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Chinas Nordosten trocknet aus

Wasserknappheit bedroht Ernte und Trinkwasserversorgung. An der Dürre ist nicht nur die Natur Schuld, sondern auch der Mensch.

In China bedroht eine Dürre die Wasserversorgung für rund vier Millionen Menschen und mindestens 100.000 Quadratkilometer Ackerland. Das entspricht in etwa der Bevölkerung Berlins und der Fläche Portugals. Die Pekinger Regierung erklärte am Donnerstag mehrere Landesteile zu Notstandsgebieten. Betroffen von der extremen Trockenheit, unter der auch fast zwei Millionen Stück Vieh leiden, sind Regionen in Nord- und Ostchina, insbesondere die Provinzen Hebei, Shandong, Gansu, Shanxi, Shaanxi, Henan, Jiangsu und Anhui. Das ausgegebene Warnsignal „orange“ ist die zweithöchste Alarmstufe auf der chinesischen Krisenskala.

Die Volkszeitung sprach von einer „ernsten Dürre, wie sie in der Geschichte nur selten vorkommt“. Das Staatsfernsehen zeigt seit Tagen Bilder von ausgetrockneten Flüssen und aufgeplatzten Ackerböden. In einigen Gebieten sei es so trocken wie seit über 50 Jahren nicht mehr, heißt es in Medienberichten. In Henan ist seit bald vier Monaten kein Regen mehr gefallen. In einigen Provinzen droht nun ein großer Teil der Winterweizenernte zu verkümmern. Zumindest Teile des Landes werden künstlich bewässert; Tankwagen versorgen die Menschen mit Trinkwasser.

Präsident Hu Jintao forderte die Provinzregierungen auf, die Dürre mit allen Mitteln zu bekämpfen und die Bewässerung der Felder sicherzustellen. Doch das ist leichter verlangt als umgesetzt. Denn an der Dürre sind nicht nur die Elemente Schuld, sondern auch die Menschen. Zwar treten im ariden Norden naturgemäß regelmäßig Dürren auf, während der feuchte Süden ebenso häufig von Überschwemmungen heimgesucht wird. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat die Volksrepublik Raubbau an der eigenen Umwelt begangen und die Probleme damit potenziert.

Chinas ohnehin knappes Ackerland schrumpft jährlich durch Erosion, Bauprojekte und Verschmutzung. Der Wasserverbrauch ist in den vergangenen Jahren so rasant gestiegen, dass Umweltexperten bereits von einer Wasserkrise sprechen. Der hohe Bedarf von Städten und Industrie hat die großen Flüsse der Region aus dem Lot gebracht. So wird etwa der Gelbe Fluss, der seit Jahrhunderten die Lebensader Nordchinas ist und in dessen Einzugsgebiete heute rund 400 Millionen Menschenleben, dieses Jahr nur 60 Prozent seiner normalen Wassermenge führen, fürchten Experten.

Um die Abhängigkeit von den Flüssen als Trinkwasserquelle zu verringern, nutzen die Wasserämter zunehmend Grundwasser. Doch sie müssen immer tiefer bohren, weil der Grundwasserspiegel stetig sinkt, in manchen Regionen jährlich um mehrere Meter.

Erschienen in: Frankfurter Rundschau, 6. Februar 2009

Bernhard Bartsch | 06. Februar 2009 um 01:03 Uhr

 

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