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Code Jumbo

Südkoreas neuer Präsident Lee Myung-bak verspricht seinen Landsleuten ein neues Wirtschaftswunder.

Der Türcode zum Blauen Haus heißt „747“. Mit dieser Zahlenkombination gewann Lee Myung-bak im Dezember die Wahl zum südkoreanischen Staatsoberhaupt und bezieht am Montag offiziell den Präsidentenpalast, der nach der Farbe seines traditionell geschwungenen Daches benannt ist. 45.000 Gäste aus aller Welt erwartet Lee zu seiner Vereidigung, die der Startschuss zu einem neuen Wirtschaftswunder werden soll. Denn mit seinem „Programm 747“ will Lee in seiner Amtszeit ein siebenprozentiges Wirtschaftswachstum erreichen, das durchschnittliche Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt auf umgerechnet 40.000 US-Dollar erhöhen und Südkorea zur siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt machen. Sollte ihm das gelingen, wäre der Vergleich mit Boeings größtem Flugzeug, dem „747 Jumbo Jet“, durchaus gerechtfertigt: Denn 2007 wuchs Südkoreas Wirtschaft gerade einmal nur um 4,9 Prozent. Das BIP lag bei 19.830 Dollar pro Kopf und in der Rangliste der Wirtschaftsmächte lag das Land nur auf Platz 13.

Dass die Mehrheit der Südkoreaner Lee ihre Stimme schenkte, verdankt der 66-Jährige seinem Image als erfahrender Wirtschaftslenker. Denn während sein Amtsvorgänger Roh Moo-hyun sich seine Sporen als Menschenrechtsanwalt verdiente, arbeitete Lee 27 Jahre lang für eines von Südkoreas größten Unternehmen. Seine Biographie ist eine typische Aufsteigergeschichte: Die Kindheit verbrachte er in bitterer Armut, sammelte tagsüber Müll und lernte nachts für die Schule. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und begann 1965 für Hyundai zu arbeiten, damals ein Betrieb mit nur knapp 100 Mitarbeitern, der jedoch bald zu einer der größten Unternehmensgruppen des Landes aufsteigen sollte. 1977 wurde Lee Präsident von Hyundais Baubranche. Als er den Konzern Anfang der Neunziger verließ, um in die Politik zu gehen, lag die Belegschaft bei 160.000.

1992 zog Lee erstmals als Abgeordneter für die konservative Grand National Party (GNP) ins Parlament ein, musste 1998 wegen Verstößen gegen das Wahlgesetz zurücktreten. Trotzdem gewann er 2002 die Wahl zum Bürgermeister der Hauptstadt Seoul. Lees Präsidentschaftskandidatur war überschattet von Ermittlungen wegen Börsenmanipulation, doch die Anschuldigungen wurden vergangene Woche endgültig fallengelassen.
Wie groß Lees Spielraum als Präsident sein wird, hängt zunächst von den Parlamentswahlen im April ab. Denn damit er seine Pläne zur Deregulierung und staatlichen Investitionsförderung umsetzen kann, muss seine GNP dort die Mehrheit erringen. Umfragen zufolge ist dies wahrscheinlich. Zu Lees großen Herausforderungen gehört jedoch nicht nur die Wirtschaftspolitik, sondern auch sein Verhandlungsgeschick im Konflikt mit Nordkorea. Schon im Wahlkampf kündigte er eine härte Politik gegenüber dem kommunistischen Nachbarstaat an. Doch seinen symbolträchtigen Plan, Südkoreas Wiedervereinigungsministerium abzuschaffen und ins Außenministerium zu integrieren, musste er kurz vor seiner Vereidigung aufgeben. Der innerparteiliche Widerstand war zu groß.

Bernhard Bartsch | 25. Februar 2008 um 05:22 Uhr

 

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