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November, 2012 | Bernhard Bartsch

Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Positive Rhetorik, negative Fakten

Chinas neue Führung nutzt den Welt-Aids-Tag, um engagierte Bürgerrechtler zu würdigen. Doch Aktivisten bezweifeln Pekings Ernsthaftigkeit – zu Recht.

Weht in Peking ein frischer Wind? Zwei Wochen nach dem Generationenwechsel in der Kommunistischen Partei nutzt Chinas neue Führung den Welt-Aids-Tag für die erste öffentliche Demonstration ihrer Reformbereitschaft. Am Montag traf sich Vize-Premier Li Keqiang, die neue Nummer zwei in der Partei-Hierarchie, mit Vertretern von zwölf Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die HIV-Infizierte unterstützen und Aufklärungsarbeit betreiben. „Die Zivilgesellschaft spielt im nationalen Kampf gegen HIV/Aids eine unverzichtbare Rolle“, erklärte Li und versprach den Aktivisten für die Zukunft finanzielle Unterstützung und „größere Spielräume“. Was in westlichen Staaten ein unspektakulärer Routinetermin wäre, kann in Peking als kleine Sensation gelten…

Bernhard Bartsch | 30. November 2012 um 12:06 Uhr

 

Der große Lachangriff

Chinas Internetgemeinde torpediert Pekings Parteitagspropaganda. Für Xi Jinping wird der Kontrollverlust über die öffentliche Meinung eine zentrale Herausforderung.

Was war das nur für eine Rede, die Chinas Staatschef Hu Jintao da beim Parteitag in Pekings Großer Halle des Volkes gehalten hat! Die Delegierte Chen Yecui aus dem ostchinesischen Shandong erzählte hinterher, sie habe vor Begeisterung so viel geklatscht, dass ihre Hände taub wurden. Die Abgeordnete Li Jian aus der armen Provinz Ningxia war so ergriffen, dass sie fünfmal in Tränen ausgebrochen sein will. Der Pekinger Parteivertreter Ju Xiaolin malte spontan einen Herzchen-Comic und schrieb ein emotionales Gedicht, das er mit tränenerstickter Stimme vortrug: „In der 64-seitigen Rede des 18. Parteitags habe ich sie endlich gefunden: die neue Hoffnung in meinem Herzen.“ Liang Wengen, Gründer des Baumaschinenherstellers Sany und einer der reichsten Männer Chinas, versprach, er würde der Partei all seine Milliarden schenken, sie müsse nur danach fragen. Kann man derartige Begeisterung für Hus 90-minütigen, mit monotoner Stimme vorgelesenen Arbeitsbericht ernst nehmen? Kann man nicht…

Bernhard Bartsch | 16. November 2012 um 09:27 Uhr

 

Neue Tonlage

Xi Jinping übernimmt die Führung der Kommunistischen Partei Chinas. In Pekings innerstem Machtzirkel dominieren die Konservativen.

Die größte Überraschung an diesem Donnerstagmorgen ist wohl die Stimme. Mit tiefem, warmem Bass wendet sich Xi Jinping in Pekings Großer Halle des Volkes an seine Landsleute. „Die Plenarsitzung des Zentralkomitees der Partei hat mich zum Generalsekretär gewählt“, verkündet der 59-Jährige und präsentiert sich damit gewissermaßen selbst als Chinas neuer Staatschef. Dass die 14-minütige Ansprache, die den hart umkämpften Generationswechsel in der Kommunistischen Partei formal zum Abschluss bringt, für viele Chinesen das erste Mal ist, dass sie Xi bewusst sprechen hören, verrät einiges über Chinas politisches System…

Bernhard Bartsch | 15. November 2012 um 17:29 Uhr

 

Wahl ohne Qual

Chinas Kommunistische Partei wählt eine neue Führung. Die Macht teilen sich künftig vor allem konservative Männer.

Die Qual der Wahl hatten Chinas Parteitagsabgeordnete nicht: 205 Kandidaten standen auf den Zetteln, mit denen sie am Mittwochmorgen in Pekings Großer Halle des Volkes das neue Zentralkomitee wählen sollten. 205 Plätze waren auch zu vergeben. Angekreuzt werden musste nicht, nur Widerspruch oder Enthaltungen konnten vermerkt werden, doch davon machten die 2270 Delegierten wohl kaum Gebrauch…

Bernhard Bartsch | 14. November 2012 um 13:33 Uhr

 

Die große Vorsingende

Die Volkssängerin Peng Liyuan wird Chinas erste echte First Lady. Trotzdem muss sie die Bühne vor allem ihrem Mann überlassen.

