Kim in der Kiste
Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.
Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. “Aber wer war wirklich in der Kiste?”, fragt ein chinesischer Blogger. “Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus.” Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren…
China bekommt Berufsbuddhisten
Tibetische Mönche und Nonnen haben in China künftig Renten- und Versicherungsansprüche. Die Partei will damit ihre Protestbereitschaft schwächen.
Tibetischer Mönch zu sein, ist in China künftig ein anständiger Beruf. Die buddhistischen Geistlichen haben neuerdings Anspruch auf eine Rente und eine staatliche Gesundheitsversicherung, berichtete Pekings offizielle Nachrichtenagentur Xinhua. Dass tibetische Mönche und Nonnen unter den Schirm des staatlichen Sozialsystems kommen, ist Teil einer Kampagne der Kommunistischen Partei, die mit Zuckerbrot und Peitsche – sprich: Geld und Repressionen – versucht, die von Unruhen geprägte Region zu befrieden…
Steuerstreit als Performancekunst
Ai Weiweis Machtkampf mit Chinas Regierung geht in die nächste Runde – mit erhöhtem Einsatz auf allen Seiten.
Sie kamen per Post oder Überweisung, wurden unter der Tür durchgeschoben, über die Mauer geworfen oder segelten als Papierflieger in den Hof: Umgerechnet eine Million Euro hat der regimekritische Künstler Ai Weiwei in den vergangenen Wochen mit einem Spendenaufruf eingesammelt und seinen Steuerstreit mit den chinesischen Behörden zu einem öffentlichen Spektakel gemacht, das hunderttausende Chinesen im Internet verfolgen…
Galaktische Immobilie
China arbeitet am Aufbau einer eigenen Weltraumstation – und hat zum ersten Mal einen deutschen Satelliten ins All befördert.
China liebt Prestigeprojekte und baut sich nun auch im All eine Vorzeige-Immobilie. Das chinesische Raumschiff „Shenzhou 8“ transportierte das zweite Modul für Chinas geplante Weltraumstation „Tiangong“ („Himmelspalast“) in den Orbit. Sollte es gelingen, die Komponente erfolgreich an ein Erstes, Ende September in die Erdumlaufbahn geschossenes Teil anzudocken, hätte die Volksrepublik eine Schlüsseltechnik zum Aufbau einer eigenen bemannten Allstation gemeistert…
Dem Teufel das Gesicht waschen
Die einen singen patriotische Lieder, die anderen werden gefoltert. Viele chinesische Medien beschäftigen derzeit die Frage: Wie leben Chinas Häftlinge?
Es muss ein lustiger Abend gewesen sein, als die Insassen des Lufeng-Gefängnisses ihre ehemaligen Kollegen kürzlich zur Gala einluden. Der Knast im zentralchinesischen Changsha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, beherbergt 133 korrupte Beamte, die mit einem Auftritt vor Provinzoffiziellen demonstrieren sollten, dass sie hinter Gittern bessere Menschen geworden sind. Sie sangen patriotische Lieder, zeigten Zaubertricks und versteigerten eigene Kunstwerke…
Kein Frieden mit Konfuzius
Chinas Regierung streicht den umstrittenen Friedenspreis. Zu den Nominierten gehörte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Angela Merkel bleibt dieser Tage wenig erspart, doch zumindest die Gefahr einer diplomatischen Peinlichkeit in China ist aus der Welt. Die deutsche Bundeskanzlerin muss nicht mehr befürchten, den umstrittenen Konfuzius-Friedenspreis verliehen zu bekommen, für den sie kürzlich nominiert worden war, zusammen mit Kandidaten wie Russlands Premier Wladimir Putin…
China braucht sein Geld zu Hause
China erkauft sich mit Devisenreserven globalen Einfluss. Das Volk ist darüber geteilter Meinung.
Einerseits überheblich, andererseits um Hilfe bettelnd: diesen unsympathischen Charakterzug attestieren die Chinesen den Europäern. Wie mit den unhöflichen Bittstellern umzugehen ist – darüber ist man in China geteilter Meinung. Dass die Länder der Eurozone auf Finanzspritzen der devisenreichen Volksrepublik hoffen, sehen führende Staatsmedien als Zeichen Chinas neuer, mächtiger Rolle auf der globalen Bühne. Gleichzeitig warnen sie aber davor, im Ausland freigebig Milliarden zu verteilen, während ein Großteil des eigenen Volkes noch immer nur knapp über der Armutsgrenze lebt…
China wünscht Reformen in der Euro-Zone
Die Probleme in Europa und den USA kommen Chinas Regierung gelegen, um von den eigenen Problemen abzulenken.
Dass westliche Regierungen von China Reformen verlangen, hat Tradition. Doch neuerdings gehen die Forderungen auch in die andere Richtung: Je tiefer die USA und Europa in wirtschaftlichen Problemen versinken, desto lauter und selbstbewusster mahnt Peking, es sei Zeit für grundlegende Veränderungen. Nachdem die US-Schuldenkrise die chinesischen Kommentatoren wochenlang beschäftigte, wenden sie sich nun dem Euro zu. “Die Euro-Zone muss konkrete Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen der Märkte in die Euro-Zone und in den Euro wiederherzustellen”, verlangt die Volkszeitung…
Ehrliche Japaner
Im Tsunami-Gebiet finden Katastrophenhelfer Geld in Millionenhöhe – und geben es zurück.
