Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Heißes China

Während sich die Weltwirtschaft nur langsam erwärmt, kämpft China bereits wieder gegen eine Überhitzung.

Peking. China scheint derzeit mit Luxusproblemen zu kämpfen. Während der Rest der Weltwirtschaft noch immer damit ringt, nach der Krise zu substanziellen Wachstumsraten zurückzufinden, bemüht sich Peking bereits wieder darum, seinen Boom zu drosseln: Die Volksrepublik erhöhte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 5,56 Prozent und belastete damit weltweit die Aktienmärkte. Dass die aktuell stärkste globale Wachstumslokomotive die Bremse zieht, kam für viele Marktteilnehmer offenbar überraschend…

Bernhard Bartsch | 20. Oktober 2010 um 03:36 Uhr

 

Auf den Spuren des Wachstums

Yuan-Streit könnte zu einer Spirale des Protektionismus führen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat bei seiner Chinareise vor einem „Handelskrieg“ gewarnt und zu einem Abbau protektionistischer Hürden aufgerufen. Der Streit über die Unterbewertung nationaler Währungen könne weltweit zu gegenseitigen Abschottungsversuchen führen. „Wir haben Sorge, dass die noch nicht überwundenen Finanzmarktprobleme weltweit zu Protektionismus führen können“, sagte der [...]

Bernhard Bartsch | 12. Oktober 2010 um 12:34 Uhr

 

Die Kraft der seltenen Erden

China setzt Exporte seltener Rohstoffe als diplomatisches Druckmittel gegen Japan ein. Ein Warnschuss für andere Länder: Auch Deutschland wäre erpressbar.

Am Dienstag waren die „Systemfehler” auf wundersame Weise behoben. Seit vergangenen Donnerstag hatte der chinesische Zoll Exporte von Seltenerdmetallen nach Japan blockiert – angeblich wegen technischer Probleme bei der Bearbeitung der Ausfuhrformulare, wie betroffene Firmen berichteten. Dass Peking und Tokio sich zeitgleich den schärfsten diplomatischen Schlagabtausch seit Jahren lieferten, stehe damit in keinerlei Verbindung, versicherten die chinesischen Behörden…

Bernhard Bartsch | 29. September 2010 um 09:01 Uhr

 

Chinas Filz

Immer mehr Chinesen werden reich. Bekennen will sich jedoch kaum jemand zu seinem Vermögen. Denn häufig ist der Wohlstand auf Korruption gebaut.

Bill Gates und Warren Buffett sind es nicht gewohnt, dass man sie meidet. Doch wenn der Software-Pate und der Investment-Guru diese Woche in Peking Superreiche für ihre Idee zu gewinnen versuchen, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden, müssen sie keinen Ballsaal mieten. Nur wenige der Eingeladenen haben ihr Kommen angemeldet. Nicht dass es China an Reichen mangeln würde. Laut dem US-Magazin «Forbes» gibt es 64 chinesische Dollar-Milliardäre sowie mehrere hunderttausend Millionäre. Doch chinesische Wohlhabende bekennen sich nur ungern zu ihrem Geld. Denn Wirtschaft und Politik sind in China enger verbunden, als die Öffentlichkeit wissen soll…

Bernhard Bartsch | 26. September 2010 um 16:18 Uhr

 

Gerhard Schröder lässt grüßen

Deutschlands Exportboom ist großteils „Made in China“, doch die Chinesen wollen selbst Hochtechnologiestandorte aufbauen. Ein Besuch in der Autostadt Chanchun.

Die deutsche Flagge hängt verkehrt herum. Gold-rot-schwarz flattert sie vor dem “Grandhotel Neues Jahrhundert” im nordchinesischen Changchun. Ein kleines Missgeschick, eigentlich kaum der Rede wert, würde es nicht so gut zum Anlass passen. Die Industriestadt will die Autowelt auf den Kopf stellen und mit ihrem ersten “Gipfel von Changchun” ihren Anspruch als internationales Zentrum der Fahrzeugbranche anmelden…

Bernhard Bartsch | 11. September 2010 um 13:04 Uhr

 

Auf der Schleich-Spur

Deutsches Spielzeug ist heute größtenteils „Made in China“, doch selbst namhafte Hersteller verschließen ihre chinesischen Fabriken der Öffentlichkeit. Eine Recherche bei der schwäbischen Traditionsmarke Schleich.

