Bernhard Bartsch

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China – Drache oder Dino?

Aus einem Dinosaurier-Ei schlüpft ein Drache. Er ist kräftig und geschickt genug, um allein zu überleben. Doch er leidet an Durchblutungsstörungen und einem schwachen Rückgrat.

In ihren Träumen stehen viele Chinesen mit dem Rücken zum Peace Hotel. Gegenüber von Schanghais kolonialer Uferpromenade, dem Bund, erhebt sich, was wahlweise „Paris des Ostens“, „New York Chinas“, „Stadt der Zukunft“ oder einfach „Der Wahnsinn“ heißt: das Neubauviertel Pudong – Stolz, Schaufenster und Visitenkarte des Reichs der Mitte.

Die Skyline des aufstrebenden Finanzzentrums ist zentral geplant. Milliarden Dollar hat die Kommunistische Partei verbaut, um China und der Welt ein repräsentatives Postkartenszenario zu schenken. Wo heute internationale Großkonzerne ihre Asien-Pazifik-Hauptquartiere einrichten, standen vor zehn Jahren Fischerhütten. Schanghai, sagen die Chinesen, sei der Kopf des Drachen China, der nach zwei kränkelnden Jahrhunderten wieder dorthin zurückkehrt, wo er hingehört: an die Spitze der Welt.

Damit dieser Traum möglichst schnell wahr wird, müssen alle mitträumen. Dabei tun nicht nur die Chinesen ihr Bestes. Auch die Global Player lassen sichverzaubern von der Magie der großen Zahl: 25 Jahre, nachdem Deng Xiaoping anfing, die Trümmer der Mao-Ära aufzuräumen, haben internationale Unternehmen in China rund 800 Milliarden Dollar in mehr als 400000 Firmen investiert. Allein im vergangenen Jahr flossen rund 53 Milliarden Dollar ausländische Direktinvestitionen – Weltspitze.

„Chinas Aufstieg zur Produktionsbasis verändert die Welt genauso wie die Industrialisierung der USA um die Jahrhundertwende – und vielleicht noch viel mehr“, prognostiziert Andy Xie, Chefvolkswirt von Morgan Stanley Dean Witter in Hongkong. Denn nirgendwo sonst auf der Erde wird so viel gebaut und gehustet, zugenommen und zugeprostet, abgespeckt und abgetrieben. Nirgendwo brauchen die Menschen mehr Autos und Aspirin, Handys und Hemden, Computer und Kopiergeräte. Für westliche Unternehmer, die große Zahlen derzeit nur in Rot kennen, ist China das gelobte Land, in dem die Arbeiter wenig Geld verlangen und die Konsumenten noch zu begeistern sind für Wella Shampoo, Ikea-Möbel und VW Polos. Endlich wieder ein Markt, dessen Potenzial man mit bloßem Auge erkennt.

Hatten wir das nicht alles schon einmal? Die Euphorie wirkt ebenso vertraut wie der Synthetik-Look des neuen Schanghai. Bis vor wenigen Jahren waren ähnliche asiatische Boom-Städte ein Muss in jedem Aktiendepot: Bangkok, Singapur, Taipeh und Seoul. Damals gehörte den ehrgeizigen Tigerstaaten die Zukunft: PCs aus Taiwan, Unterhaltungselektronik aus Südkorea und Haushaltsgeräte aus Thailand sollten in den Industrienationen das volldigitalisierte Leben vorantreiben. Doch die Tiger verschluckten sich an ihrer eigenen Gier. 1997 beendete die Asienkrise das pazifische Jahrhundert noch vor seiner Blüte, kurz bevor die Dotcom-Schmelze auch das Hightech-Zeitalter davonspülte. Übrig blieben vier zerzauste Kater, die zwischen Schuldenbergen und den Fundamenten geplanter Wolkenkratzer herumstromern.

Ein ähnliches Schicksal prophezeien manche Ökonomen dem chinesischen Wachstumswunder – trotz der Rekord-Investitionen. Denn dass die Märkte schlau seien, ist nach wie vor umstritten; zu kurz ist ihr Gedächtnis und zu groß ihre Begeisterungsfähigkeit. Folgt man Analysten wie Gordon Chang, seit seinem Bestseller „The Coming Collapse of China“ Chefkritiker des China-Booms, wird das Land bald unter der Last von 50 Jahren kommunistischer Misswirtschaft zusammenbrechen. „Keine Regierung kann für ewig gegen die Gesetze der Schwerkraft ankämpfen – nicht einmal die chinesische“, warnt Chang. „Unter der Oberfläche liegt ein schwaches China, mit dem es langfristig bergab geht und das am Rande eines Kollapses steht.“ Für die Pessimisten ist China kein mächtiger Drache, der die Welt mit Feueratem beherrschen kann, sondern ein Dinosaurier, dessen Gewicht zu groß und dessen Hirn zu klein ist, um lange zu überleben.

