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China will mit Atomenergie wachsen

Kapazität von chinesischen Atomkraftwerken soll sich bis 2020 fast verachtfachen. Die Technologie bezieht China aus aller Welt.

Die Volksrepublik China will ihren gewaltigen Energiebedarf künftig verstärkt mit Kernkraft decken. 2020 sollen 70 Gigawatt oder rund fünf Prozent des chinesischen Stroms aus Atomkraftwerken kommen. Bisher sind es nur neun Gigawatt, was gut einem Prozent entspricht. Die Pläne der Nationalen Energiekommission bedeuten eine starke Aufwertung der Nuklearenergie. Bisher hatte Peking nur einen Ausbau auf 40 Gigawatt angepeilt. Laut Staatsmedien will China so seine Abhängigkeit von umwelt- und klimaschädlichen Kohlekraftwerken verringern, die derzeit rund 80 Prozent der chinesischen Energie liefern.

Chinesischen Medienberichten zufolge soll in den kommenden drei Jahren mit dem Bau von acht neuen Kernkraftwerken begonnen werden. Die Standorte sind bisher unklar, doch sie dürften größtenteils an der dicht besiedelten Ostküste entstehen, wo es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Stromausfällen gekommen war. Im Gespräch sind unter anderem Lokalitäten in den beiden südchinesischen Industrieprovinzen Guangdong und Zhejiang sowie im ostchinesischen Shandong.

Für den Kraftwerksbau hat die Volksrepublik Kooperationen mit allen großen internationalen Herstellern geschlossen, forscht allerdings auch selbst an Reaktortechnologie. 2007 hatte China von dem französischen Kraftwerkskonzern Areva zwei Meiler im Wert von acht Milliarden Euro geordert. Auch bei dem US-Konkurrenten Westinghouse Electric platzierte China eine Bestellung. Vergangenes Jahr erhielt außerdem der russische Atomenergiekonzern Rosatom einen Vertrag für den Bau einer Urananreicherungsanlage. Chinas staatlicher Uranbergbaukonzern hatte bereits Ende vergangenen Jahres eine starke Erhöhung seiner Förderung angekündigt.

Dass China den Ausbau der Atomkraft derart beschleunigt, soll nicht nur die stark steigende Nachfrage bedienen, sondern auch bei der Bewältigung der Finanzkrise helfen. Einem Bericht des Staatsfernsehens zufolge will China in diesem Jahr mehr als 60 Milliarden Euro in die Verbesserung der Energieinfrastruktur investieren. Gefördert wird neben Nuklearstrom auch Windenergie. Die Turbinenkapazität soll dreimal so schnell ausgebaut werden wie bisher geplant und im Jahr 2020 die 100-Gigawatt-Marke erreichen. Das wäre das zehnfache der heutigen Leistung.

Erschienen in: Frankfurter Rundschau, 5. Februar 2009

Bernhard Bartsch | 05. Februar 2009 um 01:07 Uhr

 

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