Unsere Heimat liegt auf den Ebenen der Hoffnung, Generation um Generation leben wir auf diesem Feld.“ Mit diesen Zeilen sang sich die Volkssängerin Peng Liyuan 1982 bei der Neujahrsgala des Zentralfernsehens CCTV in die Herzen der Chinesen. Auch der damalige Jungfunktionär Xi Jinping liebte den patriotischen Schlager, und als er die berühmte Sopranistin vier Jahre später über Freunde kennenlernte, habe er nach vierzig Minuten gewusst, dass sie seine Frau werden würde, erzählte er später. So kam es dann auch. Pünktlich zur Silberhochzeit macht die Liebesgeschichte zwischen der Schönen und dem Apparatschik noch einmal Schlagzeilen…

Bernhard Bartsch | 13. November 2012 um 09:06 Uhr

 

Japan sieht rot

Der drittgrößten Wirtschaftsmacht droht die Rezession.

Japan droht in die Rezession zu rutschen. Am Montag präsentierte die Regierung Besorgnis erregende Zahlen: Im dritten Quartal lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 0,9 Prozent unter dem Vorquartal. Das ist der stärkste Rückgang seit der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe im März 2011. In Tokio scheint man damit zu rechnen, dass das Wachstum auch für den Rest des Jahres negativ sein wird und damit zwei Quartale in Folge, womit Japan offiziell in einer Rezession stecken würde. „Ich kann die Wahrscheinlichkeit nicht leugnen, dass die Wirtschaft ins Stadium der Rezession getreten ist“, sagte Finanzminister Seiji Maehara…

Bernhard Bartsch | 12. November 2012 um 09:07 Uhr

 

Bitte lächeln!

Chinas neuer Slogan heisst «Glück». Je größer die Unzufriedenheit im Land wird, umso mehr versucht die Partei ihr Volk davon zu überzeugen, dass es glücklich sei.

«Lhasa ist die Stadt des Glücks», erklärt Qi Zhala, und die um den Tisch versammelten Parteifunktionäre nicken um die Wette. Im Tibet-Saal der Grossen Halle des Volkes in Peking sitzt die Parteitags-Delegation aus Chinas umstrittenster Provinz zusammen, um den Arbeitsbericht des scheidenden Staats- und Parteichefs Hu Jintao zu diskutieren. «Diskutieren» heisst in diesem Fall loben, und so schwärmt Lhasas Parteisekretär von Tibets blauem Himmel, von der sauberen Umwelt und von dem beliebten Quellwasser, das in ganz China teuer verkauft werde. Und dann ist da noch eine Studie des Zentralfernsehens CCTV, die im August herausgefunden haben will, dass Lhasas Bewohner die glücklichsten Menschen Chinas seien…

Bernhard Bartsch | 11. November 2012 um 15:47 Uhr

 

Wie viel Deng steckt in Xi?

Chinas neue Führung könnte bald vor der Entscheidung stehen, an welche Tradition der KP sie anschließen will: die Flucht nach vorn oder den Rückfall in Repressionen.

Ihre hellsten und dunkelsten Momente hatte Chinas Kommunistische Partei in Situationen existenzieller Bedrohung. Der Winter 1978 war ein solcher Augenblick. Mao Zedong war seit zwei Jahren tot und die Partei ratlos, wie es mit dem von drei Jahrzehnten Revolutionsirrsinn ausgelaugten Land weitergehen sollte. In der Not gelang es der Partei, über ihren eigenen Schatten zu springen. Unter der Führung von Deng Xiaoping warf sie ihre kommunistische Ideologie über Bord und schwenkte auf den kapitalistischen Weg ein. Der Rest ist Geschichte. Auch im Frühsommer 1989 stand die Partei mit dem Rücken zur Wand…

Bernhard Bartsch | 09. November 2012 um 03:53 Uhr

 

Wachs essen mit Genosse Hu Jintao

Zur Eröffnung des Parteitags verspricht Chinas scheidender Staatschef seinem Volk bessere Zeiten. Mal wieder.

