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	<title>Bernhard Bartsch &#187; Politik</title>
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	<description>TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN</description>
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		<title>Zwölf Fäuste für den Frieden</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 00:28:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsstaat]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Sechs chinesische Polizisten haben versehentlich die Frau ihres Chefs krankenhausreif geschlagen und so eine Diskussion über staatliche Willkür entfacht.</h3>
Sechzehn Minuten sind eine lange Zeit. Wenn man misshandelt wird, sind 16 Minuten eine Ewigkeit. Bei Profiboxkämpfen werden in sechzehn Minuten volle vier Runden absolviert, inklusive Pausen. Doch für Chen Yulian gab es keine Unterbrechung. Sechzehn Minuten lang wurde die 58-Jährige am Eingangstor der Provinzzentrale der Kommunistischen Partei im zentralchinesischen Wuhan  von sechs Polizisten geschlagen, getreten und beschimpft, bis sie in Ohnmacht fiel. Zweifel an ihrem Verhalten befiel die Aggressoren erst, als man ihnen später mitteilte, wen sie da malträtiert hatten: nicht etwa irgendeine hilflose ältere Dame, sondern die Ehefrau eines hohen Vorgesetzten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Sechs chinesische Polizisten haben versehentlich die Frau ihres Chefs krankenhausreif geschlagen und so eine Diskussion über staatliche Willkür entfacht.</h3>
<p>Sechzehn Minuten sind eine lange Zeit. Wenn man misshandelt wird, sind 16 Minuten eine Ewigkeit. Bei Profiboxkämpfen werden in sechzehn Minuten volle vier Runden absolviert, inklusive Pausen. Doch für Chen Yulian gab es keine Unterbrechung. Sechzehn Minuten lang wurde die 58-Jährige am Eingangstor der Provinzzentrale der Kommunistischen Partei im zentralchinesischen Wuhan  von sechs Polizisten geschlagen, getreten und beschimpft, bis sie in Ohnmacht fiel. Zweifel an ihrem Verhalten befiel die Aggressoren erst, als man ihnen später mitteilte, wen sie da malträtiert hatten: nicht etwa irgendeine hilflose ältere Dame, sondern die Ehefrau eines hohen Vorgesetzten.</p>
<p>Der Fall, der sich bereits am 23. Juni abspielte, aber erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangte, hat in der Volksrepublik eine heiße Diskussion über willkürliche Polizeigewalt entfacht. Jährlich werden Millionen Chinesen, die ihre Rechte durchzusetzen versuchen oder sich gegen Korruption und Amtsmissbrauch wehren, von Polizisten und angeheuerten Schlägertrupps eingeschüchtert, beschimpft, geschlagen oder verhaftet. Auch Chen wurde von den Zivilbeamten am Tor der Polizeizentrale für eine Beschwerdestellerin gehalten und wurde so Opfer von Handlungsanweisungen, die in der direkten Verantwortung ihres Mannes liegen. Denn Huang Shiming ist Direktor von Wuhans „Büro zur Aufrechterhaltung der sozialen Stabilität und Sicherheit“ und damit dafür zuständig, Proteste und Demonstrationen zu verhindern. Bisher waren seine Vorgesetzten mit Huang so zufrieden, dass er vergangenes Jahr sogar von Staats- und Parteichef Hu Jintao geehrt wurde. Seine Frau liegt seit nunmehr einem Monat im Krankenhaus.</p>
<p>Dass Chens Fall überhaupt bekannt wurde, ist ein erneuter Beweis für die Macht des Internets in China, aber auch das Verdienst mutiger chinesischer Journalisten. Aus Wut über den Vorfall schrieb Chens Schwester Chen Cuilian einen Eintrag für ein Blogforum, wo ein Redakteur der für ihre Recherchen zu sensiblen Themen berühmten „Südlichen Metropolenzeitung“ wurde darauf aufmerksam und recherchierte nach. Demnach soll Chens Martyrium in voller länge auf Überwachungskameras festgehalten sein, auf dem zu sehen sei, dass die sechs Zivilpolizisten aus dem Wärterhäuschen auf sie zustürmen und ohne eine Frage zu schlagen beginnen. Als Chen nach den ersten Hieben erklären kann, sie sei Angehörige eines hohen Parteidirektors, soll einer der Polizisten erwidert haben: „Ich würde dich auch verprügeln, wenn du die Frau des Gouverneurs wärst. Also was?“ Der Zeitung zufolge sollen die Beamten noch minutenlang auf die ohnmächtige Frau eingetreten haben sollen, bevor sie ins Wartezimmer für Beschwerdesteller gebracht wurde. Dort kam sie wieder zu sich und konnte ihren Mann anrufen. Im Krankenhaus wurden eine Gehirnerschütterung, zahlreiche Blutergüsse und Nervenverletzungen festgestellt.</p>
<p>Zwar versuchte sich ein Vorgesetzter der Übeltäter, die inzwischen vom Dienst suspendiert wurden, bei Chen zu entschuldigen – doch damit machte er alles noch schlimmer. „Der Vorfall war ein vollkommenes Missverständnis. Unsere Polizisten wussten ja nicht, dass sie die Ehefrau eines hochrangigen Beamten schlugen“, erklärte er. Seitdem stehen in zahlreichen Webforen Sätze wie: „Ihr habt also die falsche Person zusammengeschlagen – wer wäre denn die richtige gewesen?“ Der Aufruhr ist so groß, dass selbst die offiziellen Medien über den Fall berichten.  So bezeichnete etwa die Zeitung „Xiandai Kuaibao“, die von der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua herausgegeben wird, Gewalt gegen Beschwerdesteller als ein großes Problem. Im Internet werden die Kommentare jedoch noch direkter: „Premier Wen Jiabao sagt immer, die Regierung soll dafür sorgen, dass das Volks in Würde leben kann, aber in Wirklichkeit ist unser leben sehr unsicher“, schreibt ein Benutzer des Onlinedienstes QQ. Ein anderer gibt der Parteispitze in Peking eine direkte Mitschuld an der Anarchie im Staatsapparat: „Der Fall zeigt, das die Polizisten ihre Sache verstehen und gut ausgebildet sind. Starke Generäle dulden eben keine schwachen Soldaten.“</p>
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		<title>Die Meinungsfreiheit der Krake Paul</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 02:34:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Medien geben Angela Merkel nach ihrem Staatsbesuch gute Noten.</h3>
So gute Presse hätte Angela Merkel in Deutschland zweifellos auch gerne: Nach ihrer jüngsten Chinareise überbieten sich die Medien der Volksrepublik gegenseitig in Lobeshymnen auf die deutsche Bundeskanzlerin. „China und Deutschland verbringen wieder Flitterwochen zusammen“, titelte die Finanzzeitung „Guoji Jinrong Bao“...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Medien geben Angela Merkel nach ihrem Staatsbesuch gute Noten.</h3>
<p>So gute Presse hätte Angela Merkel in Deutschland zweifellos auch gerne: Nach ihrer jüngsten Chinareise überbieten sich die Medien der Volksrepublik gegenseitig in Lobeshymnen auf die deutsche Bundeskanzlerin. „China und Deutschland verbringen wieder Flitterwochen zusammen“, titelte die Finanzzeitung „Guoji Jinrong Bao“, während das offizielle Nachrichtenportal „Chinanews“ ihr das Verdienst zuspricht, das Vertrauen zwischen beiden Ländern vertieft zu haben. „Merkel hat es als Frau mit unauffälligem Charakter, die wenig Negatives ausstrahlt, leicht, in China beliebt zu sein“, zitiert die Webseite den Politologen Jin Canrong von der Pekinger Volksuniversität, der außerdem glaubt, dass stabile Beziehungen zu China auch Merkels innenpolitische Position stärken könne. Als besonderen Freundschaftsbeweis sahen es viele Medien auch, dass Merkel am vergangenen Samstag in Xian ihren 56. Geburtstag feierte. Das Portal „International Online“ glaubt, dass es eher die Unternehmen seien, die das Vertrauen zwischen Deutschland und China fördern. „Mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit lassen sich System- und Ideologieunterschiede überwinden“, schreibt das Blatt. „Merkels Chinabesuch zeigt, wie sich Europas Einstellung zu China ändert.“</p>
<p>Dennoch bereitet den chinesischen Medien das deutsche Chinabild Sorgen. Einem Bericht des Zentralfernsehens CCTV zufolge hat eine Umfrage unter deutschen und chinesischen Internetbenutzern ergeben, dass 90 Prozent der Chinesen eine positive Meinung von Deutschland haben, andersherum sind es nur 50 Prozent. „Dafür gibt es verschiedene Gründe, aber einer steht im Vordergrund“, erklärte Feng Zhongping, Leiter des Europazentrums im Chinesischen Institut für Internationale Beziehungen. „Wenn chinesische Journalisten in Deutschland sind, wollen sie etwas lernen und aufklären, aber deutsche Journalisten in China sind überheblich und kommen nur zu uns, um Probleme zu finden.“ Seit Jahren porträtiert China sich als Opfer einer Verschwörung gehässiger ausländischer Medien. Obwohl die Propagandabehörden Milliarden investieren, um Chinas Image im Ausland zu verbessern, müssen sie frustriert feststellen, dass sich die Berichterstattung in der internationalen Presse nicht so steuern lässt wie im eigenen staatlich kontrollierten Medienapparat. Mehrfach musste Merkel sich anhören, dass sich die Chinesen diskriminiert fühlen, unter anderem von Premier Wen Jiabao, der sich ausdrücklich wünschte, dass stärker über die „lichten Seiten der Beziehungen“ berichtet werden solle, etwa den Jugendaustausch. Allerdings hörte die Kanzlerin auch Warnungen, sich nicht von Peking einlullen zu lassen, wie aus einem Artikel der Hongkonger Zeitung „Oriental Daily“ hervorgeht, der von Merkels Treffen mit kritischen chinesischen Intellektuellen berichtet, darunter dem Blogger Michael Anti. „Michael Anti hat mit Merkel über den Oktopus Paul geredet“, schreibt das Blatt. „Der Fisch hat vorhergesagt, dass Deutschland das Spiel gegen Spanien verlieren werde, aber trotzdem ist er noch am Leben und wurde nicht gegessen.“ Damit habe Anti auf die „Wichtigkeit von Redefreiheit“ anspielen wollen: Unangenehme Wahrheiten auszusprechen ist in China nach wie vor gefährlich.</p>
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		<title>Chinesische Tonleiter</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 00:08:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Angela Merkel wählt in China die richtigen Worte - doch ganz ohne Dissonanzen geht es nicht.</h3>
<a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/pictureservlet.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2069" title="Copyright Stuttgarter Zeitung" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/pictureservlet.jpg" alt="" width="152" height="197" /></a>Der Moment, den alle gefürchtet haben, kommt am Samstagvormittag kurz vor halb elf. Über eine Stunde sitzen Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Premier Wen Jiabao schon auf unbequemen Antikmöbeln im "Pavillon der Purpurnen Wolke" in der alten Kaiserstadt Xian und beantworten Fragen deutscher und chinesischer Unternehmern. Die Stimmung ist gelöst, besonders auf chinesischer Seite. Unter Gelächter hat der Großreeder Wei Jiafu Merkel gefragt, warum der Ausbau des Hamburger Hafens nicht vorankomme - in der Volksrepublik ist man an ein strafferes Entwicklungstempo gewöhnt. Der Werkzeugfabrikant Xiang Wenbo hat ebenfalls für Heiterkeit gesorgt, als er forderte, chinesischen Investoren in Deutschland Sondervergünstigungen einzuräumen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Angela Merkel wählt in China die richtigen Worte &#8211; doch ganz ohne Dissonanzen geht es nicht.</h3>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/pictureservlet.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2069" title="Copyright Stuttgarter Zeitung" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/pictureservlet.jpg" alt="" width="198" height="256" /></a>Der Moment, den alle gefürchtet haben, kommt am Samstagvormittag kurz vor halb elf. Über eine Stunde sitzen Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Premier Wen Jiabao schon auf unbequemen Antikmöbeln im &#8220;Pavillon der Purpurnen Wolke&#8221; in der alten Kaiserstadt Xian und beantworten Fragen deutscher und chinesischer Unternehmern.</p>
