Peking schnallt den Gürtel enger
Premier schwört China auf ein „kompliziertes Jahr“ ein. Die Staatsausgaben sollen nur noch halb so schnell wachsen wie im Vorjahr.
Da rascheln sie wieder: Das Geräusch, das beim gleichzeitigen Umblättern von 3000 Redemanuskripten entsteht, ist das heimliche Markenzeichen von Chinas Nationalem Volkskongresses, der am Freitag in Pekings Großer Halle des Volkes seine Jahrestagung begonnen hat. Laut Verfassung sollen die Parlamentarier die Arbeit der Regierung überwachen, doch in Wirklichkeit…
China verbietet Autor Deutschlandreise
Polizei stellt Regimekritiker Liao Yiwu unter Hausarrest – trotz Bitten der Bundesregierung, ihn zum Kölner Literaturfest lit.Cologne reisen zu lassen.
China hat den regimekritischen Schriftsteller Liao Yiwu daran gehindert, zum Kölner Literaturfest „lit.Cologne“ zu reisen. Der 51-Jährige wurde am Montag am Flughafen der südwestchinesischen Stadt Chengdu festgenommen und anschließend unter Hausarrest gestellt. Er wollte nach Peking fliegen und von dort am Freitag nach Deutschland weiterreisen. „Ich saß bereits im Flugzeug, als die Stewardess mir sagte, dass ich die Maschine wieder verlassen müsse“, sagte Liao in einem Telefonat mit dem Autor…
Ewige Wiederkehr
Der Dalai Lama schickt Abgesandte in die Volksrepublik. Doch auch diesmal sind die Erwartungen an die Gespräche gering.
Das Rad der ewigen Wiederkehr gehört zu den zentralen Glaubenssätzen des Buddhismus: Alles passiert in unendlichen Repetitionen, zwar in stets neuen Variationen, aber letztlich trotzdem immer gleich. Auch die Gespräche zwischen den Exiltibetern und der chinesischen Regierung gleichen diesem Muster. Seit Jahren treffen sich Abgesandte des Dalai Lama und der Kommunistischen Partei, um eine Einigung in der Tibetfrage zu erörtern – bisher jedes Mal vergeblich…
Zeichen der Schwäche
Mit der Hinrichtung des Briten Akmal Shaikh will China Härte beweisen. Doch hinter der nationalistischen Kraftmeierei steckt ein schwaches System. Ein Kommentar.
Im Milliardenreich China, so heißt es, ist ein einzelnes Menschenleben nicht viel wert. Dass hinter dem Spruch mehr als ein Klischee steckt, hat die Pekinger Regierung wieder einmal bewiesen. Die Hinrichtung des mutmaßlichen britischen Drogenhändlers Akmal Shaikh ist ein Menschenopfer aus politischem Kalkül…
Keine Gnade
Peking lässt Briten wegen Drogenhandels hinrichten – trotz diplomatischer Proteste und Zweifeln am Geisteszustand des Verurteilten.
Trotz eines fragwürdigen Gerichtsverfahrens und internationaler Proteste ist am Dienstag in China ein 53-jähriger Brite hingerichtet worden. Nach Angaben der britischen Botschaft in Peking wurde Akmal Shaikh in Urumqi, der Hauptstadt der westchinesischen Provinz Xinjiang, mit einer Giftspritze getötet. Shaikh war 2007 mit vier Kilogramm Heroin festgenommen worden…
Haft für chinesische Untergrundchristen
Chinas Regierung erhöht den Druck auf Gemeinden außerhalb der Staatskirche. Christen müssen wegen „Unruhestiftung“ ins Gefängnis.
Es ist eine unfrohe Botschaft, die Chinas Kommunistische Partei den chinesischen Christen zu Beginn der Weihnachtszeit verkündet: Wer seinen Glauben außerhalb der streng überwachten Staatskirche praktizieren will, muss künftig mit noch schärferen Strafen rechnen als bisher. Fünf führende Mitglieder einer protestantischen Untergrundkirche im nordchinesischen Linfen wurden zu bis zu sieben Jahren Haft verurteilt…
Hinrichtungen im Babymilchskandal
Chinas oberstes Gericht lässt Todesstrafe für Hauptverantwortliche vollstrecken.
Sie waren verantwortlich für den Tod von sechs Kleinkindern, die Erkrankung von 300.000 weiteren und einen katastrophalen Gesichtsverlust der chinesischen Regierung unmittelbar nach den Olympischen Spielen: Zwei Hauptbeschuldigte im Skandal um vergiftetes Babymilchpulver, der vor einem Jahr die Volksrepublik erschütterte, sind am Dienstag hingerichtet worden…
Versteinerte Mienen
Barack Obama ist auch in China ein Star. Doch nennenswerte Fortschritte für das komplizierte amerikanisch-chinesische Verhältnis erzielt sein Antrittsbesuch nicht.
