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Gesellschaft | Bernhard Bartsch - Part 2

Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Der Tenno geht in Rente

Japans Kaiser Akihito soll in den Ruhestand gehen. Der einst göttliche Tenno schrumpft damit auf das Maß eines Normalbürgers.

Kaiser sind auch nur Menschen. Sie werden alt, schneller müde und häufiger krank. Warum sollten sie da nicht wie andere Menschen in Rente gehen? In Japan, dem letzten Land mit einem Kaiser als Staatsoberhaupt, ist diese Diskussion nun entbrannt. Der 77-jährige Kaiser Akihito solle die Erlaubnis bekommen, in Pension zu gehen, fordert sein Sohn Akishino…

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2011 um 03:00 Uhr

 

Schlagobers in Pjöngjang

Im Herzen der nordkoreanischen Hauptstadt gibt es jetzt ein Wiener Café – ein Zeichen, dass die Abschottung des Landes Risse bekommt.

Ein Cappuccino ist kein Politikum, jedenfalls an den meisten Orten der Welt. Doch der Milchschaumkaffee, der neuerdings an Pjöngjangs Kim-Il-Sung-Platz serviert wird, hat einen unverkennbar politischen Beigeschmack – und manche Gäste sagen, dass er gerade deshalb so gut schmeckt. Direkt am Aufmarschfeld im Herzen der nordkoreanischen Hauptstadt hat Ende Oktober ein Wiener Café eröffnet. Ein symbolträchtigeres Gebäude hätte der österreichische Betreiber kaum finden können: das Museum für koreanische Geschichte, ein stalinistischer Repräsentierbau, auf dessen Dach ein zehn Meter hoher Soldat zum Angriff bläst…

Bernhard Bartsch | 22. November 2011 um 03:59 Uhr

 

China erschrickt über sich selbst

Das Video einer Zweijährigen, die nach einem Unfall von Passanten ignoriert wurde, hat in China eine Moraldiskussion ausgelöst.

Auf einmal schauen alle hin: die Öffentlichkeit, die Medien, die Politik. Millionen Menschen sahen in den vergangenen Tagen das schockierende Video, auf dem ein zweijähriges Mädchen von zwei Lastwagen überrollt und von insgesamt 18 Passanten ignoriert wird, bevor ihm nach über sechs Minuten eine Müllsammlerin zu Hilfe kommt. Das Schicksal der kleinen Wang Yue bei seinen Landsleuten eine lebhafte Diskussion ausgelöst: Was läuft falsch in der chinesischen Gesellschaft, dass den Menschen das Mitgefühl mit einem blutenden Kleinkind abhanden gekommen ist?…

Bernhard Bartsch | 20. Oktober 2011 um 10:37 Uhr

 

Fremde Landsleute

Viele Südkoreaner wollen mit den Flüchtlingen aus dem Norden nichts zu tun haben. Sie fürchten um ihren Wohlstand.

Die junge Frau muss sich sichtlich überwinden. Kerzengrade steht sie an der Wegkreuzung eines Parks im Herzen von Seoul und hält Ausschau nach Spaziergängern. Kommt einer in ihre Richtung, atmet sie tief durch, holt ein Flugblatt aus der Tasche und streckt es dem Passanten entgegen. „Wussten Sie, dass in Südkorea 23 000 Überläufer aus Nordkorea leben?“, steht darauf, gefolgt von einigen Bitten. „Bieten Sie einem Nordkoreaner ihre Freundschaft an“, lautet eine davon…

Bernhard Bartsch | 18. Oktober 2011 um 03:54 Uhr

 

Amerikanischer Traum – Made in China

Der chinesische Bildhauer Lei Yixin entwarf das Denkmal von Martin Luther King. Viele Amerikaner empört das.

Dem chinesischen Bildhauer Lei Yixin wird an diesem Sonntag eine Ehre zuteil, von der viele meinen, dass sie ihm nicht zusteht. US-Präsident Barack Obama weiht in Washingtons National Mall, direkt zwischen den Denkmälern von Abraham Lincoln und Thomas Jefferson, Leis Standbild von Martin Luther King ein. Viele Amerikaner finden es ein Unding, dass die Statue des Bürgerrechtlers „Made in China“ ist: von einem Chinesen entworfen, in der Volksrepublik aus chinesischem Granit gemeißelt und dann per Container über den Pazifik geschifft, als existiere kein Unterschied zwischen Turnschuhen und einem Nationalmonument. Doch was kann Lei dafür, dass die Amerikaner ihn beauftragt haben?…

Bernhard Bartsch | 15. Oktober 2011 um 02:49 Uhr

 

Helfen auf eigene Gefahr

Was tun, wenn man einen alten Menschen auf der Straße liegen sieht? In China lautet die Antwort häufig: Liegen lassen – der eigenen Sicherheit wegen.