Die Illusion, dass in Chinas Kommunistischer Partei (KP) so etwas wie Harmonie herrschen könnte, hält an diesem Donnerstagmorgen eine knappe Minute: Um Punkt neun Uhr beginnt die Militärkapelle in Pekings Großer Halle des Volkes zu spielen und Chinas Führung betritt im Gänsemarsch die mit roten Fahnen geschmückte Bühne. Die 2 300 Delegierten im Saal erheben sich und applaudieren brav. An der Spitze marschiert Parteichef Hu Jintao, gefolgt von seinem greisen Amtsvorgänger Jiang Zemin, dem das Laufen sichtlich schwerfällt…

Bernhard Bartsch | 08. November 2012 um 07:46 Uhr

 

Wie ist Xi?

Über Chinas neuen Staatschef Xi Jinping dringt wenig nach außen – noch weniger darüber, was er mit dem Land politisch vorhat.

Fuzhou im Sommer 1992. Peng Liyuan, Chinas bekannteste Volksmusiksängerin, ist hochschwanger. Ihren Mann, den Stadtparteisekretär, sieht sie wegen seiner vielen Dienstreisen normalerweise nur einmal im Monat, aber rund um den Geburtstermin hat er sich den Kalender frei gehalten. Auf keinen Fall will er die Ankunft seines Kindes verpassen. Doch dann nimmt ein Wirbelsturm Kurs auf die Hauptstadt der südchinesischen Provinz Fujian. Dörfer müssen evakuiert und Rettungskräfte organisiert werden, und der Parteichef lässt es sich nicht nehmen, persönlich das Einsatzkommando zu übernehmen. Die Arbeit fürs Volk geht eben vor, und Peng Liyuan bringt ihre Tochter alleine zur Welt…

Bernhard Bartsch | 07. November 2012 um 03:50 Uhr

 

China hofft auf Obama

China ist verärgert, weil es im US-Wahlkampf als Sündenbock für Amerikas Probleme herhalten muss. Eine zweite Obama-Amtszeit wäre für Peking das kleinere Übel.

Die Chinesen sind die neuen Russen: Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf versuchen beide Kandidaten, mit harter Rhetorik gegen die Volksrepublik zu punkten. Herausforderer Mitt Romney verspricht, China gleich am ersten Tag seiner Amtszeit zum Währungsmanipulator erklären und damit Strafzölle auf alle chinesischen Importwaren autorisieren zu wollen. Seinem Gegner wirft er vor, tatenlos zugesehen zu haben, wie tausende amerikanische Jobs nach China abwandern. Amtsinhaber Barack Obama rühmt sich dagegen, China mehrfach erfolgreich vor der Welthandelsorganisation WTO verklagt und gezwungen zu haben, „sich an die gleichen Regeln zu halten wie andere“…

Bernhard Bartsch | 06. November 2012 um 05:00 Uhr

 

Pekings Ping-Pong-Paranoia

Vor dem Generationenwechsel in Chinas Kommunistischer Partei herrscht in Peking der Ausnahmezustand. Regimekritiker müssen die Stadt verlassen.

Ping-Pong-Bälle sind verdächtig, Luftballons und Spielzeughubschrauber ebenso. Brieftauben haben Ausflugverbot, Taxifenster müssen geschlossen bleiben, und wehe, jemand singt über den Tod. Wenige Tage vor dem Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas herrscht in Peking der Ausnahmezustand. Drastische Sicherheitsmaßnahmen sollen verhindern, dass die am Donnerstag beginnende Versammlung, bei der eine neue Führungsgeneration ins Amt gehoben werden soll, von Protesten überschattet wird…

Bernhard Bartsch | 05. November 2012 um 04:49 Uhr

 

Chinas Militär zeigt Muskeln

Peking präsentiert einen neuen Tarnkappen-Jet für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Die Technologie wurde womöglich von den USA ausspioniert.

Kurz vor dem Parteitag der Kommunistischen Partei und mitten in einem erbitterten Territorialdisput mit Japan demonstriert Chinas Militär seine Stärke: Mit einem neuen Tarnkappen-Jet hat die Volksbefreiungsarmee diese Woche ein weitgehend selbstentwickeltes Kampfflugzeug für den Einsatz auf ihrem ersten Flugzeugträger präsentiert, der seit September in Betrieb ist. Der Flieger vom Typ J-31 absolvierte seinen Jungfernflug in der nordostchinesischen Provinz Liaoning. Der J-31 ist Teil einer Modernisierungskampagne, mit der Chinas Streitkräfte zu den militärischen Grossmächten USA und Russland aufschliessen wollen…

Bernhard Bartsch | 03. November 2012 um 14:56 Uhr