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Partei schließt Bo Xilai aus

Bo Xilai kommt wegen Amtsmissbrauchs und Bestechlichkeit vor Gericht. Ihm droht die Todesstrafe.

Im Politdrama um den einstigen chinesischen Spitzenkader Bo Xilai hat der dritte und letzte Akt begonnen: Der gestürzte Parteichef von Chongqing ist aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden und soll wegen Amtsmissbrauchs, Bestechlichkeit und anderer Verbrechen verurteilt werden. Dazu zählen seit Freitag „ungebührliche sexuelle Beziehungen“ zu mehreren Frauen. Mit der Meldung beendete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag das monatelange Rätselraten um das Schicksal des charismatischen 63-Jährigen, der bis zu seinem jähen Fall im Frühjahr als Anwärter auf einen Spitzenposten in Chinas neuer Führung galt…

Bernhard Bartsch | 28. September 2012 um 08:19 Uhr

 

Korrupter Korruptionsbekämpfer

Chongqings Ex-Polizeichef Wang Lijun, Auslöser von Chinas größtem Parteiskandals seit Jahrzehnten, steht am Dienstag wegen Staatsverrats vor Gericht.

Es ist noch kein Jahr her, dass Wang Lijun zu den Lieblingen des chinesischen Propagandaapparats gehörte. Das Staatsfernsehen machte Chongqings Polizeichef zum Protagonisten einer Serie über Korruptionsbekämpfung, Zeitungen feierten ihn als Modellkader. Am Dienstag steht Chinas prominentester Verbrechensbekämpfer selbst vor Gericht, angeklagt wegen Landesverrats, Machtmissbrauchs und Bestechlichkeit. Das schwerste Vergehen des 52-Jährigen wird allerdings nicht öffentlich verhandelt: Wang hat der Kommunistischen Partei einen ihrer größten Skandale seit Jahrzehnten beschert…

Bernhard Bartsch | 18. September 2012 um 03:02 Uhr

 

Die Mutanten von Fukushima

Japanische Forscher entdecken deformierte Schmetterlinge. Auch Menschen fürchten die Folgen der Strahlen.

Es war eine der großen Befürchtungen nach der Atomkatastrophe von Fukushima, und sie hat sich bewahrheitet: Die freigesetzte radioaktive Strahlung hat das Erbgut von Lebewesen verändert und zu schweren Missbildungen geführt. Das konnten japanische Wissenschaftler nun erstmals an Schmetterlingen nachweisen…

Bernhard Bartsch | 15. August 2012 um 09:45 Uhr

 

Zentraler Jubel

Die Olympiagastgeber von 2008 feiern den großen Erfolg ihrer Athleten in London. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Vier Jahre nach den Spielen von Peking ist Olympia in London für die Chinesen erneut ein patriotisches Jubelfest – und die staatlichen Medien tun alles, um die Erfolge der chinesischen Sportler als nationale Errungenschaft zu inszenieren. Chinesische Goldmedaillengewinner sind stets darauf bedacht, ihren Sieg schnell ihrer Heimat zu widmen, und wer es im Rausch der Gefühle vergisst, wird von den Reportern des Hauptsenders CCTV, dem zentralen Jubelmedium, prompt daran erinnert. Umgekehrt fordern Misserfolge sofort Entschuldigungen heraus. Als Gewichtheber Wu Jingbao in der 56-Kilogramm-Klasse etwa nur Silber gewann, bat er seine Landsleute weinend und mit tiefen Verbeugungen um Verzeihung: „Es tut mir leid für mein Vaterland.“…

Bernhard Bartsch | 07. August 2012 um 09:57 Uhr

 

Tod eines Teddys

Viele Japaner trauern um das im Zoo von Tokio verendete Pandababy. In China dagegen gibt es Verschwörungstheorien: Ist der kleine Bär etwa ermordet worden?

