Bernhard Bartsch

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China bleibt ein Treibhaus

Regierung stellt Emissionsprognosen vor: Trotz ehrgeiziger Umweltpolitik dürfte der Ausstoß von Treibhausgasen erst nach 2030 wieder sinken.

Es ist eine düstere Prognose – und doch die angeblich bestmögliche: Chinas Treibhausgasemissionen, die höchsten der Welt, werden noch mindestens zwei Jahrzehnte lang weiter steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der chinesischen Regierung, die als Vorlage für den Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember dienen soll.

Selbst bei einer entschiedenen Umweltpolitik und hohen Investitionen in erneuerbare Energien lasse sich Chinas Emissionsanstieg nicht vor 2020 abbremsen, glauben Pekings Experten. Der Höchststand werde frühestens im Jahr 2030 erreicht. 2050 könnte China dann wieder auf dem Niveau von 2005 sein. „Nur mit dem Einsatz von kohlenstoffarmen Technologien können Chinas Treibhausgasemissionen 2030 den Höchststand erreichen“, zitiert China Daily den Wissenschaftler Jiang Kejun, Mitautor des Papiers. „Anderenfalls wird er hinausgezögert und das spätere Szenario nicht erreicht.“

Die Studie, die von der Reform- und Entwicklungskommission sowie der Forschungsabteilung des Staatsrats erstellt wurde, dürfte China in Kopenhagen als Argumentationshilfe für seine seine Forderung dienen, dass beim Klimaschutz vor allem die etablierten Industrienationen in der Pflicht sind. Schwellenländer dürften nicht daran gehindert werden, ein ähnliches Entwicklungsniveau wie der reiche Westen zu erzielen, der die hohe Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hauptsächlich verursacht habe, lautet Pekings Position. Gleichzeitig könnte die Veröffentlichung des Papiers aber auch ein Signal sein, dass China sich in Kopenhagen doch noch zu den festen Emissionsobergrenzen verpflichten könnte.

Chinas Parlamentsausschuss will kommende Woche über eine Resolution zum Klimawandel beraten, in dem Peking seinen Standpunkt der „gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung“ zwischen entwickelten und weniger entwickelten Ländern festschreiben will. Außerdem soll ein Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien beraten werden. Darin könnten ehrgeizige Ziele zum Ausbau von Solar- oder Windkraftwerken festgelegt werden.

Bisher hat Peking sich vorgenommen, bis 2020 mindestens 15 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Energieträgern zu gewinnen. Zuletzt hatte Peking allerdings einen noch schnelleren Ausbau angekündigt, für den mehr als 300 Milliarden Euro investiert werden sollen. Bisher bezieht China, mit rund 800 Gigawatt installierter Kapazität der zweitgrößte Energieverbraucher der Welt, noch rund 70 Prozent seiner Energie aus Kohlekraft, die in größtenteils veralteten und damit besonders klimaschädlichen Anlagen gewonnen wird.

China hat die Industrienationen aufgefordert, den Entwicklungsländern kostenlos fortschrittliche Umwelttechnologie zur Verfügung zu stellen. Westliche Regierungen wollen sich in Kopenhagen schon zu einer sehr viel schnelleren Reduktion des Treibhausgasausstoßes verpflichten, wobei auch ihre Ziele noch hinter den Forderungen von Klimaschutzexperten zurückbleiben.

So haben die Länder der Europäischen Union bereits beschlossen, die Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu senken – basierend auf dem Ausgangsjahr 1990. Bis 2050 soll sogar eine 80-prozentige Reduktion erreicht werden. Die USA werden bis 2020 wohl eine 17-prozentige Einsparung gegenüber 2005 beschließen. Ohne Peking könne es in Kopenhagen keinen Erfolg geben. „Aber mit China gibt es ein enormes Potenzial, dass die Welt in Kopenhagen ein Abkommen schließt“, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon kürzlich.

Bernhard Bartsch | 19. August 2009 um 02:47 Uhr

 

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