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China zensiert Obamas Antrittsrede

Barack Obama hat schon mit seiner Antrittsrede die ersten Verstimmungen in Peking hervorgerufen.

„Erinnert euch daran, dass frühere Generationen den Faschismus und den Kommunismus nicht nur mit Raketen und Panzern besiegt haben, sondern mit festen Allianzen und anhaltenden Überzeugungen“, rief der frisch vereidigte Präsident in die Welt. Chinas Zensoren ließen den Satz in Übersetzungen für ihre Medien kurzerhand streichen. Die Kommunistische Partei will sich nicht aus Washington die Legitimationsfrage stellen lassen.

Auch sonst tut sich Peking mit dem Machtwechsel in Washington nicht leicht. Traditionell ist China mit republikanischen Präsidenten stets besser klargekommen als mit Demokraten. Zwar haben Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton noch nicht verraten, welche neuen Akzente sie in der Chinapolitik setzen wollen. Doch im Wahlkampf haben beide der Volksrepublik vorgeworfen, sich durch künstlich billige Exporte unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Außerdem hat George W. Bushs konfrontative Außenpolitik der Regierung von China geholfen, sich vielen Schwellen- und Entwicklungsländern als alternative Führungsmacht zu empfehlen – unter anderem auch autokratischen Regimen in Nordkorea, Iran, Birma und vielen afrikanischen Staaten. Sollten die USA dort neue Strahlkraft entfalten, wäre Chinas geostrategischen Interessen schlecht gedient.

Im Nachbarland Nordkorea verlief die Zensur noch strikter. Dort fand die Amtsübernahme Obamas im Rundfunk und auch in den Zeitungen keine Erwähnung. In der chinesischen Bevölkerung ist Obama ungeachtet seiner verbalen Angriffe auf ihre Regierung längst ein Held. Der amerikanische und der chinesische Traum passen gut zusammen – und in chinesischen Buchhandlungen sind mittlerweile viele Obamabiographien erhältlich.

Bernhard Bartsch | 21. Januar 2009 um 12:02 Uhr

 

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