China boykottiert Europas Klimaschutz
China verbietet seinen Fluglinien, sich am europäischen Emissionshandel zu beteiligen und provoziert damit einen Machtkampf.
Peking stemmt sich gegen die Bemühungen der Europäischen Union, Fluglinien für den von ihnen verursachten Klimagasausstoß zur Kasse zu bitten. In einer am Montag veröffentlichten Anordnung verbietet Chinas Luftfahrtbehörde (CAAC) den chinesischen Airlines, den Zahlungsaufforderungen im Rahmen des europäischen Emissionshandels zum Schutz des Klimas Folge zu leisten. Seit Anfang des Jahres müssen alle Fluglinien, deren Maschinen in Europa starten oder landen, Zertifikate für den verursachten Kohlenstoffdioxidausstoß vorweisen…
Chinas Weg zum Kapitalismus
China feiert zehn Jahre WTO-Mitgliedschaft. Für die Volksrepublik hat sich der Beitritt gelohnt, im Rest der Welt ist man sich weniger sicher.
Es war eine Wette mit hohem Einsatz und großem Risiko: Vor zehn Jahren trat China der Welthandelsorganisation (WTO) bei – eine wirtschaftspolitische Entscheidung, die in der chinesischen Führung und Öffentlichkeit umstritten war wie wenige zuvor. Premier Zhu Rongji, die treibende Kraft hinter den Beitrittsverhandlungen, wurde von Pekings Konservativen als „Verräter“ und „Wirtschaftsnutte“ beschimpft, weil sie hinter der Marktöffnung den Ausverkauf chinesischer Interessen und eine Unterhöhlung der Souveränität sowie der Herrschaft der Kommunistischen Partei sahen…
“Europa hat die japanische Krankheit”
Ökonom Richard Koo über das Wesen der Schuldenkrise, die Rettung des Euro und deutsche Luxusprobleme.
Bernhard Bartsch: Herr Koo, Europas Regierungschefs suchen einen Ausweg aus der Eurokrise. Können die Rettungspläne die Probleme lösen, oder verschlimmern sie die Lage nur?
Richard Koo: Ich fürchte, dass sich in Europa viele nicht bewusst sind, mit welchen Problemen sie es eigentlich genau zu tun haben. Dabei ist die Antwort meiner Meinung nach klar: Europa und auch die USA haben sich die japanische Krankheit eingefangen.
Japan hat nach dem großen Einbruch von Anfang der 1990er nie wieder zu seiner alten Dynamik zurückgefunden. Droht jetzt auch Europa ein “verlorenes Jahrzehnt”?…
Grüner Werbegag
China und Deutschland planen einen Öko-Park. Aber was daran „öko“ sein soll, ist noch unklar und der Nutzen höchst zweifelhaft.
Öko zieht immer, mag sich Chinas Wirtschaftsminister Chen Deming gedacht haben, als er seinem deutschen Amtskollegen Rainer Brüderle (FDP) vor zwei Jahren die Gründung eines gemeinsamen Umweltparks vorschlug. China hat gewaltige ökologische Probleme und Deutschland moderne Umwelttechnologie – wie sollte ein Kooperationsprojekt da keine Win-win-Lösung sein? Brüderle gefiel die Idee, und die beiden Minister gaben ihren Beamten Marschbefehle…
China wird zum Sorgenfall
China kann die Weltwirtschaft nicht retten, aber die globale Krise noch verschlimmern. Die jüngsten Daten verheißen nichts Gutes.
Die globale Krise erreicht das einzige Land, das zuletzt noch positive Konjunkturnachrichten vermelden konnte: Chinas Industrieproduktion hat im November zu schrumpfen begonnen. Das zeigt der Einkaufsmanagerindex, der ein gutes Bild von der Auftragslage in den Fabriken gibt und im vergangenen Monat zurückging, zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor mehr als zweieinhalb Jahren…
Autobahnen aus Fernost
Chinesen wollen in die Infrastruktur Europas und der USA investieren. Der Westen ist skeptisch.