Gesichtsausdrücke sind ungenaue Indizien, um Aussagen über diplomatische Beziehungen zu machen. Doch mehr als Mienenspiel stand den Journalisten in Pekings Großer Halle des Volkes am Dienstag nicht zur Verfügung, um auf den wahren Verlauf der Gespräche zwischen US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao zu schließen…
Der Halbbruder aus Shenzhen
Bei seinem Staatsbesuch in China trifft der US-Präsident auch einen Verwandten.
Eigentlich hatte Mark Ndesandjo mit dem Namen Obama abgeschlossen. Schon in seiner Jugend legte er ihn ab, um nie mehr an seinen Vater erinnert zu werden, der ihn und seine Mutter über Jahre misshandelt hatte. Mit dem Namen seines Stiefvaters, Ndesandjo, konnte er sich besser identifizieren. Doch dann wurde sein Halbbruder Präsident der Vereinigten Staaten, und nun trägt er den Namen des gemeinsamen Vaters doch wieder, voller Stolz: Mark Obama Ndesandjo…
Karadzics Richter
Der Südkoreaner O-gon Kwon leitet den Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer.
Der Gerechtigkeit eine Bühne geben, nicht Radovan Karadzic – das ist die Vorgabe, an der O-Gon Kwon im wichtigsten Prozess seines Lebens gemessen werden wird. Der südkoreanische Richter leitet beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag das Verfahren gegen den früheren Führer der bosnischen Serben. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher will die Verhandlung sabotieren…
Wegen Hiroschima
Der Japaner Yukiya Amano, 62, übernimmt die Führung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Als zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fielen, war Yukiya Amano noch nicht geboren. Als Japaner fühle er sich jedoch besonders in der Pflicht, für die Nichtverbreitung von Atomwaffen einzutreten. Das hat Amano in den vergangenen Monaten häufig gesagt. Nicht ohne Hintergedanken. Und nicht ohne Erfolg…
Die Sonnenpflückerin
Mit Miyuki Hatoyama bekommt Japan eine First Lady, die ihrem Mann leicht die Show stehlen kann.
Sie lebt von Sonnenstrahlen, näht sich Röcke aus Kaffeesäcken und will in einem früheren Leben mit Tom Cruise liiert gewesen sein – Japans neue First Lady dürfte Japans traditionsverhaftetes Frauenbild ordentlich aufmischen. Miyuki Hatoyama, deren Mann Yukio mit seiner Demokratischen Partei (DPJ) als haushoher Sieger aus den Parlamentswahlen hervorging, ist in ihrer Heimat auch unabhängig von ihrem Gatten ein Star…
Von Henkern und Chirurgen
China kündigt an, künftig weniger Organe von Hinrichtungsopfern zu verpflanzen. Die guten Vorsätze sind nicht neu.
Chinesen, die sich einer Organtransplantation unterziehen, leben danach in der Regel mit dem Körperteil eines Hingerichteten. Das hat Pekings Gesundheitsministerium offiziell eingestanden – und gleichzeitig kritisiert. 65 Prozent der in der Volksrepublik verpflanzten Organe seien Exekutierten entnommen worden…
Blei im Blut
In China sind in der Nähe zweier Schmelzereien und Hüttenwerke mehr als 2200 Kinder an Vergiftungen erkrankt. Sie sind Opfer skrupelloser Betreiber und Beamter.
“In China gibt es einen neuen Klassenkampf: Auf der einen Seite stehen die Gesetzestreuen, und auf der anderen jene, die es nicht nötig haben, sich an Gesetze zu halten.” So kommentiert ein junger Chinese in einem Internetportal den jüngsten Giftskandal der Volksrepublik: Tausende Kinder sind an Bleivergiftung erkrankt, weil sie in der Nähe von großen Schmelzereien leben, deren Besitzer Umweltauflagen über Jahre ignoriert haben – offenbar mit Wissen der lokalen Behörden…
Ein Leben für die Demokratie
Südkoreas ehemaliger Präsident Kim Dae-jung war eine Ikone der asiatischen Demokratiebewegung. Nun ist der Friedensnobelpreisträger gestorben.
Er kämpfte ein Leben lang für die Demokratie – und musste am Ende damit leben, dass ausgerechnet die Demokratie ihm seinen größten Erfolg verdarb: Der ehemalige südkoreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung ist am Dienstag in Seoul im Alter von 83 Jahren gestorben. Kim, der das Land von 1998 bis 2003 regierte, war zuvor jahrzehntelang eine Galionsfigur im Kampf gegen Südkoreas Militärdiktatur gewesen…