Bernhard Bartsch

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China kämpft um Rohstoffe

Chinesische Unternehmen planen Großinvestitionen auf dem australischen Rohstoffmarkt – trotz der andauernden Staatsaffäre um Rio Tinto.

Die chinesisch-australische Rohstoffschlacht geht in die nächste Runde: Trotz des andauernden Spionagekonflikts um den australischen Minenkonzern Rio Tinto planen derzeit zwei chinesische Unternehmen Großinvestitionen auf dem roten Kontinent. Medienberichten zufolge will der staatliche Kohleförderer Yanzhou Coal für 3,3 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) den Konkurrenten Felix Resources übernehmen. Das Angebot liege auf dem Tisch, heißt es, bedürfe aber der Zustimmung der australischen Behörden.

Außerdem soll der chinesische Staatsfonds China Investment Corp. (CIC) sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit Australiens drittgrößtem Eisenerzförderer, Fortescue Metals, befinden, um Wandelanleihen im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar zu kaufen. Anfang des Jahres hatte die chinesische Valin Iron & Steel Co für 770 Millionen Dollar 17,55 Prozent an Fortescue übernommen.

Die Verhandlungen werden in der Branche mit Spannung verfolgt. Denn die australisch-chinesischen Beziehungen sind zum Stellvertreterkrieg eines globalen Wirtschaftskrimis geworden: Die rohstoffhungrige Volksrepublik versucht derzeit um jeden Preis, sich auf dem ressourcenreichen Kontinent einzukaufen. Seit Anfang des Jahres haben chinesische Unternehmen bereits 2,2 Milliarden Dollar in australische Energie- und Rohstoffunternehmen investiert.

Allerdings stoßen sie regelmäßig auf politischen Widerstand, weil der wirtschaftliche Aufschwung des Riesenreiches vielen Australiern nicht geheuer ist. Symbol des Konflikts ist der Fall Rio Tinto: Am 5. Juli hatten Chinas Behörden den Schanghaier Chefunterhändler des Eisenerzkonzerns, den Australier Stern Hu, und drei seiner chinesischen Mitarbeiter wegen Spionageverdachts verhaftet. Sie sollen von Managern chinesischer Stahlbetriebe Details über die chinesischen Positionen bei Erzpreisverhandlungen gekauft haben.

Viele Marktbeobachter sehen darin Chinas Rache dafür, dass Rio Tinto kurz zuvor einen geplanten Zusammenschluss mit dem chinesischen Konkurrenten Chinalco hatte platzen lassen und sich stattdessen mit dem britischen Wettbewerber BHP Billiton verbündete, was die Volksrepublik jahrelang zu verhindern versucht hatte, weil sie damit einem Quasimonopol gegenübersteht. Verhandlungen zwischen Rio Tinto und Chinas Verband der Stahlindustrie CISA über den Preis für Chinas künftige Eisenerzkäufe waren gescheitert. Streitigkeiten gab es darüber, inwieweit der Preisverfall infolge der Weltwirtschaftskrise in die künftigen Ausgangspreise eingerechnet werden solle. CISA fordert einen Abschlag von 40 Prozent gegenüber den Vorjahrespreisen, während Rio Tinto nur 33 Prozent gewähren will, ebenso viel wie Stahlwerken in Japan und Südkorea.

Vergangenen Dienstag hat Chinas Justiz offiziell Anklage gegen Hu und seine Kollegen erhoben. Im Internet gaben die Behörden erstmals Details über die Vorwürfe bekannt. Durch die angebliche Spionage sei China in den vergangenen sechs Jahren ein Schaden von 100 Milliarden Dollar entstanden, heißt es auf der Internetseite „China Geheimnisschutz Online“, dem Portal des Büros für Staatsgeheimnisse der Kommunistischen Partei. „Die großen Mengen an Informationen und Daten über den Stahlsektor unseres Landes, die auf Rio Tintos Computern gefunden wurden, und der gewaltige Schaden, der unserer wirtschaftlichen Sicherheit sowie unseren Interessen entstanden ist, sind eindeutig“, heißt es in dem Bericht. China sei in die „heiße Phase eines Wirtschaftsspionagekriegs eingetreten“. Rio Tinto besteht darauf, dass seine Manager sich an die Gesetze gehalten hätten, Australiens Regierung verlangt von Peking mehr Transparenz.

Während Chinas Eisenerzkäufe in Problemen stecken, könnte das Land im Ölgeschäft vor einem lukrativen Erwerb stehen: Medienberichten zufolge sollen die Ölkonzerne Petrochina und CNOOC zusammen für 17 Milliarden Dollar den argentinischen Ölförderer YPF von dem spanischen Konzern Repsol übernehmen. Der chinesische Konkurrent Sinopec hatte das Schweizer Ölexplorationsunternehmen Addax Petroleum für 7,2 Milliarden Dollar gekauft. Im April bezahlte Petrochina 3,3 Milliarden Dollar für einen Einstieg bei Kasachstans Ölförderer Mangistau Munai Gas.

Bernhard Bartsch | 14. August 2009 um 02:32 Uhr

 

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