Wird China bald in Europa Autobahnen, Stromleitungen oder Mobilfunknetze bauen? Pekings oberster Staatsinvestor zumindest hat daran offensichtlich Interesse. In einem Gastbeitrag für die Financial Times schreibt Lou Jiwei, Chef des Staatsfonds China Investment Corp. (CIC), Europäer und Amerikaner benötigten dringend mehr Investitionen in die Infrastruktur. “China möchte sich da gerne engagieren”, kündigte Lou an. Man beobachte die Sparten Energie, Transport, Wasserversorgung, Kommunikationsnetzwerke und Müllentsorgung. Konkrete Pläne verriet Lou allerdings nicht…
Grau im Grün
Chinas Pläne, Elektroautos massenhaft auf die Straße zu bringen, gehen nicht auf. Hersteller müssen ihre Prognosen drastisch senken – trotz hoher Subventionen.
Die Prototypen sind alle wieder da, oft in grün oder hellblau, und wo bei anderen Autos die Tanköffnung ist, ragen demonstrativ Stromkabel heraus: Auf der Automobilmesse im südchinesischen Guangzhou zeigen internationale und chinesische Marken einmal mehr ihre Vorbereitung für die Ära der Elektroautos, von denen sich viele die nächste große Revolution der Fahrzeugindustrie versprechen. China spielt dabei eine Schlüsselrolle…
“Den ganzen Sommer über geschmolzenes Eis”
Siemens steht in China vor einem Imagedesaster: Ein bekannter Blogger will einen Kühlschrank der Marke öffentlich zerstören, weil er angeblich nichts taugt.
“This is how”, lautet ein Werbespruch von Siemens: So geht’s! Aber so, wie das Unternehmen sich derzeit der chinesischen Öffentlichkeit darstellt, geht es ganz bestimmt nicht. Die Deutschen stehen vor einem Imagedesaster, weil sie eine Qualitätsbeschwerde des populären Bloggers Luo Yonghao ignorierten – oder zumindest nicht so beantworteten, wie dieser und seine Anhänger es sich gewünscht hätten. Aus Rache will Luo nun seinen Siemens-Kühlschrank vor dem Pekinger Firmensitz zertrümmern, unterstützt von anderen Prominenten, die ebenfalls ihre Siemens-Eistruhen mitbringen wollen…
IWF warnt vor Chinas Kreditblase
Der Internationale Währungsfonds sieht Risiken im chinesischen Finanzsystem und fordert Reformen. Ein prominenter Ökonom fürchtet, dass es dafür schon zu spät ist.
China gilt vielen als wirtschaftlicher Stabilitätsanker in turbulenten Zeiten. Doch ein neuer Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnt vor übertriebenen Erwartungen an die chinesische Krisenresistenz. Der zweitgrößten Wirtschaftsmacht drohe eine Kreditblase, auf die seine Banken schlecht vorbereitet seien. Zwar attestiert der IWF China „bemerkenswerte Fortschritte“, doch bei der Frage, ob die Reformen schnell genug vorangehen, um den wachsenden Gefahren vorzubeugen, sind die Experten skeptisch…
Die überforderte Weltmacht
Je tiefer Europa und die USA in die Krise rutschen, desto höher steigen die Erwartungen an China. Dabei ist auch dort die Wirtschaftswunderstimmung verflogen.
An den Meerjungfrauen wird nicht gespart. Es ist acht Uhr morgens, die wenigen Frühstücksgäste achten kaum auf die jungen Schwimmerinnen in den Nixenkostümen, die hinter der Scheibe des Aquariums zwischen Fischen und Korallen aufreizende Unterwassersaltos schlagen. Der dreißig Meter lange Fischtank bildet eine Wand des Restaurants – doch warum sollte das ein Hingucker sein in einem Hotel, in dem die Lobby ein goldener Rokokosaal von den Ausmaßen einer Messehalle ist, in dem jedes Bad einem gigantischen Kronleuchter Platz bietet und bereits die einfachen Zimmer nicht nur über einen, sondern gleich zwei private Whirlpools verfügen? 750 Suiten und 60 Konferenzsäle hat das Aoweixin-Hotel in der südchinesischen Kleinstadt Zhaoqing. Nur an einem fehlt es: an Gästen…
Merkels Marktforscher
Europa braucht China als Großinvestor. Dafür darf Peking bei der Struktur des Rettungsschirms mitbestimmen. Auch politische Zugeständnisse werden diskutiert.