<p>Die Stimmung ist gelöst, besonders auf chinesischer Seite. Unter Gelächter hat der Großreeder Wei Jiafu Merkel gefragt, warum der Ausbau des Hamburger Hafens nicht vorankomme &#8211; in der Volksrepublik ist man an ein strafferes Entwicklungstempo gewöhnt. Der Werkzeugfabrikant Xiang Wenbo hat ebenfalls für Heiterkeit gesorgt, als er forderte, chinesischen Investoren in Deutschland Sondervergünstigungen einzuräumen &#8211; schließlich seien die Anreize für Ausländer in China so gut, dass er selbst regelmäßig Geld ins Ausland schaffe, um es dann von dort aus in seiner Heimat zu investieren. &#8220;Stimmt, so läuft das&#8221;, lacht Premier Wen, dem das ironische Bekenntnis zu dubiosen Geschäften Freude zu bescheren scheint.</p>
<p>Auch die Deutschen sind auf ihre Kosten gekommen, etwa als Merkel dem Reeder geraten hat, mit seinen großen Schiffen lieber Wilhelmshaven anzusteuern, weil es mit der Elbvertiefung nicht einfach werde, solange in Hamburg die Grünen mitregieren. Oder als sie dem Werkzeugfabrikanten mit ein paar Gegenfragen das Eingeständnis abluchste, dass Deutschland auch ohne Sonderkonditionen ein starker Standort sei. Doch nun hat die Kanzlerin das Schlusswort und schlägt plötzlich eine andere Tonart an: Unverblümt fasst sie noch einmal die Sorgenthemen der deutschen Wirtschaft zusammen, die Siemens-Chef Peter Löscher, BASF-Vorstand Jürgen Hambrecht und Unternehmer Jürgen Heraeus aufs höflichste verpackt vorgetragen hatten: dass geistiges Eigentum in China schlecht geschützt wird, dass der Protektionismus zunimmt, dass deutsche Unternehmen sich zunehmend diskriminiert fühlen. &#8220;Ich habe Sorge, dass es wirklich gute Zugangsbedingungen zu Rohstoffen gibt&#8221;, sagt Merkel und bezweifelt damit offen, dass Wen die Wahrheit gesagt hat, als er wenige Minuten vorher genau das versprochen hatte. Die Atmosphäre im Saal ist auf einmal frostig, Wens Dauerlachen friert ein, einige schauen betreten zu Boden. &#8220;Da hat die Kanzlerin übertrieben, so direkt darf man das in China nicht sagen&#8221;, meint hinterher ein deutscher Manager. &#8220;Das war einfach nicht der richtige Ton.&#8221;</p>
<p>Der richtige Ton &#8211; von nichts hängt es mehr ab, ob im deutsch-chinesischen Verhältnis Musik ist oder Dissonanz. Ohne den schiefen Ton im &#8220;Pavillon der purpurnen Wolke&#8221; wäre Merkels vierter China-Besuch als Kanzlerin wohl ein perfektes diplomatisches Konzert geworden. Zwei Tage lang versuchte sie bei Chinas Führung das Vertrauen zurückzugewinnen, dass sie nach ihrem Empfang des Dalai Lamas im Kanzleramt im September 2007 verspielt zu haben schien.</p>
<p>Mehr als acht Stunden verbrachte sie mit Regierungschef Wen, daneben traf sie Präsident Hu Jintao und Vizepräsident Xi Jinping, der 2012 wohl an die Spitze des Staates rücken dürfte. In der Pekinger Parteihochschule sprach sie mit ranghohen Beamten und in der deutschen Botschaft mit kritischen Intellektuellen &#8211; ein diplomatisches Kürprogramm fernab der Berliner Koalitionsgefechte, das Merkel sichtlich zu genießen schien. Deutsche und chinesische Diplomaten sind sich einig, dass das Verhältnis so gut ist wie seit Jahren nicht und die Visite ein außerordentlicher Erfolg.</p>
<p>Daran ändert auch der Moment der Verstimmung in Xian nichts &#8211; obwohl gerade er zeigt, dass die Beziehungen längst nicht so einfach sind, wie es die politische Inszenierung erscheinen lässt. So sehr beide Seiten die Offenheit des Umgangs hervorheben, so schnell ist die gute Laune dahin, wenn die Dinge allzu deutlich beim Namen genannt werden. Dabei gibt es reichlich Probleme, vor allem wirtschaftlich: Einer Studie der EU-Handelskammer haben immer mehr europäische Unternehmen in China das Gefühl, dass Peking seine Märkte gegen ausländische Konkurrenz abschottet und fairen Wettbewerb verhindert. Doch je mehr Chinas wirtschaftlicher und politischer Einfluss wächst, umso leichter fällt es dem Land, ausländische Kritik zu ignorieren, oder sie so elegant an sich abperlen zu lassen, wie Wen es in Xian vormachte: Solange deutsche Unternehmen weiter in China investierten, könnten die Bedingungen ja nicht so schlecht sein, argumentierte er.</p>
<p>Obwohl sich die Chinesen auch in Zukunft kaum davon werden abhalten lassen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, dürfe man sie nicht als Partner in wichtigen internationalen Fragen verlieren, meinen deutsche Diplomaten. Schon wird darüber nachgedacht, welches Potential eine Achse Berlin-Peking haben könnte. In vielen Fragen hätten beide Seiten ein gemeinsames Interesse, ein Gegengewicht zu den USA aufzubauen, etwa beim Klimaschutz oder bei der Reform des internationalen Finanzsystems. Sogar ein gemeinsames Pilotprojekt zum zivilen Wiederaufbau in Afghanistan wird hinter verschlossenen Türen vorbereitet. Ob Deutsche und Chinesen eines Tages gemeinsam afghanische Polizisten, Richter oder Finanzbeamte ausbilden? Es wäre ein Novum in den Beziehungen, gewissermaßen eine zusätzliche Oktave auf der deutsch-chinesischen Tonleiter.</p>
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		<title>„China steckt fest“</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 18:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Angela Merkel hat sich mit vier Mitgliedern der Zivilgesellschaft getroffen. Der Jurist He Weifang erzählt, was er der deutschen Kanzlerin über China erklärt hat.</h3>
<em><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/He_Weifang.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2062" title="He Weifang" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/He_Weifang.jpg" alt="" width="167" height="203" /></a>Bernhard Bartsch: Herr He, Sie haben in Peking die deutsche Bundeskanzlerin getroffen. Was haben Sie ihr über China erzählt?</em>

He Weifang: Wir haben über Menschenrechte, Pressefreiheit, das Rechtssystem und Internetzensur gesprochen. Ich habe Kanzlerin Merkel vorgeschlagen, dass sie chinesische Politiker bei Deutschlandbesuchen einmal zum Bundesverfassungsgericht führen sollte, damit sie verstehen, wie eine unabhängige Justiz funktioniert. Außerdem können die Deutschen den Chinesen zeigen, dass es sich wirklich lohnt, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten und daraus zu lernen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Angela Merkel hat sich mit vier Mitgliedern der Zivilgesellschaft getroffen. Der Jurist He Weifang erzählt, was er der deutschen Kanzlerin über China erklärt hat.</h3>
<p><em><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/He_Weifang.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2062" title="He Weifang" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/07/He_Weifang.jpg" alt="" width="167" height="203" /></a>Bernhard Bartsch: Herr He, Sie haben in Peking die deutsche Bundeskanzlerin getroffen. Was haben Sie ihr über China erzählt?</em></p>
<p>He Weifang: Wir haben über Menschenrechte, Pressefreiheit, das Rechtssystem und Internetzensur gesprochen. Ich habe Kanzlerin Merkel vorgeschlagen, dass sie chinesische Politiker bei Deutschlandbesuchen einmal zum Bundesverfassungsgericht führen sollte, damit sie verstehen, wie eine unabhängige Justiz funktioniert. Außerdem können die Deutschen den Chinesen zeigen, dass es sich wirklich lohnt, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten und daraus zu lernen.</p>
<p><em>Bartsch: Das wird nicht leicht werden. Ausländischen Politikern fällt es immer schwerer, gegenüber Chinas Führung Kritik vorzubringen, denn die Volksrepublik sieht sich inzwischen als Supermacht und lässt sich nicht gerne belehren.</em></p>
<p>He: Gemessen an der Bevölkerung und dem Bruttoinlandsprodukt ist China zweifellos eine große Macht, aber beim Pro-Kopf-Einkommen sind wir im internationalen Vergleich weit hinten ist. Ob man China als Supermacht sieht oder nicht, hängt davon ab, welche Statistiken einem lieber sind.</p>
<p><em>Bartsch: Das Ausland schaut eher auf das große Ganze – Chinas Interna sind für uns ja zweitrangig.</em></p>
<p>He: So sieht das unsere Regierung leider auch. Unter Deng Xiaoping galt noch die Devise, auf der Weltbühne möglichst wenig aufzufallen und sich um die eigenen Probleme zu kümmern. Aber heute will die Regierung ihre Stärke demonstrieren, etwa mit den Olympischen Spielen oder der Weltausstellung. Sie glaubt, sie könne es sich leisten, Angst einflößend und einschüchternd aufzutreten. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen der Wahrnehmung der Regierung und der Wahrnehmung in Intellektuellenkreisen und der normalen Bevölkerung. Im Innern haben wir eine große Krise, unser Land ist sehr instabil und krisenanfällig. Hier in Peking merken wir davon wenig, da ist das Leben heute kaum anders als in Berlin. Aber direkt hinter der Stadtgrenze fängt die Armut an. Sieht so eine Supermacht aus? Ich glaube kaum.</p>
<p><em>Bartsch: Im Westen wird Chinas Auftreten aber durchaus als selbstbewusst wahrgenommen.</em></p>
<p>He: Man sollte Arroganz nicht mit Selbstbewusstsein verwechseln. Selbstbewusstsein ist ein psychologischer Zustand in dem man das Gefühl hat, im Recht zu sein. Aber Arroganz ist etwas ganz anders, die kommt eher aus Unsicherheit. Die entsteht, wenn unsere Politiker internationale Treffen besuchen. Jeder chinesische Politiker weiß, dass er der einzige am Tisch ist, der keine demokratische Legitimation mitbringt – und er weiß, dass alle anderem am Tisch das genauso sehen.</p>
<p><em>Bartsch: Sie glauben also, dass Chinas Politiker darin ein Problem sehen?</em></p>
<p>He: Ja, das ist für sie keine angenehme Situation. Wir sind ja nicht mehr in der Kulturrevolution, wo sich unsere Führung abgeschlossen hat und nicht mehr in der Lage war, Signale aus dem Ausland zu entschlüsseln. Mao Zedong hat tatsächlich geglaubt, er könne sich mit den USA anlegen, ohne dass es Probleme geben würde. So denkt heute niemand mehr.</p>
<p><em>Bartsch: Dass kritische Intellektuelle wie Sie das so sehen, verwundert nicht. Aber was denkt die normale Bevölkerung, deren einzige Informationsquellen die Staatsmedien sind?</em></p>
<p>He: Ich glaube, die Mehrheit findet, dass Chinas Situation derzeit nicht schlecht ist. Letztlich zählt für die meisten Menschen ja nur das, was in ihrem eigenen Leben eine Rolle spielt. Aber gleichzeitig nehmen sie sehr deutlich ihre eigene Schwäche wahr und wissen, dass es ihnen schwer fallen würde, ihre Rechte zu schützen, wenn sie einmal verletzt werden.</p>
<p><em>Bartsch: Trotzdem scheint die Mehrheit der Regierung zu vertrauen, zumindest der Pekinger Zentrale, die für Probleme gerne lokale Beamte verantwortlich macht.</em></p>
<p>He: Ja, aber langfristig wird das nicht funktionieren, wenn dem Anschein keine erfahrbare Realität gegenübersteht, und das ist nicht der Fall. Die empirischen Daten zeigen, dass die Mächtigen mächtiger und die Schwachen schwächer werden, die Reichen reicher und die Armen ärmer. Auch die Korruption nimmt zu. Das merken die Menschen, sie sind ja nicht doof. Keine Gesellschaft kann gut funktionieren, wenn die Regierung ihre eigenen Gesetze bricht. Natürlich ist es für jedes Land schwierig, vollständige Gerechtigkeit zu garantieren. Aber in China sind heute viele Parteisekretäre wie Mafiabosse, die mit Gewalt und Drohungen herrschen und sich auf Schlägertrupps stützen. Wie soll unter solchen Umständen ein rationaleres Herrschaftsmodell entstehen?</p>
