Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Illegal? Egal!

Braucht eine funktionierende Wirtschaft ein Urheberrecht? Die Chinesen lernen gerade: ja.

Der Diebstahl geschieht am helllichten Tage, auf offener Straße. Alle wissen es, viele schauen hin. Manche machen mit. Aber niemand stößt sich daran: Auf der Gepäckfläche seines Dreirades hat ein Händler mitten im Gewimmel einer schmalen Straße, durch die wohlhabende Pekinger zum Ausgehviertel Sanlitun strömen, ein kleines Sortiment DVDs für umgerechnet ein Euro das Stück ausgelegt – Kopien chinesischer Action-Filme, aktueller Hollywood-Hits sowie Boxen populärer Fernsehserien. Eine größere Auswahl bieten zwei Läden, die nur wenige Schritte entfernt sind und locker zehntausend Filme und Musik-CDs in ihren Regalen liegen haben…

Bernhard Bartsch | 23. März 2013 um 08:30 Uhr

 

Auf Umwegen

Chinas Automarken drängen auf den Weltmarkt. Doch bevor sie sich in Europa oder den USA etablieren können, müssen sie im eigenen Land ihre Rolle finden.

Dieses Mal soll es klappen – diesmal wirklich, endlich. Beim Genfer Autosalon im März unternimmt der chinesische Autohersteller Chery einen neuen Versuch, auf dem Weltmarkt durchzustarten. Qoros heißt die Marke, die das Unternehmen dafür zusammen mit einem Joint-Venture-Partner, dem israelischen Mischkonzern Israel Corporation, gegründet hat. Seit Wochen lancieren Qoros“ PR-Berater Bilder des ersten Fahrzeugs, der kompakten Limousine Qoros 3. Dazu gibt es knappe, sorgfältig ausgewählte Fakten, die das Image der Marke von Anfang an in die richtige Spur lenken sollen…

Bernhard Bartsch | 18. Februar 2013 um 08:48 Uhr

 

Betriebsräte für die iSlaves

h3>Foxconn will Beschäftigte mit einem Betriebsrat wieder in die Werke locken.

Die Ankündigung war gut terminiert: Wenige Tage vor dem traditionellen Neujahrsfest – in China hat gestern das Jahr der Schlange begonnen – kündigte der Elektronikkonzern Foxconn an, nach den Feiertagen in seinen chinesischen Fabriken demokratische Betriebsratswahlen abhalten zu wollen. Das Versprechen war wohl nicht nur an den Großkunden Apple gerichtet, der wegen seiner engen Geschäftsbeziehung zu dem umstrittenen taiwanesischen Elektronikhersteller seit langem in der Kritik steht. Foxconn dürfte auch hoffen, damit möglichst viele Arbeiter nach dem Fest zurück an seine Fließbänder locken zu können…

Bernhard Bartsch | 11. Februar 2013 um 07:37 Uhr

 

Endstation Shanghai

Einst wurde der Transrapid als Verkehrsmittel der Zukunft gefeiert. Heute ist er in China nur noch eine zweitklassige Touristenattraktion.

Hier? „Ja, hier“, sagt der Taxifahrer und stößt die Tür auf. Bis zum Bahnhof Longyang will er nicht fahren. „Dort finde ich keine Passagiere“, entschuldigt er sich. Der Fahrgast soll also bitte an der Kreuzung davor aussteigen. Tatsächlich ist der Taxistand vor der Station abgesperrt, die Anwohner spielen dort jetzt Federball. So weit ist es also gekommen mit Deutschlands einstigem Zug der Zukunft. Longyang ist die Endhaltestelle des Transrapid, der seit zehn Jahren in Schanghai fährt…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2013 um 07:51 Uhr

 

Japan sieht rot

Der drittgrößten Wirtschaftsmacht droht die Rezession.

Japan droht in die Rezession zu rutschen. Am Montag präsentierte die Regierung Besorgnis erregende Zahlen: Im dritten Quartal lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 0,9 Prozent unter dem Vorquartal. Das ist der stärkste Rückgang seit der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe im März 2011. In Tokio scheint man damit zu rechnen, dass das Wachstum auch für den Rest des Jahres negativ sein wird und damit zwei Quartale in Folge, womit Japan offiziell in einer Rezession stecken würde. „Ich kann die Wahrscheinlichkeit nicht leugnen, dass die Wirtschaft ins Stadium der Rezession getreten ist“, sagte Finanzminister Seiji Maehara…

Bernhard Bartsch | 12. November 2012 um 09:07 Uhr

 

Chinas Schicksalsfrage

Die Bevölkerung konsumiert zu wenig und spart lieber. Ökonomen fordern ein neues Entwicklungsmodell.