Peking Herr Li starb am helllichten Tage vor den Augen Dutzender Menschen. Am 4. September war der 88-Jährige aus dem zentralchinesischen Wuhan wie jeden Morgen auf den Markt gegangen, wo er stolperte und sich am Kopf verletzte. Obwohl reger Betrieb herrschte und viele Passanten den Alten kannten, kam ihm niemand zu Hilfe. Eine Stunde lag er am Boden, bis irgendwann ein Arzt auftauchte und seinen Tod feststellte…

Bernhard Bartsch | 06. Oktober 2011 um 04:17 Uhr

 

Abtreibung mit Studentenrabatt

Täglich werden in China 35.000 Kinder abgetrieben. Mangelnde Aufklärung und schlechte medizinische Standards machen Millionen Frauen unfruchtbar.

Die Angst vor dem, was kommt, steht dem Mädchen ins Gesicht geschrieben. Blass und schmal lehnt sie an der Wand, die Augen verheult. Im Arm hält sie eine Puppe, obwohl sie dafür eigentlich schon viel zu alt ist. 14 sei sie, sagt das Mädchen, doch in der einschüchternden Sachlichkeit des Krankenhausflurs fühlt sie sich nicht mehr als Frau, sondern wieder als Kind. Auch der schlaksige Teenager, der verlegen neben ihr steht, ist nicht mehr der junge Mann, der er war, als er seine Mitschülerin vor einigen Wochen zu sich nach Hause lockte…

Bernhard Bartsch | 19. September 2011 um 02:59 Uhr

 

Wettrüsten der Vorbilder

Mit einer Armada staatlich geprüfter Vorzeige-Chinesen will die Kommunistische Partei ihre Autorität untermauern. Doch das Volk sucht sich seine eigenen Helden.

Der Parteisekretär Niu Yuru starb, wie er gelebt hatte – als Beamter durch und durch. „Wir waren 25 Jahre verheiratet, aber davon höchstens fünf wirklich zusammen“, berichtete seine Frau Xie Li nach seinem Tod. „Die anderen 20 Jahre verbrachte er im Büro und auf Dienstreisen.“ Auf dem Sterbebett sei Niu zuletzt nicht mehr ansprechbar gewesen – außer, seine Frau flüsterte ihm ins Ohr, es sei halb neun, Zeit für die Sitzung. „Da hat er noch einmal die Augen geöffnet und aufmerksam geschaut, bevor er sie für immer schloss.“ Die Geschichte mag wahr sein oder nicht, aber sie hat den 2004 verstorbenen Parteisekretär der nordchinesischen Stadt Hohhot posthum zu einer nationalen Legende gemacht…

Bernhard Bartsch | 29. August 2011 um 03:38 Uhr

 

Sexistischer Ritterschlag

Nichts für Alice Schwarzer: Wie Frauen in China zum Mann werden können.

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Einladung zum 70.Geburtstag von „Herrn Dai Qing“. Ich habe mich gefreut – und gewundert. Denn bisher kannte ich Dai Qing nur als Frau. Dai Qing ist Chinas bekannteste kritische Intellektuelle. Als Adoptivtochter des einflussreichen Generals und späteren Staatsoberhaupts Ye Jianying wuchs sie im Kreis der Nomenklatura auf. Doch statt den Weg des geringsten Widerstands und sicheren Erfolges zu wählen, wagte sie es, ihre eigene Meinung zu haben und sich gegen das System zu stellen. In den 80ern wurde sie Chinas erste Umweltaktivistin…

Bernhard Bartsch | 17. August 2011 um 03:56 Uhr

 

Sieben Tage Bitternis

Viele chinesische Eltern schicken ihre Kinder in den Sommerferien in Militärcamps. Sie sollen leiden lernen.

Die Ohrfeige erträgt der Knabe mit Fassung. Keuchend hat er sich über das Klettergerüst gequält, sein Camouflage-T-Shirt klebt ihm am Körper. Im Schatten sind dreißig Grad und hier in der Sonne noch mehr. „Nächstes Mal geht das schneller“, blafft ihn der Soldat an, haut ihm eine runter und wendet sich dem nächsten zu. Der Teenager stellt sich ohne Protest zu seinen Kameraden. Das ist der Ernst des Lebens. Deshalb sind sie hier…

Bernhard Bartsch | 08. August 2011 um 16:23 Uhr

 

Murdochs Tarantel

Wendi Deng wurde von ihren Landsleuten verachtet – bis sie ihren Gatten verteidigte.