Doch sie unterschätzen Chinas Energie und Intelligenz. Die Pekinger Staatsplaner können die Kräfte der Globalisierung besser für sich nutzen, als es die Tiger je vermochten: Sie machen die internationalen Konzerne zu unfreiwilligen Entwicklungshelfern, indem sie ihnen Minderheitsanteile an Chinas gewaltiger Rückständigkeit verkaufen. Denn Marktpotenzial, wie Nachholbedarf im euphemistischen Business-Jargon heißt, ist ein knappes Gut – für das Konzerne Spitzenpreise bezahlen. Weil sie auf ihren stagnierenden Heimatmärkten oft nur noch im Verdrängungskampf wachsen können und Aktienanalysten in Zeiten schwindender Gewinn-Margen zunehmend auf Weltmarktanteile achten, will kein Unternehmen den Wachstumsmarkt der Zukunft verpassen. Mit so viel Rückenwind hat Chinas Regierung gute Chancen, um aus ihrem sozialistischen Dinosaurier-Ei ein kapitalistisches Drachenjunges auszubrüten.

Der Stoffwechsel: Warum ist der Drache so stark?

Wie sehr China die Weltwirtschaft schon heute beeinflusst, zeigt sich im Schanghaier Hinterland. Gepuscht von Infrastrukturprogrammen entsteht im Jangtse-Delta die größte Hightech-Produktionszone der Welt. So bunt wie in Schanghais Wolkenkratzer-Beet Pudong sieht es dort nicht aus. Ein Industriepark geht in den nächsten über – breite Straßen, rechte Winkel, flache Hallen. Doch hinter den stumpfen Fabrikfronten entsteht die Energie, aus der China seine Kraft und seinen Optimismus schöpft.

„Hier fühlt man sich wie im Wirtschaftsteil der Zeitung“, sagt Fu Jiantong, General Manager von Siemens’ Hörgeräte-Ableger Rexton, aus dessen Fabrik 20 Prozent der globalen Fabrikation stammen. Ob Nokia, Bosch, Fujitsu, Fairchild, Canon, Intel oder Acer – mehr als tausend Konzerne produzieren rund um Schanghai Hightech für die Weltmärkte. Denn Baugrund ist preiswert, der Staat gewährt großzügige Steuervergünstigungen, der nächste Hafen ist nur eine Stunde entfernt, und Arbeitskräfte sind ebenso billig wie gut. „Diese Gegend hat eine jahrhundertealte Tradition in der Seidenstickerei“, erklärt Manager Fu. „Bessere Arbeiter für technische Feinmontage findet man nirgends.“

Einige Straßen weiter entsteht für 500 Millionen Dollar die weltweit größte Produktionsstraße des japanischen IT-Konzerns Canon; 4000 Menschen sollen dort arbeiten. Der Chip-Riese Intel baut in der Nähe an einer ähnlich teuren Anlage für seine neueste Prozessoren-Generation. Nicht weit entfernt hat sich der Elektronikgigant NEC angesiedelt, der künftig 70 Prozent seiner PCs in China herstellen will. Die Komponenten kommen größtenteils von Zulieferern, die ihren großen Kunden nach China folgen. NECs Konkurrent Toshiba lässt in seiner neuen Computerfabrik in Hangzhou dieses Jahr bereits 750000 Notebooks vom Band laufen; im kommenden Jahr soll die Produktion auf 2,4 Millionen Einheiten hochgefahren werden.

Auch mit ihrer Forschung ziehen die Konzerne zunehmend nach China. Allein der japanische Elektronikkonzern Matsushita will bis 2006 in seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum 1750 chinesische Software-Experten beschäftigen. Gerade Japan sind auf fremdes Forschungs-Potenzial angewiesen. 300000 junge Hightech-Ingenieure werden der zweitgrößten Volkswirtschaft nach einer Regierungsstudie in den kommenden drei Jahren fehlen. China bildet im selben Zeitraum allein 270000 Programmierer aus. Erfinderisches Genius wird ihnen zwar nicht nachgesagt, aber für die Schweißarbeit, die 95 Prozent der Entwicklung ausmacht, sind sie bestens geeignet – und arbeiten für ein Zehntel dessen, was ihre japanischen Kollegen verlangen.

Chinas wahre Stärke liegt jedoch nicht in der Masse der Investitionen, sondern in der Art und Weise, wie die Pekinger Marktregulatoren sie verwenden. Geschickt spannen sie internationale Konzerne vor den Karren des eigenen Aufschwungs. Moderne Technik und Know-how lassen sie sich frei Haus liefern – samt Startkapital und ohne Risiko. Dabei schlagen sie die selbstbewussten Global Player mit ihren eigenen Waffen: Wer groß ist, kann den Takt vorgeben, nach dem die kleinen tanzen müssen.

