Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Bad Vilbels langer Marsch

Bad Vilbel verhandelt über die größte chinesische Investition in Deutschland: 700 Millionen Euro. Haben die Stadtoberen tatsächlich einen dicken Fisch an der Angel oder fallen sie auf windige Machenschaften herein?

Das hessische Bad Vilbel verhandelt seit Wochen ohne transparente Informationen für die Öffentlichkeit über das mit Abstand größte chinesische Investitionsprojekt in Deutschland. Der potenzielle Hauptinvestor erklärte der Frankfurter Rundschau, er plane, in Bad Vilbel für 700 Millionen Euro ein chinesisches Handelszentrum zu bauen. „Eine Absichtserklärung haben wir Ende April unterschrieben“, sagte Lu Changqing, Vorstandschef des Pekinger Mischkonzerns Zhongqi Investment Group. „Einen formellen Vertrag werden wir Ende Juni unterzeichnen.“ Im Gewerbegebiet Quellenpark, das sich in städtischem Besitz befindet, solle auf einer Fläche von 200 000 Quadratmeter ein Großhandel für chinesische Waren entstehen…

Bernhard Bartsch | 24. Mai 2012 um 08:16 Uhr

 

Im Osten viel Neues

Auf der Autoshow in Peking scheuen deutsche Autobauer keine Kosten, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Was wäre die Autoindustrie ohne den Absatzmarkt China? Bei der Automesse in Peking scheuen die Hersteller deshalb keinen Aufwand, um ihr Engagement zum größten Automarkt der Welt zu demonstrieren. 36 Neuheiten präsentieren ausländische Marken bei der am Montag eröffneten Autoschau. Chinas Fachpresse verfolgt genau, welche Weltpremieren in der Volksrepublik stattfinden, denn die chinesischen Kunden wollen nicht länger das Gefühl haben, ihnen würde bevorzugt Technologie der letzten Generation verkauft…

Bernhard Bartsch | 24. April 2012 um 05:29 Uhr

 

Exportmarkt Nummer eins

China ist für deutsche Unternehmen schon längst zum Schlüsselmarkt geworden.

Um Deutschlands erfolgreichste Messe zu besuchen, müsste Chinas Premier Wen Jiabao nicht unbedingt nach Hannover reisen. Es könnte auch eine Fahrt nach Schanghai reichen. Erfolg ist schließlich Definitionssache – und je nach Sichtweise ist nicht die weltgrößte Technologiemesse, die Wen am Sonntagabend gemeinsam mit Kanlzerin Angela Merkel in Hannover eröffnet hat, das herausragendste deutsche Messeprojekt, sondern das „Schanghaier New International Exibition Center“, ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen, das unter deutscher Führung innerhalb weniger Jahre zum best ausgelasteten Ausstellungsort der Welt geworden ist…

Bernhard Bartsch | 22. April 2012 um 22:16 Uhr

 

China will Monopole schleifen

Die chinesische Regierung will die dringend nötige Reform des Finanzsystems vorantreiben. Zur Disposition steht das Monopol der Staatsbanken.

Chinas Regierung will die Macht der staatlichen Banken beschneiden und die Kreditvergabe durch private Institutionen zulassen. Regierungschef Wen Jiabao kritisierte am Dienstag bei einer Rede vor chinesischen Unternehmern, Chinas Staatsbanken hätten de facto ein Monopol, das gebrochen werden müsse. Damit bekräftigte er seine Ankündigung von vergangener Woche, Chinas private Schattenbanken aus der Illegalität zu holen. Das südchinesische Wenzhou, eine der Hochburgen der Privatwirtschaft, soll dafür den Status einer Sonderfinanzzone erhalten und als Pilotprojekt für den Rest des Landes dienen…

Bernhard Bartsch | 07. April 2012 um 06:30 Uhr

 

Billig ist vorbei

In China steigen die Produktionskosten. Ein Problem für das Land – aber auch eine Chance.

Peking Die Zeiten, da chinesische Wirtschaftsstatistiken immer nur steil nach oben zeigten, sind vorbei. Neuerdings werden die Kurven flacher, und manche Indikatoren weisen sogar nach unten. In letztere Kategorie fällt etwa der Einkaufsmanagerindex der Analysten des Bankhauses HSBC. Im Monat März kam die Befragung von Einkäufern zum fünften Mal in Folge zu dem Ergebnis, dass Chinas Fabriken derzeit immer weniger neue Aufträge bekommen. Die Kontraktion ist so stark, wie zuletzt im Frühjahr 2009, als sich die Weltwirtschaft nach dem Lehmann-Zusammenbruch im Sturzflug befand. Doch warum bleiben in den chinesischen Fabriken jetzt wieder die Aufträge aus, wo es der globalen Konjunktur zwar immer noch nicht wieder so gut geht wie vor der Krise, aber doch deutlich besser als mittendrin?…

Bernhard Bartsch | 22. März 2012 um 12:38 Uhr

 

Weltbank ruft China zu mehr Wettbewerb auf

Die Organisation fordert neuen Reformschub. Die Vorschläge haben offenbar den Segen der neuen Führung.

