Bernhard Bartsch

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China – Exportweltmeister auf Probe

China könnte Deutschland 2009 den Titel des Ausfuhr-Champions abnehmen.

Es ist ein statistischer Fotofinish, aber darauf liegt China um Haaresbreite in Führung: Im Rennen um die Exportweltmeisterschaft hat die chinesische Industrie die deutsche im ersten Halbjahr 2009 überholt. Zwischen Januar und Juni führte die Volksrepublik Waren im Wert von 521,7 Milliarden Dollar aus, während Deutschland an seinen Exporten 521,6 Milliarden Dollar verdiente. Das erklärte der Chef-Volkswirt der Welthandelsorganisation (WTO), Patrick Low. Wer am Ende der zweiten Halbzeit vorne liegen werde, lasse sich allerdings noch nicht vorhersagen. „Es ist ein sehr enges Rennen“, meinte der Ökonom. „Offenbar wird das Ergebnis am Ende nicht nur davon abhängen, wie sich die Export-Mengen entwickeln, sondern auch, was bei den Wechselkursen geschieht.“

Nicht zum ersten Mal: Schon 2008 verdankte Deutschlands Wirtschaft den Erhalt des Titels, den sie seit 2003 trägt, maßgeblich den Achterbahnfahrten der Währungen. Da die WTO als Schiedsrichter des Welthandels alle Ausfuhren in Dollar umrechnet und China seinen Yuan daran gekoppelt hat, wirkt sich ein Wertverfall der US-Währung positiv auf das deutsche Ergebnis aus.

Zwar ist die Exportweltmeisterschaft nur von psychologischem Wert. Aber die Deutschen richten sich in schweren Zeiten gerne an der Vorstellung aufzurichten, dass Hightech „Made in Germany“ eine Wohlstandsgrundlage bildet, die Chinas Aufschwung zur wirtschaftlichen Großmacht überleben kann. Allerdings hängt der Ausgang des Rennens dieses Jahr auch maßgeblich vom konjunkturellen Rückenwind ab. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnte kürzlich, bei einem erwarteten Einbruch der deutschen Ausfuhren um 17 Prozent im Jahr 2009 käme Deutschland kaum noch an China heran. Allerdings ist die chinesische Exportindustrie ebenfalls stark von der Krise getroffen. So werden die Statistiker Ende des Jahres ausrechnen müssten, was mehr wert ist – viele chinesische T-Shirts oder wenige deutsche Maschinen? Eigentlich ein klassischer Äpfel-Birnen-Vergleich. Aber letztlich zählt, was in Dollar dabei herauskommt.

Bernhard Bartsch | 26. August 2009 um 02:16 Uhr

 

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