Boom oder Blase?
China wächst mit zweistelligen Raten. Doch Ökonomen warnen vor den Fallen des Wirtschaftssystems – und Risiken für westliche Unternehmen.
Wenn US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend Chinas Staatschef Hu Jintao in Washington zum Abendessen empfängt, hofft Steve Dickinson, dass die beiden mächtigsten Männer der Welt den richtigen Gesprächsstoff finden. „Die Fronten zwischen China und dem Westen sind tief“, sagt der amerikanische Wirtschaftsanwalt…
Peking ist flüssig
Chinas Devisenreserven steigen auf 2,85 Billionen Dollar – Geld, mit dem Peking sich internationalen Einfluss zu erkaufen versucht.
Die reichste Regierung der Welt ist vergangenes Jahr noch reicher geworden. Wie Chinas Zentralbank am Dienstag bekannt gab, erreichten die Devisenreserven 2011 den neuen Rekordstand von 2,85 Billionen US-Dollar (2,2 Billionen Euro), 18,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat die Volksrepublik das mit Abstand größte Fremdwährungspolster…
Wo Raupen Seide tragen
Schals, Pyjamas und Krawatten aus Seide sind beliebte Weihnachtsgeschenke. Sie sind erschwinglich, weil Chinas Bauern arm sind – noch.
Dass es so weit kommen würde, hätte in Chengsheng niemand gedacht. „Das wäre doch alles wieder ins Lot gekommen“, meint Dorfbürgermeister Lu Yuanjing und schaut auf die kleine Steinbrücke, von der Cui Chunfen in den Tod sprang. Das Gewässer ist nicht breiter als acht Meter, doch da die Schaulustigen, die den nächtlichen Showdown auf der Brücke verfolgt hatten, ebenso wenig schwimmen konnten wie Cui, kam niemand der Bäuerin zur Hilfe…
Chinas großer Atomeinstieg
Kernenergie gilt Peking als probates Mittel gegen den Klimawandel. Die chinesischen Meiler sollen auch in den Export gehen.
Zhang Shanming ist auf Journalisten schlecht zu sprechen. “Sensationalismus” wirft der Präsident der China Guangdong Nuclear Power Corp (CGNPC) Hongkonger Medien vor, die kürzlich kritisch über den staatlichen Atomenergiekonzern berichtet hatten: Ende Oktober waren Arbeiter im südchinesischen Atomkraftwerk Daya Bay durch ein leckendes Kühlsystem radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden. Es war bereits das zweite Mal binnen eines halben Jahres, dass CGNPC Unregelmäßigkeiten in seinem Reaktor erst öffentlich machte, nachdem Medien längst darüber berichtet hatten…
China hebt ab
Pekings Traum von Passagierjet aus eigener Produktion nimmt Form an.
Airbus-Manager erzählen gerne folgende Anekdote: Als der europäische Luftfahrtkonzern im Jahr 2008 begann, seinen A320 auch in der chinesischen Hafenstadt Tianjin zu montieren, jubelte zwar Chinas Presse, doch gleichzeitig bemühten sich die staatlichen chinesischen Fluglinien um Lieferverträge, in denen ihnen ausdrücklich Maschinen aus europäischer Produktion zugesichert wurden…
Frische Impulse aus Korea
G20 einigen sich in Seoul auf Prozess für Finanzmarktreformen. Die französische Präsidentschaft spricht bereits von einem neuen Bretton Woods.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits die Heimreise nach Berlin angetreten, als Südkoreas Präsident Lee Myung-bak in Seoul vor die Mikrophone trat, um zu erläutern, wie die G20-Staaten das internationale Finanzsystem weiter reformieren wollen. „Beachtliche Fortschritte“ seien bei dem zweitägigen Gipfel der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer sowie der EU erreicht worden, erklärte Lee. Der „Seoul Action Plan“, wie das Abschlusskommuniqué die Beschlüsse enthusiastisch übertitelt, weise den Weg zu einer grundlegenden Neuordnung des globalen Finanzsystems…
Nachts im Museum
Zum Auftakt des G20-Gipfels streiten Deutschland, die USA und China über die richtige Welthandelspolitik.
Ein bisschen Kultur muss sein: Mit einem Abendessen im Koreanischen Nationalmuseums hat am Donnerstagabend der G20-Gipfel begonnen. Doch die Regierungschefs der zwanzig größten Industrie- und Schwellenländer sowie der Europäischen Union hatten für die Pagoden, Buddhas und Vasen des Gastgebers nur einen höflichen Streifblick übrig. Denn im Zentrum des Treffens stehen Grundsatzfragen der internationalen Währungs- und Handelspolitik, über die es im Vorfeld zu scharfen Auseinandersetzungen gekommen war, vor allem zwischen Deutschland, den USA und China…
Mangelwirtschaft “Made in China”
An Chinas Tankstellen wird der Diesel knapp, weil Fabriken damit Generatoren betreiben – ein Beispiel für fehlgeleitete Wirtschaftssteuerung.
