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Blutige Krawalle in Westchina

Zwölf Personen sterben bei  Unruhen in Xinjiang. Exil-Uiguren sprechen von einer ethnisch Verzweiflungstat, die Behörden von einem Amoklauf von Terroristen.

In der westchinesischen Region Xinjiang ist es erneut zu einem blutigen Vorfall gekommen. Zwölf Personen kamen bei einer Messerstecherei und Schiesserei im Landkreis Yecheng um. Dabei solle es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Angehörigen der lokalen Bevölkerungsgruppe der Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften gehandelt haben, berichten chinesische Medien und Exil-Uiguren übereinstimmend – auch wenn ihre Interpretationen des Konflikts sonst weit auseinanderliegen.

In jedem Fall kommt die Tragödie für Peking zu einem heiklen Zeitpunkt: Am Montag beginnt in Peking die Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses, und die Behörden im ganzen Land sind angewiesen, Anzeichen von sozialem Unfrieden noch mehr als sonst zu unterbinden. Zuletzt hatte auch eine Serie von Selbstverbrennungen und Protesten in Tibet das harmonische Bild gestört, das die Kommunistische Partei gerne vermitteln will.

Was genau sich am späten Dienstagabend in Yecheng, 250 Kilometer südöstlich der Stadt Kashgar, ereignet hat, ist noch unklar. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua sind «Randalierer» oder «Terroristen» mit Messern bewaffnet Amok gelaufen. Zwei der Angreifer seien von Polizisten erschossen worden, nach weiteren werde noch gesucht.

Ein Vertreter des World Uyghur Congress, einer uigurischen Organisation mit Sitz in München, erklärte dagegen, es habe sich um eine politische Verzweiflungstat gehandelt. Die Demonstranten hätten Chinas systematische Unterdrückung nicht länger ertragen können. Nach Informationen der Organisation sind sieben bewaffnete chinesische Sicherheitsleute und drei weitere Personen getötet worden. Zu den zwei übrigen Todesopfern konnte sie keine Angaben machen. Die Polizei habe 84 Personen verhaftet, womöglich ein Zeichen dafür, dass es sich nicht um Einzeltäter, sondern um eine grosse Gruppe von Demonstranten gehandelt habe. Xinjiang ist neben Tibet Chinas zweiter ethnischer Brandherd, wo es regelmässig zu gewaltsamen Konflikten zwischen der örtlichen Bevölkerung und den Behörden kommt.

Letzten Juli erschossen Polizisten in Hotan 14 Uiguren, die eine Polizeiwache angegriffen hatten, wie Staatsmedien berichteten. Auch zwei Polizisten und zwei Zivilisten kamen damals ums Leben. Zwei Wochen später kamen in Kashgar mehr als zwanzig Personen bei Bombenanschlägen, Messerstechereien und Schusswechseln mit den Sicherheitskräften um. 2009 waren bei Ausschreitungen in der Provinzhauptstadt Urumqi fast 200 Personen getötet worden, unter ihnen viele Han-Chinesen.

Während die überwiegend muslimischen Uiguren der Partei vorwerfen, ihnen nur ungenügende kulturelle und religiöse Freiheiten zu gewähren und sie wirtschaftlich zu benachteiligen, behauptet Peking, der immer wieder aufflammende Konflikt werde von Separatistengruppen geschürt, die im Ausland ausgebildete Freiheitskämpfer nach China schleusten. Beweise für eine Infiltration durch Terroristen hat China in der Vergangenheit allerdings nicht erbringen können.

Dagegen gibt es zahlreiche Belege dafür, dass Chinas Behörden die Religionsausübung in den vergangenen Jahren noch weiter eingeschränkt haben als zuvor. So wurde vielen Moscheen etwa der Koranunterricht für Kinder und Jugendliche verboten. Auch Pilgerfahrten nach Mekka sind nur in staatlich organisierten Touren möglich. Viele Uiguren bekommen keine Reisepässe, weil die Behörden verhindern wollen, dass sie ins Ausland reisen und dort unliebsame Kontakte knüpfen.

Bernhard Bartsch | 29. Februar 2012 um 07:50 Uhr

 

Ein Kommentar

  1. Paul

    02. Juli 2012 um 06:58

    Hallo Bernhard

    Meine Eltern waren in Arbeitlager, ich möchte sehr gerne mit Journalist zusammenarbeiten. Sie können die Europäer informieren werden, wie blutigen China. Ich kann Ihnen nur Fotos schicken.

    Ich habe nur die Hauptschule absolvieren in Gmunden, kann nicht schreiben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Paul