In der nächsten Woche steigt in Pekings Großer Halle des Volkes wieder Chinas größtes Politikspektakel: die Jahrestagung der 3000 Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses. Echte Beschlussmacht hat das Quasiparlament nicht, denn wichtige Entscheidungen treffen die Spitzengremien der Kommunistischen Partei und legen sie den Parlamentariern lediglich zur Bestätigung vor. Doch Signalwirkung hat der Volkskongress allemal, besonders in diesem Jahr, wenige Monate bevor im Herbst eine neue Führungsgeneration die Macht in der Partei übernehmen soll und alle Welt sich fragt, welche Impulse die Nachfolger von Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao setzen wollen…

Bernhard Bartsch | 28. Februar 2012 um 08:01 Uhr

 

China boykottiert Europas Klimaschutz

China verbietet seinen Fluglinien, sich am europäischen Emissionshandel zu beteiligen und provoziert damit einen Machtkampf.

Peking stemmt sich gegen die Bemühungen der Europäischen Union, Fluglinien für den von ihnen verursachten Klimagasausstoß zur Kasse zu bitten. In einer am Montag veröffentlichten Anordnung verbietet Chinas Luftfahrtbehörde (CAAC) den chinesischen Airlines, den Zahlungsaufforderungen im Rahmen des europäischen Emissionshandels zum Schutz des Klimas Folge zu leisten. Seit Anfang des Jahres müssen alle Fluglinien, deren Maschinen in Europa starten oder landen, Zertifikate für den verursachten Kohlenstoffdioxidausstoß vorweisen…

Bernhard Bartsch | 06. Februar 2012 um 17:01 Uhr

 

Chinas Weg zum Kapitalismus

China feiert zehn Jahre WTO-Mitgliedschaft. Für die Volksrepublik hat sich der Beitritt gelohnt, im Rest der Welt ist man sich weniger sicher.

Es war eine Wette mit hohem Einsatz und großem Risiko: Vor zehn Jahren trat China der Welthandelsorganisation (WTO) bei – eine wirtschaftspolitische Entscheidung, die in der chinesischen Führung und Öffentlichkeit umstritten war wie wenige zuvor. Premier Zhu Rongji, die treibende Kraft hinter den Beitrittsverhandlungen, wurde von Pekings Konservativen als „Verräter“ und „Wirtschaftsnutte“ beschimpft, weil sie hinter der Marktöffnung den Ausverkauf chinesischer Interessen und eine Unterhöhlung der Souveränität sowie der Herrschaft der Kommunistischen Partei sahen…

Bernhard Bartsch | 12. Dezember 2011 um 13:34 Uhr

 

„Europa hat die japanische Krankheit“

Ökonom Richard Koo über das Wesen der Schuldenkrise, die Rettung des Euro und deutsche Luxusprobleme.

Bernhard Bartsch: Herr Koo, Europas Regierungschefs suchen einen Ausweg aus der Eurokrise. Können die Rettungspläne die Probleme lösen, oder verschlimmern sie die Lage nur?

Richard Koo: Ich fürchte, dass sich in Europa viele nicht bewusst sind, mit welchen Problemen sie es eigentlich genau zu tun haben. Dabei ist die Antwort meiner Meinung nach klar: Europa und auch die USA haben sich die japanische Krankheit eingefangen.

Japan hat nach dem großen Einbruch von Anfang der 1990er nie wieder zu seiner alten Dynamik zurückgefunden. Droht jetzt auch Europa ein „verlorenes Jahrzehnt“?…

Bernhard Bartsch | 10. Dezember 2011 um 03:56 Uhr

 

Grüner Werbegag

China und Deutschland planen einen Öko-Park. Aber was daran „öko“ sein soll, ist noch unklar und der Nutzen höchst zweifelhaft.

