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Asiens Angst vor SARS 2.0

Regierungen aktivieren Programme zur Seuchenbekämpfung. Die Angst vor der Schweinegrippe lässt die Börsen absacken.

Im Kampf gegen die Schweinegrippe aktivieren Asiens Regierungen ihre Seuchenschutzprogramme. Mit Gesundheitskontrollen an Flughäfen, öffentlichen Aufklärungskampagnen, Quarantänemaßnahmen und der Untersuchung von Schweinefleischimporten wollen die Behörden eine Ausweitung des H1N1-Virus verhindern, das in Mexiko bereits über hundert Menschenleben gefordert hat.

Zwar wurden in der Asienpazifik-Region bisher nur in Neuseeland Verdachtsfälle gemeldet, nachdem zehn Schüler mit Grippesymptomen von einer Mexikoreise zurückkamen. Doch Experten befürchten, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis das Virus sich weltweit verbreite. „Das ist der Countdown zu einer Pandemie“, erklärte am Montag der Hongkonger Virologe Guan Yi, der 2003 als einer der ersten das SARS-Virus identifiziert hatte. Er glaube, dass die Übertragung zwischen Menschen bereits stattfinde. „In den USA mag das Virus schwächer aussehen, aber da es ständig mutiert, könnte es sich in anderen Regionen aggressiver ausbreiten.“ Besonders in dicht besiedelten Ländern wie China oder Indien bestehe die Gefahr einer Masseninfektion.

Hongkongs Gesundheitsminister York Chow erklärte, man müsse sich auf das „Schlimmste“ vorbereiten. „Sollte tatsächlich nachgewiesen werden, dass die Krankheit unter Menschen übertragen wird, kommt sie über kurz oder lang auch bei uns an“, erklärte er. Die Angst vor einer weltweiten Pandemie und die Erinnerungen an die wirtschaftlichen Auswirkungen der SARS-Krise vor sechs Jahren ließen am Montagmorgen quer durch Asien die Börsenkurse absacken. In Hongkong brach der Hang Seng Index um drei Prozent ein. In China gab der Leitindex um 1,2 Prozent nach. Betroffen waren vor allem die Aktien von Fluglinien, Reedereien, Tourismusunternehmen und Lebensmittelherstellern. Die Werte von Pharmazieunternehmen legten dagegen zu. Japans Nikkei-Index verlor 0,5 Prozent.

2003 hatte die in Südchina entstandene Lungenkrankheit SARS weltweit 775 Menschenleben gefordert, davon über 90 Prozent in Asien. Damals wurden weite Bereiche des asiatischen Wirtschaftslebens über Wochen lahm gelegt, weil viele Menschen nicht mehr zur Arbeit gehen konnten und Konsum, Handel und Reiseverkehr einbrachen. In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise würde eine Pandemie die weltweiten Bemühungen zur Konjunkturbelebung großenteils zunichte machen.

Doch die Erfahrungen aus dem Kampf gegen SARS und das seit über zehn Jahre kursierende Geflügelgrippevirus H5N1 sollen den Regierungen nun helfen, die Schweinegrippe einzudämmen. Chinas Regierung, die sich 2003 vorwerfen lassen musste, monatelang Warnsignale ignoriert und die Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verweigert zu haben, setzte am Wochenende eine Expertenkommission ein, die Vorsorgemaßnahmen koordinieren und engen Kontakt zur WHO sowie den Behörden in Mexiko und den USA halten soll. An den Flughäfen werden Reisende aus den betroffenen Gebieten auf Grippesymptome untersucht. Wer zwei Wochen nach einem Aufenthalt in einer Gefahrenregion Anzeichen einer Grippeerkrankung entwickle, müsse sich ein Krankenhaus begeben. Verdachtsfälle sollen unter Quarantäne gestellt werden.

In Hongkong, Asiens aktivstem Luftfahrtdrehkreuz, gingen die Behörden noch einen Schritt weiter und veröffentlichten eine Reisewarnung. „Reisen Sie nicht nach Mexiko, wenn es nicht absolut notwendig ist“, sagte Gesundheitsminister Chow und kündigte an, jeden Reisenden, der sieben Tage nach seiner Rückkehr mehr als 38 Grad Fieber oder Symptome einer Lungenkrankheit entwickle, solange unter Quarantäne zu stellen, bis das Ergebnis eines Virentest vorliege. Chows Amtsvorgängerin Margaret Chan, die 2003 in Hongkong den Kampf gegen SARS koordinierte, ist heute Generalsekretärin der WHO.

Auch in Japan werden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ergriffen. An Flughäfen werden wärmeempfindliche Kameras eingesetzt. Reisenden nach Mexiko wird auf Schildern empfohlen: „Maske aufsetzen, Hände waschen, gurgeln.“ Premierminister Taro Aso erklärte: „Japan muss verhindert, dass sich das im Land ausbreitet.“ Sein Agrarminister Shigeru Ishiba ordnete die Überprüfung von importierten lebenden Schweinen an. Fleischimporte würden allerdings nicht kontrolliert, da das Virus beim Kochen getötet werde. Grund zur Panik gebe es derzeit nicht, beschwichtigte Ishiba. Die Schweinegrippe lasse sich mit Medikamenten wie Tamiflu effektiv behandeln und Japan habe ausreichende Vorräte. Trotzdem richtete Japans Gesundheitsministerium bereits eine Hotline ein. Mehrere Reisebüros kündigten an, Touren nach Mexiko bis auf weiteres stornieren zu wollen.

An koreanischen Flughäfen wies Seouls Zentrum für Seuchenkontrolle- und vermeidung ebenfalls Kontrollen für Passagiere aus Mexiko und mehreren Städten in den USA an. Außerdem untersuchen die Quarantänebehörden ab Montag alle Schweinefleischimporte aus betroffenen Regionen. In den ersten drei Monaten des Jahres importierte Korea 28,726 Tonnen Schweinefleisch aus den USA und 208 Tonnen aus Mexiko.

Bernhard Bartsch | 28. April 2009 um 01:32 Uhr

 

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