Die Spuren der Zerstörung sind noch frisch. Im Hafen des japanischen Fischerstädtchens Ishinomaki, wo am 11. März Hunderte Bewohner Opfer des Tsunamis wurden, sind Arbeitertrupps damit beschäftigt, Häusertrümmer abzutransportieren. “Leichen gibt es hier keine mehr”, sagt einer der Männer. “Aber beim Abriss der Häuser finden wir noch immer Gegenstände, die den ehemaligen Bewohnern vielleicht noch wichtig sind, sollten sie überlebt haben.” Jeden Abend geben die Arbeiter ihre Funde bei der Polizei ab, die dann versucht, die Eigentümer zu finden. Unter den Funden sind auch große Mengen Geld…
Faule Äpfel
Wie in China nicht nur Produkte, sondern gleich der ganze Laden nachgemacht wird.
Chinesen haben zum Urheberrecht ein gespaltenes Verhältnis, zumindest wenn es um die Urheberrechte anderer geht. Das Kopieren fremder Produkte ist so sehr Teil der chinesischen Wirtschaftskultur, dass es unter Managern ausländischer Firmen geradezu als Anfängerfehler gilt, sich darüber aufzuregen oder vor einem chinesischen Gericht sein Recht erstreiten zu wollen. Wer Produkte herstellt, die sich so einfach nachahmen lassen, dass die Kunden den Unterschied nicht merken, hat auf dem chinesischen Markt nichts verloren…
China wackelt am Dollar
Peking nutzt die Krise der USA, um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung erneut in Frage zu stellen.
China nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um die Debatte um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung neu anzufachen. Die Nachrichtenagentur Xinhua, das Leitmedium des staatlichen Medienapparats, forderte in einem Meinungsstück, es müsse über eine „neue, stabile und sichere Leitwährung“ nachgedacht werden…
Streit um Afrika
China wehrt sich gegen die deutsche Kritik an seiner Afrikapolitik.
Trägt China eine Mitschuld an der Hungersnot in Afrika? Der Vorwurf des Afrika-Beauftragten der Bundesregierung Günter Nooke (CDU), umfangreiche Landkäufe chinesischer Firmen in afrikanischen Ländern beraubten die lokale Bevölkerung vielerorts ihrer Lebensgrundlage, hat in der Volksrepublik heftige Proteste hervorgerufen. Chinesische Medien werfen Nooke Heuchelei vor und bezeichnen die Äußerungen als teil einer grundsätzlichen westlichen Chinafeindlichkeit…
“Opa Wen” gegen den “Großen Bruder Bahn”
Chinas Bevölkerung reagiert wütend auf das Zugunglück von Zhejiang. Der Zorn zeigt das geringe Vertrauen in die Institutionen des Staates.
Das Zugunglück in der südchinesischen Provinz Zhejiang, bei dem am vergangenen Samstag 39 Personen ihr Leben verloren und fast 200 verletzt wurden, ist in der Volksrepublik zu einem Politikum erster Klasse geworden. Familien von Opfern, Internetbenutzer und sogar offizielle Medien zürnen öffentlich über die Arroganz von «Tie lao da», dem «Grossen Bruder Bahn», wie das skandalträchtige Eisenbahnministerium im Volksmund genannt wird. Ministerpräsident Wen Jiabao versuchte am Donnerstag mit einem sorgfältig inszenierten Besuch am Unglücksort und bei Betroffenen, das Vertrauen in die Institutionen des Staates aufrechtzuerhalten…
Die verheimlichte Katastrophe
Ein Ölteppich, halb so groß wie Schleswig-Holstein, treibt durchs Gelbe Meer. Unternehmen und Behörden verschwiegen den Unfall – bis das Öl die Küste erreichte.
“Penglai ist ein Ort für die Götter”, schwärmen die Chinesen von der ostchinesischen Küstenstadt in der Provinz Shandong. Sie rühmen ihr mildes Klima, das malerische Gelbe Meer und den frischen Fisch. Doch neuerdings haben Chinesen bei dem Namen Penglai eine andere Assoziation: “Wer in Penglai Meeresfrüchte brät, braucht kein Öl mehr in die Pfanne zu tun”, machte ein schwarzhumoriger chinesischer Blogger seinem Ärger über Chinas jüngste Umweltkatastrophe Luft. In dem Ölfeld Penglai 19-3 läuft seit sechs Wochen Öl ins Meer…
Totgesagte leben länger
Wie Altpräsident Jiang Zemin Chinas Flüsse zm Verschwinden brachte.
Am Donnerstag gab es in China plötzlich keine Flüsse mehr. Suchanfragen nach dem Jangtse oder Chinas Mutterstrom, dem Gelben Fluss, führten im chinesischen Internet in den vergangenen zwei Tagen zur Fehlermeldung: “Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen können die Ergebnisse nicht angezeigt werden.” Die staatlichen Zensoren hatten sie verschwinden lassen, um Gerüchte über den Tod des ehemaligen Staats- und Parteichefs Jiang Zemin zu stoppen…