Am Ursprung des Zahlen-Zen
Der Japaner Maki Kaji hat das Sudoku nicht erfunden. Das war ein Schweizer. Doch der weltweite Siegeszug des Rätsels begann in seinem Büro.
Auf seiner Visitenkarte steht «Vater des Sudoku», doch Maki Kaji macht sich nichts aus Zahlenknobeleien. «Rätsel interessieren mich nicht», schnoddert er mit tiefer, rauer Stimme. Man hört ihm an, dass er sich lieber an echte Laster hält. Aber solange sich genügend für Zahlenkästchen begeistern, sind seine Ausschweifungen gesichert…
Die Kirschblütenflüsterer
Wenn die Kirschbäume blühen, ist den Japanern das Privatleben für kurze Zeit wichtiger als die Arbeit. Wehe, die Meteorologen sagen die Blüte falsch voraus!
Japans Behörde für Meteorologie hat drei Aufgaben. Zwei davon sind trockene Routinearbeiten: Wettervorhersagen und Erdbebenwarnungen. Treffen ihre Prognosen ein, sind alle zufrieden, liegen sie daneben, ist aber auch niemand böse. Die Japaner haben sich damit abgefunden, dass die Natur sich schwer in die Karten schauen lässt und ihr Leben so weit wie möglich vom Einfluss der Elemente entkoppelt…
Lebe hoch, meine Konkubine!
Für die neue Geldelite Chinas gilt es wieder als chic, eine Konkubine zu haben. Weil finanziell zum Teil sehr lukrativ, sind auch viele Studentinnen Zweitfrau.
Die erste Liebe vergisst man nie. Im Fall von Liu Jinbao war es eine Schulliebe, die ihn jedoch verschmähte und damit Jahrzehnte später zu einem irrwitzigen Selbstbetrug trieb. Liu, Präsident der Bank of China in Hongkong und damit einer der mächtigsten Finanzmanager, liess eine seiner zahlreichen Geliebten nach dem Vorbild seines Jugendschwarms umoperieren.
Chinas Stilberaterin
Von Mao zu Missoni: Angelica Cheung erteilt als Chefredaktorin der chinesischen «Vogue» ihren Landsleuten Nachhilfeunterricht in Mode.
Die erste Modenschau des Tages sieht Angelica Cheung morgens im Lift. 25 Stockwerke fährt sie bis zur höchsten Etage von «Corporate Avenue», einem Schanghaier Büroturm, aus dem Weltkonzerne den Chinamarkt zu erobern versuchen. Es ist ein Wolkenkratzer, in dem die Gewinner des Wirtschaftswunders zur Arbeit gehen…
Etwas sehr Vornehmes
Der Designer David Tang gibt Chinas wirtschaftlichem Aufschwung eine modische Stilnote.
Am Anfang, erzählt David Tang, waren da ein paar alte Schneider aus Schanghai. Vor Maos Truppen nach Hongkong geflohen, hatten sie jahrzehntelang Hemden und Anzüge genäht, bevor Tang erkannte, dass sie zu Höherem befähigt waren. Denn sie beherrschten ein fast vergessenes Handwerk: die Herstellung der kostbaren Gewänder des chinesischen Kaiserhofs…
“Luxus ist totale Schwerelosigkeit”
David Tang, Lifestyle-Papst des neuen China, spricht im Interview über Konsum, Konten und Konfuzius.
Frage: Herr Tang, in Ihren Boutiquen und China-Klubs feiern sie das alte Reich der Mitte. Was macht die klassische chinesische Kultur so faszinierend?
David Tang: China hat etwas ungeheuer Geheimnisvolles. Denken Sie nur an die Terracotta-Armee, die Chinas erster Kaiser sich mit ins Grab geben liess. Oder Konfuzius, die Steingärten, die Gedichte der Tang-Dynastie, die Vasen der Ming, die Architektur und die Rituale des Kaiserhofs…
Beruf: Ausländer
Mit blonden Haaren, blauen Augen und langen Nasen kann man im Reich der Mitte viel Geld verdienen – als Projektionsfläche für den chinesischen Traum.
Als Jimmy Hartvigson anfing, Socken-Li mit seiner Konkubine zu betrügen, verlor er seinen Job. „Schade, eigentlich“, findet der 26-jährige Schwede und knipst sein Laufsteg-Lächeln an. „Ich habe da richtig viel Geld verdient.“ Als Sänger im fünften Stock eines Nachtklubs war er die Halbwelt-Attraktion der südchinesischen Stadt Wenzhou. Für 5500 Euro im Monat plus Spesen gab der talentierte Beau den lokalen Geschäftsleuten das Gefühl, ihre Frauen nicht in einem provinziellen Puff, sondern in einem hippen New-Yorker-Szene-Etablissement zu betrügen.
Hoher Spann
Wie man für 30 Mark in Fußstapfen des Großen Vorsitzenden treten kann – ein Besuch bei Maos Schuster.
Der, den wir suchen, ist in keinem Pekingführer aufgelistet. Kein Reisebüro kennt seinen Namen und kein Wegweiser verrät, wo er zu finden ist. Allzu verwechselbar ist sein altes Hofhaus. Wäsche hängt im Gang, auf dem Boden sind runde Kohlebrickets aufgestapelt und mitten auf dem Weg steht eine große Plastikwanne mit frisch gespühltem Geschirr.