So viel Medienandrang hat die Pekinger EU-Delegation noch nie erlebt. Der Konferenzsaal platzt aus allen Nähten, als sich am Freitag Klaus Regling der Presse stellt. Dass der Chef des Stabilitätsfonds EFSF nur wenige Stunden nach dem nächtlichen Durchbruch zum EU-Rettungsschirm nach China aufgebrochen ist, gilt vielen als Zeichen dafür, dass Europa seine Hoffnung auf neue Kredite maßgeblich auf die devisenreiche Volksrepublik stützt. Ein tatkräftiger Vertrauensbeweis aus Peking wäre für die Euroretter ein Befreiungsschlag…
Seltene Erden – jetzt noch seltener
Die Welt braucht sie, China hat sie: Seltene Erden, benötigt für den Bau von Smartphones, Elektromotoren oder Windrädern. Nun drosselt Peking die Produktion.
Was wäre wohl los, wenn die Opec-Staaten morgen bekannt gäben, dass sie die Ölförderung für einen Monat aussetzen, um damit den Preis in die Höhe zu treiben? Die Folgen wären wohl kaum weniger dramatisch als die der beiden Ölkrisen in den 1970er Jahren, welche die Industriestaaten in die Rezession drückten und die Angst ums Öl zur globalen Dauersorge machten. Zu den langfristigen Auswirkungen gehörten ein Umdenken in der Stromwirtschaft, aber auch ressourcenmotivierte Kriege. Ganz ähnlich ist die Politik, die China derzeit bei den Seltenen Erden verfolgt…
Die faule Stelle des Apfels
Steve Jobs hat viel erreicht, eines allerdings nicht: Zweifel an den Produktionsbedingungen bei seinen Zulieferern hat Apple nie ausräumen können.
„Die Welt hat einen wahren Helden verloren und ich einen Freund“, trauerte der taiwanesische Unternehmer Terry Gou um den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs. Über das persönliche Verhältnis der beiden Männer ist wenig bekannt, doch beruflich verband sie eine Partnerschaft, die für beide gleichermaßen profitabel wie rufschädigend war. Gous Elektronikkonzern Foxconn, in dessen chinesischen Werken auch Apples iPhones und iPads gefertigt werden, steht seit Jahren wegen angeblich schlechter Produktionsbedingungen am Pranger…
Putin drückt aufs Gas
Beim Geld fängt die Freundschaft erst an: Die Rivalen Russland und China ringen um ein Erdgas-Abkommen, das auch Europas Versorgung beeinflussen könnte.
Nordasien rückt ins Zentrum des weltweiten Wettlaufs um Ressourcen. Unmittelbar bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in der Mongolei einen großen Rohstoffabkommen festzurren will, stehen auch die großen Nachbarn China und Russland offenbar vor einer Vereinbarung über langfristige Erdgas-Lieferungen…
Erdbeeren für Pjöngjang
Wem nutzt es, wenn man die Not der Menschen in Nordkorea lindert? Für den deutschen Gartenbauer Karl Fall ist das keine Frage.
Wenn Karl Fall der Wahnsinn mal wieder zu viel wird, setzt er seine Kopfhörer auf und hört Heavy Metal. “Aber das ist gar nicht so häufig nötig”, sagt der 61-Jährige, “jedenfalls längst nicht so häufig, wie man vielleicht denken würde.” Alle paar Wochen mal, das reicht. Dabei könnte es nicht verwundern, wenn Fall sich öfter in die lärmenden Welten von Motörhead oder Megadeth flüchten und dort wohler fühlen würde als in seiner Alltagsrealität. Seit acht Jahren bemüht sich der Ingolstädter darum, Nahrung für ein Volk zu organisieren, das wohlhabend sein könnte und trotzdem hungert, weil sein Herrscher die Ressourcen des Landes für Atomwaffen und den persönlichen Luxus seines Gefolges verschwendet…