Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

China kauft kanadischen Ölsand

Staatskonzern Sinopec übernimmt Anteile am Syncrude-Projekt – und zahlt mehr als erwartet.

China steht vor einem weiteren großen Rohstoff-Deal: Der staatliche Ölkonzern Sinopec will 4,65 Milliarden Dollar ins Ölsand-Geschäft in Kanada investieren. Die Chinesen werden dem amerikanischen Ölkonzern ConocoPhillips seinen Neun-Prozent-Anteil an dem Syncrude-Projekt im Bundesstaat Alberta abkaufen. Das gaben die beiden Unternehmen bekannt. Das Geschäft, Chinas fünftgrößte Auslandsinvestition, soll voraussichtlich im dritten Quartal abgewickelt werden.

Der Kaufpreis liegt weit über den Erwartungen von Analysten. Als ConocoPhillips seine Anteile vergangenen Oktober zum Verkauf gestellt hatte, wurde der Wert auf 3,6 bis 4 Milliarden Dollar geschätzt. Unter anderem hatte Syncrudes größter Anteilseigner, der Canadian Oil Sands Trust, als möglicher Käufer gegolten. Es wäre nicht das erste Mal, dass chinesische Unternehmen ihre Mitbieter deutlich überbieten.

Da die drittgrößte Volkswirtschaft im eigenen Land nur über wenig Rohstoffe verfügt, kaufen chinesische Staatsunternehmen seit Jahren weltweit Ressourcen auf. Vergangenes Jahr gaben allein die chinesischen Energiekonzerne über 20 Milliarden Dollar für Akquisitionen im Ausland aus. Unter anderem übernahm Sinopec für 7,2 Milliarden Dollar die Firma Addax Petroleum, die Öl-Vorkommen in Westafrika und dem Irak besitzt. Und damit investierten die Chinesen noch weitaus weniger, als sie wollten und könnten. Mit Devisenreserven von 2400 Milliarden Dollar sind sie für jedes Wettbieten gut gerüstet – wenn sie denn zum Zug kommen. In der Vergangenheit stießen chinesische Investitionen in mehreren Ländern auf politische Widerstände, darunter in Australien und den USA. Auch in Kanada muss der Syncrude-Einstieg noch von den Regierungen beider Länder genehmigt werden, gilt aber nicht als besonders problematisch. Chinesische Firmen sind bereits an mehreren kanadischen Ölsand-Projekten beteiligt. Schon vor einem Jahr hatte Sinopec für eine nicht veröffentlichte Summe einen 10-Prozent Anteil an dem Northern Lights Ölsand-Projekt gekauft, das von dem französischen Ölkonzern Total entwickelt wird. Außerdem hält der chinesische Konkurrent PetroChina 60 Prozent an der Athabasca Oil Sands Corp.

Das seit 1978 betriebende Syncrude-Projekt verfügt über 5,1 Milliarden Barrel Ölreserven. Derzeit werden täglich 350.000 Barrel gefördert. Ölsände sind das größte Rohöl-Lager außerhalb der Ölfelder des Nahen Ostens. Die aufwändige Ölgwinnung wird angesichts der steigenden Rohstoffpreise zunehmend lukrativ. Umweltschützer kritisieren sie allerdings auch als besonders klimaschädlich.

Erst im März hatte Sinopec für 2,5 Milliarden Dollar Ölförderrechte in Angola gekauft. Im gleichen Monat kündigte der ebenfalls staatliche chinesischen Energiekonzern CNOOC an, für 3,1 Milliarden Dollar einen 50-Prozent-Anteil an Argentiniens zweitgrößtem Öl- und Gasförder, Bridas Corp., kaufen zu wollen.

Bernhard Bartsch | 13. April 2010 um 18:00 Uhr

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.