Wenn Chinas Wirtschaftspolitiker schlaflose Nächte haben, ist es wegen Menschen wie He Kecheng. Der Pekinger Ladenbesitzer und seine Familie konsumieren zu wenig, jedenfalls viel weniger, als es sich die Regierung wünscht. Von den rund 12 000 Yuan (1 500 Euro), die He und seine Frau monatlich verdienen, wandert die Hälfte auf ein Sparkonto statt in die Kassen von Geschäften oder Restaurants. Dabei glauben die Staatsökonomen, dass es in Hes bestem Interesse sei, mehr Geld auszugeben: Würden die Chinesen stärker konsumieren, bekäme die Konjunktur neuen Schwung und alle würden reicher, He Kecheng eingeschlossen. Soweit die Theorie…

Bernhard Bartsch | 31. Oktober 2012 um 11:11 Uhr

 

Kalter Wind aus Fernost

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Billige Kredite sollen die Binnennachfrage stimulieren.

Die Wachstumsmaschinen kommen nachts. Während Peking schlafen will, reißen Bagger die Straßen auf. Arbeitertrupps schaufeln den alten Asphalt auf Lastwagen, andere liefern neuen Teer, Walzen rollen ihn platt. Nach zwei Nachtschichten hat die Straße einen frischen Belag. Dutzende Pekinger Straßenzüge werden derzeit auf diese Weise von Baukommandos modernisiert, doch die Freude der Bewohner hält sich in Grenzen. Nicht nur die nächtliche Ruhestörung sorgt für Missmut, sondern vor allem die Tatsache, dass die meisten Fahrwege keineswegs sanierungsbedürftig schienen…

Bernhard Bartsch | 18. Oktober 2012 um 07:03 Uhr

 

Japans Firmen büßen für Inselstreit

Boykott in China: Absatz von Toyota und Mazda bricht nach politischen Spannungen ein.

Im Lexus-Autohaus an Pekings nördlicher Ausfallstraße herrscht gähnende Leere. Obwohl die Chinesen diese Woche Nationalferien haben und die Besichtigung von Neuwagen für wohlhabende Hauptstädter eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist, zeigen sie an den japanischen Luxuskarossen aus dem Hause Toyota nur wenig Interesse. „Die Politik macht uns das Geschäft kaputt“, sagt ein sichtlich frustrierter Händler. „Niemand will derzeit mit einem japanischen Auto gesehen werden.“…

Bernhard Bartsch | 06. Oktober 2012 um 14:42 Uhr

 

Apples China-Problem

Pünktlich zum Start des Handys iPhone 5 wird der Konzern mit neuen Vorwürfen wegen schlechter Produktionsbedingungen in China konfrontiert.

Nach 3000 Wischtüchern hat Dang Xianglan Feierabend. 3000-mal hat sie an diesem Tag die gleichen sechs Handgriffe gemacht: umklappen, noch mal umklappen, linke Seite einschlagen, rechte Seite einschlagen, zusammenrollen und mit einem Gummiband befestigen. „Mit den Läppchen werden am Fließband die Touchscreens von iPhones oder iPads gereinigt“, erklärt die Mittdreißigerin. 3000 Tücher sind das Schichtminimum, doch wenn die Vorgesetzten es verlangen, macht Dang Überstunden und faltet noch tausend mehr…

Bernhard Bartsch | 22. September 2012 um 08:22 Uhr

 

Nordkorea vermietet sein Volk

Immer mehr Nordkoreaner werden als Gastarbeiter nach China geschickt. Ihre Einkünfte kassiert das Kim-Regime in der Heimat.

Nordkoreas Elite pflegt einen aufwändigen Lebensstil, mit importierten Lebensmitteln, teuren Autos und Shopping-Reisen in asiatische Metropolen. Finanziert wird der Luxus durch Exporte von Rohstoffen, Waffen – und zunehmend von Menschen. Tausende Nordkoreaner werden neuerdings in Gastarbeitertrupps nach China geschickt. In chinesischen Fabriken sind sie hochwillkommen, denn die Nordkoreaner sind billiger, gehorsamer und leidensfähiger als die immer anspruchsvolleren chinesischen Arbeiter. Ihre Gehälter fließen direkt in die nordkoreanische Staatskasse…

Bernhard Bartsch | 13. September 2012 um 13:36 Uhr

 

Die Riksha kehrt zurück

Der japanische Entwickler Nobuyuki Ogura wirbt für ein Elektro-Dreirad zur Entlastung des Tokioter Berufsverkehrs.

