Bernhard Bartsch

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China greift den Dollar an

Regierung erarbeitet Pläne, um Yuan als Währung für den Welthandel zu etablieren.

China verschärft seine Angriffe auf die Vorherrschaft des US-Dollars: Eine Regierungskommission erarbeitet derzeit Konzepte, wie der Yuan als Währung für den Welthandel durchgesetzt werden kann. Einem Bericht der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post zufolge wird die Taskforce von Vizepremier Wang Qishan und dem stellvertretenden Zentralbankgouverneur Hu Xiaolian geleitet. Wang ist in der Pekinger Regierung für internationale Wirtschaftsfragen zuständig. Hu verwaltete seit 2005 Chinas gewaltige Devisenreserven, bevor er im Juli für seine neue Aufgabe freigestellt wurde. Der Kommission gehören Experten des Finanz- und Wirtschaftsministeriums, der Zentralbank, der Bankenaufsicht sowie des Zoll- und Steueramtes an.

Um den internationalen Einfluss der chinesischen Währung zu stärken, will Peking zunächst ausgewählte Länder in der Region dazu bewegen, ihre Im- und Exportgeschäfte mit der Volksrepublik in Yuan abzuwickeln. In Hongkong und Macao experimentiert China bereits mit dem Yuan als Handelswährung. Doch um seine Währung zu internationalisieren, wird Peking auch die enge Kontrolle seines Geldes aufgeben müssen. Bisher ist der Yuan nicht frei konvertibel – und daher für andere Länder daher als Reservewährung nicht einsetzbar.

Die Volksrepublik fordert seit Beginn der Finanzkrise offen, die Weltwirtschaft dürfe künftig nicht mehr nur vom US-Dollar als einziger Leitwährung abhängen. Unterstützung findet China dabei vor allem von Russland. Im April hatte der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan beim G20-Gipfel in London betont, die Welt brauche eine globale Reservewährung, die nicht von einem einzelnen Land gemanagt werde. Chinas Vorschlag deckt sich mit Empfehlungen, welche die UN-Kommission zur Reform des globalen Finanzwesens unter Leitung von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz formuliert hat.

Washington versucht dagegen mit aller Macht, die internationale Vorherrschaft ihrer eigenen Währung zu sichern. Das Dollar-System hat es der USA-Regierung unter anderem erlaubt, günstig an ausländisches Geld zur Finanzierung ihres gewaltigen Haushaltsdefizits zu gelangen. Auch China hat seine immensen Devisenreserven von mittlerweile mehr als zwei Billionen Dollar in der Vergangenheit vorwiegend in US-Staatsanleihen investiert. Doch inzwischen versucht die Volksrepublik, die Ersparnisse zu nutzen, um ihren globalen Einfluss zu stärken. So hat Peking unter anderem dem Internationalen Währungsfond mehr finanzielle Unterstützung versprochen – allerdings nur im Gegenzug für mehr Stimmrechte in dem von den USA dominierten Gremium. Außerdem soll der chinesische Staatsfond China Investment Corporation Beteiligungen an Unternehmen und Rohstoffvorkommen kaufen.

Bernhard Bartsch | 31. August 2009 um 17:14 Uhr

 

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