Mission Aufklärung
Außenminister Westerwelle genießt in China die Distanz zu seinen innenpolitischen Problemen und versucht, sich als politischer Aufklärer zu profilieren.
Eine Pause von der deutschen Innenpolitik kann er dringend gebrauchen: Außenminister Guido Westerwelle ist am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch in Peking eingetroffen – sichtlich froh, nach dem Wahldesaster vom vergangenen Sonntag die Rolle des FDP-Vorsitzenden gegen die des Staatsmannes tauschen und Fragen zu seiner politischen Zukunft mit dem Hinweis abwehren zu können, Kommentare zum Berliner Betrieb seien auf Auslandsreisen nicht üblich…
Japans gezwungene Helden
Die Arbeiter im Unglückskraftwerk Fukushima riskieren ihr Leben, um einen GAU zu verhindern. Doch viele sind offenbar nicht freiwillig im Einsatz.
Der Volksmund nennt sie die “Samurai von Fukushima”. Doch zwei Wochen nach Beginn des Rettungseinsatzes im havarierten Atomkraftwerk kursieren in Japan immer beunruhigendere Meldungen über die Männer, die das Land vor einem GAU bewahren sollen. Erst am Freitag erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco, dass drei Arbeiter, die sich am Vortag akute Strahlenvergiftungen zugezogen hatten, ohne Sicherheitsschuhe in schwer verseuchtem Wasser gestanden hätten, um elektrische Leitungen zu reparieren. Die Warnsignale ihrer Geigerzähler sollen sie ignoriert haben. Kompetente Rettungskräfte stellt man sich anders vor, Helden ohnehin…
Zwischen Angst und Alltag
In Tokio demonstrieren die Menschen Normalität – und können doch den Schrecken nicht vertreiben. Viele versuchen, die Millionenstadt zu verlassen.
Was für einen Unterschied ein kleiner Wetterumschwung macht. Nachdem der Wind über Nordjapan in der Nacht gedreht hat, so dass eine Strahlenwolke aus Unglückskernkraftwerk Fukushima nicht mehr Richtung Tokio, sondern auf den Pazifik wehen würde, versuchen die Hauptstadtbewohner am Mittwochvormittag wieder zum Alltag zurückzukehren…
Japans Medien fordern transparente Informationen
Nach dem Erdbeben kritisieren Japans Medien den Kernkraftwerkbetreiber Tepco und fordern ein Ende der politischen Grabenkämpfe. Eine Presseschau.
Angesichts des Ausmasses der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe sowie der Sorgen um die Sicherheit der beschädigten Atomkraftwerke fordern Japans Medien ein Ende der lähmenden Blockade zwischen Regierung und Opposition. «Seit Monaten haben sich die Regierung und die Opposition Grabenkämpfe geliefert», schreibt die «Asahi Shimbun». «Die Katastrophe hat endlich eine Situation geschaffen, in der die Parteien zum Wohl des Landes zusammenarbeiten können.»…
Japan fürchtet den Super-GAU
Nach dem verheerenden Erdbeben droht in Atomkraftwerken der Austritt von großen Mengen Radioaktivität. Die Zahl der Tsunamiopfer geht in die Tausende.
Jahrzehntelang haben japanische Kernkraftgegner davor gewarnt, nun droht der größtmögliche Nuklearunfall einzutreten. Das verheerende Erdbeben, das am Freitag Japan erschütterte, hat im Atomkraftwerk Fukushima eine Kernschmelze ausgelöst. Ob der mit einem Super-GAU verbundene Austritt von großen Mengen Radioaktivität verhindert werden kann, war anderthalb Tage nach der Naturkatastrophe noch ungewiss…
Tag der Angst
Nach einem Beben der Stärke 8,9 trifft eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle die japanische Küste. Tausende Tote sind zu befürchten.
Eine Frau mit angstvollem Blick kauert auf dem Boden und versucht ein Telefonat fortzusetzen, Männer hocken unter ihren Schreibtischen, auf denen die Computer wackeln. Dann löst sich eine Deckenverkleidung und fällt krachend mitten ins Büro. Furchtbarer Lärm ist zu hören, das gesamte Gebäude scheint zu wackeln…
Ein Gott dankt ab
Der Dalai Lama gibt seine politischen Funktionen auf und fordert demokratische Wahlen. Doch ausgerechnet Peking besteht auf seiner Wiedergeburt.
Der Dalai Lama geht in Rente. 61 Jahre nachdem ihm die weltliche Herrschaft über Tibet übertragen wurde, will der 14. Dalai Lama seine politischen Funktionen aufgeben und in demokratischen Wahlen einen Nachfolger bestimmen lassen. «Eines meiner Ziele, das ich seit meiner Jugend verfolgt habe, ist die Reform von Tibets politischer und gesellschaftlicher Struktur», sagte er…
Chinas Volkskongress spielt Demokratie
Während das Parlament die Reformen der nächsten fünf Jahre diskutiert, erlebeben Regimegegner und Journalisten die schwersten Repressionen seit Jahren.