Kann es wahre Liebe zwischen alten Männern und jungen Frauen geben? Eher nicht, glaubt man in China, wo die Wertvorstellungen noch immer traditionell sind und generationenübergreifende Beziehungen als anrüchig gelten. Auch die Ehe zwischen dem 80-jährigen Medientycoon Rupert Murdoch und seiner 38 Jahre jüngeren chinesischen Frau Wendi Deng galt als Liaison zwischen lüsternen Altmännerfantasien und konsumgeilen Mädchenträumen – bis ein beherzter Schlag eine andere Lesart anbot…

Bernhard Bartsch | 05. August 2011 um 13:21 Uhr

 

Südkoreas Tränenmacher

Das Waisenkind Choi Sung-Bong ist der neue Stern im weltumspannenden Casting-Show-Universum.

Ich möchte einfach normal sein“, murmelt der 22-jährige Choi Sung-Bong leise. Und wer ihn diesen Satz sagen hört, muss kurze Zeit später zum Taschentuch greifen. Acht Minuten und zwei Sekunden dauert das Youtube-Video, das mit Chois schüchtern vorgetragenem Wunsch beginnt und damit endet, dass Choi noch weniger normal wirkt als zuvor. Der 22-jährige Südkoreaner ist der neueste Stern am internationalem Castingshow-Himmel. Mit der richtigen Mischung aus trauriger Lebensgeschichte, unvorteilhaftem Äußeren und bombastischer Stimme hat er sich in die Herzen eines Millionenpublikums gesungen – und das nicht nur in Südkorea…

Bernhard Bartsch | 27. Juli 2011 um 11:17 Uhr

 

Bordeaux auf ex

Winzer in aller Welt sehen China als Absatzmarkt für ihre Weine – oder bekommen Angebote, ihre Weinberge an chinesische Investoren zu verkaufen.

Die Herren stecken ihre Nasen tief in ihre Rotweingläser, schnüffeln einen Moment und kippen den Inhalt dann ex hinunter. „Bu cuo“, raunzt einer – nicht schlecht. Während er sich mit den Stäbchen noch ein Stück Fleisch von der Drehplatte angelt und andere an ihren Zigaretten ziehen, gießt ein beflissener Kellner aus einer Kristallkaraffe nach. Es folgt das nächste Glas und das übernächste, bis einer den Vorschlag macht, doch endlich die Karaoke-Maschine anzulassen…

Bernhard Bartsch | 21. Juli 2011 um 15:53 Uhr

 

Zu Füßen der Reichen

Chinas Jugend träumt von Wohlstand, doch die meisten kommen trotz harter Arbeit kaum über die Runden. So wie der Masseur Lin Liang.

Das Widerliche sind die Socken. Die Füße selbst machen Lin Liang nichts aus, auch an lange Zehennägel, dicke Hornhäute oder Blasen hat er sich gewöhnt. Aber seinen Kunden die verschwitzten Strümpfe abzustreifen, findet er eklig. „Zum Glück kommen hier nur reiche Leute her“, sagt der Fußmasseur. „Die sind meistens kultiviert genug, um ihre Socken alleine auszuziehen.“ Lin trägt ein hellblaues T-Shirt mit dem Logo des Pekinger Massagesalons, in dem er seit vier Jahren arbeitet. Unter den Ärmeln schaut ein tätowierter Fisch hervor…

Bernhard Bartsch | 14. Juli 2011 um 15:41 Uhr

 

Geklonte Idylle

Kopien westlicher Wahrzeichen und Städte werden in China immer beliebter. Nun wird das Unesco-Weltkulturerbe Hallstatt nachgebaut.

Im Salzkammergut, da ka’mer gut lustig sein“, besingt ein alter Schlager jene österreichische Ferienregion, in der das malerische Hallstatt liegt. Der Text könnte sich bald aber auch genau so gut als Werbespruch für ein chinesisches Immobilienprojekt eignen. In Südchina entsteht derzeit ein Nachbau des 900-Einwohner-Ortes, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört und dessen Kopie bald als Wohnanlage für reiche Chinesen dienen soll…

Bernhard Bartsch | 17. Juni 2011 um 02:49 Uhr