„Wenn die Chinesen sich ein Ziel setzen, erreichen sie es auch“, lautet das Credo vieler Bewunderer des chinesischen Wirtschaftsbooms. Den Realitäts-Check kann man derzeit an chinesischen Tankstellen machen: Im Süden des Landes ist in den vergangenen Tagen mehr als 2000 Zapfstellen der Diesel-Sprit ausgegangen, berichtet die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua. An tausenden anderen müssen Lastwagenfahrer stundenlang anstehen, um wenigstens eine kleine Ration zu bekommen – oder sie kaufen ihren Treibstoff auf dem Schwarzmarkt, dann allerdings zu horrenden Preisen…
Schurken gegen Gangster
Am Streit um die Ausfuhr von Seltenerdmetallen lässt sich erkennen, wie China seine Rolle als Wirtschaftsgroßmacht zu spielen gedenkt.
Ist China ein „wirtschaftliche Schurken-Supermacht“ oder das Opfer westlicher „Gangstermethoden“? In diesen Extremen tobt der aktuelle Streit um Chinas Rohstoffpolitik. Mit dem Schurkenstaatvorwurf geißelte jüngst der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman Pekings Restriktionen bei der Ausfuhr von Seltenerdmetallen, die weltweit für die Herstellung von Hightechprodukten benötigt. Doch Chinas Regierung verbittet sich jede Einmischung in ihre Ressourcenpolitik und könnte ihre Exporte Seltener Erden künftig noch weiter drosseln…
Ohne Kontrolle geht es nicht
Viele Spielzeuge enthalten giftige Chemikalien. Doch dass sie meistens aus China stammen, heißt noch lange nicht, dass auch die Chinesen die Schuld tragen.
Ein großer Teil des in Deutschland verkauften Spielzeugs ist mit Schadstoffen belastet – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Stiftung Warentest. Bei einer Untersuchung von 50 Produkten wurden bei mehr als 80 Prozent giftige Chemikalien nachgewiesen, bei zwei Drittel sogar in hohen Mengen, und das selbst bei Traditionsmarken wie Brio, Eichhorn, Fisher Price, Sigikid oder Steiff…
Heißes China
Während sich die Weltwirtschaft nur langsam erwärmt, kämpft China bereits wieder gegen eine Überhitzung.
Peking. China scheint derzeit mit Luxusproblemen zu kämpfen. Während der Rest der Weltwirtschaft noch immer damit ringt, nach der Krise zu substanziellen Wachstumsraten zurückzufinden, bemüht sich Peking bereits wieder darum, seinen Boom zu drosseln: Die Volksrepublik erhöhte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 5,56 Prozent und belastete damit weltweit die Aktienmärkte. Dass die aktuell stärkste globale Wachstumslokomotive die Bremse zieht, kam für viele Marktteilnehmer offenbar überraschend…
Auf den Spuren des Wachstums
Yuan-Streit könnte zu einer Spirale des Protektionismus führen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat bei seiner Chinareise vor einem „Handelskrieg“ gewarnt und zu einem Abbau protektionistischer Hürden aufgerufen. Der Streit über die Unterbewertung nationaler Währungen könne weltweit zu gegenseitigen Abschottungsversuchen führen. „Wir haben Sorge, dass die noch nicht überwundenen Finanzmarktprobleme weltweit zu Protektionismus führen können“, sagte der [...]
Die Kraft der seltenen Erden
China setzt Exporte seltener Rohstoffe als diplomatisches Druckmittel gegen Japan ein. Ein Warnschuss für andere Länder: Auch Deutschland wäre erpressbar.
Am Dienstag waren die „Systemfehler” auf wundersame Weise behoben. Seit vergangenen Donnerstag hatte der chinesische Zoll Exporte von Seltenerdmetallen nach Japan blockiert – angeblich wegen technischer Probleme bei der Bearbeitung der Ausfuhrformulare, wie betroffene Firmen berichteten. Dass Peking und Tokio sich zeitgleich den schärfsten diplomatischen Schlagabtausch seit Jahren lieferten, stehe damit in keinerlei Verbindung, versicherten die chinesischen Behörden…
Chinas Filz
Immer mehr Chinesen werden reich. Bekennen will sich jedoch kaum jemand zu seinem Vermögen. Denn häufig ist der Wohlstand auf Korruption gebaut.
Bill Gates und Warren Buffett sind es nicht gewohnt, dass man sie meidet. Doch wenn der Software-Pate und der Investment-Guru diese Woche in Peking Superreiche für ihre Idee zu gewinnen versuchen, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden, müssen sie keinen Ballsaal mieten. Nur wenige der Eingeladenen haben ihr Kommen angemeldet. Nicht dass es China an Reichen mangeln würde. Laut dem US-Magazin «Forbes» gibt es 64 chinesische Dollar-Milliardäre sowie mehrere hunderttausend Millionäre. Doch chinesische Wohlhabende bekennen sich nur ungern zu ihrem Geld. Denn Wirtschaft und Politik sind in China enger verbunden, als die Öffentlichkeit wissen soll…
Gerhard Schröder lässt grüßen
Deutschlands Exportboom ist großteils „Made in China“, doch die Chinesen wollen selbst Hochtechnologiestandorte aufbauen. Ein Besuch in der Autostadt Chanchun.
Die deutsche Flagge hängt verkehrt herum. Gold-rot-schwarz flattert sie vor dem “Grandhotel Neues Jahrhundert” im nordchinesischen Changchun. Ein kleines Missgeschick, eigentlich kaum der Rede wert, würde es nicht so gut zum Anlass passen. Die Industriestadt will die Autowelt auf den Kopf stellen und mit ihrem ersten “Gipfel von Changchun” ihren Anspruch als internationales Zentrum der Fahrzeugbranche anmelden…