Beispiel Autobranche: Alle bedeutenden Konzerne produzieren mittlerweile in der Volksrepublik, für viele inzwischen ein bedeutender Teil ihres Geschäfts. An der Spitze steht Volkswagen (VW). In der Bilanz der Wolfsburger ist China seit vergangenem Jahr der größte Markt nach Deutschland: 513 000 Santanas, Jettas, Boras, Passats, Polos und Audis verkauften sie und haben damit einen Pkw-Marktanteil von knapp 43 Prozent.
Doch die Freude ist getrübt. China nutzt seine Größe, um den Branchenschwergewichten Produktionsbedingungen zu diktieren, die auf der Welt einmalig sind. Nur wer Geld, Technologie und Know-how investiert, kann sich Hoffnungen auf die nötigen Marktanteile machen. Importe werden behindert; Gewinne müssen im Allgemeinen reinvestiert werden, und vor allem ist Autoproduktion nur als Minderheits-Joint-Venture mit Staatsbetrieben möglich. Ob VW, General Motors, Toyota, DaimlerChrysler, Mitsubishi, Hyundai, Ford oder Honda – kein Konzern ist in China Herr über seine eigenen Produkte. Selbst die Zulieferer und deren Preise werden vorgegeben. Kein Wunder, dass die Autos, die in China vom Band rollen, im Preis weit über und in der Qualität deutlich unter Weltmarktniveau liegen.

Vor allem wollen die Chinesen von den Ausländern lernen. Und sie lernen schnell: Der erfolgreiche chinesische Kleinwagen „Chery“ ähnelt verblüffend VWs Jetta, der ungefähr doppelt so teuer ist. Das ist kein Zufall – der Hersteller, SAIC Chery Automobile, verwendete VW-Originalteile. Die bezog er hinter dem Rücken der Deutschen von VWs Produktionspartner Shanghai Automotive Industry Corporation, der mit 20 Prozent an der SAIC Chery beteiligt ist. Die Deutschen protestierten, doch das Herz der Regierung schlägt für China, nicht fürs Copyright. Inzwischen entsteht sogar im Iran eine chinesische Chery-Fabrik. Um nicht weiter Marktanteile zu verlieren, macht VW nun seiner eigenen Fälschung Konkurrenz und produziert ein Billig-Modell „Gol“, das bislang nur in Brasilien vom Band lief.

Doch damit ist der Konzern seine Sorgen nicht los. Um sich die Deutschen durch Dauerstress gefügig zu halten, macht VWs Partner auch mit einem direkten Konkurrenten Geschäfte: Gemeinsam mit General Motors baut er Buick-Limousinen, die im gleiche Preissegment liegen wie der VW-Passat. Da die Chinesen in beiden Firmen die Mehrheit haben, kann SAIC die ausländischen Hersteller gegeneinander ausspielen. Chinas Konsumenten gewinnen in jedem Fall durch bessere, billigere Autos.

So hetzen die Marktregulatoren die Ausländer in just jenen Konkurrenzkampf, dem sie in China zu entfliehen versuchen. „China wird bald der viertgrößte Automarkt der Welt sein. Trotzdem gibt es große Überkapazitäten, sodass Schließungen und Übernahmen unvermeidbar sein werden“, erwartet Zhao Ying, Ökonom am Industriewirtschaftlichen Institut der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Peking. „Die Preise sinken, und ein oder zwei ausländische Konzerne werden wahrscheinlich nicht mithalten können. Die Zeit der hohen Profite für Volkswagen ist in jedem Fall vorbei.“ Graeme Maxton, Asian-Chef des Autoindustrie-Beraters Autopolis, formuliert seine Vorhersage für die Unternehmen noch pessimistischer: „Für viele ausländische Autokonzerne wird das alles in Tränen enden.“

So effektiv China den Expansionsdruck der internationalen Industrie für sich arbeiten lässt, so zielstrebig zapft es auch die Wachstumshoffnungen seiner Nachbarländer an. Vor allem die asiatischen Hightech-Industrien, denen die Krise von 1997 den Boden unter den Füßen weggezogen hat, müssen nach China umziehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Preis ist hoch, denn China verdrängt die Tiger zunehmend aus der Nische, in der sie zwei Jahrzehnte lang die Routinearbeit für die genialen Entwickler aus Japan und den USA gemacht haben. Doch Chinas niedrigem Lohnniveau und gewaltigem Marktpotenzial haben sie wenig entgegenzusetzen. Die Boom-Zone im Schanghaier Hinterland ist für sie Rettung und Albtraum zugleich.

Einer der Ersten, der sich um China bemühte, war Singapurs ehemaliger Regierungschef Lee Kuan Yew. Weil der Stadtstaat für Lees großen Ehrgeiz zu klein war, hatte er schon in den Sechzigern den Konfuzianismus aus der Mottenkiste geholt, um alle südostasiatischen Chinesen zu einer Familie zu einen, der er selbst als Patriarch vorstehen wollte. Mit Chinas Öffnung sah er die Möglichkeit, seinen Einfluss auf die Volksrepublik auszuweiten.