Tokio Pandas sind Chinas beste Botschafter. Alle Welt liebt die pummeligen Bambusfresser, und die Chinesen wollen gerne glauben, diese Liebe gelte auch ihnen. Deshalb wird das Schicksal der Bären, die Peking im Rahmen seiner sogenannten Pandadiplomatie ins Ausland schickt, in der Volksrepublik genau verfolgt. Doch selten gingen die Chinesen mit ihrem Nationaltier durch ein turbulenteres Wechselbad der Gefühle als in diesen Tagen…

Bernhard Bartsch | 13. Juli 2012 um 10:06 Uhr

 

Grausame Praxis

China Beamte zwingen eine Frau, im siebten Monat abzutreiben, und beschimpfen ihren Mann als Verräter. Ein öffentlicher Aufschrei kostet die Kader nun den Job.

Die Jagd zog sich über Tage hin. Ende Mai hatten die Beamten des Bezirks Zhenping in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi erfahren, dass Feng Jianmei im siebten Monat schwanger war. Es war ihr zweites Kind, und nach den Regeln der chinesischen Geburtenpolitik war das verboten. Aus Angst, ein zusätzliches Baby in ihrer Neugeborenenstatistik könnte ihnen Ärger einbringen, griffen die Kader zu drastischen Maßnahmen. Tagelang fahndeten sie nach der 23-Jährigen, die sich vorsichtshalber nur noch selten zu Hause aufhielt…

Bernhard Bartsch | 29. Juni 2012 um 10:12 Uhr

 

Perverses Potenzmittel

Südkorea beschlagnahmt Tausende von Kapseln aus pulverisiertem Menschenfleisch. Sie stammen aus China und bringen die Behörden in Erklärungsnot.

Man nehme einen toten Säugling, schneide ihn in kleine Stücke, lasse ihn zwei Tage trocknen und zermale ihn dann zu feinem Pulver. So schlicht und grausig ist das Rezept für ein angebliches Potenz- und Allheilmittel, das in China hergestellt und von Tausenden Menschen eingenommen wird. Anfang der Woche teilte der südkoreanische Zoll mit, dass er 17 450 Kapseln mit pulverisierten Föten und Babys beschlagnahmt hat. Gefunden wurden sie in Gepäckstücken und Paketen aus der Volksrepublik…

Bernhard Bartsch | 10. Mai 2012 um 08:25 Uhr

 

Giftige Kapseln

Ein neuer Produktskandal erschüttert China: Pharmafirmen haben krebserregende Gelatine verwendet, um Materialkosten zu sparen.

Die Vorstellung im Internet klingt vertrauenserweckend. „Unsere Firma ist auf die Produktion von Gelatine spezialisiert (…) und wurde als Exportbasis für Medikamente und Lebensmittel vorgeschlagen“, präsentiert sich die Xueyang Glair Gelatin Factory aus der nordchinesischen Provinz Hebei auf einer englischsprachigen Webseite. Neben chinesischen Kunden hatte Manager Song Xunjie offensichtlich auch den internationalen Markt im Visier. Doch als Anfang der Woche die Polizei bei der Fabrik vorfuhr, fand sie die Anlage in Flammen stehend. Manager Song Kunjie hatte mit den Polizeibeamten gerechnet und bei dem Versuch, belastende Beweise zu vernichten, lieber gleich sein ganzes Werk angezündet…

Bernhard Bartsch | 19. April 2012 um 05:57 Uhr

 

Für Opa nur das Beste

Nordkorea feiert den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung. Zur Feier des Tages darf das Volk erstmals seinen Nachfolger Kim Jong Un sprechen hören.

Kim Il Sung, Nordkoreas Staatsgründer und Diktator für fast ein halbes Jahrhundert, ist in dem Land allgegenwärtig. Jeder trägt ein Foto als Anstecknadel über dem Herzen. Wer eine Zeitung mit Kims Foto wegwirft, bekleckert oder knickt, begeht ein Schwerverbrechen. Jeden Samstag müssen sich die Nordkoreaner zu Studiensitzungen versammeln, um seine „Juche-Ideologie“ zu studieren, die dem Land Unabhängigkeit und den Sieg gegen imperialistische Aggressoren verspricht. Ob im Kino oder im Stadtbild – auch 18 Jahre nach seinem Tod amtiert er noch immer als Nordkoreas Präsident. An diesem Sonntag wäre Kim Il Sung hundert Jahre alt geworden…

Bernhard Bartsch | 15. April 2012 um 06:09 Uhr

 

Blog aus, Protest an

Chinas nervöse Zensurbehörde sperrt Kurznachrichten-Dienste – und erntet eine Kritik-Flut.