<p><em>Bartsch: Trotzdem scheint sich die Mehrheit damit abzufinden und zu akzeptieren, dass es nichts bringt, die Regierung offen herauszufordern. Woher soll da neuer Reformdruck kommen?</em></p>
<p>He: Wenn unser Wirtschaftssystem Probleme bekommt – und das kann jederzeit passieren – ist es mit der Zustimmung für die Regierung vorbei. Das Wirtschaftswachstum ist die einzige echte Stütze, auf der die Regierung ihre Herrschaft aufgebaut hat, und wenn diese wacklig wird, droht ihr ganzes Haus zusammenzufallen.</p>
<p><em>Bartsch: Glauben Sie, dass die Regierung die richtigen Reformen einleiten kann?</em></p>
<p>He: In den Achtzigern gab es eine echte Hoffnung, China könne auf den demokratischen Weg einschlagen und einen Rechtsstaat einführen, der die Rechte und Freiheiten der Bürger schützt. Aber jetzt sieht es so aus, als wäre China zu einem solchen Wandel nicht in der Lage. Das größte Problem ist, dass wir nicht vom Sozialismus loskommen. Es ist unmöglich zu sagen: Wir wollen den Sozialismus aufgeben, wir wollen ein Mehrparteiensystem, wir wollen die Rechte, die in unserer Verfassung stehen, auch tatsächlich schützen. Wenn sie sich diesen Problemen nicht stellen, haben sie nur noch einen Ausweg: Stärke zeigen. Es ist das einzige, was China vor dem Zusammenbruch bewahrt. Meiner Meinung nach befindet sich die chinesische Regierung in einem großen Stillstand.</p>
<p><em>Bartsch: Die Regierung betont stets, dass sie den Reformweg weitergehen will. Warum werden Vorschläge von kritischen Intellektuellen wie Ihnen nicht gehört? </em></p>
<p>He: Die Auswahl von Kadern wird immer konservativer. In der Vergangenheit haben junge Führer sich auf dem Schlachtfeld bewähren müssen. Das brauchte Mut und Führungskraft. Heute haben wir nur noch Karrierebeamte, die sich auf der bürokratischen Leiter Schritt für Schritt nach oben gedient haben. Wer nicht ins System passt, wird schon früh aussortiert und an der Spitze kommen dann nur noch Menschen mit versteinerten Minen an. Das gilt auch für die höchste Parteispitze, die neun Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüros. Sie sind sehr defensiv, die großen sozialen Fragen lassen sie unberührt. Es gibt da nicht viel Kreativität, sie gehen mit den Problemen nicht proaktiv um. Und wer kritische Vorschläge macht, dem wird schnell vorgeworfen, er sei ein Saboteur, der sich mit den Feinden aus dem In- und Ausland gegen China verschworen haben.</p>
<p><em>ZUR PERSON: He Weifang, 50, gehört zu den prominentesten chinesischen  Juristen und Regimekritikern. Der Professor an der Peking Universität  galt lange als führender Reformer des chinesischen Rechtssystems, wurde  2009 aber wegen seiner kritischen Haltung an eine Hochschule in der  westchinesischen Provinz Xinjiang verbannt.</em></p>
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		<title>Hand in Hand</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 13:44:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Angela Merkel bemüht sich in China, der deutschen Wirtschaft Türen zu öffnen. Die Achse Berlin-Peking soll ein Garant globaler Stabilität werden.</h3>
Was für ein Tag, um für deutsche Umwelttechnologie zu werben: Zum Auftakt von Angela Merkels Staatsbesuch war Chinas Hauptstadt am Donnerstag in derart dicken Smog gehüllt, dass Pekings Protokollbeamte das militärische Begrüßungsritual vom Platz des Himmlischen Friedens in die Marmorhallen der Großen Halle des Volkes verlegen mussten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Angela Merkel bemüht sich in China, der deutschen Wirtschaft Türen zu öffnen. Die Achse Berlin-Peking soll ein Garant globaler Stabilität werden.</h3>
<p>Was für ein Tag, um für deutsche Umwelttechnologie zu werben: Zum Auftakt von Angela Merkels Staatsbesuch war Chinas Hauptstadt am Donnerstag in derart dicken Smog gehüllt, dass Pekings Protokollbeamte das militärische Begrüßungsritual vom Platz des Himmlischen Friedens in die Marmorhallen der Großen Halle des Volkes verlegen mussten. „Hätten die Chinesen mal mehr bei uns gekauft“, spöttelte ein mitreisender Wirtschaftsboss hinter dem Rücken der Kanzlerin.</p>
<p>Nach außen sind spitze Bemerkungen jedoch tabu: In wirtschaftlich und politisch turbulenten Zeiten beschwören beide Seiten die deutsch-chinesischen Beziehungen als eine Säule globaler Stabilität. Eine „völlig neue Ebene“ des Verhältnisses will Merkel ausgemacht haben, während Chinas Premier Wen Jiabao von einer „besonderen Partnerschaft“ spricht, in der man mit „konsolidierter Zuversicht Hand in Hand nach vorne gehen“ werde. Starke Symbole sollen die Rhetorik mit Inhalt füllen: Als Zeichen der Verbundenheit nahm sich Wen nicht nur in Peking vier Stunden Zeit für Merkel, sondern begleitet sie am Samstag, ihrem 56. Geburtstag, auch in die alte Kaiserstadt Xian &#8211; eine „außergewöhnliche Geste, die nicht einmal Obama bekommen hat“, wie es in Diplomatenkreisen heißt. Neben Wen traf Merkel in Peking auch mit Präsident Hu Jintao und Vizepräsident Xi Jinping. In der Pekinger Parteihochschule diskutierte Merkel mit Beamten verschiedener Ebenen über die Herausforderungen der chinesischen Entwicklung.</p>
<p>In der Heimat will sich Merkel mit ihrem vierten China-Besuch als Kanzlerin vor allem als Türöffnerin für die deutsche Wirtschaft profilieren. Zu ihrer 20-köpfigen Unternehmensdelegation gehören Siemens-Chef Peter Löscher und Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender von BASF. Umweltminister Norbert Röttgen unterzeichnete in Peking mehrere Staatsverträge zur Zusammenarbeit im Klima- und Umweltschutz, die deutschen Firmen neue Kooperationsmöglichkeiten erschließen soll. Dabei ist es kein Geheimnis, dass die wirtschaftlichen Beziehungen schwierig sind. Erst kürzlich hatte die Europäische Handelskammer in China in einer Mitgliederbefragung herausgefunden, dass europäische Unternehmen sich auf dem chinesischen Markt zunehmend diskriminiert fühlen. Merkel forderte deswegen einen Abbau von Marktzugangsbarrieren, stärkeren Investitionsschutz und Verbesserungen beim Schutz des geistigen Eigentums – seit Jahren das Mantra westlicher Politiker bei Chinareisen. Die Verbesserung der Marktbedingungen für ausländische Unternehmen sei Voraussetzung dafür, dass die EU China als Marktwirtschaft anzuerkennen bereit sei, sagte Merkel. Pekings Hoffnungen, dass es schon bei der nächsten Verhandlungsrunde im September zum Durchbruch kommen werde, erteilte die Kanzlerin eine höflich verpackte Absage.</p>
<p>Wen retournierte die leise Kritik mit einem Exkurs über die positive Rolle seines Landes bei der Bewältigung der Weltwirtschaft nach der Finanzkrise. Unter anderem habe China sich stets für die Stabilisierung des Euro eingesetzt habe und deutete an, dass die Volksrepublik ihre Devisenreserven von über 2000 Milliarden US-Dollar auch weiterhin zu einem beträchtlichen Teil an den europäischen Finanzmärkten anlegen werde. „Der europäische Finanzmarkt war, ist und wird in Zukunft einer der Hauptorte für die chinesischen Investoren sein&#8221;, sagte Wen. „Ich denke, mit der gemeinsamen Anstrengung der internationalen Gemeinschaft werden die EU und die Eurozone sicher ihre Schwierigkeiten überwinden. Die Eurozone kann die Stabilität der Finanzmärkte bewahren.“</p>
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		<title>Japan plagt die Abstiegsangst</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 06:44:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[DPJ]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[LDP]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Die Regierung des Inselreichs verliert ihre Mehrheit.</h3>
Sie wollten sein wie Barack Obama - und wurden es mehr, als ihnen lieb ist: Japans Demokraten (DPJ), die mit dem Versprechen eines grundlegenden Systemwechsels einen historischen Wahlsieg errangen, stehen wie der US-Präsident mit dem Rücken zur Wand. Bei der Oberhauswahl verlor die Regierung ihre Mehrheit in der zweiten Parlamentskammer und damit die Möglichkeit, ehrgeizige Reformvorhaben allein durchzusetzen. Das Votum ist ein unmissverständliches Zeichen, dass die Japaner den Neuanfang für gescheitert halten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Regierung des Inselreichs verliert ihre Mehrheit.</h3>
<p>Sie wollten sein wie Barack Obama &#8211; und wurden es mehr, als ihnen lieb ist: Japans Demokraten (DPJ), die mit dem Versprechen eines grundlegenden Systemwechsels einen historischen Wahlsieg errangen, stehen wie der US-Präsident mit dem Rücken zur Wand. Bei der Oberhauswahl verlor die Regierung ihre Mehrheit in der zweiten Parlamentskammer und damit die Möglichkeit, ehrgeizige Reformvorhaben allein durchzusetzen. Das Votum ist ein unmissverständliches Zeichen, dass die Japaner den Neuanfang für gescheitert halten. Es ist die Strafe für gebrochene Versprechen und enttäuschte Hoffnungen. Doch mit welcher Politik die &#8211; noch &#8211; zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ihrer seit zwanzig Jahren währenden Dauerkrise entkommen will, ist nun offener als je zuvor.</p>
<p>Verflogen ist die Aufbruchstimmung nach dem Ende der 54-jährigen, fast ununterbrochenen Einparteienherrschaft der Liberaldemokraten (LDP). Mehr Sozialstaat, weniger Bürokratie und ein höheres Selbstbewusstsein auf der internationalen Bühne &#8211; das war die Marschroute. Doch die Demokraten kamen schnell vom rechten Weg ab. Statt eine saubere Regierung aufzubauen, verhedderten sie sich in einem Parteispendenskandal. Statt die Macht der Bürokratie zu brechen, beförderten sie hohe Beamte auf prominente politische Posten. Statt wie angekündigt Autobahngebühren und Treibstoffaufschläge zu streichen und die Unterstützung für sozial schwache Familien deutlich zu erhöhen, beließen sie es bei enttäuschend kleinen Änderungen &#8211; so als hätten sie erst nach Amtsantritt entdeckt, dass die öffentlichen Kassen leer sind und der Staat total überschuldet ist. Und statt schließlich die USA zur Verlegung ihrer unbeliebten Militärbasis auf der Insel Okinawa zu überreden, stimmte die neue Regierung einem Kompromiss zu, den noch die Vorgänger ausgehandelt hatten.</p>
<p>Als die Zustimmungswerte im Mai unter die 20-Prozent-Marke gerutscht waren, versuchte die DPJ, durch den Abwurf von politischem Ballast wieder Auftrieb zu bekommen: Premier Yukio Hatoyama trat zurück, Finanzminister Naoto Kan übernahm. Mit neuen Reformankündigungen, insbesondere einer Mehrwertsteuererhöhung, versuchte er vergeblich, ein Debakel bei den Oberhauswahlen abzuwenden. Der Frust sitzt tief &#8211; nicht nur bei der DPJ. In Japan geht inzwischen die Angst vor dem Abstieg um: global, regional, sozial.</p>
<p>Die Weltmarktführerschaft japanischer Unternehmen gerät zunehmend unter Druck. Toshiba ist schon längst nicht mehr der führende Notebook-Hersteller, Sony nicht mehr die unumstrittene Nummer eins in der Unterhaltungselektronik, und bei Toyota jagt ein Produktionsfehler den nächsten. Die asiatische Führungsmacht heißt heute China. Während Pekings Einfluss beständig wächst, ist Japans früheres Erfolgsrezept längst Makulatur. Die Zeit des großen Zusammenhalts ist vorbei, die Kluft zwischen Reichen und Armen wächst, und die Politik schaut hilflos zu.</p>