Doch statt des versöhnlichen Konfuzius hätte Lee sich lieber am Kriegsstrategen Sunzi orientieren sollen. Denn die Pekinger Regierung wollte keine besserwisserischen Übersee-Chinesen, sondern einfach nur Geld, um ihr riesiges Volk zu ernähren. Daher ließ sie Lee für seinen Übereifer teuer bezahlen: Um an Investitionen in Chinas Hightech-Sektor mitverdienen zu können, baute Singapur 1994 in Suzhou, 70 Kilometer landeinwärts von Schanghai, einen State-of-the-Art-Industriepark. Aber die Suzhouer Stadtväter kopierten den anspruchsvollen Singapur-Park am anderen Ende der Stadt und verpachteten das Bauland deutlich günstiger. Lee tobte vor Wut, doch die Pekinger Führung stellte sich taub und wartete, bis Lee die Puste ausging. 1999, zwei Jahre nach der Asienkrise, überließ Singapur den Chinesen die Mehrheit an ihrer Industriezone. Seitdem operieren beide Parks ebenso einträchtig wie hochprofitabel nebeneinander. Rund 40 Milliarden Dollar Auslandsinvestitionen haben sie bereits eingefahren; 1000 Unternehmen produzieren in Suzhou, darunter 81 der 500 größten Konzerne der Welt.

Während Singapur die Chinesen seither mit Vorsicht behandelt, ist das seit 1949 abtrünnige Taiwan der Volksrepublik inzwischen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert: Ein Drittel der taiwanesischen Wirtschaft ist direkt von China abhängig. Taiwanesische Geschäftsleute, die ursprünglich aus Südchina vor den Kommunisten geflohen waren, wärmten schon Anfang der Achtziger ihre Kontakte in die alte Heimat wieder auf, eröffneten Fabriken und betrieben Handel. Die chinesische Regierung empfing sie herzlich, genehmigte ihnen eigene Stadtteile, Schulen und Krankenhäuser. Diese Verflechtung sollte Fakten schaffen, die Taiwans politische Unabhängigkeitsambitionen zunichte machten.

Die Rechnung ging früher auf als erwartet: Die Asienkrise beendete Taiwans Hoffnung, die Region könne langfristig in die Umlaufbahn seiner militärischen Beschützer aus den USA gelangen. Insgesamt 140 Milliarden Dollar investierten taiwanesische Unternehmen auf dem chinesischen Festland, errechnete die taiwanesische Zeitschrift »Invest«. Obwohl die taiwanesischen Behörden bis vor kurzem auf einer Investitions-Obergrenze von 50 Millionen Dollar bestanden, fand das Geld seinen Weg über die Straße von Formosa. Mehr als eine Milliarde Dollar kostete allein die Suzhouer Chip-Fabrik des taiwanesischen Chip-Produzenten United Microelectronics; 1,5 Milliarden Dollar investierte der Konkurrent Semiconductor Manufacturing International in seine Schanghaier Anlage.

Während die Bagger auf ihren Baustellen Taiwans Unabhängigkeit begraben, wird die Volksrepublik immer mehr zum Gravitationszentrum der Region. Denn es gelingt China, ausländische Wirtschaftskraft in sein Boot zu holen und für sich rudern lassen. Die Planwirtschaft ist tot – es lebe die Neo-Planwirtschaft.

Das Hirn: die Tricks der Neo-Planwirtschaftler

Hinter dieser gewaltigen Vermarktungs-Kampagne, mit der China die internationale Wirtschaft zu Shareholdern mit begrenztem Stimmrecht macht, steht die Kommunistische Partei. Gut ein Jahrzehnt, nachdem der Sozialismus weltweit für hirntot erklärt wurde, ist sie lebendiger denn je zuvor. „Die Globalisierung hat Chinas Führung gestärkt“, analysiert Michael Yahuda, Politikwissenschaftler an der London School of Economics. „Auch wenn viele im Westen das nicht erwarten würden: Die Partei ist trotz aller Probleme immer noch sehr mächtig.“ Durch mehr als 60 Millionen gut organisierte Mitglieder reicht ihr Arm bis in den letzten Winkel des Riesenreiches. Mit theorie-erschlaffter Weltverbesserei hat die Partei freilich nicht mehr viel zu tun. Im Gegenteil: Durch einen straffen Konsolidierungskurs und pragmatische Neuausrichtung haben die Kommunisten es geschafft, einen der größten Wirtschafts-Booms aller Zeiten zu managen.