Wer in Tokio lebt, hat zwei Möglichkeiten, zur Arbeit zu gelangen. Die erste verlangt von ihm, sich zur morgendlichen Stoßzeit in die chronisch überfüllten S- und U-Bahn-Züge zu pressen, was Pendler mit Platzangst von vornherein ausschließt. Die zweite Option besteht darin, im eigenen Wagen zur Arbeit zu fahren. Sie erfordert lediglich Geld, davon aber eine ganze Menge. Denn Autos in Tokio sind teuer, sehr teuer, und nur jeder zehnte Hauptstädter gehört zu der kleinen, privilegierten Schicht, der diese Möglichkeit offensteht. An einem dritten Weg arbeitet Nobuyuki Ogura…

Bernhard Bartsch | 12. September 2012 um 12:41 Uhr

 

Sag zum Abschied leise Airbus

Angela Merkel profiliert sich in China als Anwältin deutscher Wirtschaftsinteressen.

Im Ausland kommt die Deutsche Bahn scheinbar pünktlich. Jeden Tag werden in Leipzig 44 Waggons mit Autobauteilen beladen und auf die Reise in die 11 000 Kilometer entfernte nordchinesische Industriestadt Shenyang geschickt, um im BMW-Werk zu fertigen Fahrzeugen montiert zu werden. „Früher wurden die Komponenten per Schiff transportiert, was 46 Tage dauerte“, sagt Bahn-Chef Rüdiger Grube. „Mit dem Zug schaffen wir das jetzt in 23 Tagen.“ Es könnte aber noch viel schneller gehen, in 14 Tagen, aber dafür müssten die chinesischen Behörden die Züge schneller abfertigen und den bürokratischen Aufwand mit 14 unterschiedlichen Frachtbriefen vereinfachen. Ob man da nicht etwas machen könne, fragt Grube. Der Bahn-Chef ist einer von acht deutschen Managern, die Chinas Premier Wen Jiabao ihre Sorgen vortragen…

Bernhard Bartsch | 01. September 2012 um 13:19 Uhr

 

Kim flirtet mit Reformen

Nordkorea entwickelt neue Industriezonen mit China. Will der junge Diktator Kim Jong Un das verarmte Land endlich auf den Weg marktwirtschaftlicher Reformen führen?

Kürzlich erreichte Park Too Jin wieder einmal eine Nachricht von seinem Neffen in Nordkorea. Er werde sich sicher erinnern, wie er vor einiger Zeit begonnen habe, ein kleines Geschäft aufzuziehen, berichtete dieser seinem in Japan lebenden Onkel. Leider sei daraus nichts geworden, inzwischen sei er pleite. Allerdings habe er eine neue Idee und diesmal auch bessere Kontakte. Nur eines fehle ihm noch: Startkapital. Ob er seinen grosszügigen Onkel noch einmal um 100 000 Yen (1020 Euro) bitten dürfe? Park verfolgt die Aktivitäten seines Neffen nicht nur mit persönlichem Interesse. «In Nordkorea ist derzeit eine Menge in Bewegung», sagt der Leiter des Korea International Research Institute, eines privaten Think-Tanks in Tokio…

Bernhard Bartsch | 22. August 2012 um 11:33 Uhr

 

Bei Anruf: GAU

Ein japanischer Mobilfunkkonzern bringt Handys mit Strahlenmesser auf den Markt.

Es ist eine Funktion, die hoffentlich kein Benutzer je ernsthaft brauchen wird: Gut ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat der japanische Telekomkonzern Softbank ein Handy mit eingebautem Strahlenmesser auf den Markt gebracht. Das bunte Telefon namens Pantone 5 soll Kunden in die Lage versetzen, sich im Fall eines Atomunfalls unabhängig von offiziellen Daten über die Bedrohung informieren zu können. Im März 2011 hatten Tokios Regierung und der Fukushima-Betreiber Tepco Informationen über die radioaktive Belastung tagelang zurückgehalten und damit Zehntausende Menschen einer erhöhten Strahlung ausgesetzt…

Bernhard Bartsch | 17. August 2012 um 09:33 Uhr

 

E-Mobil von Daimler-Partner explodiert

Bei einem Unfall ist ein Elektroauto des chinesischen Herstellers BYD explodiert. Die Batterietechnologie steckt auch in einer Gemeinschaftsentwicklung mit Daimler.

Chinas ehrgeizigen Plänen, als erstes Land in großem Maßstab Elektroautos auf die Straße zu bringen, droht ein schwerer Rückschlag. Nachdem am Wochenende ein batteriebetriebenes Taxi des chinesischen Herstellers BYD bei einem Zusammenstoß explodierte, ist in der Volksrepublik eine Diskussion über die Sicherheit von E-Mobilen entbrannt. Der Unfall, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, beschädigt das Vertrauen in die junge Technologie und bringt neben Chinas Elektroauto-Pionier BYD auch Daimler in Bedrängnis. Die Stuttgarter hatten Ende April ihr gemeinsam mit BYD entwickeltes Elektrofahrzeug Denza vorgestellt, in dem wohl die gleiche chinesische Batterietechnik eingesetzt werden soll wie in dem Unglückswagen…

Bernhard Bartsch | 28. Mai 2012 um 14:27 Uhr