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Böllern und blocken

In China hat das Jahr des Ochsen begonnen. Eine Internetsendung, die dem staatlichen Unterhaltungsprogramm die Show stehlen wollte, wurde im letzten Moment zensiert.

Mit einem gewaltigen Verbrauch an Feuerwerk hat in China in der Nacht zum Montag das Jahr des Ochsen begonnen. Das Staatsfernsehen CCTV zeigte am Sonntagabend wieder die traditionelle Neujahrsgala, bei der alle großen Stars der chinesischen Showbranche auftreten. Eine privat organisierte Alternativgala, die im Internet ausgestrahlt werden sollte, wurde dagegen von den Zensoren blockiert.

Unter dem Namen „Shanzhai Frühlingsfestgala“ hatten 150 Wanderarbeiter, Bauern und Kleindarsteller ein eigenes Programm inszenieren wollen. Das Projekt war in den vergangenen Wochen eines der am heißesten diskutierten Themen in chinesischen Internet- Chaträumen; sogar die offiziellen Medien berichteten darüber.

Nachdem es lange danach ausgesehen hatte, dass die Organisatoren auf ihrer Website tatsächlich eine vierstündige Live-Sendung ausstrahlen konnten, erlaubten die Zensurbehörden im letzten Moment doch nur die Verbreitung von Probeaufnahmen. Zu einer völligen Blockade der Veranstaltung hatte Peking sich aber offenbar nicht entscheiden können. Schließlich wäre es das erste Mal gewesen, dass Millionen Chinesen genau gewusst hätten, welche Nachrichten ihnen vorenthalten worden wären.

Präsident Hu Jintao verbrachte das Frühlingsfest im zentralchinesischen Dorf Jinggangshan, von wo aus Mao Zedong Ende der 20er Jahre die kommunistischen Truppen auf den Langen Marsch geführt hatte.

Premierminister Wen Jiabao besuchte am Wochenende die Erdbebenregion in der Provinz Sichuan, wo im vergangenen Mai mehr als 80 000 Menschen gestorben waren. Die nationale Ferienwoche wird der Regierungschef allerdings demonstrativ für einen Arbeitsbesuch in Europa nutzen und unter anderem auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin zusammenkommen. Damit will Wen offenbar signalisieren, dass auch der Volksrepublik angesichts der Finanzkrise ein schweres Jahr bevorsteht. Chinas Wachstumsraten und Exporte waren zuletzt stark eingebrochen.

Bernhard Bartsch / Frankfurter Rundschau, 27. Januar 2009

Bernhard Bartsch | 27. Januar 2009 um 02:44 Uhr

 

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