Ihr Erfolg beruht ausgerechnet auf dem harten Führungsstil, den westliche Menschenrechtler ihr zum Vorwurf machen. Nur weil sie das Land mit starker Hand führen, können die Pekinger Wirtschaftsplaner vermeiden, dass Chinas Unternehmer sich den meist überlegenen Ausländern unter Wert verkaufen. Das Ergebnis gebe ihr Recht, argumentiert die Pekinger Zentrale: Während Demokratien wie Russland oder Indien im Chaos versinken, hat sich der Lebensstandard der 1,3 Milliarden Chinesen, gemessen am Human Development Index der Vereinten Nationen, seit den frühen Achtzigern um 30 Prozent verbessert.

Ihr Monopol auf alle wichtigen Entscheidungen sichert sich die Partei auch durch die Monopolisierung der klügsten Köpfe. Statt wie früher Bauern und Arbeiter zu rekrutieren, hofiert sie heute die Eliten: Einser-Studenten, Wissenschaftler und Geschäftsleute verdrängen das Proletariat auf die Stehplätze. Eine staatliche Umfrage ergab, dass ein Drittel aller Privatunternehmer Parteimitglieder sind und damit Einfluss in Parlamenten und Kommissionen besitzen. Als Eintrittskarte in den elitären Tempel der Netzwerkerei müssen die Enkel der Revolutionäre sich allerdings sozial engagieren, ihre Geschäfte mit Anstand erledigen und zuverlässig Steuern zahlen. In der Realität orientiert sich die Kommunistische Partei immer mehr am Rotarier Club.

„Die Partei arbeitet hart daran, sich an die neuen sozialen und wirtschaftlichen Realitäten in China anzupassen“, so die Diagnose von Fred Hu, Geschäftsführer der Investmentbank Goldman Sachs in Hongkong, „denn sie muss kompatibel werden mit Marktwirtschaft, Privateigentum und der Weltwirtschaft.“ Hinter dieser Abkehr von Marx und Mao steht knallhartes Machtkalkül. Deng Xiaoping überzeugte Volk und Partei in den Achtzigern von einem neuen Gesellschaftsvertrag: Die Partei liefert ein stabiles Umfeld, in dem jeder nach Reichtum streben darf. Im Gegenzug behält sie die uneingeschränkte politische Macht.

Aus zwei Beobachtungen folgerte Deng, dass so alle gewinnen würden. Erstens brauchte China nach dem Chaos der Kulturrevolution (1966–76) einen starken Staat, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Als Ende der Achtziger Massenbewegungen die sozialistischen Staaten des Ostblocks zerknautschten und tausende chinesischer Studenten die Missstände im Land anprangerten, verlor jedoch selbst der aufstandserfahrene Deng die Nerven: Im Juni 1989 ließ er die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens mit Panzern niederwalzen. Dem wirtschaftlichen Aufschwung hat dieses Verbrechen nicht langfristig geschadet: Seitdem klar ist, dass öffentlicher Protest nur Unheil bringt, konzentrieren sich die Chinesen ganz aufs Geldverdienen. Einige der Studenten von damals sind heute erfolgreiche Geschäftsleute, ihre Nachfolger studieren lieber Business als Politik – und sind damit in der Regel nicht unglücklich.

Zweitens waren auch Chinas aufstrebende Nachbarn mit einer Politik der starken Hand reich geworden. Der Pionier des autoritären Wirtschaftsnationalismus, der später als asiatisches Wirtschaftsmodell einige Zeit lang gefeiert wurde, war Japan nach 1945. Durch den selbst angezettelten Krieg wirtschaftlich vernichtet und politisch gedemütigt, betrieben die Politiker den Wiederaufbau mit einer Mischung aus Plan- und Vetternwirtschaft. Dabei ließen sie sich ihren Pragmatismus weder von demokratischen Strukturen noch von neoliberaler oder wohlfahrtsstaatlicher Denke verderben – starke Autorität hatte Tradition.

Das Rückgrat: geschönte Zahlen, solide Finanzen

Auch die Tiger setzten auf geplante Marktwirtschaft. Das bis tief in die Achtziger militärisch regierte Taiwan diente sich seinen militärischen Beschützern aus den USA an. In Südkorea förderte der Staat riesige Konglomerate, die Chaebols, die mit teils gekaufter und teils selbst entwickelter Technik ein Discount-Japan aufbauten. In Singapur verteilte Quasi-Monarch Lee Kuan Yew die Pfründe, in Thailand die Generäle. Trotz der dabei entstehenden Reibungsverluste agierten die Tiger einige Jahrzehnte lang wie gut geführte Konzerne. Die Bürger waren wie Aktionäre, deren Lebensstandard mit dem Aktienkurs stieg.

