Bernhard Bartsch

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Chinas Militär zeigt Muskeln

Peking präsentiert einen neuen Tarnkappen-Jet für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Die Technologie wurde womöglich von den USA ausspioniert.

Kurz vor dem Parteitag der Kommunistischen Partei und mitten in einem erbitterten Territorialdisput mit Japan demonstriert Chinas Militär seine Stärke: Mit einem neuen Tarnkappen-Jet hat die Volksbefreiungsarmee diese Woche ein weitgehend selbstentwickeltes Kampfflugzeug für den Einsatz auf ihrem ersten Flugzeugträger präsentiert, der seit September in Betrieb ist. Der Flieger vom Typ J-31 absolvierte seinen Jungfernflug in der nordostchinesischen Provinz Liaoning.

Der J-31 ist Teil einer Modernisierungskampagne, mit der Chinas Streitkräfte zu den militärischen Grossmächten USA und Russland aufschliessen wollen. Seit Jahren stellt China alle paar Monate neue Waffensysteme vor. 2011 hatte China bereits ein grösseres Tarnkappenflugzeug mit der Bezeichnung J-20 präsentiert, ausgerechnet vor einem Besuch des damaligen US-Verteidigungsministers Robert Gates, der kurz zuvor noch prophezeit hatte, China werde die Stealth-Technologie frühestens 2020 beherrschen.

Ob die chinesischen Tarnkappenbomber tatsächlich in der Lage sind, feindliche Radarsysteme zu täuschen, wird von amerikanischen Militärexperten angezweifelt. Allerdings geht man in den USA davon aus, dass die Chinesen für ihre Entwicklung amerikanische Technologie ausspioniert haben. 1999 war in Serbien ein US-Stealth-Fighter abgeschossen worden, und 2011 verunglückte beim Sturm von Usama bin Ladins Anwesen in Pakistan ein amerikanischer Tarnkappenhelikopter. In beiden Fällen gilt es als wahrscheinlich, dass chinesische Experten von ihren Verbündeten Zugang zu Trümmerteilen bekamen. Ausserdem sollen Hacker 2009 beim US-Rüstungskonzern Lockheed Martin mehrere Terabyte Daten über dessen Stealth-Technologie erbeutet haben. Hilfe bekamen die Chinesen für den J-31 offenbar auch von Russland. Nach Informationen chinesischer Medien stammen die Triebwerke aus russischer Produktion, sollen aber durch eigene ersetzt werden.

Moderne Kampfjets sind entscheidend für Chinas Ziel, die Militärhoheit in der Strasse von Taiwan zu erobern. Mittelfristig will das chinesische Militär in der Lage sein, die von Peking als abtrünnige Provinz betrachtete Insel mit Gewalt zu erobern. Ausserdem wollen die Chinesen den USA nicht die Dominanz im Asien-Pazifik-Raum überlassen. Neben Japan hat die Volksrepublik auch mit anderen Nachbarn Territorialkonflikte und beobachtet nervös, wie diese zunehmend Washingtons Schutz suchen. Peking hatte Ende Oktober einen neuen Luftwaffenkommandanten ernannt. Beim Parteitag, der am 8. November beginnt, soll China eine neue Führungsmannschaft um den bisherigen Vizepräsidenten Xi Jinping bekommen, dem enge Kontakte zum Militär nachgesagt werden.

Bernhard Bartsch | 03. November 2012 um 14:56 Uhr

 

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