<p>Dabei war Japans Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich und weit mehr noch als in Deutschland ein politischer Erfolg. Die LDP koordinierte den Schulterschluss der Eliten, ihre Wirtschaftsplaner steuerten den Aufbau mächtiger Industrien. Die Welt bewunderte und fürchtete Japan, bis Ende der Achtziger offensichtlich wurde, welchen Preis das Land für seinen Erfolg bezahlte. Die Klientelwirtschaft hatte das System ausgehöhlt, der Boom entpuppte sich als Blase.</p>
<p>Dass es trotzdem zwanzig Jahre brauchte, bis die Japaner sich trauten, die LDP aus dem Amt zu jagen, zeigt, wie verkrustet die Machtstrukturen in der Gesellschaft sind. Die DPJ, die im Unterhaus weiter über eine stattliche Mehrheit verfügt, wird nach dieser Schlappe für ihr Projekt neu werben und neue Koalitionen eingehen müssen. Ihre Chance: eine Alternative hat Japan derzeit nicht.</p>
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		<title>Nordkoreanische Zwickmühle</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 02:39:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Die USA verlangen von China eine klare Position zum Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffes “Cheonan”. Doch Peking hat selbst nur wenig Handlungsspielraum.</h3>
Aus chinesischer Sicht ist es eine Ungeheuerlichkeit, was Barack Obama sich zum Abschluss des G-20-Gipfels erlaubt hat. "Es gibt einen Unterschied zwischen Zurückhaltung und bewusster Blindheit im Angesicht beständiger Probleme", verurteilte der US-Präsident Chinas Politik gegenüber Nordkorea...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die USA verlangen von China eine klare Position zum Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffes “Cheonan”. Doch Peking hat selbst nur wenig Handlungsspielraum.</h3>
<p>Aus chinesischer Sicht ist es eine Ungeheuerlichkeit, was Barack Obama sich zum Abschluss des G-20-Gipfels erlaubt hat. &#8220;Es gibt einen Unterschied zwischen Zurückhaltung und bewusster Blindheit im Angesicht beständiger Probleme&#8221;, verurteilte der US-Präsident Chinas Politik gegenüber Nordkorea. Peking müsse einsehen, dass Pjöngjang mit dem Torpedoabschuss der südkoreanischen Korvette Cheonan, die Ende März mit 46 Matrosen an Bord unterging, zu weit gegangen sei. Chinas Leisetreterei gegenüber Nordkorea sei &#8220;eine schlechte Angewohnheit, mit der wir brechen müssen&#8221;. Das habe er seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao &#8220;unverblümt&#8221; gesagt.<br />
Wenig verärgert Chinas Politiker so sehr wie dozierend vorgetragene Kritik. Doch Obama, der sich nach monatelangen Konflikten zuletzt wieder um bessere Beziehungen zu China bemüht hatte, dürfte seine Tonart bewusst gewählt haben. Denn Peking steckt im Cheonan-Konflikt in einer Zwickmühle: Erkennt die Volksrepublik den internationalen Untersuchungsbericht zum Untergang an, gefährdet sie ihre exklusiven Beziehungen zu Nordkorea. Verweigert sie ihre Stellungnahme, verliert sie vor der globalen Öffentlichkeit Gesicht und Glaubwürdigkeit.<br />
Seit Wochen versucht Washington, flankiert von seinen Verbündeten in Seoul und Tokio, Druck auf Peking aufzubauen, damit die Vetomacht den Weg für eine Verurteilung Nordkoreas durch den UN-Sicherheitsrat frei macht. Chinesische Experten sind skeptisch, ob Peking zu einem Kurswechsel in der Lage ist. &#8220;Diese Sache ist für China sehr peinlich &#8211; die Regierung steckt in einem Dilemma&#8221;, sagt Shi Yinhong, Politologe an der Pekinger Volksuniversität. &#8220;Unsere Regierung hat eine klare Strategie, dass die bilateralen Beziehungen zu Pjöngjang wichtiger sind als die Meinung des westlichen Auslands. Deswegen glaube ich, dass China versuchen wird, in dieser Affäre keine Stellung beziehen zu müssen.&#8221;<br />
Jia Qingguo, Außenpolitikexperte von der Peking-Universität, glaubt dagegen, dass Chinas Regierung sich noch kein abschließendes Bild von den Umständen des Cheonan-Untergangs gemacht habe. &#8220;Es geht um Krieg und Frieden auf der Koreanischen Halbinsel, in Chinas unmittelbarer Nachbarschaft&#8221;, sagt Jia. &#8220;Da möchte sich unsere Regierung nicht zu einer Entscheidung drängen lassen.&#8221;<br />
Pekings künftige Position könnte maßgeblich von dem Ergebnis einer zweiten Untergangsstudie abhängen, die das russische Verteidigungsministerium durchführt und im Juli vorstellen will. Doch selbst wenn China sich einer UN-Resolution anschließen sollte, gäbe es kaum Möglichkeiten, Nordkorea zu bestrafen. &#8220;Da keine Partei einen militärischen Vergeltungsschlag wünscht, bleiben nur Handelssanktionen&#8221;, sagt Jia. &#8220;In diesem Bereich sind fast alle Möglichkeiten ausgeschöpft.&#8221;<br />
Nordkoreas Führung, die jede Verantwortung für den Cheonan-Untergang von sich weist, versucht derweil ihrerseits, mit scharfer Rhetorik den Druck zu erhöhen. Am Montag kündigte Pjöngjang an, sein Atomwaffenarsenal ausbauen zu wollen. Erst kürzlich hatten südkoreanische Wissenschaftler bei Luftproben erhöhte Xenon-Werte festgestellt, die auf neue nordkoreanische Nuklearexperimente schließen lassen, möglicherweise im Bereich der Kernfusion. Man wolle die &#8220;nukleare Abschreckung in einer neu entwickelten Weise verstärken, um mit der anhaltend feindseligen Politik der USA und der militärischen Bedrohung fertig zu werden&#8221;, hieß es in einem Bericht der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Sie warf den US-Truppen in Südkorea vor, am Wochenende schwere Waffen in das Grenzdorf Panmunjom gebracht zu haben. Wenn diese nicht unverzüglich abtransportiert würden, werde man &#8220;starke militärische Gegenmaßnahmen&#8221; ergreifen.</p>
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		<title>Der schwere Weg nach Hause</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 17:09:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Nordkoreas Fußballer sollten für ihr Land Sympathiepunkte sammeln, doch sie ernteten nur Mitleid. Droht ihnen in ihrer Heimat nun das Arbeitslager?</h3>
Es ist einer dieser schwarzhumorigen Scherze, über die man in aller Unschuld lacht, weil man sich nicht vorstellen kann, dass ihre Absurdität bittere Realität sein könnte: Müssen Nordkoreas Fußballer nach ihrem Vorrunden-Aus und der 7:0-Blamage gegen Portugal bei ihrer Heimkehr mit Arbeitslager oder anderen Strafen rechnen? Viele WM-Zuschauer stellten sich spaßhaft diese Frage, in Internetforen war sie ein Running Gag. Dabei könnte sie den nordkoreanischen Mannschaftsmitgliedern allen Ernstes durch den Kopf gehen, wenn sie diese Woche in ihr abgeschottetes Land zurückreisen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkoreas Fußballer sollten für ihr Land Sympathiepunkte sammeln, doch sie ernteten nur Mitleid. Droht ihnen in ihrer Heimat nun das Arbeitslager?</h3>
<p>Es ist einer dieser schwarzhumorigen Scherze, über die man in aller Unschuld lacht, weil man sich nicht vorstellen kann, dass ihre Absurdität bittere Realität sein könnte: Müssen Nordkoreas Fußballer nach ihrem Vorrunden-Aus und der 7:0-Blamage gegen Portugal bei ihrer Heimkehr mit Arbeitslager oder anderen Strafen rechnen? Viele WM-Zuschauer stellten sich spaßhaft diese Frage, in Internetforen war sie ein Running Gag. Dabei könnte sie den nordkoreanischen Mannschaftsmitgliedern allen Ernstes durch den Kopf gehen, wenn sie diese Woche in ihr abgeschottetes Land zurückreisen.</p>
<p>„Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, es kommt halt nicht immer so, wie man es sich wünscht“, versuchte Trainer Kim Jong-hun nach dem Portugal-Spiel Spekulationen über eine mögliche Rache von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il zu entkräften. „Aber weitere Konsequenzen wird es nicht geben.“ Doch schon nach Nordkoreas letzter WM-Teilnahme im Jahr 1966 hatte es Gerüchte über Strafen für die Spieler gegeben – und Kim Jong-il ist seinem damals herrschenden Vater Kim Il-sung in Sachen Unberechenbarkeit und Grausamkeit weit überlegen. Der „Geliebte Führer“ gilt als großer Fußballfan, der den Erfolg seiner Nationalmannschaft als persönliches Anliegen betrachtet. Sicherlich hatte er gehofft, dass die „Chollima“, die „fliegenden Pferde“, Nordkoreas miserables Image in der Welt aufpolieren und für ihr Land viele Sympathiepunkte erringen würden. Doch stattdessen erntete das Team nur Mitleid – und das nicht bloß wegen seiner 12 Gegentore bei nur einem einzigen eigenen Treffer, sondern vor allem auch wegen seiner Herkunft. Kaum ein Volk der Welt ist ärmer dran als die Bewohner des verarmten, rückständigen und isolierten Tyrannenstaates.</p>
<p>Dabei gehört Fußball zu den wenigen Bereiche, in dem Nordkoreas Herrscher seinen Untertanen einigermaßen korrekte Informationen über die Vorgänge im Rest der Welt gestattet. Die Nordkoreaner sind nicht weniger fußballbegeistert als andere Völker, und die überraschende Qualifikation für Südafrika war für das Land ein seltenes Erfolgserlebnis. Trainer Kim erklärte prompt, dass die Qualifikation maßgeblich den taktischen Anweisungen des „Geliebten Führers“ zu verdanken sei. Später behauptete der Coach sogar, sein Herrscher gebe ihm „während Spielen regelmäßig taktischen Rat, mithilfe eines Mobiltelefons, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist“. Da er kaum Scherze auf Kims Kosten machen dürfte, wird seitdem gerätselt, wie viel Wahrheitsgehalt in der Bemerkung steckt. Südkoreanische Medien spekulierten etwa, dass Kim Jong-il nach der respektablen 2:1-Niederlage gegen Brasilien persönlich die offensive – und letztlich fatale &#8211; Strategie gegen Portugal befohlen habe. Die Aufstellung habe einfach nicht dem Spiel von Trainer Kim entsprochen, zitierte die Zeitung Chosun Ilbo einen angeblichen Vertrauten des Coaches.</p>
<p>Doch selbst wenn der Diktator nicht selbst die Mannschaftsaufstellung bestimmt haben sollte, wird das Portugal-Spiel dem Herrscher als Propaganda-Debakel in Erinnerung bleiben. Denn nachdem das erste WM-Spiel im nordkoreanischen Fernsehen noch zeitverzögert ausgestrahlt worden war, wurde das Portugal-Match live übertragen – eine für Nordkorea ungewöhnliche Entscheidung, die zweifellos auf höchster Ebene gefällt worden sein muss. So hatten die staatlichen Wahrheitsingenieure keinerlei Möglichkeit, das Desaster gleich mit der dazugehörigen Verschwörungstheorie zu präsentieren.</p>
<p>Ob die Spieler dafür nun persönlich büßen müssen? Wenn Nordkorea, wie von Trainer Kim angekündigt, bei der nächsten Qualifikationsrunde wieder antritt, wird die Welt bald Gelegenheit haben, zu überprüfen, ob die alten Gesichter wieder dabei sind. Und man darf wohl hoffen, dass Nordkoreas oberster Fußballfan mit der Niederlage sportlicher umgeht als sein Vater 1966 mit dem Viertelfinal-Aus gegen Portugal (Damals verspielte Nordkorea eine 3:0-Führung, um schließlich 3:5 zu verlieren – womit Portugal bis in alle Ewigkeit der Angstgegner der „Chollima“ bleiben dürfte.). Kim Il-sung ließ seinerzeit nur wenige Monate nach der WM das nordkoreanische Fußballsystem zerschlagen und die beiden höchsten zuständigen Sportkader stürzen – angeblich wegen ihres kapitalistischen Klassenhintergrundes. 1999 desertierte der ehemalige Teammanager Yun Myong-chan nach Südkorea und berichtete dort, dass die meisten WM-Spieler in Konzentrationslager geschickt worden seien. Fünf Jahre später lief auch der ehemalige Trainer Moon Ki-nam in den Süden über und berichtete ebenfalls von harten Strafen, darunter Zwangsarbeit in Kohleminen. Pjöngjang bestreitet die Vorwürfe und erlaubte daraufhin einem britischen Dokumentarfilmer, einige der Spieler von 1966 zu interviewen (Die auf BBC ausgestrahlte Reportage „The Game of their Lives“ ist in voller Länge auf Youtube zu sehen.).</p>