China hat dieses Modell weitgehend übernommen: Indem die Partei praktisch jedes Unternehmen bei Bedarf an die kurze Leine legen kann, versucht sie, das Wachstum nach ihren Vorstellungen zu formen. Dabei hat das Land einen gewaltigen Vorteil: Während die Vorzeigeunternehmen der Tigerstaaten ihre Technologie entweder teuer einkaufen oder aufwändig selbst entwickeln mussten, bekommen die chinesischen Staatsbetriebe sie von ihren ausländischen Partnern beinahe umsonst. Durch Technologietransfer stellt China sicher, dass seine Unternehmen die ausländische Technik auch dann noch benutzen können, falls die Partner dem Land den Rücken kehren.

Ob die Pekinger Neo-Planwirtschaftler mit diesem Trick die Konstruktionsfehler des Tiger-Systems vermeiden können, das ist die große Frage. Denn gerade die enge Vernetzung von Staat und Wirtschaft war für die Tiger der Stolperstein: Mit dem Finanzminister als Schutzpatron, pumpten sich viele Firmen ihre Profite, statt sie selbst zu erwirtschaften – bis dem Staat das Geld ausging. Pessimisten befürchten, dass China in die gleiche Falle tappt: Statt solide von unten zu reformieren und zu demokratisieren, erzwingt die Partei ihren Machterhalt, indem sie die marode Staatswirtschaft mit Subventionen am Leben erhält.

„China ist keine aufsteigende Wirtschaftsmacht, sondern eine scheiternde“, urteilt Joe Studwell in seiner viel gelesenen China-Apokalypse „The China Dream – The Quest for the Last Great Untapped Market on Earth“. Der langjährige Peking-Chef der Economist Intelligence Unit bezweifelt, dass die internationalen Unternehmen, von denen die meisten in China bislang nur Verluste machen, bereit sind, noch lange auf die versprochenen Riesenmärkte zu warten. Und wenn erst mal die Investitionen ausbleiben, wird die Pekinger Regierung sie sich bald selbst nicht mehr leisten können. Über Chinas Finanzmisere wird seit Jahren debattiert. Krasse Statistik-Fehler wie das „Wachstums-Paradox“ lassen selbst die wohlwollendsten Optimisten sprachlos werden: Nach offiziellen Angaben lag im vergangenen Jahr das Wirtschaftswachstum jeder einzelnen Provinz über dem landesweiten Durchschnitt.

Auf zwischen 70 und 150 Prozent des Bruttosozialproduktes schätzen ausländische Analysten die Gesamtschulden, also auf zwischen 840 Milliarden und 1,8 Billionen Dollar. Denn die Regierung braucht Geld für ihre gewaltigen Infrastrukturprojekte, mit denen sie das Binnenwachstum stimuliert: 25 Milliarden Dollar für den weltgrößten Staudamm am Jangtse-Fluss, 34 Milliarden für die Olympia-Stadt Peking, 42 Milliarden für neue Eisenbahnen und 59 Milliarden für einen Kanal, der Wasser vom subtropischen Südchina in den dürren Norden transportieren soll.

Um die soziale Stabilität zu gewährleisten, müssen die vier staatlichen Großbanken außerdem die alten Staatsbetriebe über Wasser halten. 50 Prozent aller Kredite können nicht bedient werden, glauben internationale Banker. Dass sie damit Recht haben könnten, obwohl die offiziellen Zahlen nur halb so hoch sind, will selbst Ex-Finanzminister Xiang Huaicheng nicht ausschließen: „Ich habe diese Zahlen mit einem Freund durchgerechnet, aber als Regierungsbeamter kann ich sie natürlich nicht bestätigen.“

Wie ernst Chinas Finanzlage wirklich ist, bleibt unklar. So warnte Ende November die Rating-Agentur Standard & Poor’s eindringlich vor Chinas überschuldetem Finanzsystem. Nur wenige Tage später hob die Konkurrenz von Moody’s Investors Service ihre China-Bewertung sogar von A3 stabil auf A3 positiv an, mit der Begründung, dass der Staat seine überschuldeten Banken nicht im Stich lassen werde. Und die Investment-Banker von Goldman Sachs errechneten in ihrem neuen „China Activity Index“, dass Wirtschaftswachstum liege in Wirklichkeit sogar deutlich über den Angaben der bescheidenen Pekinger Beamten.

In Anbetracht der Besorgnis geben sich die chinesischen Staatsbanker penetrant souverän. „Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren“, haben sie aus der Asienkrise gelernt und betonen bei jeder Gelegenheit, wie gut sie bei Kasse seien. Dass ihre Zahlen geschönt sind, steht außer Zweifel. Trotzdem glauben viele Analysten nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass man ihren Angaben zumindest tendenziell Glauben schenken darf. Immerhin hat Chinas Finanzsystem sowohl der Asienkrise als auch der gegenwärtigen Weltwirtschaftsflaute standgehalten.

