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Carter besucht Kim

Ehemaliger US-Präsident will im Korea-Konflikt vermitteln.

Mit einer Reise nach Nordkorea will der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter neue Bewegung in den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel bringen. Der Friedensnobelpreisträger traf zu einer dreitägigen Visite in Pjöngjang ein, berichtete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Carter hatte vor seinem Abflug erklärt, er wolle mit Diktator Kim Jong-il über die Wiederaufnahme der Verhandlungen zum Abbau seines Atomprogramms sowie über Hilfslieferungen für das verarmte Land sprechen.

Begleitet wird der 86-Jährige von drei weiteren früheren Staats- und Regierungschefs, dem ehemaligen finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari, der einstigen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland und der vormaligen irischen Präsidentin Mary Robinson. Die Delegation will am Donnerstag in die südkoreanische Hauptstadt Seoul weiterreisen.

Carter hat sich im Nordkoreakonflikt bereits mehrfach als erfolgreicher Unterhändler erwiesen. 1994 vermittelte er ein Abkommen mit Washington, das schon damals das Ende des nordkoreanischen Nuklearprogramms einläuten sollte, aber am gegenseitigen Misstrauen scheiterte. 2010 erwirkte Carter in Nordkorea die Freilassung eines US-Bürgers. Am Montag zeigte sich Carter bemüht, die Erwartungen zu dämpfen. „Als Altpolitiker sind wir nicht in der Lage, Verhandlungen zu führen, wir sind keine Vermittler“, erklärte er bei einem Zwischenstopp in Peking.

Nach zwei Jahren regelmäßiger Provokationen, darunter Tests von Langstreckenraten und einer Atombombe, der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffs und dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong, hatte Nordkorea zuletzt wieder versöhnlichere Signale gesendet. Westliche Diplomaten gehen allerdings davon aus, dass hinter Pjöngjangs Verhandlungsbereitschaft materielle Not steckt: Nach Informationen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) droht ab Mai erneut eine Hungersnot. 434000 Tonnen zusätzlicher Nahrungsmittel werden benötigt, um rund sechs Millionen Menschen, ein Viertel der Bevölkerung, vor dramatischer Mangelernährung zu bewahren.

WFP-Experten hatten im März Nordkoreas Versorgungslage untersucht, nachdem die Regierung in zahlreichen Ländern um zusätzliche Spenden gebeten hatte. Deutschland will nur helfen, wenn die Auslieferung von Lebensmitteln transparent verfolgt werden kann. Bisher können sich Hilfsorganisationen in Nordkorea nur sehr eingeschränkt bewegen. „Lieferungen kommen nur in Frage, wenn sichergestellt ist, dass die Lebensmittel auch dort ankommen, wo nachgewiesenermaßen Bedürftigkeit herrscht“, sagte Jürgen Klimke (CDU), Mitglied der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe.

Westliche Diplomaten hegen den Verdacht, dass Nordkorea Hilfslieferungen anfordert, um seine Lager aufzufüllen und im kommenden Jahr Sonderrationen verteilen zu können. 2012 will das Regime zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung ein „aufblühendes Land“ sein. Die Staatspropaganda verspricht dem Volk seit langem, dass dann eine Ära des Wohlstands beginnen werde. Nordkorea leidet seit Jahrzehnten unter Lebensmittelknappheit, ein Großteil der Bevölkerung ist unterernährt. Schuld ist neben ungünstigen natürlichen Bedingungen das Regime, das seine Macht durch Abschottung gegenüber dem Ausland zu sichern versucht. Infolgedessen fehlt es an Energie, Dünger und Devisen.

Bernhard Bartsch | 26. April 2011 um 08:09 Uhr

 

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