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China verbietet Autor Deutschlandreise

Polizei stellt Regimekritiker Liao Yiwu unter Hausarrest – trotz Bitten der Bundesregierung, ihn zum Kölner Literaturfest lit.Cologne reisen zu lassen.

China hat den regimekritischen Schriftsteller Liao Yiwu daran gehindert, zum Kölner Literaturfest „lit.Cologne“ zu reisen. Der 51-Jährige wurde am Montag am Flughafen der südwestchinesischen Stadt Chengdu festgenommen und anschließend unter Hausarrest gestellt. Er wollte nach Peking fliegen und von dort am Freitag nach Deutschland weiterreisen.

„Ich saß bereits im Flugzeug, als die Stewardess mir sagte, dass ich die Maschine wieder verlassen müsse“, sagte Liao in einem Telefonat mit dem Autor. „Ein Flughafenpolizist nahm mich mit auf die Polizeistation, wo ich von vier Beamten verhört wurde.“ Nach drei Stunden wurde Liao nach Hause geschickt, vor seinem Gebäude Polizisten stationiert. „Sie haben mir gesagt, dass ich die Wohnung nicht ohne Genehmigung verlassen darf“, erklärte Liao. Er habe kaum noch Hoffnung, am 19. März wie geplant in Köln auftreten zu können. „Dabei haben sich die deutsche Regierung und die deutsche Botschaft gegenüber den chinesischen Behörden sehr für mich eingesetzt.“ Der Autor hatte im Februar Kanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief um Hilfe gebeten. Die Bundesregierung hatte sich daraufhin auf ranghoher Ebene um eine Reisegenehmigung für Liao bemüht, sowohl bei der chinesischen Botschaft in Berlin als auch direkt bei den Behörden in Peking. Außenminister Guido Westerwelle kritisierte die chinesische Entscheidung. „Ich bedauere, dass dem Schriftsteller Liao Yiwu erneut die Reise nach Deutschland verwehrt wurde“, erklärte Westerwelle. „Wir werden uns im offenen Dialog mit China weiter für Meinungsfreiheit und Bürgerrechte einsetzen und setzen darauf, Liao Yiwu bald in Deutschland begrüßen zu können.“

Es ist bereits das neunte Mal, dass Chinas Behörden Liao die Ausreise verweigern. Im letzten Jahr war er bereits daran gehindert worden, an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen, wo China Ehrengast war. Liao steht in der Volksrepublik auf der sogenannten „schwarzen Dissidentenliste“, weil er 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste auf Pekings Platz des Himmlischen Friedens ein Gedicht mit dem Titel „Massaker“ veröffentlicht hatte. Für die wütenden und verletzten Zeilen, die in Studentenkreisen schnell Kultstatus erlangten, wurde mit vier Jahren Haft bestraft und im Gefängnis wiederholt gefoltert. Obwohl Liao in seiner Heimat Veröffentlichungsverbot hat, sind im westlichen Ausland wiederholt Texte von ihm erschienen. Vergangenes Jahr schaffte es sein Reportageband „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten“ sogar auf die deutschen Bestsellerlisten. Das Buch basiert auf mehr als 300 Interviews mit Verlierern der Wirtschaftsreformen, darunter Toilettenputzer, Prostituierte und ehemalige politische Häftlinge.

Bernhard Bartsch | 01. März 2010 um 13:13 Uhr

 

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