Öko zieht immer, mag sich Chinas Wirtschaftsminister Chen Deming gedacht haben, als er seinem deutschen Amtskollegen Rainer Brüderle (FDP) vor zwei Jahren die Gründung eines gemeinsamen Umweltparks vorschlug. China hat gewaltige ökologische Probleme und Deutschland moderne Umwelttechnologie – wie sollte ein Kooperationsprojekt da keine Win-win-Lösung sein? Brüderle gefiel die Idee, und die beiden Minister gaben ihren Beamten Marschbefehle…

Bernhard Bartsch | 06. Dezember 2011 um 12:20 Uhr

 

China wird zum Sorgenfall

China kann die Weltwirtschaft nicht retten, aber die globale Krise noch verschlimmern. Die jüngsten Daten verheißen nichts Gutes.

Die globale Krise erreicht das einzige Land, das zuletzt noch positive Konjunkturnachrichten vermelden konnte: Chinas Industrieproduktion hat im November zu schrumpfen begonnen. Das zeigt der Einkaufsmanagerindex, der ein gutes Bild von der Auftragslage in den Fabriken gibt und im vergangenen Monat zurückging, zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor mehr als zweieinhalb Jahren…

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2011 um 23:32 Uhr

 

Autobahnen aus Fernost

Chinesen wollen in die Infrastruktur Europas und der USA investieren. Der Westen ist skeptisch.

Wird China bald in Europa Autobahnen, Stromleitungen oder Mobilfunknetze bauen? Pekings oberster Staatsinvestor zumindest hat daran offensichtlich Interesse. In einem Gastbeitrag für die Financial Times schreibt Lou Jiwei, Chef des Staatsfonds China Investment Corp. (CIC), Europäer und Amerikaner benötigten dringend mehr Investitionen in die Infrastruktur. „China möchte sich da gerne engagieren“, kündigte Lou an. Man beobachte die Sparten Energie, Transport, Wasserversorgung, Kommunikationsnetzwerke und Müllentsorgung. Konkrete Pläne verriet Lou allerdings nicht…

Bernhard Bartsch | 28. November 2011 um 04:15 Uhr

 

Grau im Grün

Chinas Pläne, Elektroautos massenhaft auf die Straße zu bringen, gehen nicht auf. Hersteller müssen ihre Prognosen drastisch senken – trotz hoher Subventionen.

Die Prototypen sind alle wieder da, oft in grün oder hellblau, und wo bei anderen Autos die Tanköffnung ist, ragen demonstrativ Stromkabel heraus: Auf der Automobilmesse im südchinesischen Guangzhou zeigen internationale und chinesische Marken einmal mehr ihre Vorbereitung für die Ära der Elektroautos, von denen sich viele die nächste große Revolution der Fahrzeugindustrie versprechen. China spielt dabei eine Schlüsselrolle…

Bernhard Bartsch | 21. November 2011 um 03:47 Uhr

 

„Den ganzen Sommer über geschmolzenes Eis“

Siemens steht in China vor einem Imagedesaster: Ein bekannter Blogger will einen Kühlschrank der Marke öffentlich zerstören, weil er angeblich nichts taugt.

„This is how“, lautet ein Werbespruch von Siemens: So geht’s! Aber so, wie das Unternehmen sich derzeit der chinesischen Öffentlichkeit darstellt, geht es ganz bestimmt nicht. Die Deutschen stehen vor einem Imagedesaster, weil sie eine Qualitätsbeschwerde des populären Bloggers Luo Yonghao ignorierten – oder zumindest nicht so beantworteten, wie dieser und seine Anhänger es sich gewünscht hätten. Aus Rache will Luo nun seinen Siemens-Kühlschrank vor dem Pekinger Firmensitz zertrümmern, unterstützt von anderen Prominenten, die ebenfalls ihre Siemens-Eistruhen mitbringen wollen…

Bernhard Bartsch | 18. November 2011 um 16:26 Uhr

 

IWF warnt vor Chinas Kreditblase

Der Internationale Währungsfonds sieht Risiken im chinesischen Finanzsystem und fordert Reformen. Ein prominenter Ökonom fürchtet, dass es dafür schon zu spät ist.

China gilt vielen als wirtschaftlicher Stabilitätsanker in turbulenten Zeiten. Doch ein neuer Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnt vor übertriebenen Erwartungen an die chinesische Krisenresistenz. Der zweitgrößten Wirtschaftsmacht drohe eine Kreditblase, auf die seine Banken schlecht vorbereitet seien. Zwar attestiert der IWF China „bemerkenswerte Fortschritte“, doch bei der Frage, ob die Reformen schnell genug vorangehen, um den wachsenden Gefahren vorzubeugen, sind die Experten skeptisch…

Bernhard Bartsch | 16. November 2011 um 02:59 Uhr