Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Chinas frohe Botschaft

Immer mehr Chinesen finden zum christlichen Glauben, die chinesische Konkurrenzgesellschaft empfinden sie als egoistisch und materialistisch.

Für Herrn Meng ist Gott allmächtig. «Früher habe ich gestottert und brachte keinen geraden Satz heraus», erzählt der Mittvierziger. «Dann bin ich Christ geworden – und Sie hören ja, wie ich jetzt sprechen kann!» Allerdings. Herr Meng redet seit zwanzig Minuten wie ein Wasserfall von Gottes Wundern, der Bibel und dem Weihnachtsfest. Seine rund 60 Zuhörer sitzen eng gedrängt auf schmalen Bänken und kleinen Hockern. Sie alle sind an diesem Adventssonntag zum ersten Mal zu einem Gottesdienst in die Pekinger Chongwenmen-Kirche gekommen und im Anschluss zu einer Einführung in den christlichen Glauben eingeladen worden. «Im Alltag erleben wir alle, wie eigennützig und boshaft Menschen sein können», erklärt Herr Meng, einer der Gemeindeältesten. «Aber Gott ist gerecht, ihm können wir vertrauen.» Er lässt eine Liste mit den Terminen der regelmässigen Bibelstunden herumgehen. Viele tragen sich ein…

Bernhard Bartsch | 23. Dezember 2012 um 08:10 Uhr

 

Im roten Minenfeld

Chinas Literaturnobelpreisträger Mo Yan sorgt mit Äußerungen über Zensur für Aufregung. Kritiker werfen ihm liebedienerische Angepasstheit vor.

Dass die Frage kommen würde, war unvermeidlich: Fast zwei Monate hatte Chinas Literaturnobelpreisträger Mo Yan Zeit, sich zurechtzulegen, was er vor der Weltpresse zum Thema Zensur sagen wollte (Auf dem Pressefreiheits-Index der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ belegt China Rang 174 von insgesamt 179 Ländern.). Als es dann am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Auftakt der Nobelpreisfeierlichkeiten in Stockholm soweit war, überraschte Mo Yan mit einem Vergleich…

Bernhard Bartsch | 07. Dezember 2012 um 15:25 Uhr

 

Herz in Sojasoße

Mo Yans Romane sind auch eine Liebeserklärung an seine Heimatregion Gaomi. Jetzt ist der Geburtsort des Literaturnobelpreisträgers eine nationale Attraktion.

Sie haben die Rettiche aus dem Boden gerissen, und die Äste von den Bäumen gerupft. Mehrere Dachziegel sind verschwunden, und aus dem Plumpsklo in der Ecke des Hofes stinkt es. „Alles ziemlich verrückt“, brummt Guan Moxin bei seinem täglichen Inspektionsgang durch das kleine Gehöft seines Bruders. Zum Glück lasse sich die Haustür abschließen, meint Guan, sonst hätten die Souvenirjäger sicher auch drinnen geplündert. Nicht, dass in dem verlassenen Bauernhaus etwas Wertvolles zu holen wäre: ein alter Wok, ein paar zerzauste Besen, eingestaubte Bettmatten, zwei kaputte Koffer. Doch seit der ehemalige Bewohner am 11. Oktober den Literaturnobelpreis zugesprochen bekommen hat, ist seine Geburtsstätte im ostchinesischen Landkreis Gaomi eine nationale Attraktion geworden, und sein älterer Bruder zu ihrem unfreiwilligen Verwalter…

Bernhard Bartsch | 07. Dezember 2012 um 08:05 Uhr