Das Hauptargument von Zentralbankchef Zhou Xiaochuan ist jedoch, dass China von außen so gut wie unangreifbar ist. Mit 280 Milliarden Dollar haben die Chinesen die zweithöchsten Devisenreserven der Welt zusammengespart. Die chinesische Währung Renminbi ist nicht konvertibel und fest an den US-Dollar gekoppelt. Das Haushaltsdefizit ist mit rund drei Prozent noch nicht bedenklich. Die Auslandsverschuldung beträgt nur 16 Prozent des Bruttosozialprodukts; lediglich ein Drittel davon ist kurzfristig. Da auch die meisten chinesischen Firmen ausschließlich beim Staat Geld leihen, bleiben die Schulden im Land – und können nach Chinas eigenen Regeln abgeschrieben werden.

Außerdem hat der Staat noch nicht alle Einnahmequellen ausgeschöpft: So sind an den Börsen in Schanghai und Shenzhen bislang vor allem zweitklassige Staatsunternehmen gelistet. „Die Chinesen verkaufen die faulen Kartoffeln vor den guten“, sagt ein Hongkonger Banker. „Die lukrativsten Börsengänge heben sie sich als Notgroschen für schlechte Zeiten auf.“ Auch Chinas Land gehört noch vollständig dem Staat.

Der Kreislauf: schlechte Durchblutung in der Provinz

Dass China, wie etwa Thailand in der Asienkrise, Pleite gehen könnte und bei Weltbank und Währungsfonds anklopfen müsste, ist mittelfristig nicht zu befürchten. Doch der Cashflow ist ohnehin nicht die Hauptsorge der Regierung. Ihre größte Herausforderung besteht darin, den Boom so zu lenken, dass die Wohlstandsträume der Menschen nicht allzu lange unerfüllt bleiben.

Denn das Wachstum ist ungleich verteilt: Während die ostchinesischen Küstenstädte bereits der Ersten Welt auf den Fersen sind, steckt das Hinterland noch tief in der Dritten. Bei der Regierung wächst die Angst vor sozialem Chaos. Laut GINI-Index, mit dem die Vereinten Nationen auf einer Skala von 0 bis 1 das Einkommensgefälle messen, ist China mit 0,4 mittlerweile tief in der sozialen Gefahrenzone. „Sollten wir wirklich 0,45 erreichen“, so Gao Hongbin vom Armutsbekämpfungsbüro des Staatsrats, „würde sich niemand mehr vor die Tür wagen.“

Vorfreude ist der Kitt, der Chinas Gesellschaft bislang zusammenhält. Der Härte des Alltags setzt die Regierung den Optimismus der Medien entgegen. Bis ins hinterste Dorf bringt sie das Fernsehen, damit die Bewohner wenigstens flimmern sehen können, was sie selbst noch nicht haben. Mit spektakulären Erfolgsmeldungen wie dem Zuschlag für die Olympischen Spiele 2008 in Peking oder den Tests für Chinas eigenes Mondflugprogramm erkauft sich die Partei Zeit, um das Hinterland an östlichen Boomzentren anzuschließen. Im südwestlichen Chongqing versprechen Plakate den Bewohnern, dass die mit 31 Millionen Menschen größte Stadt der Welt in zehn Jahren das „Schanghai Westchinas“ sein wird. „Schanghai ist der Kopf des Drachens, und Chongqing ist das Ende“, freut sich Vize-Bürgermeister Huang Qifan, „und wenn der Drache sein Haupt erhebt, wackelt auch der Schwanz.“ Die halb leeren Wolkenkratzer von Pudong sind ihr Geld schon deshalb wert, weil die Menschen im Hinterland nachts von ihnen träumen. Zwei Drittel aller Chinesen haben vom Aufschwung bisher viel zu wenig abbekommen, um sich als Gewinner der Reformen fühlen zu können. Gemessen an der Kaufkraft verdienen die Menschen in Zentral- und Westchina durchschnittlich nur 289 Dollar im Jahr, im Gegensatz zu 825 Dollar an der Küste. Außerdem ist nach einer OECD-Studie die Hälfte der Dorfbewohner arbeitslos, weil die Landwirtschaft unprofitabel ist: Die Äcker sind zu klein, die Anbaumethoden veraltet.

Der wenige Wohlstand, der ins Hinterland vordringt, fällt vielerorts auch noch der Korruption zum Opfer. Besonders gefürchtet sind Steuereintreiber. Anfang Januar schlugen 400 mit Stöcken, Flaschen und Ziegeln bewaffnete Bauern in der Provinz Hebei einen Trupp Finanzbeamter krankenhausreif. Als die Polizei die Rädelsführer verhaftete, kidnappten deren Anhänger einen ranghohen Lokalbeamten, um ihre Freilassung zu erpressen.

