Verschlankte Bedürfnisse
Mit klemmenden Gaspedalen hat Toyota hat seinen Ruf als zuverlässigste Automarke der Welt ruiniert. Wie konnte das passieren? Eine Spurensuche in Toyota City.
Der Griff zur Reißleine ist alltägliche Routine. In weiten Schlaufen hängt das gelbe Seil über den Köpfen der Arbeiter, die mit Akkuschraubern im Sekundentakt um die halbfertigen Autos springen. Immer wieder greift einer über sich und bringt mit einem Ruck das Fließband zum Stehen. “Probleme werden bei Toyota sofort gelöst”, erklärt die junge PR-Dame und lächelt so selbstverständlich, als habe sie seit Wochen keine Zeitung gelesen…
Nationale Karambolage
Toyotas Pannen beschädigen das Image des größten Autoherstellers der Welt – und spiegeln die Probleme der ganzen japanischen Wirtschaft.
Ausgerechnet das Gaspedal! Welch bittere Ironie. Über Jahre hinweg hat der japanische Automobilkonzern Toyota bei Millionen Fahrzeugen Beschleunigungspedale eingebaut, die im durchgedrückten Zustand verklemmen können. Im schlimmsten Fall ist das Auto dann nicht mehr zu stoppen, und die Insassen können nur hoffen, dass wenigstens der Airbag funktioniert…
Enkel in Not
Akio Toyoda sollte den Autokonzern Toyota durch die Krise steuern. Jetzt steckt er mittendrin.
“Ich werde wieder zu den Grundsätzen zurückkehren, auf denen dieses Unternehmen aufgebaut wurde”, sagte Akio Toyoda im Januar 2009. Damals war der Enkel des Toyota-Gründers gerade zum neuen Vorstandschef des weltgrößten Autokonzerns erkoren worden und wollte das Unternehmen, das durch die Finanzkrise erstmals in seiner 75jährigen Geschichte in die roten Zahlen gerutscht war, wieder in die Profitzone steuern…
Reichlich Potential
Die OECD traut China langfristig hohes Wachstum zu – vorausgesetzt, die Wirtschaftsreformen gehen weiter.
Die heikelste Frage bleibt an diesem Morgen unbeantwortet: Wie stark unterbewertet ist wohl der chinesische Yuan, will ein Reporter wissen. Wie groß ist also der Wettbewerbsvorteil, den China seiner Exportwirtschaft durch Währungsmanipulation verschafft? Pier Carlo Padoan und Richard Herd, kühlköpfige Ökonomen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), können sich ein Lachen nicht verkneifen…
Klemmender Mythos
Toyota muss wegen klemmender Gaspedale bis zu acht Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Es ist der größte Image-Unfall in der Konzerngeschichte.
„Nichts ist unmöglich. Toyota“ lautet der Werbeslogan des weltgrößten Autobauers. Nun ist tatsächlich das scheinbar Unmögliche eingetreten: Die Japaner, die über drei Jahrzehnte lang branchenweit den Ruf der zuverlässigsten Produktionsqualität genossen, müssen bis zu acht Millionen Autos aus dem Verkehr ziehen und mit dem größten Image-Unfall der Konzerngeschichte rechnen…
Tritt auf die Kreditbremse
Peking zieht in der Geldpolitik die Zügel an und schaltet vom Krisenmodus zurück in den Kampf gegen eine Überhitzung der Konjunktur.
Als im Herbst 2008 die Finanzkrise über die Welt hineinbrach, befand sich China mitten im Dauerkampf gegen die Überhitzung der Konjunktur. 16 Monate und einen globalen Jahrhunderteinbruch später machen Pekings Wirtschaftslenker nun dort weiter, wo sie aufgehört haben…
Autos aus China – nächster Versuch
Chinas größter Autobauer SAIC will mit eigenen Fahrzeugen in Europa Fuß fassen – unter der britischen Traditionsmarke MG.
Der “Landwind” hat es nicht geschafft, auch nicht der “Brilliance” oder der “Great Wall”. Trotzdem startet Chinas Automobilindustrie einen neuen Versuch, um auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Die Shanghai Automotive Industry Corp. (SAIC), größter Fahrzeughersteller der Volksrepublik, will noch in diesem Jahr in Europa mit dem Verkauf eigener Autos beginnen und wird dafür das Label der britischen Traditionsmarke MG bemühen, die SAIC seit 2005 besitzt…
China wächst – aber wohin?
Chinesisches BIP legte 2009 um 8,7 Prozent zu. Doch ein Teil der staatlichen Konjunkturspritzen fließt in neue Spekulationsblasen.