<p>Man kann nur hoffen, dass Kim Jong-il die Verantwortung für Nordkoreas Isolation und die daraus resultierende mangelnde internationale Erfahrung seines Teams nicht den Spielern zuschiebt. Denn diese sind schon genug geschlagen: Nachdem sie anderthalb Monate den Wohlstand und das freie Leben außerhalb ihres Heimatlandes erfahren konnten, dürfte vielen von ihnen bewusst geworden sein, dass in Nordkorea leben zu müssen bereits Strafe genug ist.</p>
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		<title>Koreanisches Theater</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/koreanisches-theater/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Jun 2010 00:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Vor 60 Jahren brach der Koreakrieg aus – und ist bis heute nicht beendet. Ein Besuch bei den US-Soldaten, die den Waffenstillstand am 38. Breitengrad sichern.</h3>
Das "Affenhaus" bleibt heute leer. Die Spitzengardinen hinter den Fenstern der grauen Baracke sind zugezogen, die Türen versperrt ein Kettenschloss. "Manchmal schleichen sich die Nordkoreaner dort hinein und reißen plötzlich die Vorhänge auf, um uns den Vogel oder den Mittelfinger zu zeigen", erklärt Sean Howard. "Aber wir ignorieren sie. Das hier ist kein Ort für Albereien: Jede Provokation könnte zu einem militärischen Zwischenfall führen."...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vor 60 Jahren brach der Koreakrieg aus – und ist bis heute nicht beendet. Ein Besuch bei den US-Soldaten, die den Waffenstillstand am 38. Breitengrad sichern.</h3>
<p>Das &#8220;Affenhaus&#8221; bleibt heute leer. Die Spitzengardinen hinter den Fenstern der grauen Baracke sind zugezogen, die Türen versperrt ein Kettenschloss. &#8220;Manchmal schleichen sich die Nordkoreaner dort hinein und reißen plötzlich die Vorhänge auf, um uns den Vogel oder den Mittelfinger zu zeigen&#8221;, erklärt Sean Howard. &#8220;Aber wir ignorieren sie. Das hier ist kein Ort für Albereien: Jede Provokation könnte zu einem militärischen Zwischenfall führen.&#8221;</p>
<p>Howard trägt einen hellen Anzug in Tarnfarben, Springerstiefel, eine Pistole am Gürtel und Abzeichen, die ihn als Private First Class ausweisen, als Obergefreiten. Eine tiefschwarze Sonnenbrille verhindert jeden Blickkontakt. &#8220;Wir wollen mit unseren Feinden kein Augenstechen spielen&#8221;, sagt der Soldat und meint das Spiel, bei dem zwei sich anstarren, bis einer blinzelt.</p>
<p>Howard diente im Irak, bevor die US-Armee ihn ins &#8220;Korean theater&#8221; schickte, wie das Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea im US-amerikanischen Militärjargon heißt. 28.500 US-Soldaten sind auf der Halbinsel stationiert, doch an vorderster Front steht nur ein kleines Bataillon, das den Frieden in der sogenannten Gemeinsamen Sicherheitszone der Vereinten Nationen gewährleisten soll: Sechs Militärbaracken aus Fertigteilen, genau über dem Grenzstreifen platziert, sollen im Ernstfall als Räume für Krisengespräche bereitstehen.</p>
<p>&#8220;Die Gebäude wurden 1953 errichtet, um den Waffenstillstand des Koreakriegs auszuhandeln&#8221;, erklärt Howard. &#8220;Sie sind bis heute mit T für ,temporär gekennzeichnet. Damals dachte man, dass dem Ende der Kampfhandlungen bald ein Friedensvertrag folgen würde.&#8221; Stattdessen geht der Konflikt im Korean theater an diesem Freitag in sein siebtes Jahrzehnt. &#8220;Theater&#8221;, das heißt im militärischen Englisch Kriegsschauplatz. Aber es heißt eben auch Theater.</p>
<p>Die kleine UN-Sicherheitszone, gut einen halben Quadratkilometer groß, ist der einzige Ort entlang der 250 Kilometer langen Grenze, an dem sich Soldaten beider Seiten unmittelbar gegenüberstehen. Die Koreaner nennen ihn bis heute Panmunjom &#8211; so hieß das Dorf, das hier einst zwischen die Fronten geriet. Wo früher Bauern Reis und Gemüse anpflanzten und in die 50 Kilometer südlich gelegene Metropole Seoul verkauften, spielt sich heute en miniature der große Konflikt ab, dessen teils grausame, teils bizarre Episoden seit 60 Jahren das Leben der insgesamt 75 Millionen Koreaner bestimmt.</p>
<p>&#8220;Auf den ersten Blick mag es einem hier friedlich erscheinen&#8221;, sagt Lieutenant Colonel John Rhodes, der Kommandeur des Sicherheitsbataillons, beim Rundgang über Camp Bonifas. Hier sind 500 US-amerikanische und südkoreanische Bewacher gemeinsam stationiert. Neben den Wohn- und Bürobauten stehen ein Laden, ein Internetcafé, eine Kirche. Es gibt Baseball- und Basketball-Plätze und einen Ein-Loch-Golfplatz, den Rhodes stolz die &#8220;gefährlichste Golfanlage der Welt&#8221; nennt. &#8220;Man darf sich nicht täuschen lassen: Die Nordkoreaner sind unberechenbar und können jederzeit etwas sehr Dummes tun&#8221;, erklärt er.</p>
<p>Der Komandeur erinnert damit an den Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffs Cheonan Ende März. Dabei starben 46 südkoreanische Matrosen. &#8220;Es war der schwerste Zwischenfall seit Ende des Koreakriegs&#8221;, betont Rhodes. &#8220;Das ist eben typisch für Nordkorea: Jahrelang passiert nichts, aber dann schlagen sie zu &#8211; und unser Job ist es, darauf vorbereitet zu sein.&#8221;</p>
<p>Auf Regierungsebene hat der Cheonan-Zwischenfall zu einer Eiszeit geführt &#8211; und zum endgültigen Ende der &#8220;Sonnenscheinpolitik&#8221;, in die Koreaner auf beiden Seiten zehn Jahre lang ihre Hoffnung auf eine Annäherung setzten. Ende Mai kappte Seoul fast alle Handelsverbindungen mit dem Norden und kündigte demonstrative Marine-Manöver an. Pjöngjang soll im Gegenzug im Mai erneut Nuklearexperimente durchgeführt haben, wie südkoreanische Wissenschaftler aus Luftproben von der Grenze schließen. Nun droht Nordkorea gar mit einem &#8220;totalen Krieg&#8221;.</p>
<p>Doch obwohl politisch scharf geschossen wird, herrscht im Waffenstillstandsdorf Panmunjom weiter eiserne Ruhe. &#8220;Es gibt keine Zeichen für eine Mobilmachung des Nordens&#8221;, sagt Rhodes. Ein striktes Protokoll regelt den Alltag. Auf ihren Patrouillengängen notieren die Soldaten penibel alle Vorkommnisse auf der anderen Seite. Je weniger es sind, umso größere Bedeutung messen sie jedem einzelnen zu. Zum eigenen Schutz tragen die Soldaten nur leichte Handfeuerwaffen.</p>
<p>Einmal am Tag überprüfen die Soldaten, ob das Krisentelefon zu den Nordkoreanern intakt ist. In normalen Zeiten heben die Nordkoreaner den Hörer ab und legen gleich wieder auf &#8211; ohne ein Wort zu sprechen. In schlechten Zeiten lassen sie es klingeln. Dann greift sich der UN-Kommandeur ein Megaphon, eilt zusammen mit einem Übersetzer an die Grenzlinie und ruft den nordkoreanischen Wachposten zu, doch bitte ans Telefon gehen zu gehen, wenn´s läutet. &#8220;Manchmal geht das tagelang so&#8221;, erklärt Rhodes. Er will nicht sagen, wie die Kommunikation derzeit so läuft im Korean theater.</p>
<p>Obwohl Nordkoreas Volksarmee mit 1,2 Millionen Soldaten fast doppelt so groß ist wie die Streitkräfte im Süden, wäre sie deren technischer Übermacht im Kriegsfall kaum gewachsen. Weil aber ein Drittel der Südkoreaner innerhalb der Reichweite von nordkoreanischen Kurzstreckenraketen lebt, stellt der rückständige Norden für den entwickelten Süden eine ernste Bedrohung dar. &#8220;Kim Jong Il könnte den Süden nie besiegen, aber er könnte große Zerstörung anrichten&#8221;, sagt der 78-jährige südkoreanische Friedensaktivist und Koreakriegsveteran Kim Sang Hun. &#8220;Die junge Generation kann sich heute zwar nicht mehr vorstellen, dass es noch einmal einen Krieg geben könnte, aber für die Älteren unter uns ist er immer noch präsent.&#8221;</p>
<p>Der Krieg: Das ist für die Koreaner ein zutiefst prägendes Moment ihrer Identität. Immer wieder bemächtigten sich die regionalen Großmächte der strategisch wichtigen Halbinsel. Die Eigenheiten ihrer Bewohner interessierten sie wenig &#8211; bis heute betrachten viele Chinesen und Japaner Korea als schlechte Kopie ihrer jeweils eigenen Kultur.</p>
<p>Koreas letzte Phase echter nationaler Selbstständigkeit liegt inzwischen über hundert Jahre zurück: Anfang des 20. Jahrhunderts kolonialisierten die Japaner die Halbinsel, in der Hoffnung, sie als Brückenkopf für die Eroberung Chinas zu nutzen. Nachdem Tokios Träume einer &#8220;Großasiatischen Wohlstandssphäre&#8221; 1945 in den Trümmern von Hiroshima und Nagasaki untergegangen waren, beschlossen die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs in Potsdam die Teilung der Halbinsel: Nördlich des 38. Breitengrades übernahmen die Sowjets die Kontrolle, südlich davon die US-Amerikaner. &#8220;Niemand hätte gedacht, dass der 38. Breitengrad eine permanente Trennungslinie werden könnte&#8221;, sagt der Politologe Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul.</p>
<p>Doch ausgerechnet ein Wiedervereinigungsversuch zementierte die Teilung: Am 25. Juni 1950, heute vor 60 Jahren, startete die von Moskau installierte nordkoreanische Regierung des Revolutionsführers Kim Il Sung einen Überraschungsangriff und drängte die südkoreanischen und amerikanischen Truppen zunächst bis auf die Südspitze der Halbinsel zurück. Doch die USA konterten an der Spitze einer internationalen Allianz, gegen die sich die Nordkoreaner nur mit massiver Unterstützung Chinas erwehren konnten. Drei Jahre und schätzungsweise drei Millionen Tote später standen beide Seiten wieder dort, wo sie angefangen hatten: am 38. Breitengrad.</p>
<p>Am 27. Juli 1953 unterzeichneten beide Seiten in Panmunjom einen Waffenstillstandsvertrag. Dass die innerkoreanische Grenze seitdem die am schärfsten bewachte und am wenigsten durchlässige auf dem Globus ist, legte die Grundlage für die unterschiedlichen Entwicklungen der beiden Koreas: Während der Norden heute isoliert und eines der ärmsten Länder der Welt ist, wuchs Südkorea zu einer wohlhabenden Industrienation heran. Die Amerikaner engagierten sich in Südkorea keineswegs als Förderer der Demokratie. &#8220;Die USA hatten nur ihre regionalen Machtinteressen im Kopf und arbeiteten bereitwillig mit Südkoreas Militärdiktatoren&#8221;, sagt Aktivist Kim. &#8220;Unsere Demokratie haben wir uns selbst erkämpft.&#8221;</p>
<p>Obwohl die USA in Südkorea nicht sonderlich beliebt sind und es in den vergangenen Jahren immer wieder antiamerikanische Proteste gab, erkennt die Mehrheit der Südkoreaner an, dass sie der US-Präsenz einen großen Teil ihres Fortschritts verdanken. &#8220;Ohne die USA wäre Südkorea nicht so sicher und modern&#8221;, sagt Kim. Auch in Washington sieht man Korea als Beweis dafür, dass die Welt Amerikas militärisches Engagement braucht. Wenn den Amerikanern im Nahen Osten vorgeworfen wird, Stabilität eher zu zerstören als zu schaffen, so verweisen sie auf Ostasien, wo sie seit 57 Jahren ein Wiederaufflammen des Koreakriegs verhindern.</p>
<p>&#8220;Es geht um viel mehr als um die koreanische Halbinsel&#8221;, sagt Rhodes bei Burger und Tacos in der Kantine. Hinter der Theke hängen Fotos von US-Prominenten, die zur Hebung der Truppenmoral auf Besuch waren, zuletzt Countrysänger Toby Keith und die Dallas Cowboys Cheerleaders. Auf einem großen Bildschirm läuft ein Zeichentrickfilm. Neben dem Billardtisch liegen Stapel mit Flugblättern zum Umgang mit Gefechtsstress oder sexueller Belästigung. &#8220;Wenn es hier zu einem Zusammenstoß kommt, beeinträchtigt das die Stabilität in der ganzen Region&#8221;, erklärt Rhodes, &#8220;China, Russland, Japan &#8211; alle mischen in diesem Konflikt mit.&#8221;</p>