Einmal im Jahr spielt China Demokratie. Dann tritt in Pekings Grosser Halle des Volkes der Nationale Volkskongress zusammen, ein 3000-köpfiges Scheinparlament, das die Politik der Kommunistischen Partei gutheissen soll. Bei der diesjährigen Tagung, die am Samstag begonnen hat und rund zehn Tage dauern wird, ist der staatliche Propagandaapparat mehr als je zuvor angehalten, den Anschein einer echten Volksherrschaft zu erwecken…
Demo der Schaulustigen
Mit Polizeigroßeinsätzen und Pressezensur will Peking neue „Jasmin-Demonstrationen“ verhindern – und führt die Proteste just damit zum Erfolg.
Kann man eine Demonstration ohne Demonstranten veranstalten? Chinesische Regimekritiker haben am Sonntag gezeigt, wie das geht: Hunderte hochnervöse Polizisten und dutzende ausländische Journalisten versammelten sich am Sonntagnachmittag vor einem McDonald’s-Restaurant in Pekings zentraler Fußgängerzone Wangfujing und wurden damit selbst zu Protagonisten von Chinas zweiter „Jasmin-Kundgebung“…
Schlägertrupps gegen ausländische Journalisten
Banden verhindern Besuche bei festgesetztem Menschenrechtsanwalt. Der Dissident Chen Guangcheng steht nach seiner Haftentlassung faktisch unter Hausarrest.
Er ist blind, mittellos und erst kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen, doch Chinas Behörden haben vor Chen Guangcheng offenbar so viel Angst, dass sie Schlägertrupps einsetzen, um ihn von der Aussenwelt abzuschirmen. In den vergangenen Tagen sahen sich mehrere ausländische Journalisten in Chens ostchinesischem Heimatdorf Dongshugu mehrköpfigen Banden gegenüber, die mit Steinen warfen, Kameras zerstörten, Ausweise entwendeten und Autos beschädigten…
Hosni wer?
Chinas Propagandabehörden haben Berichte über Ägyptens Volksaufstand weitgehend zensiert – aus Angst vor Nachahmung im eigenen Land.
Der Sturz von Hosni Mubarak ist derzeit das wichtigste weltpolitische Gesprächsthema, doch in den chinesischen Nachrichten spielt der Name des geschassten Diktators kaum eine Rolle. Schon vor Wochen wurden Chinas Staatsmedien angewiesen, die Berichterstattung über die ägyptische Revolte auf ein Minimum zu reduzieren und sich strikt an die Vorgaben der zentralen Nachrichtenkanäle zu halten…
Kims Hunger nach Diplomatie
Südkorea will wieder mit dem Norden verhandeln, doch die Annäherung ist umstritten.
Süd- und Nordkorea nähern sich an – oder demonstrieren zumindest ihren guten Willen, nach einem Jahr auf Eskalationskurs wieder zur Diplomatie zurückzukehren. Am 8. Februar sollen sich Armeevertreter im Waffenstillstandsdorf Panmunjom treffen. Auch andere Kontakte würden auf Arbeitsebene wieder aufgenommen, sagte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak…
Jugend forscht
Wie ein elfjähriger Schüler einen chinesischen Lebensmittelskandal aufdeckte.
Soll man glauben, was in der Zeitung steht? Nein, fand Zhang Hao, jedenfalls nicht wenn es um seine Leibspeise geht: Pilze. Weil chinesische Medien im Frühjahr berichtet hatten, dass Pilze häufig mit Bleichmitteln aufgehellt werden, hatte seine Mutter sie kurzerhand aus ihrer Küche verbannt, sehr zum Verdruss des Pekinger Grundschülers. Um seine Mutter eines Besseren zu belehren, startete der Elfjährige seine eigene Untersuchung…
Panik im Penthouse
Nach dem Hochhausbrand in Shanghai sorgen sich viele Chinesen um die Sicherheit ihrer Wohnungen.
Der Brand eines Schanghaier Hochhauses, bei dem am Montag mindestens 53 Personen ums Leben gekommen sind, hat in chinesischen Medien und Internetforen eine Debatte über die Sicherheit von Gebäuden ausgelöst. Das verheerende Feuer wurde nach ersten Ermittlungsergebnissen durch nicht genehmigte Schweissarbeiten ausgelöst…
Weltkaiser Hu
Forbes kürt Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao zum mächtigsten Mann des Planeten – vor US-Präsident Barack Obama.
„Danke Amerika, deine Arroganz macht uns nur noch stärker.“ Mit diesen Worten kommentierte ein chinesischer Blogger die neueste Rangliste der mächtigsten Menschen der Welt, die das US-Wirtschaftsmagazin Forbes einmal im Jahr zusammenstellt: Auf den ersten Platz, der bisher verlässlich dem Präsident der Vereinigten Staaten zugestanden wurde, setzten die Redakteure diesmal Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao. Ist sie das, die vielbeschworene Epochenwende, mit der sich die Weltführerschaft vom Westen nach Asien verschiebt?…