Das Werkstor von Happy Crafts, einem in die Jahre gekommenen Fabrikkomplex in der südchinesischen Industriemetropole Dongguan, öffnet sich um Punkt zwölf Uhr. Trauben von Arbeitern mit blauen Hemden und Flipflops strömen in die Mittagspause. Was haben sie den Vormittag über gemacht? “Spielzeug bemalt”, erklären sie im Chor. Spielzeug? Noch Minuten vorher haben Happy-Crafts-Manager dem Journalisten am Telefon erklärt, ihre Fabrik stelle schon lange keine Spielwaren mehr her…

Bernhard Bartsch | 24. August 2010 um 08:57 Uhr

 

Bauern an der Börse

Chinesische Landwirtschaftssparkasse absolviert größten Börsengang der Welt. Ihre Investoren wetten auf die Entwicklung in den ländlichen Gebieten.

Die Agricultural Bank of China (ABC) hat am Donnerstag den ersten Teil des größten Börsengangs der Geschichte absolviert. In Shanghai wurde der chinesische Teil des Aktienpakets zum Handel freigegeben, am Freitag soll in Hongkong die internationale Tranche folgen. Damit dürfte Chinas drittgrößte Bank rund 23 Milliarden US-Dollar einnehmen…

Bernhard Bartsch | 15. Juli 2010 um 15:30 Uhr

 

Der Ölprinz

Der taiwanesische Unternehmer Nobu Su will mit seinem Supertanker „A Whale“ das Öl im Golf von Mexiko einfangen.

Es soll ein klassischer Deus-ex-machina-Auftritt werden: Mitten in die Ratlosigkeit, wie der Deepwater-Horizon-Katastrophe im Golf von Mexiko beizukommen sein könnte, platzt der taiwanesische Unternehmer Nobu Su mit seiner Ankündigung, das ausgelaufene Öl wieder einfangen zu wollen: Sein umgebauter Supertanker „A Whale“ solle durch den Ölfilm fahren, „wie ein Rasenmäher durch Gras“ und durch zwölf Ansaugstutzen das Öl-Wasser-Gemisch aufsaugen…

Bernhard Bartsch | 05. Juli 2010 um 19:19 Uhr

 

China bereitet europäischen Firmen Sorgen

Seit der Finanzkrise ist China für europäische Unternehmen wichtiger als je zuvor – obwohl sie sich von der Regierung zunehmend diskriminiert fühlen.

Für europäische Unternehmen nimmt die Bedeutung des chinesischen Marktes weiter zu, obwohl sie sich zunehmend verzerrten Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt sehen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der EU-Handelskammer unter ihren Mitgliedern…

Bernhard Bartsch | 02. Juli 2010 um 06:49 Uhr

 

Annäherung durch Handel

China und Taiwan unterzeichnen ein historisches Wirtschaftsabkommen. Kritiker sehen darin eine Gefahr für Taiwans politische Selbständigkeit.

China und Taiwan haben gestern ein wegweisendes Abkommen zur Vertiefung ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit unterschrieben. Der Vertrag, der offiziell den Titel “Wirtschaftliches Kooperations-Rahmenabkommen” (ECFA) trägt und den Abbau von Zöllen für mehr als 800 Produktklassen vorsieht, stellt eine Art Freihandelsabkommen dar…

Bernhard Bartsch | 29. Juni 2010 um 16:42 Uhr

 

Machtmittel Yuan

Hat Peking im Yuan-Streit dem Druck des Auslands nachgegeben?

