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Das schmutzige Geheimnis der Expo

Die Schanghaier Weltausstellung will zum Vorbild für Umweltschutz werden. Die Weltausstellung verursacht aber selbst Unmengen von Abfall.

«Bessere Stadt, besseres Leben», lautet das Motto der Schanghaier Weltausstellung. Sie soll ein Vorbild an Umweltfreundlichkeit werden, doch sie hat ein schmutziges Geheimnis: Die Expo produziert selbst Unmengen Müll. Durchschnittlich 280 Gramm Abfall dürfte jeder Besucher hinterlassen, erwarten die Organisatoren. Bei einem erhofften Publikumsaufkommen von rund 400 000 Besuchern pro Tag bedeutet das 112 Tonnen Abfall, an Spitzentagen werden es sogar doppelt so viel sein. Dank einer Hightech-Anlage sollen die Besucher davon jedoch nichts mitbekommen: Aller Festmüll wird durch ein sechs Kilometer langes unterirdisches Pipeline-System zu Sammelpunkten gesaugt und diskret weggeschafft.

Dabei wären die täglich anfallenden Müllhaufen für die Besucher durchaus lehrreich. Schliesslich versuchen zahlreiche Ausstellungen, ihnen die Brisanz der Abfallproblematik vor Augen zu führen. So zeigt etwa der vom chinesischen Expo-Komitee selbst initiierte Themenpavillon «Urbaner Planet» eine drastische Animation einer Grossstadt, die im Abfall versinkt. «Das sind Bilder, die chinesische Medien so nicht zeigen können oder dürfen», sagt der Berliner Ausstellungsdesigner Lutz Engelke. Eine der Lösungen, die er seinem Publikum vorschlägt: weniger Fastfood essen, weil dies mit überdurchschnittlich viel Abfall einhergeht. Trotzdem gibt es auf dem Gelände Hunderte Fastfood-Restaurants.

Auch die Expo selbst wird am Ende der sechsmonatigen Ausstellungsdauer ein grosser Müllberg werden. Fast alle Pavillons müssen dann abgerissen werden, nur wenige sind so gebaut, dass sie sich andernorts wieder aufbauen liessen. Gemessen an den Abfallmengen, die sonst in der 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole Schanghai anfallen, schrumpft die Expo allerdings auf einen relativ kleinen «Stadtteil» zusammen. Nach Behördenangaben werden in Schanghai täglich rund 18 500 Tonnen Müll produziert. Die Menge wächst jährlich um 4,3 Prozent – mehr als die offizielle Bevölkerungszunahme. Teile des Abfalls werden recycelt und verbrannt, grosse Mengen aber auch zur Landaufschüttung verwendet.

Weil die Deponien bestialisch stinken, haben die chinesischen Abfallwerker unlängst ein originelles Hilfsmittel entwickelt: Um den üblen Geruch zu binden, besprühen sie die Abfallhalden mit Pflanzenextrakt – wie mit einem Deodorant.

Bernhard Bartsch | 05. Mai 2010 um 14:36 Uhr

 

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