<p>Dass der Vorhang fällt im Korean theater, ist in der gegenwärtigen Lage nicht zu erwarten. Für einen Abzug der US-Truppen gibt es keine Pläne, auch wenn das Kommando im Kriegsfall ab 2012 der koreanische Generalstab führen soll. &#8220;Wir sind auf Bleiben eingestellt&#8221;, sagt Rhodes. Für ihn selbst geht es Ende des Jahres weiter: Zu seinem dritten Irak-Einsatz. Glücklich ist er darüber nicht. &#8220;Eigentlich hatte ich auf Afghanistan gehofft&#8221;, erklärt er. &#8220;Im Irak bilden wir vor allem irakische Truppen aus, aber in Afghanistan gibt es richtige Kampfeinsätze &#8211; und das ist es doch, wofür wir eigentlich in diesem Job sind.&#8221;</p>
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		<title>Reicher Onkel China</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 02:25:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Für Pekings Außenpolitiker hat die Sicherung von Rohstoffen höchste Priorität – auch wenn sie damit korrupten Regimen den Machterhalt sichern.</h3>
Es war beim Staatsbankett, die offiziellen Gespräche waren längst gelaufen, als Chinas Präsident Hu Jintao seinem Gast noch beiläufig eine wichtige diplomatische Botschaft mit auf den Weg gab. “Es gibt keine Alternative zu Hamid Karzai”, erklärte Hu Mitte Mai dem deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler, der in China seine letzte dienstliche Auslandsreise absolvierte... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Für Pekings Außenpolitiker hat die Sicherung von Rohstoffen höchste Priorität – auch wenn sie damit korrupten Regimen den Machterhalt sichern.</h3>
<p>Es war beim Staatsbankett, die offiziellen Gespräche waren längst gelaufen, als Chinas Präsident Hu Jintao seinem Gast noch beiläufig eine wichtige diplomatische Botschaft mit auf den Weg gab. “Es gibt keine Alternative zu Hamid Karzai”, erklärte Hu Mitte Mai dem deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler, der in China seine letzte dienstliche Auslandsreise absolvierte. In einer Zeit, da der westliche Regierungen aus ihren Problemen mit Afghanistans Präsidenten kaum noch einen Hehl machten, wollte Peking keine falschen Hoffnungen aufkommen lassen, man werde sich an einer Demontage des umstrittenen Regierungschefs beteiligen.</p>
<p>Hu hat allen Grund, Karzai die Treue zu halten. Unter seiner Herrschaft ist Afghanistan für China von einem Sorgennachbarn zu einem lukrativen Markt geworden. Im Gegenzug für finanzielle Unterstützung und Hilfe beim Infrastrukturaufbau hat Kabul Pekings Staatskonzernen die Rechte an wichtigen Rohstoffvorkommen in Aussicht gestellt. 2008 erhielt ein chinesisches Konsortium bereits den Zuschlag für den Abbau der Aynak-Kupfermine südlich der afghanischen Hauptstadt. Die Förderung soll in drei bis vier Jahren beginnen und Afghanistans Regierung 4,4 Milliarden Dollar einbringen. Auch im internationalen Wettbieten um die Eisenerzmine Hajigak, die bis zu sechs Milliarden Dollar wert sein soll, rechnet China sich auch gute Chancen aus. An Afghanistans Öl- und Gasvorkommen hat die Volksrepublik ebenfalls aktives Interesse bekundet.</p>
<p>Pekings Engagement im Afghanistan ist typisch für die chinesische Außenpolitik: Die Sicherung von Ressourcen hat für Chinas Diplomaten höchste Priorität. Denn das Land verfügt selbst bloß über wenige Rohstoffe und kann seinen Wirtschaftsboom nur aufrecht erhalten, indem es sich im Ausland Zugänge zu Erzen und Energieträgern zu kaufen. Wo immer neue Minen, Öl- oder Gasfelder erschlossen werden, bieten die chinesischen Staatsbetriebe mit, und da sie Zugang zu Chinas gewaltigen Devisenreserven von über 2000 Milliarden Dollar haben, spielt Geld meist keine Rolle. Da Chinas Gebote in Industrienationen wie Australien, den USA oder Kanada dennoch wiederholt auf politische Vorbehalte stoßen, bemüht sich Peking besonders um Länder, mit denen der Westen nur ungern Geschäfte macht, etwa mit Simbabwe, dem Sudan und anderen afrikanischen Diktaturen, mit dem Iran, Nordkorea oder Venezuela. Dass Peking keinerlei Ambitionen haben, politischen Einfluss zu nehmen, macht es für Herrscher mit zweifelhafter Legitimation attraktiv, mit den Chinesen zu kooperieren. Häufig bietet die Volksrepublik seinen Geschäftspartnern sogar politische Rückendeckung in internationale Gremien. Unter anderem hat Peking als Vetomacht im Uno-Sicherheitsrat schon mehrfach Sanktionsforderungen gegen den Iran oder Nordkorea verhindert oder zumindest abgeschwächt. Außerdem bezahlt die Volksrepublik ihre Rohstoffe auch mit Entwicklungsleistungen wie Straßen, Eisenbahnen oder Telekommunikationsnetzen – und bringt die Arbeiter dafür oft sogar selbst mit. Westliche Länder haben zunehmend das Nachsehen.</p>
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		<title>Sturm der fliegenden Pferde</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 14:37:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea nimmt erstmals seit 44 Jahren an der Fußballweltmeisterschaft teil. Die Spieler sollen nicht nur sportlich, sondern auch politisch punkten.</h3>
Sie nennen sich „Chollima“, die „fliegenden Pferde“, und nichts weniger als übernatürliche Fähigkeiten werden sie brauchen, um bei der Fußballweltmeisterschaft so aufzutreten, wie sie es sich wünschen: Nordkoreas Nationalspieler treten in Südafrika nicht nur im sportlichen Wettbewerb an, sondern soll auch im politischen. Sie sollen das miserable Image ihrer Heimat aufpolieren und ihrem „Geliebten Führer“ Kim Jong-il wenn schon nicht den Pokal, so doch wenigstens viele Sympathiepunkte mit nach Hause bringen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea nimmt erstmals seit 44 Jahren an der Fußballweltmeisterschaft teil. Die Spieler sollen nicht nur sportlich, sondern auch politisch punkten.</h3>
<p>Sie nennen sich „Chollima“, die „fliegenden Pferde“, und nichts weniger als übernatürliche Fähigkeiten werden sie brauchen, um bei der Fußballweltmeisterschaft so aufzutreten, wie sie es sich wünschen: Nordkoreas Nationalspieler treten in Südafrika nicht nur im sportlichen Wettbewerb an, sondern soll auch im politischen. Sie sollen das miserable Image ihrer Heimat aufpolieren und ihrem „Geliebten Führer“ Kim Jong-il wenn schon nicht den Pokal, so doch wenigstens viele Sympathiepunkte mit nach Hause bringen. Es ist das erste Mal seit 44 Jahren, dass sich das abgeschottete Land für eine WM qualifiziert hat, und die Nordkoreaner träumen davon, dass ihrer Mannschaft auf diesmal so aufspielen wird, wie 1966 in England, als sie bis ins Achtelfinale gelangte und auf dem Weg dorthin Italien nach Hause schickte. Angesichts der harten Konkurrenz in Gruppe G, in der sich Nordkorea mit Brasilien, Portugal und der Elfenbeinküste messen muss, wäre ein Weiterkommen allerdings eine Sensation.</p>
<p>Das Team von Trainer Kim Jong-hun ist so geheimnisvoll wie ihr Land. Die Spieler geben keine Interviews und lassen sich nicht beim Training zuschauen. Auf der Weltrangliste liegen sie auf Platz 104 und stehen damit für nordkoreanische Verhältnisse überdurchschnittlich gut da. In den meisten anderen internationalen Vergleichstabellen – etwa Pro-Kopf-Einkommen, Presse- oder Religionsfreiheit &#8211; liegt das Land rund hundert Plätze weiter hinten. Der Fußball hat eben auch in Nordkorea seine eigenen Gesetze. Nordkoreaner sind nicht weniger fußballbegeistert als andere Völker, und in keinem anderen Bereich gewährt ihnen ihre Regierung bessere Informationen über die Vorgänge im Rest der Welt informiert wie im Fußball. Diktator Kim gilt selbst als passionierter Fan und verbuchte die überraschende Qualifikation seines Teams prompt für sich. Die offizielle Nachrichtenagentur KCNA berichtete, es seien maßgeblich die Anweisungen des großen Generals gewesen, die Nordkoreas Fußball wieder auf Erfolgskurs gebracht hätten.</p>
<p>Fast alle Spieler sind Absolventen der offiziellen „Sportschule Kim Il-sung“ und kicken für eine der 14 Mannschaften der nordkoreanischen Liga. Die Clubs gehören zu Behörden oder Staatsbetrieben und tragen Namen wie „Lokomotive“, „Gelber Fluss“ oder „26. April“. Wichtige Spiele finden in Pjöngjangs Kim-Il-sung-Stadion statt, dessen Kunstrasen aus Deutschland stammt und den Nordkoreanern 2006 von der Fifa gestiftet wurde.</p>
<p>Drei Spieler stehen allerdings bei ausländischen Vereinen unter Vertrag: Stürmer Hong Yong-jo spielt bei dem russischen Erstligisten Rostow und der  Mittelfeldspieler An Yong-hak beim japanischen Klub Omiya Ardija. Auch der Star des Teams spielt in Japan: Jong Tae-se stürmt für den Erstligisten Kawasaki Frontale und trägt den Spitznamen „Wayne Rooney des Volkes“, weil er mit seiner bullige Statur und Spielweise an den englischen Star erinnert. Tatsächlich soll der 25-Jährige einmal probeweise bei einem Verein der englischen Premier League trainiert haben, erhielt dann aber doch keinen Vertrag.</p>
<p>Jongs Verpflichtung ist für die Pjöngjang sportlich wie politisch ein Coup, denn der Fußballer ist einer der wenigen Auslandskoreaner, die sich offen und freiwillig zu Nordkorea bekennen. In Japan als Sohn eines nordkoreanischen Vaters und einer südkoreanischen Mutter geboren, besitzt er sowohl die nordkoreanische als auch die südkoreanische Staatsangehörigkeit. Obwohl Jong auch in Südkorea ein Star ist und dort sogar Werbeverträge hat, besteht er darauf, Nordkoreaner zu sein. „Ich bin so glücklich, mein Volk repräsentieren zu können“, sagte er vor der Abreise ins Trainingslager vor japanischen Journalisten. „Wenn Kim Jong-il, die hochrangigste Persönlichkeit in unserem Land, zufrieden ist, ist es für mich eine Ehre.“ Zwar führt Jong einen alles andere als nordkoreanischen Lebensstil – sein Monatsgehalt bei Kawasaki Frontale soll bei 200.000 Euro liegen. Doch wie bei vielen Angehörigen der 500.000 in Japan lebenden Koreaner steckt hinter dem Bekenntnis zu den gefürchteten Nordkoreanern ein gewisser Trotz. Die koreanische Minderheit, deren Vorfahren in der Regel während des Zweiten Weltkriegs als Arbeiter kamen, fühlt sich von den Japanern häufig diskriminiert. Jong, der in Japan eine von Nordkorea finanzierte Schule besuchte, warf der japanischen Regierung offen vor, den Koreanern absichtlich „das Leben schwer zu machen&#8221;. Die Weltmeisterschaft sei eine Möglichkeit, ein freundliches Bild von Nordkorea zu zeigen, sagte Jong: „Jeder denkt, Nordkorea sei ein wirklich gefährliches Land, aber wir spielen nicht so schmutzig wie China oder Südkorea.“</p>
<p>Vor dem ersten Spiel dominieren allerdings negative Schlagzeilen. Ein Trainingslager in Zimbabwe musste nach Protesten der dortigen Bevölkerung abgesagt werden. Diktator Robert Mugabe hatte sich in den Achtzigern von Nordkorea bei der Ausbildung seiner Armee helfen lassen und diese dann gegen Widersacher im eigenen Land eingesetzt. Stattdessen reisten die Nordkoreaner, die zuerst in der Schweiz trainiert hatten, direkt nach Südafrika. Ärger gab es auch bei der Kadernominierung. Trainer Kim  hatte einen Stürmer als dritten Torwart angemeldet – offenbar in der Hoffnung, so einen zusätzlichen Offensivspieler in Reserve zu haben. Der Trick wurde jedoch zum Eigentor: Die Fifa stellte klar, dass Torhüter auch nur als solche eingesetzt werden können.</p>
