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China wackelt am Dollar

Peking nutzt die Krise der USA, um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung erneut in Frage zu stellen.

China nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um die Debatte um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung neu anzufachen. Die Nachrichtenagentur Xinhua, das Leitmedium des staatlichen Medienapparats, forderte in einem Meinungsstück, es müsse über eine „neue, stabile und sichere Leitwährung“ nachgedacht werden. „Damit könnte man verhindern, dass ein einzelnes Land eine Katastrophe auslösen kann“, schreibt Xinhua. Im Parteiblatt „Volkszeitung“ sprach der Ökonom Sun Lijian von der Shanghaier Fudan Universität von einem „Weckruf für das dollargebundene globale Währungssystem“. Ein Absturz des Dollars könne eine weltweite Liquiditätskrise auslösen.

Schon im Jahr 2009 hatte China als Reaktion auf die Finanzkrise dazu aufgerufen, den Dollar als dominierende Reservewährung zu ersetzen, etwa durch eine Stärkung der sogenannten Sonderziehungsrechte des Internationalen Währugnsfonds (IMF). Auch der Uno-Ausschuss für die Reform der internationalen Wirtschafts- und Finanzordnung unter Vorsitz von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz plädierte damals für ein neues Weltwährungssystem. Außer Russland unterstützte damals aber kein großes Land den chinesischen Vorstoß, und die USA verhinderten, dass die Idee bei entscheidenden internationalen Finanzpolitikertreffen auf die Tagesordnung kam. Doch angesichts der amerikanischen Krise könnte der Vorschlag nun bessere Chancen haben, ernsthaft diskutiert zu werden.

Bereits am Freitag hatte Chinas Außenminister Yang Jiechi angesichts der Schuldenprobleme in den USA und Europa eine verstärkte Zusammenarbeit verlangt. Washingtons angestammte Führungsrolle stellt Peking dabei offen in Frage. „Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen“, kritisierte Xinhua am Wochenende. Amerika sei „schuldensüchtig“ und als größter Gläubiger habe China das Recht zu verlangen, „dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen“. Nach eigenen Angaben hält die chinesische Zentralbank US-Staatsanleihen im Wert von 1,152 Billionen US-Dollar, was rund einem Drittel der chinesischen Devisenreserven entspricht. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Volksrepublik über andere Anlageinstrumente noch deutlich stärker in Dollar investiert hat.

Bernhard Bartsch | 07. August 2011 um 16:23 Uhr

 

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