In einem anderen Fall erschlugen drei Dorfbeamte in der Provinz Shaanxi einen Bauern, weil er ein Bußgeld von 25 Euro wegen „Dorfverunstaltung“ nicht bezahlen konnte. Die Strafe hatten sie ihm auferlegt, weil sie seine magere Kuh beim Grasen auf seinem kargen Acker erwischt hatten. Die Kader gründeten spontan ein Dorfverschönerungskomitee und konfiszierten die Kuh wegen Zerstörung einer Grünfläche. Ihr Vorgesetzter versuchte die Mörder sogar noch zu decken, indem er der Witwe 60 Euro Schmerzensgeld anbot: „Vergessen wir die Sache.“

Doch die Leute vergessen nicht und versammelten sich im vergangenen Jahr zu landesweit rund 10000 Demonstrationen. Die Partei versucht mit allen Mitteln, die Kontrolle zu behalten. Lassen sich Proteste nicht unterdrücken, weil die Demonstranten kaum etwas zu verlieren haben, schickt die Regierung einen Mann mit Geldkoffer, der zunächst die Anführer besticht, aber zur Not auch die anderen Beteiligten ausbezahlt. Es gehört zur zynischen Logik des neuen Chinas, dass es sich Gleichberechtigung und Fairness nicht leisten kann: Wer am lautesten schreit, bekommt auch am meisten. Solange für ein umfassendes Sozialsystem das Geld fehlt, ist die Verhinderung von Massenaufständen die einzige soziale Absicherung, die Peking bieten kann.

Da vom Staat wenig Unterstützung zu erwarten ist, nehmen viele Bauern ihr Glück selbst in die Hand. Schätzungsweise 200 Millionen Wanderarbeiter ziehen in die Städte, um als Bauarbeiter, Kellner, Putzfrauen oder Händler Geld zu verdienen. Fast ein Drittel der 14 Millionen Pekinger sind „Waidiren“ – Auswärtige. Eine Arbeitsgenehmigung haben sie fast nie. Doch spätestens nachdem bei einer Razzia alle Auswärtigen von einer Großbaustelle abtransportiert wurden und am nächsten Morgen kein einziger Arbeiter mehr zur Stelle war, hat auch die Pekinger Stadtverwaltung eingesehen, dass sie nicht auf die Waidiren verzichten kann; die Arbeit ist häufig so hart, dass kein Pekinger dazu bereit ist. „Auf dem Bau wird die Arbeitssicherheit oft über Quoten geregelt“, sagt der Mitarbeiter eines großen staatlichen Bauunternehmens lässig. Jeder Unternehmer wisse, wie viele Unfalltote er sich ungestraft leisten könne. „Wenn er mehr Arbeiter verschleißt, muss er den anderen Schweigegeld zahlen und die Leichen im Fundament verschwinden lassen.“

Die Evolution: Zart sprießt die Demokratie

Mit Anti-Korruptionskampagnen kämpft die Staatsführung gegen den Eindruck, sie toleriere solche Zustände. Den Kern des Problems trifft sie nicht. Auch die neue KP rotarischer Prägung leidet an der Erbkrankheit des Ein-Parteienstaates: Vetternwirtschaft. Mit einem Kunstgriff versucht Peking aus diesem Dilemma zu kommen; örtliche Staatsdiener werden demokratischer Kontrolle ausgesetzt, damit die Partei verschont bleibt. Davon erhofft sie sich eine effektivere Verwaltung, die zentral erteilte Befehle besser ausführt. Inzwischen werden in vielen Provinzen die Ortsvorsteher frei gewählt und müssen nicht unbedingt Parteimitglieder sein. Einige lokale Parlamente, die bislang nur nicken durften, lernen langsam, Nein zu flüstern. Wie dringend eine Verwaltungsreform ist, zeigt nicht zuletzt die SARS-Seuche, die die chinesischen Behörden vergeblich totzuschweigen versuchten.

Auf was für ein System das Land langfristig zusteuert, weiß derzeit nicht einmal Staats- und Parteichef Hu Jintao. Denn China betreibt seine Reformen nach dem Prinzip der intelligenten Mutation: Nur was sich bewährt, bleibt bestehen. „China zu reformieren ist so, als ob man einen Fluss überquert, indem man mit den Füßen am Grund nach festen Steinen tastet“, hat Deng Xiaoping seinen Nachfolgern als Leitspruch hinterlassen.

Bislang hat der junge Drache gut gehen gelernt, gestehen mittlerweile auch Kritiker im Westen ein. Warteten viele noch bis lange nach Ende des Kalten Krieges auf ein reinigendes Gewitter auch in China, so ist das Land heute für die Weltwirtschaft viel zu wichtig, als dass ein Kollaps irgendjemandem nützen würde. Selbst Chris Patten, Großbritanniens letzter Gouverneur in Hongkong, der sich für seine harsche China-Kritik seinerzeit von Peking als „Sünder für tausend Generationen“ beschimpfen lassen musste, hat inzwischen das Lager gewechselt.

Erschienen in: brand eins 4 / 2003

Bernhard Bartsch | 01. Mai 2003 um 06:58 Uhr

 

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