<p>Unklar ist auch immer noch, wie die Nordkoreaner die Spiele ihrer Mannschaft verfolgen können. Laut Vertrag mit der Fifa liegen die Übertragungsrechte für die gesamte koreanische Halbinsel bei dem südkoreanischen Privatsender SBS. Bei der letzten Weltmeisterschaft gab SBS die Spiele umsonst an Nordkorea weiter. Südkoreas Regierung, die allen Übermittlungen von Rundfunksignalen in den Norden zustimmen muss, unterstützte das Übertragungsgeschenk und übernahm sogar die Datentransferkosten von 132.500 US-Dollar. Nachdem Nordkorea jedoch Ende März das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan abgeschossen und 46 Matrosen getötet hat, weigert sich Seoul, die Fußballübertragung umsonst zur Verfügung zu stellen. Die teuren Rechte kann sich Pjöngjang allerdings kaum leisten. Auf die ein oder andere Weise werden die Nordkoreaner aber schon zu ihren Spielen kommen, denn zur Not kann sich Pjöngjang die Übertragung einfach aus einem anderen Land klauen. Selbst wenn ihre Fußballer sich einer sauberen Spielweise rühmen &#8211; ihre Regierung ist für ihre Fouls berüchtigt.</p>
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		<title>Kommunistische Stiefbrüder</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 02:36:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>China gilt als Nordkoreas einziger Verbündeter. Doch die sozialistische Brudertreue ist erfüllt von Misstrauen.</h3>
Nordkorea und China seien wie „Lippen und Zähne“, beschrieb einst Mao Zedong die Beziehung der kommunistischen Bruderstaaten. Heute scheint es jedoch eher, als beiße sich China mit den Zähnen auf die Lippen: So sehr beide Länder auch nach außen ihre Freundschaft beschwören, so sehr ist das Verhältnis von wachsendem Misstrauen geprägt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>China gilt als Nordkoreas einziger Verbündeter. Doch die sozialistische Brudertreue ist erfüllt von Misstrauen.</h3>
<p>Nordkorea und China seien wie „Lippen und Zähne“, beschrieb einst Mao Zedong die Beziehung der kommunistischen Bruderstaaten. Heute scheint es jedoch eher, als beiße sich China mit den Zähnen auf die Lippen: So sehr beide Länder auch nach außen ihre Freundschaft beschwören, so sehr ist das Verhältnis von wachsendem Misstrauen geprägt.</p>
<p>Zwar ist Pekings Regierung die einzige Macht, in der Pjöngjangs isoliertes Regime so etwas wie einen Verbündeten hat. Doch die Allianz ist eine Zweckehe, die auf realpolitischem Kalkül beruht. Auf der einen Seite braucht Nordkorea Chinas wirtschaftliche Hilfe und diplomatische Rückendeckung, ohne die das tyrannische Regime dem internationalen und internen Druck kaum standhalten könnte. Auf der anderen Seite dient Nordkorea den Chinesen als Puffer zu den Truppen der USA in Südkorea und als exklusive geostrategische Einflusszone. Obwohl die Chinesen Kims Gebaren, insbesondere das umstrittene Atomprogramm und die Provokationen gegenüber Südkorea, als Belastung empfinden, dient der Status quo auf der koreanischen Halbinsel ihren Interessen besser als jedes andere Szenario, etwa ein Zusammenbruch Nordkoreas oder eine Wiedervereinigung mit dem Süden.</p>
<p>Historisch ist das Verhältnis von Chinesen und Koreanern von gemischten Gefühlen geprägt: Engem wirtschaftlichen Austausch, großer kultureller Prägung und gelegentlicher politischer Einflussnahme, insbesondere durch die Chinesen, stand stets auch ein scharfes Abgrenzungsbedürfnis gegenüber. Der heutige Zusammenhalt der Nachbarn hat seine Wurzeln in der Ausbreitung des Kommunismus in Ostasien und vor allem dem Korea-Krieg. Als Kim Il-sung Anfang 1950 mit Stalins Unterstützung die militärische Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel plante, lehnte Mao eine Beteiligung zunächst ab. Nach einem jahrelangen Bürgerkrieg, der erst unlängst, im Oktober 1949, mit der Gründung der Volksrepublik zuende gegangen war, hatte andere Prioritäten. Doch da er den wenige hundert Kilometer von seiner Hauptstadt entfernt tobenden Krieg nicht ignorieren konnte, griff er drei Monate nach Kriegsbeginn doch in den Konflikt ein und schickte über 400.000 Soldaten. Der Krieg wurde unter dem Slogan „Korea unterstützen, Amerika bekämpfen“ zu einem Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen die USA und ihre Alliierten stilisiert. Trotz des politischen Sieges endete der Krieg für Mao in einer persönlichen Tragödie: Sein ältester Sohn Mao Anying fiel bei einem amerikanischen Bombenangriff.</p>
<p>Nach dem Waffenstillstand im Jahr 1953 unterstützten die Chinesen Nordkorea beim Wiederaufbau, auch wenn Pjöngjangs Treue in erster Linie Moskau und nicht Peking galt. 1961 unterzeichneten beide Länder einen Vertrag für Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung. In dem bis heute geltenden Abkommen verpflichten sich beide Staaten, einander im Fall eines Angriffs militärisch zur Seite zu stehen. Mit Chinas Öffnung zum Westen Anfang der Siebziger begann sich das Verhältnis deutlich abzukühlen. Nordkoreas Erzfeinde, die USA und Südkorea, wurden für die Volksrepublik zu wichtigen Wirtschaftspartnern. Dass Peking 1992 offiziell diplomatische Beziehungen zu Seoul aufnahm, wurde in Pjöngjang als Verrat gewertet. Allerdings war China zu diesem Zeitpunkt, drei Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, das letzte Land, das Nordkorea vor einer völligen Isolation bewahren konnte.</p>
<p>So wurde Nordkorea für die Chinesen zu einem exklusiven Einflussbereich, zumindest wirtschaftlich. Heute ist die Volksrepublik Nordkoreas mit Abstand größter Wirtschaftspartner. Rund drei Viertel seines internationalen Warenverkehrs wickelt Nordkorea mit seinem großen Nachbarn ab. Chinesischen Zollstatistiken zufolge, liegen Chinas Exporte dabei weit über den Importen. 2009 betrug das Handelsvolumen 2,7 Milliarden Dollar, wovon Chinas Warenlieferungen nach Nordkorea, darunter 520.000 Tonnen Rohöl, 51.000 Tonnen Benzin und Lebensmittel, gut 1,9 Milliarden Dollar ausmachten. Dies war ein Rückgang von vier Prozent gegenüber 2008. Die Importe aus Nordkorea, vor allem Mineralien, Kohle und Meeresfrüchte, hatten dagegen einen Wert von 793 Millionen Dollar und lagen damit 4,3 Prozent über dem Vorjahr. Die Vollständigkeit der Statistiken ist jedoch umstritten. Zahlreichen Berichten wird entlang der 1400 Kilometer langen Grenze in großem Maßstab geschmuggelt. Unklar ist auch, welche Rolle die Chinesen in Nordkoreas Binnenwirtschaft spielen. Experten gehen davon aus, dass ein Großteil der Rohstoffe von China kontrolliert wird. Medienberichten zufolge soll China außerdem mindestens einen nordkoreanischen Hafen, in Rajin, betreiben und Industriezonen aufbauen.</p>
<p>Allerdings geht mit Chinas wirtschaftlichem Einfluss nur sehr begrenzter politischer Einfluss einher. Pekings Bemühungen, Nordkorea zu Wirtschaftsreformen nach chinesischem Vorbild zu bewegen sind bisher ebenso gescheitert wie die Versuche, Pjöngjang zur Aufgabe eines Atomwaffenprogramms zu überreden. Beides wäre in Chinas Interesse. „Peking hat keinen Hebel, um Nordkorea unter Druck zu setzen“, sagt der Politologe Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul. „Peking hat nur einen Hammer: Es könnte die Grenze dicht machen und das Regime damit wirtschaftlich in die Knie zu zwingen versuchen.“ Doch bisher gibt es keine Anzeichen, dass Peking zu derartigen Maßnahmen bereit sein könnte. „China möchte Kim Jong-ils Regime erhalten, nicht zerstören“, so Lankov. Deshalb sorge die Volksrepublik dafür, dass die Sanktionen des UN-Sicherheitsrats das Nachbarland nicht zu hart treffen. Zwar unterstützten die Chinesen nach Nordkoreas erstem Atombombentest im Jahr 2006 die UN-Sicherheitsrats-Resolution 1718 und drei Jahre später die Resolution 1874. Allerdings stellten sie sicher, dass die beschlossenen Zwangsmaßnahmen hinter den Forderungen des Westens zurück blieben. Wo internationale Hilfsorganisationen Nordkorea nur noch in sehr begrenztem Maßstab mit Treibstoff oder Lebensmitteln versorgen können, springt China in die Bresche. Der Umfang dieser Lieferungen ist allerdings unklar.</p>
<p>Ausländische Regierungen, die den Druck auf Nordkorea erhöhen wollen &#8211; vor allem Washington und Tokio, neuerdings aber auch wieder Seoul – werfen Peking vor, eine doppelte Agenda zu verfolgen. Doch dass China nicht von seinem Kurs abzurücken gedenkt, zeigte sich Anfang Mai, als Kim Jong-il zum ersten Mal seit vier Jahren sein Land verließ, u in seinem gepanzerten Sonderzug die Volksrepublik zu bereisen. Die Chinesen nahmen auf alle Empfindlichkeiten des „Geliebten Führers“ Rücksicht und gestatteten ihm wie schon bei den vier früheren Besuchen seit seiner Machtübernahme, vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu reisen. Ausländische Journalisten, die ihn in einem Hotel in Dalian aufspürten und fotografierten, wurden festgenommen. Offiziell bestätigt wurde die Visite erst, nachdem Kim wieder nach Nordkorea zurückgekehrt war. Die gesamte chinesische Nomenklatura, darunter der komplette neunköpfige Ständige Ausschuss des Politbüros, empfing Kim in Beijing, nachdem er zuvor Dalian und Tianjin besucht hatte, wo ihm die Chinesen die Erfolge ihres Wirtschaftsbooms vorführten. In offiziellen Stellungnahmen bestätigten beide Länder einander ihre gegenseitige Freundschaft. Chinas Premier Wen Jiabao sprach von „großem Potenzial, um die Kooperation in Wirtschaft und Handel zu entwickeln“. Kim betonte seinerseits die Qualität einer „Freundschaft, die sich auch in schwierigen Zeiten bewiesen habe“.Was tatsächlich hinter geschlossenen Türen besprochen wurde, löste ebenso Rätselraten aus wie die Frage, ob Kim die Reise genutzt habe, um seinen jüngsten Sohn und mutmaßlichen Wunschnachfolger Kim Jong-un, in Peking vorzustellen. Auf der veröffentlichten Delegationsliste fehlte sein Name. Zu einer Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche, die für China ein wichtiges Forum der Profilierung auf dem internationalen politischen Parkett geworden ist, konnte Peking Kim nicht direkt überreden.</p>
<p>Während der Westen Chinas respektvollen Umgang mit Kim kritisch betrachtet, sehen die Chinesen ihn als Aushängeschild für ihre eigene Form der Diplomatie. Nichteinmischung in interne Angelegenheiten ist ein Grundprinzip der chinesischen Außenpolitik und ein Garant für Pekings wachsenden Einfluss in der Dritten Welt, wo viele Regierungen mit zweifelhafter Legitimation herrschen. Die Volksrepublik wird dort zunehmend als besserer Koalitionspartner wahrgenommen als westliche Staaten.</p>
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		<title>&#8220;China hat keinen Hebel, nur einen Hammer&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 02:20:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea-Spezialist Andrei Lankov über Pekings Einfluss in Pjöngjang und Szenarien für einen Regimewechsel.</h3>
<em><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/01/andrei_lankov_1.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-320" title="Andrei Lankov" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/01/andrei_lankov_1-703x1023.jpg" alt="" width="137" height="199" /></a>Bernhard Bartsch: Professor Lankov, die Lage auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich zu. China gilt als das einzige Land, das auf Pjöngjang Druck ausüben könnte.</em>

Andrei Lankov: Der Einfluss ist gering. Niemand hat einen Hebel, mit dem sich die nordkoreanische Politik in die eine oder andere Richtung steuern ließe, nicht einmal die Chinesen. Allerdings haben sie so etwas wie einen Hammer: Wenn sie den Handel und ihre finanzielle Unterstützung für Nordkorea kappen würden, wäre das für Kim Jong Il ein existenzieller Schlag. Aber im Moment ist noch nicht absehbar, dass die Chinesen ihren Hammer hervorholen würden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea-Spezialist Andrei Lankov über Pekings Einfluss in Pjöngjang und Szenarien für einen Regimewechsel.</h3>