Westliche Politiker und Wirtschaftsverbände werfen China seit Jahren vor, seinen Exporten auf dem Weltmarkt mit einem künstlich billigen Währungskurs unfaire Vorteile zu schaffen. Nun hoffen sie, die Volksrepublik endlich auf internationale Spielregeln verpflichten zu können: zu einer Währung, deren Kurs der Markt bestimmt, nicht die Regierung. Aus chinesischer Sicht stellt sich die Sache allerdings anders dar…

Bernhard Bartsch | 21. Juni 2010 um 01:44 Uhr

 

Peking dreht am Yuan

China gibt überraschend die Dollar-Bindung seiner Währung auf. Mit einer schnellen Aufwertung des Yuan ist trotzdem nicht zu rechnen.

Es könnte eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen des Jahres sein – und sie wurde verkündet wie ein behördlicher Formalakt: Am Samstagabend veröffentlichte Chinas Zentralbank auf ihrer Webseite eine Pressemeldung, deren Überschrift nur zur Hälfte lesbar war und lediglich durch das daneben blinkende Wort “new” ins Auge fiel: “Weitere Reform des RMB-Wechselkursregimes und Weiterentwicklung der RMB-Wechselkursflexibilität” lautete der nüchterne Titel…

Bernhard Bartsch | 20. Juni 2010 um 17:46 Uhr

 

“Die Partei muss sich der Realität stellen”

Der Arbeiterrechtler und ehemalige Tiananmen-Anführer Han Dongfang über Streiks in Chinas Fabriken, gehighjackte Gewerkschaften und das Vorbild Deutschland.

Bernhard Bartsch: Herr Han, nach den Streiks bei Honda und den Selbstmorden bei Foxconn gewinnt man den Eindruck, dass Chinas Arbeiter zunehmend unzufrieden werden. Stimmt das?

Han Dongfang: Zweifellos. In den meisten Fabriken sind die Löhne so niedrig, dass es einfach nicht weitergehen kann wie bisher. Das wird auch in China allgemein anerkannt. Die Medien schreiben immer häufiger über die Probleme in den Fabriken. Das führt dazu, dass die junge Arbeitergeneration, die ja mit dem Internet aufgewachsen ist, sehr gut über ihre Situation informiert ist. Sie kennt ihre Rechte und ist bereit, dafür zu kämpfen…

Bernhard Bartsch | 15. Juni 2010 um 14:25 Uhr

 

Der Zug fährt jetzt ab

Deutsche Bahntechnikhersteller hoffen auf das Chinageschäft. Doch die Chinesen wollen selbst Züge exportieren und werden zu ernstzunehmenden Konkurrenten.

China plant einen gewaltigen Ausbau seines Schienennetzes – und die Bahntechnikhersteller in Deutschland rechnen sich Chancen für neue Großaufträge aus. Mit Siemens Mobility und Bombardier Transportation haben zwei der weltgrößten Branchenunternehmen ihren Sitz in Deutschland…

Bernhard Bartsch | 14. Juni 2010 um 04:32 Uhr

 

Genug geschwitzt

Mit Streiks und Selbsttötungen erzwingen Chinas Fabrikangestellte höhere Löhne – denn die jungen Wanderarbeiter wollen besser leben als ihre Eltern.

Liu Zhiyi wurde ausgewählt, weil er einer von ihnen war: Mitte zwanzig, eine gute Ausbildung in der Tasche und große Pläne im Kopf. Niemand konnte Verdacht schöpfen, als er sich im April als Fabrikarbeiter bei Foxconn bewarb, einer südchinesischen Computerfabrik, die unter anderem Apples iPhone produziert. Es ist jene Foxconn, die unlängst wegen einer Serie von Selbsttötungen in die Schlagzeilen geraten war. “Jeden Tag kommen tausende junge Leute, um eine Stelle zu finden und Träumen hinterherzujagen, die sie nie verwirklichen können”, schrieb Liu, als er nach 28 Tagen an seinen eigentlichen Arbeitsplatz zurückkehrte: in die Redaktion der “Nanfang Zhoumo”…

Bernhard Bartsch | 09. Juni 2010 um 03:37 Uhr