsfolge. Kim Jong-nam, der seit Jahren in Peking und Macao lebt, sagte dem japanischen Fernsehsender TV Asahi, er sei persönlich dagegen, dass Nordkorea in dritter Generation von seiner Familie geführt werde. „Aber ich denke, es gibt einen internen Grund dafür“, erklärte der 38jährige Enkel von Staatsgründer Kim Il-sung. „Wenn das so ist, müssen wir es wohl befolgen.“

Die ungewohnte Kritik gibt Nordkoreabeobachtern Rätsel auf: Will Kim Jong-nam sich öffentlich vom Regime seiner Familie distanzieren – möglicherweise aus Ärger, dass er bei der Erbfolge übergangen wurde? Oder geht nach der Beförderung des schätzungsweise 27-jährigen Kim Jong-un ein tiefer Bruch durch die nordkoreanische Machtelite?

In jedem Fall ist es nicht das erste Mal, dass Kim Jong-nam seinen Vater blamiert. 2001 wurde er am Flughafen in Tokio mit einem gefälschten Pass der Dominikanischen Republik festgenommen. Er habe mit seinem Sohn und zwei Begleiterinnen Disneyland besuchen wollen, gab er zu Protokoll. Bei seinem Vater fiel er daraufhin in Ungnade und wurde in den Folgejahren immer wieder im Ausland gesichtet: ein runder Mann in teurer Designerkleidung, der gut Englisch spricht und mit chinesischem Pass unter dem Namen „Pang Xiong“ reist – „dicker Bär“. Sein Hauptwohnsitz scheint die südchinesische Glücksspiel-Hochburg Macao zu sein, wo er eine Villa sowie ein Stadtappartement besitzt und außerdem häufig in Luxushotels übernachtet. Auch in Peking hat er ein Haus. In Japan, Thailand und Europa soll er sich ebenfalls regelmäßig aufhalten. Das Geld für sein Leben stamme aus Nordkorea, heißt es. Angeblich überweist ihm sein Vater jährlich eine Million US-Dollar.

In seinem abgeschotteten und verarmten Heimatland soll Kim Jong-nam zuletzt vor drei Jahren gewesen sein, zum 65. Geburtstag seines Vaters. Dass er seitdem im Exil lebe und nicht mehr nach hause dürfe, hat er jedoch stets bestritten. Trotzdem machte er deutlich, dass er keine Absicht habe, nach Nordkorea zurückzukehren. Er hoffe, dass sein jüngerer Halbbruder Jong-un sich Mühe geben werde, das Leben der Nordkoreaner zu verbessern, erklärte er. „Wenn er Hilfe aus dem Ausland braucht, werde ich ihm gerne helfen.“

Bernhard Bartsch | 13. Oktober 2010 um 03:33 Uhr

 

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