James Chanos lebt davon, gegen den Trend zu denken. Vor neun Jahren hat der amerikanische Hedgefonds-Manager ein Vermögen verdient, als er zum richtigen Zeitpunkt auf einen Kursverfall der Aktie des Energiekonzerns Enron wettete. Seitdem wird seinen Prognosen in Investorenkreisen Gewicht beigemessen, weshalb es für ein gewisses Aufsehen sorgte, als Chanos kürzlich über den Absturz der chinesischen Wirtschaft orakelte. Der Immobilienmarkt sei völlig überhitzt, sagt Chanos, und die Volksrepublik sei deshalb “wie Dubai mal tausend – oder schlimmer”…
Ein Geschenk für Baidu
Chinas größter Internetsuchdienst wertet den angedrohten Rückzug von Google als eigenen Erfolg.
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Dass Google im Konflikt mit Peking um Hackerangriffe und Internetzensur seinen Rückzug aus der Volksrepublik erklärt hat, ist für Googles chinesischen Konkurrenten Baidu ein unverhofftes Geschenk. Das im Westen noch weitgehend unbekannte IT-Unternehmen – in Chinas Suchmaschinengeschäft mit 70 Prozent Marktanteil die klare Nummer eins – dürfte künftig de facto eine Monopolstellung genießen…
Die Knoblauchblase
Knoblauch ist in China zum heißen Spekulationsobjekt geworden – dank Finanzkrise und Schweinegrippe.
Frau Wens Imbiss am Tuanjiehu, dem “Solidaritäts-Teich” in der Pekinger Oststadt, ist eine beliebte Adresse für rustikale Hausmannskost. Nachbarn, die selbst keine Zeit zum Kochen haben, können sich dort für wenig Geld den Magen füllen. Auf den Tischen stehen verschmierte Töpfe mit Koriander und Chili, Sojasoße und Essig. Bis vor kurzem gehörten auch gestampfter Knoblauch und eingelegte Zehen zum Selbstbedienungssortiment. Aber die gibt es inzwischen nur noch auf Nachfrage und in kleinen Mengen…
Vereinigte Staaten von Asien
China und die ASEAN-Staaten gründen die drittgrößte Freihandelszone der Welt. Doch die Pläne für den asiatischen Integrationsprozess gehen noch viel weiter.
Den Anfang machten die Drachenfrüchte: In den frühen Morgenstunden des ersten Tages im neuen Jahr überquerte eine Kolonne vietnamesischer Lastwagen die Grenze nach China und fuhren mit Dutzenden Tonnen des rosa-grünen Obstes auf den Großmarkt der Hafenstadt Pingxiang. Dort dokumentierten nicht nur die Händler die neue Lieferung, sondern auch ein Korps chinesischer Journalisten, die den Drachenfruchttransport als symbolischen Beginn für eine neue Ära wirtschaftlicher Zusammenarbeit auserkoren hatten…
Zug um Zug
China will nicht länger globaler Lieferant für Billigwaren sein und steckt Milliarden in die Entwicklung eigener Technologien.
Deutschland hat den ICE, Frankreich den TGV und Japan seinen Shinkansen. Nun verfügt auch China über einen eigenen Hochgeschwindigkeitszug, und zwar einen, der alle Konkurrenten überholt: Bis zu 350 Stundenkilometer erreicht der “Zidan” (wörtlich: Geschoss), der seit Ende Dezember zwischen der südchinesischen Metropole Guangzhou und der Jangtse-Stadt Wuhan verkehrt…
Gütesiegel statt Warnsignal
Die Volksrepublik steigt zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf, aber das Image von “Made in China” bleibt schlecht. Eine Werbekampagne soll das ändern.
So irrt man sich gerne: Chinas Staatsstatistiker haben herausgefunden, dass sie die Wirtschaftskraft ihres Landes bisher stark unterschätzt haben. Die Rechnerei könnte es China erlauben, den Ausklang des Krisenjahrs als epochales Erfolgserlebnis zu feiern…
Volvo und Saab werden chinesisch
Asiatische Unternehmen erlangen Kontrolle über große Teile von Schwedens Autoindustrie.
Schwedens Automobilindustrie wird chinesisch: Sowohl Volvo als auch Teile von Saab werden künftig unter der Kontrolle chinesischer Automobilkonzerne stehen – verkauft von den US-Giganten Ford und GM, die mit ihren schwedischen Töchtern nicht zurecht kamen. Volvos US-Mutterkonzern Ford erklärte, dass ein Verkauf an den privaten chinesischen Fahrzeughersteller Geely weitgehend ausgehandelt sei…
Gekühlte Geldströme
Asiens Regierungen wollen mit Kapitalverkehrskontrollen den Zufluss von „hot money“ eindämmen. Denn die wirtschaftliche Erholung gibt auch neuen Blasen Nahrung.
Geld ist nicht gleich Geld – schon gar nicht nach der großen Kapitalvernichtung der Finanzkrise. Denn mit der Stabilisierung der Weltwirtschaft geht auch die Entstehung von sogenanntem “hot money” einher, hochspekulativen Anlagen, die derzeit unter anderem mit Wetten auf staatliche Konjunkturbemühungen hohe Gewinne erzielen und so neuen Blasen Nahrung geben…