Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Chinas Standortnachteil

Nach einer Woche extremer Luftverschmutzung können die Pekinger wieder frei atmen. Trotzdem mindert der Smog die Attraktivität der chinesischen Städte.

Ein Mann im grauen Anzug steht in einer grauen Schuttlandschaft, das Gesicht von einer Gasmaske verdeckt. Im Hintergrund pusten Fabrikschlote dreckigen Rauch in den Himmel. «Der Weg ist noch lang. Deine Gesundheit entscheidet, wie weit du kommst», lautet der dazugehörige Slogan, mit dem die chinesische Firma Yuanda im Internet ihre Luftreiniger bewirbt. Yuanda ist für aufsehenerregende Werbung bekannt: Im vergangenen Jahr gelang der Marke ein PR-Coup mit der Erklärung, man habe 200 Geräte im Pekinger Regierungsviertel Zhongnanhai installiert. Dass die Parteiführung ihre Atemluft reinigen lässt, während sie gegenüber ihrem Volk das Ausmass der Luftverschmutzung herunterspielt, löste im Internet einen Sturm der Entrüstung aus – und machte Yuanda weithin bekannt. Derzeit verkaufen sich die Luftwäscher jedoch fast ohne Werbung…

Bernhard Bartsch | 20. Januar 2013 um 07:57 Uhr

 

Peking hält die Luft an

Chinas Hauptstadt leidet unter dramatischer Luftverschmutzung. Die Pekinger machen dafür ihre Regierung verantwortlich.

PEKING Pan Shiyi ist ein mächtiger Mann. Mehr als 13 Millionen Chinesen folgen dem Pekinger Bauunternehmer und Fernsehstar bei „Weibo“, dem chinesischen Twitter. Dieser Tage beglückte der scharfzüngige Pan seine Fans mit einer besonders treffenden Anekdote. „Die Beamten haben mich einmal zum Teetrinken eingeladen, weil ich etwas über Pekings Luftqualität geschrieben hatte“, berichtete Pan. Teetrinken ist in China ein Synonym für eine Vorladung bei der Staatssicherheit. „Ausländische Kräfte benutzen dich“, habe ein Beamter ihm vorgeworfen. „Weißt du, was das für ein Problem ist?“ Die beißende Kritik in Pans kleiner Geschichte konnte keinem entgehen…

Bernhard Bartsch | 15. Januar 2013 um 08:00 Uhr

 

Einsam, ängstlich, unzufrieden

Chinas Ein-Kind-Politik hat eine Generation von kleinen Kaisern hervorgebracht – mit psychologischen Folgen.

Song Le könnte zufrieden sein. Der 20-jährige Pekinger hat erreicht, wovon Millionen Gleichaltriger träumen. Er studiert an einer renommierten Pekinger Universität. Es ist der Lohn jahrelanger Paukerei für die zentrale Hochschulaufnahmeprüfung. Seine Mutter, die als Haushaltshilfe arbeitet, ist stolz: Ihr Sohn kann damit rechnen, einen gut bezahlten Job zu bekommen und sozial aufzusteigen. Doch Song Le ist nicht zufrieden…

Bernhard Bartsch | 11. Januar 2013 um 08:02 Uhr

 

Aufstand gegen den Zensor

Ein Fall von Zensur bringt liberale Medien in China auf die Palme. Erstmals seit Jahrzehnten treten Journalisten im Reich der Mitte in den Streik.

Nach der Logik chinesischer Propagandakader hat Tuo Zhen alles richtig gemacht. Als der Chefzensor der Provinz Guangdong in den Vordrucken für die Neujahrsausgabe der einflussreichen Wochenzeitung «Nanfang Zhoumo» einen Leitartikel entdeckte, der offen politische Reformen forderte, liess er den Text kurzerhand aus dem Blatt schmeissen. Den weissen Platz füllte Tuo mit einem Meinungsstück aus eigener Feder – einer Lobeshymne auf die Errungenschaften der Kommunistischen Partei. Den Redaktoren wollte er damit eine Lektion erteilen: Sie sollten nicht glauben, die Regeln der politischen Korrektheit ignorieren zu können…

Bernhard Bartsch | 08. Januar 2013 um 08:04 Uhr

 

China will Arbeitslager schließen

Peking plant die Abschaffung der umstrittenen Administrativhaft. An den Repressionen gegen Regimekritiker dürfte das aber vorerst nichts ändern.

Hunderttausende chinesische Regimekritiker wurden in den vergangenen Jahrzehnten zur „Umerziehung durch Arbeit“ geschickt, nun sollen die umstrittenen Lager geschlossen werden. Der ranghöchste Justizkader der Kommunistischen Partei, Meng Jianzhu, erklärte am Montag bei einer internen Sitzung, die Arbeitslager würden noch in diesem Jahr aufgelöst. Das berichtet die gewöhnlich gut informierte Hongkonger South China Morning Post. Dem 1957 unter Mao Zedong eingeführten System, mit dem Sicherheitskräfte angebliche Unruhestifter jahrelang ohne Gerichtsverfahren inhaftieren dürfen, solle bei der jährlichen Parlamentssitzung im März die Rechtsgrundlage entzogen werden…

Bernhard Bartsch | 07. Januar 2013 um 08:07 Uhr