Charles Chao, Chef von Chinas größtem Internetportal Sina, musste am Dienstagmorgen ertragen, was im Webvokabular „Shitstorm“ heißt: eine Flut von Beschimpfungen. Dabei hatte der Manager nur über einen Kurznachrichtendienst im Netz eine harmlose Bemerkung über das schöne Wetter veröffentlicht. Innerhalb weniger Stunden antworteten mehrere Hundert Surfer. „Schanghais Wetter ist überhaupt nicht gut, wir haben starken Nordwind und schlechte Luft“, schrieb ein Nutzer. Mit dem Nordwind spielte er auf die Pekinger Parteiführung an, mit der Luftverschmutzung auf Chinas ungesundes Meinungsklima…

Bernhard Bartsch | 04. April 2012 um 06:26 Uhr

 

Japan macht sich Mut

Ein Jahr nach der Katastrophe versucht Japans Regierungschef Noda, Optimismus zu verbreiten. Doch die Aufräumarbeiten kommen nur schleppend voran.

Ein Geiger spielt auf einer aus Tsunami-Trümmern gefertigten Geige, Opferfamilien pflanzen Kirschbäume, Künstler führen traditionelle Rituale auf: Mit hunderten Veranstaltungen haben die Japaner am Sonntag den Jahrestag der verheerenden Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Nuklearunglück begangen, die am 11. März 2011 das Land erschütterte. Um 14:46 Uhr, dem Zeitpunkt des Bebens, fand eine japanweite Schweigeminute statt…

Bernhard Bartsch | 11. März 2012 um 20:36 Uhr

 

Blutige Krawalle in Westchina

Zwölf Personen sterben bei Unruhen in Xinjiang. Exil-Uiguren sprechen von einer ethnisch Verzweiflungstat, die Behörden von einem Amoklauf von Terroristen.

In der westchinesischen Region Xinjiang ist es erneut zu einem blutigen Vorfall gekommen. Zwölf Personen kamen bei einer Messerstecherei und Schiesserei im Landkreis Yecheng um. Dabei solle es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Angehörigen der lokalen Bevölkerungsgruppe der Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften gehandelt haben, berichten chinesische Medien und Exil-Uiguren übereinstimmend – auch wenn ihre Interpretationen des Konflikts sonst weit auseinanderliegen…

Bernhard Bartsch | 29. Februar 2012 um 07:50 Uhr

 

Kim in der Kiste

Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.

Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. „Aber wer war wirklich in der Kiste?“, fragt ein chinesischer Blogger. „Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus.“ Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren…

Bernhard Bartsch | 20. Dezember 2011 um 16:18 Uhr

 

China bekommt Berufsbuddhisten

Tibetische Mönche und Nonnen haben in China künftig Renten- und Versicherungsansprüche. Die Partei will damit ihre Protestbereitschaft schwächen.

Tibetischer Mönch zu sein, ist in China künftig ein anständiger Beruf. Die buddhistischen Geistlichen haben neuerdings Anspruch auf eine Rente und eine staatliche Gesundheitsversicherung, berichtete Pekings offizielle Nachrichtenagentur Xinhua. Dass tibetische Mönche und Nonnen unter den Schirm des staatlichen Sozialsystems kommen, ist Teil einer Kampagne der Kommunistischen Partei, die mit Zuckerbrot und Peitsche – sprich: Geld und Repressionen – versucht, die von Unruhen geprägte Region zu befrieden…

Bernhard Bartsch | 25. November 2011 um 15:55 Uhr

 

Steuerstreit als Performancekunst

Ai Weiweis Machtkampf mit Chinas Regierung geht in die nächste Runde – mit erhöhtem Einsatz auf allen Seiten.

Sie kamen per Post oder Überweisung, wurden unter der Tür durchgeschoben, über die Mauer geworfen oder segelten als Papierflieger in den Hof: Umgerechnet eine Million Euro hat der regimekritische Künstler Ai Weiwei in den vergangenen Wochen mit einem Spendenaufruf eingesammelt und seinen Steuerstreit mit den chinesischen Behörden zu einem öffentlichen Spektakel gemacht, das hunderttausende Chinesen im Internet verfolgen…

Bernhard Bartsch | 15. November 2011 um 13:28 Uhr