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China bangt und hofft

Gemischte Wirtschaftssignale aus China: Handel bricht dramatisch ein, doch Pekings Konjunkturpaket zeigt allmählich Wirkung.

Schweißer in einer chinesischen FabrikChinas Wirtschaft schwankt zwischen Krisenstimmung und der Hoffnung auf baldige Erholung. Bei den jüngsten Konjunkturdaten mischen sich bedrückende und ermunternde Signale. Einerseits ist der Handel der nach Berechnungen Pekings drittgrößten Volkswirtschaft im Februar dramatisch eingebrochen, andererseits scheinen steigende Investitionen darauf hinzuweisen, dass Pekings Konjunkturpaket allmählich Wirkung entfaltet.

Die Exporte, von denen mehr als ein Drittel der chinesischen Wirtschaftsleistung abhängt, lagen im Februar mit 64,8 Milliarden Dollar 25,7 Prozent unter dem Vorjahreswert und sanken damit noch schneller als im Januar. Gleichzeitig brachen die Importe um 24,1 Prozent auf 60 Milliarden Dollar ein. Damit erwirtschaftete China nur noch einen Handelsbilanzüberschuss von 4,84 Milliarden Dollar. Im Januar waren es noch 39,1 Milliarden Dollar.

Handelsminister Chen Deming warnte am Rande des Nationalen Volkskongresses in Peking, ein baldiges Ende der Talfahrt sei unwahrscheinlich. Auch aus dem Wirtschaftsministerium hieß es, eine Erholung des Exportsektors werde „nicht vor dem dritten oder vierten Quartal dieses Jahres stattfinden.“

Chinas Exportindustrie scheint damit mittlerweile ähnlich tief in der Krise zu stecken wie die Konkurrenz aus Südkorea oder Taiwan. In den vergangenen Monaten hatte es noch die Hoffnung gegeben, dass der weltweite Abschwung die Volksrepublik weniger hart treffen würde. Es gab Anzeichen, dass westliche Kunden teilweise auf billige chinesische Produkte umsteigen würden.

Der Einbruch trifft vor allem Chinas schwächste Einkommensgruppe, die Wanderarbeiter. Nach offiziellen Schätzungen dürfte mindestens jeder Fünfte der 200 Millionen Wanderarbeiter seinen Job verlieren. Peking fürchtet deshalb soziale Unruhen.

Allerdings scheint inzwischen das 460 Milliarden Euro schwere Konjunkturprogramm, das Pekings Regierung im November verabschiedete, Wirkung zu zeigen. Die Investitionen in Sachwerte wie Straßen, Kraftwerke oder Immobilien stiegen in den vergangenen beiden Monaten um 26,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte das Nationale Statistikbüro mit. Ausgaben für Projekte, die von der Zentralregierung unterstützt sind, legten um 40,3 Prozent zu. Die Investitionen im Transportsektor, der zum Großteil von den Provinzen finanziert wird, stiegen sogar um 210 Prozent.

Außerdem gaben die Chinesen für Konsumgüter einiger Branchen mehr aus. So stieg der Autoabsatz im Februar um 25 Prozent. Chinas Premierminister Wen Jiabao hatte vergangene Woche erklärt, die Regierung rechne für das Jahr 2009 trotz der Krise mit einem Wirtschaftswachstum von acht Prozent.

„Solange wir die richtigen politischen Schritte einleiten, angemessene Maßnahmen ergreifen und diese effektiv umsetzen, können wir dieses Ziel erreichen“, sagte der Regierungschef. Vor allem staatliche Infrastrukturinvestitionen sollen die Konjunktur beflügeln und neue Jobs für Millionen entlassener Fabrikarbeiter schaffen.

Bernhard Bartsch | 12. März 2009 um 02:34 Uhr

 

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