<p><em><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/01/andrei_lankov_1.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-320" title="Andrei Lankov" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/01/andrei_lankov_1-703x1023.jpg" alt="" width="137" height="199" /></a>Bernhard Bartsch: Professor Lankov, die Lage auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich zu. China gilt als das einzige Land, das auf Pjöngjang Druck ausüben könnte.</em></p>
<p>Andrei Lankov: Der Einfluss ist gering. Niemand hat einen Hebel, mit dem sich die nordkoreanische Politik in die eine oder andere Richtung steuern ließe, nicht einmal die Chinesen. Allerdings haben sie so etwas wie einen Hammer: Wenn sie den Handel und ihre finanzielle Unterstützung für Nordkorea kappen würden, wäre das für Kim Jong Il ein existenzieller Schlag. Aber im Moment ist noch nicht absehbar, dass die Chinesen ihren Hammer hervorholen würden.</p>
<p><em> Welche Ziele verfolgt Peking?<br />
</em></p>
<p>Chinas oberste Priorität ist Stabilität. Peking kann keinerlei Unruhe, Bürgerkrieg oder militärischen Konflikt in seiner Nachbarschaft gebrauchen. Deswegen sorgen die Chinesen zum Beispiel mit Lebensmittellieferungen dafür, dass es in Nordkorea zu keiner echten Hungersnot kommt, die das Land destabilisieren könnte. An zweiter Stelle steht die Aufrechterhaltung der koreanischen Teilung. Peking braucht Nordkorea als Pufferstaat zu Südkorea und den dort stationierten US-Truppen. Die nukleare Abrüstung spielt für die Chinesen nur eine untergeordnete Rolle, und sie machen sich keine Illusionen darüber, dass Nordkorea seine Atomwaffen jemals abgeben wird. Für Kim Jong Ils Regime ist die Bombe eine Lebensversicherung.</p>
<p><em>Wie groß sind die wirtschaftlichen Interessen Chinas?<br />
</em></p>
<p>Die Chinesen versuchen, in Nordkorea alles unter Kontrolle zu bekommen, was sie bekommen können. Sollte das Land einmal zusammenbrechen, wird die Welt wohl feststellen, dass alle Rohstoffe längst in chinesischer Hand sind. Besonders viele Ressourcen hat Nordkorea allerdings nicht, aber immerhin gibt es eine Reihe von Eisen-, Kupfer- und Goldvorkommen, die für nordchinesische Unternehmen interessant sind.</p>
<p><em>Bei Kims China-Besuch Anfang Mai haben die Chinesen ihm zum wiederholten Male die Erfolge ihrer Modernisierungspolitik vorgeführt. Wären Wirtschaftsreformen nach chinesischem Vorbild für Nordkorea ein gangbarer Weg?</em></p>
<p>Nein, Pjöngjangs Elite weiß sehr genau, dass Reformen chinesischer Art sie ihre Macht kosten würden. Denn Nordkorea ist nicht mit China oder Vietnam zu vergleichen, sondern eher mit der Sowjetunion: Sobald man Änderungen am System vornimmt, bricht es zusammen. Jede Art von<br />
Reformpolitik würde schließlich eine Öffnung gegenüber dem Ausland bedeuten, und wenn die Nordkoreaner erst einmal erkennen würden, wie fürchterlich sie in den vergangenen Jahrzehnten belogen worden sind, hätten sie für ihren &#8220;Geliebten Führer&#8221; nur noch einen Laternenmast übrig. Ohne Reformen ist es aber durchaus vorstellbar, dass Nordkoreas Regime sich noch jahrzehntelang an der Macht hält.</p>
<p><em>Genauso gut könnte das Regime aber unter der nächsten internen Krise zusammenbrechen &#8211; der Untergang der Cheonan lässt sich ja durchaus als Anzeichen für interne Spannungen lesen.</em></p>
<p>Spekulationen über Interna der nordkoreanischen Führung haben in der Vergangenheit nie eine hohe Trefferquote gehabt. Für einen Kollaps gibt es zwei Szenarien: Entweder die Chinesen übernehmen das Kommando und installieren eine ihnen ergebene Führung, oder es gibt eine Wiedervereinigung mit Südkorea. Ich persönlich halte die chinesische Lösung für wahrscheinlicher &#8211; nicht zuletzt, weil die Südkoreaner große Angst vor einer Wiedervereinigung haben, weil das für sie sehr teuer würde. Es widerspricht zwar ihrem Nationalstolz, dass die Chinesen sich in koreanische Angelegenheiten einmischen. Aber im Stillen sind sie froh, dass der Status quo mit Chinas Hilfe aufrechterhalten wird.</p>
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		<title>Dalai Lama zwitschert mit Chinesen</title>
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		<pubDate>Sat, 22 May 2010 15:40:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Tibetisches Religionsoberhaupt spricht per Twitter mit Chinas Internetgemeinde über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei.</h3>
Das Internet macht’s möglich: Der Dalai Lama hat sich erstmals direkt mit Chinesen in der Volksrepublik unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer am Freitagabend Fragen chinesischer Internetbenutzer über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Tibetisches Religionsoberhaupt spricht per Twitter mit Chinas Internetgemeinde über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei.</h3>
<p>Das Internet macht’s möglich: Der Dalai Lama hat sich erstmals direkt mit Chinesen in der Volksrepublik unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer am Freitagabend Fragen chinesischer Internetbenutzer über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei. „Das Tibetproblem könnte bald gelöst werden“, schrieb der Friedensnobelpreisträger, der offensichtlich um Optimismus und Versöhnlichkeit bemüht war, um das Bild eines fundamentalistischen Separatisten, das Chinas Staatspropaganda von ihm zeichnet, zu entkräften. Für die Konflikte seien keine grundsätzlichen Widersprüche zwischen Chinesen und Tibetern verantwortlich, sondern politische Fehlentwicklungen. Der Dalai Lama empfahl, Peking solle sich an den 1987 geschassten Ex-Parteichef und Reformer Hu Yaobang erinnern – womöglich eine Versöhnungsgeste in Richtung von Premier Wen Jiabao, der Hu kürzlich in einem Aufsehen erregenden Zeitungsbeitrag zu rehabilitieren versucht hatte. „Wens Artikel bestätigte Hus praktischen Ansatz, der offiziellen Berichten nicht traute und die Wahrheit lieber vor Ort durch persönliche Anschauung suchte“, kommentierte der Dalai Lama.</p>
<p>Initiiert hatte den Austausch der kritische chinesische Intellektuelle Wang Lixiong, unter dessen Namen der Chat im Mikroblogdienst Twitter übertragen wurde. Zwar versuchen Chinas Zensoren, die Internetgemeinde an der Benutzung von Twitter zu hindern, doch tausende Chinesen haben mit spezieller Software trotzdem Zugang zu dem System. Twitter ist eines der wichtigsten Foren der chinesischen Regimekritiker. 1249 Internetbenutzer nahmen direkt an dem Chat teil, tausende weitere verfolgten ihn durch Weiterleitungen. Die überwiegende Mehrheit der chinesischen Internetbenutzer dürften von der Aktion jedoch nichts erfahren.</p>
<p>288 Fragen an den Dalai Lama waren bereits vorab eingegangen. Auf seine Nachfolge angesprochen erklärte der Buddhist, dass Peking womöglich versuchen werde, eine eigene Reinkarnation zu finden. Er glaube aber, dass dies „keinen grossen Einfluss haben werde, da das System der Wiedergeburt des Dalai Lama in Zukunft weniger wichtig sein wird.“ Stattdessen bemühe er sich darum, eine demokratische Exilregierung aufzubauen. Auf die Frage nach Tibet Unabhängigkeitsbestrebungen antwortete er: „Wir möchten Autonomie, aber ich habe immer sehr klar gemacht, dass Aussenpolitik und Staatsverteidigung Sache der Zentralregierung sind.“ Zumindest die chinesischen Twitter-Benutzer wissen nun also, dass der Dalai Lama der Parole „Free Tibet“ längst abgeschworen hat.</p>
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		<title>Dreist gewinnt</title>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 12:42:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Warum Nordkorea es sich erlauben kann, südkoreanische Schiffe zu versenken.</h3>
Militärische Aufklärungsberichte sind stets mit Vorsicht zu genießen. Doch im Fall des Untergangs der südkoreanischen Korvette „Cheonan“ gibt es wenig Grund, an Seouls Untersuchungsergebnissen zu zweifeln: 46 Matrosen sind Opfer eines nordkoreanischen Torpedoangriffs geworden. Warum die unvermittelte Provokation?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Warum Nordkorea es sich erlauben kann, südkoreanische Schiffe zu versenken.</h3>
<p>Militärische Aufklärungsberichte sind stets mit Vorsicht zu genießen. Doch im Fall des Untergangs der südkoreanischen Korvette „Cheonan“ gibt es wenig Grund, an Seouls Untersuchungsergebnissen zu zweifeln: 46 Matrosen sind Opfer eines nordkoreanischen Torpedoangriffs geworden. Es ist der schlimmste militärische Zwischenfall an der innerkoreanischen Grenze, seitdem der Koreakrieg vor 57 Jahren mit einem Waffenstillstand endete.</p>
<p>Warum die unvermittelte Provokation? Die Welt kann nur spekulieren. Denn Nordkorea streitet den Angriff ab, und China, Pjöngjangs einziger Verbündeter und möglicher Mitwisser, hält sich in der Affäre bedeckt. Vielleicht musste Diktator Kim Jong-il seinen Generälen, der Hauptstütze seines Regimes, einen Machtbeweis liefern. Womöglich suchte er Rache für ein Seescharmützel im vergangenen November, bei dem ein nordkoreanisches Schiff schwer beschädigt wurde. Eventuell unterschätzten die Nordkoreaner auch die Kraft ihres Torpedos und der Tragödie, die er anrichten würde.</p>
<p>Ebenso möglich ist aber auch, dass Kim einmal mehr demonstrieren wollte, dass er sich herausnehmen kann, was sich sonst kein Herrscher der Welt erlauben dürfte. Schon seine beiden Atombombentests im Jahr 2006 und 2009 blieben weitgehend ungeahndet. Zwar verschlechterten die Uno-Sanktionen die Versorgungslage des ohnehin schon verarmten Landes, doch die Machtelite hat sich von der Not der breiten Bevölkerung erfolgreich abgekoppelt. Chinesische Lebensmittel- und Treibstofflieferungen verhindern, dass die Versorgungsengpässe für Pjöngjang zur Existenzkrise werden.</p>
<p>Auch nach dem Cheonan-Untergang haben Seoul und seine Verbündeten kaum Möglichkeiten, den Druck zu erhöhen. Zwar hat Südkoreas Präsident Lee Myung-bak, der bei seinem Amtsantritt 2008 die „Sonnenscheinpolitik“ seiner Vorgänger aussetzte und eine härtere Gangart einschlug, seinen Landsleuten „entschiedene Gegenmaßnahmen“ versprochen. Doch wie sollten die aussehen? Ein militärischer Vergeltungsschlag ist keine Option. Zwar wären Nordkoreas Truppen gegen die südkoreanisch-amerikanische Armeemacht im Kriegsfall chancenlos wären, doch mit ihren Kurzstreckenraketen könnten sie im dichtbesiedelten Südkorea erhebliche Zerstörung anrichten.</p>
<p>Wirtschaftliche Strafmaßnahmen sind ebenfalls aussichtslos. In den vergangenen zwei Jahren hat Südkorea bereits fast alle Kontakte abgebrochen. Die gemeinsame Industriezone Kaesong liegt ebenso brach wie das Tourismusprojekt am Berg Kumgang. Südkoreas Unternehmen haben dort viel Geld verloren und stehen ihrem ursprünglich als wirtschaftsfreundlich geltenden Präsidenten zunehmend kritisch gegenüber.</p>
<p>So sind es nicht die Südkoreaner, die darüber entscheiden, wie Kim für die Cheonan-Provokation bestraft werden sollte, sondern die Chinesen. Da Nordkorea drei Viertel seines Handels mit der Volksrepublik abwickelt, würde ein chinesisches Embargo Pjöngjangs Potentaten empfindlich treffen und sein Regime aus der Balance bringen. Doch Peking hat keinerlei Interesse daran, sein kleines Nachbarland zu destabilisieren. China braucht Nordkorea als Pufferstaat zu den in Südkorea stationierten US-Truppen und genießt außerdem exklusiven Zugang zu Nordkoreas Rohstoffen. Deshalb herrscht auf der koreanischen Halbinsel ein Mächtepatt, das Kim Jong-il in die Lage versetzt, im Gelben Meer ungestraft Schiffe zu versenken. Dreist gewinnt.</p>
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