Warning: Use of undefined constant BASE_URL - assumed 'BASE_URL' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /kunden/193953_76835/www/web11/html/wp-content/plugins/wp-social-share-privacy-plugin/wp-social-share-privacy.php on line 12
Oktober, 2012 | Bernhard Bartsch

Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Chinas Schicksalsfrage

Die Bevölkerung konsumiert zu wenig und spart lieber. Ökonomen fordern ein neues Entwicklungsmodell.

Wenn Chinas Wirtschaftspolitiker schlaflose Nächte haben, ist es wegen Menschen wie He Kecheng. Der Pekinger Ladenbesitzer und seine Familie konsumieren zu wenig, jedenfalls viel weniger, als es sich die Regierung wünscht. Von den rund 12 000 Yuan (1 500 Euro), die He und seine Frau monatlich verdienen, wandert die Hälfte auf ein Sparkonto statt in die Kassen von Geschäften oder Restaurants. Dabei glauben die Staatsökonomen, dass es in Hes bestem Interesse sei, mehr Geld auszugeben: Würden die Chinesen stärker konsumieren, bekäme die Konjunktur neuen Schwung und alle würden reicher, He Kecheng eingeschlossen. Soweit die Theorie…

Bernhard Bartsch | 31. Oktober 2012 um 11:11 Uhr

 

Ein Palast für die Partei

Braucht ein armes Provinzstädtchen ein Rathaus, das doppelt so groß ist wie das Weiße Haus?

Mit der Kommunistischen Partei hat Liang Yingzheng abgeschlossen. „Es ist, als würde uns die Regierung täglich ins Gesicht spucken“, sagt der Bauer und wirft einen Klumpen Erde auf den Bauzaun am Rande seines Feldes. Was sich dahinter erhebt, wirkt fast, als sei mitten im Ackerland ein Ufo gelandet: ein strahlend weißer Gebäudekomplex mit großzügigen Glasflächen und hohen Säulen. Das Zentrum bildet ein Triumphbogen mit dem Emblem der Volksrepublik, fünf goldenen Sternen auf rotem Grund. „Wozu brauchen wir hier so etwas?“, erzürnt sich Liang. „Wer kommt auf die Idee, dass unser Leben dadurch besser würde?“…

Bernhard Bartsch | 30. Oktober 2012 um 11:08 Uhr

 

„Jeder Kader heißt Bo“

„Opa Wen“ gilt in China als bescheidener Spitzenpolitiker. Doch jetzt berichtet die „New York Times“ von einem Milliardenvermögen der Premier-Familie.

„Jeder Kader heißt Bo“, titelte kürzlich das regimekritische Hongkonger Politikmagazin „Sun“. Bo – das ist Bo Xilai, der ehemalige Parteichef der westchinesischen Metropole Chongqing, dessen Frau einen britischen Geschäftsmann ermordete und der selbst wegen Bereicherung und Amtsmissbrauchs angeklagt ist. Der beispiellose Absturz des einstigen Politstars hat die Vorbereitungen für den in zwei Wochen beginnenden Parteitag, bei dem Chinas Kommunisten eine neue Führungsgeneration ins Amt heben wollen, in schwere Turbulenzen gestürzt, doch Peking versucht das Verfahren zu nutzen, um sein angebliches Engagement in Sachen Korruptionsbekämpfung zu demonstrieren…

Bernhard Bartsch | 26. Oktober 2012 um 16:20 Uhr

 

Wahl ohne Wahlprogramm

Chinas Kommunistische Partei inthronisiert eine neue Führung. Doch was sie vorhat, wissen selbst Parteimitglieder nicht so genau.

Die Funktionärin macht sich keine Illusionen. „Ich weiß, dass ich beim Parteitag meine Stimme für Xi Jinping abgeben werde“, sagt die Genossin. „Aber das bedeutet natürlich nicht, dass ich dort wirklichen Einfluss hätte.“ Es ist ein milder Herbstabend in der chinesischen Provinz. In den Bäumen blinken bunte Lichterschlangen. Kellner tragen Blechschüsseln mit scharfen Flusskrebsen auf. Unter der Bedingung, dass ihr Name nicht genannt wird, ist die Lokalpolitikerin bereit zu erzählen, was sie über Chinas geheimnisumrankten Parteitag weiß, der am 8. November in Pekings Großer Halle des Volkes beginnen und eine neue Führungsgeneration um den bisherigen Vizepräsidenten Xi Jinping ins Amt heben soll…

Bernhard Bartsch | 26. Oktober 2012 um 04:39 Uhr

 

Tanz den Weltfrieden

Der Youtube-Hit „Gangnam Style“ hat Südkorea in den Fokus der globalen Popkultur gerückt. Nun versucht das Land, damit Kasse zu machen.

Kürzlich während einer internationalen Konferenz in Südkorea: Die Teilnehmer kommen leicht abgeschlafft aus der Mittagspause, und die Veranstalter versuchen deshalb, sie mit etwas Gruppengymnastik wieder in Schwung zu bringen. Das gesetzte Publikum – koreanische und deutsche Politiker, Diplomaten, Professoren und Experten – macht dabei höflich mit, räkelt sich, dehnt sich und kreist sogar mit den Hüften. Dann legen die jungen Vorturnerinnen Musik auf. „Are you ready to shake your body?“, rufen sie fröhlich in die Runde und beginnen, auf imaginären Pferden über die Bühne zu hopsen. Es musste ja kommen: „Gangnam Style“…

Bernhard Bartsch | 23. Oktober 2012 um 06:02 Uhr

 

Kalter Wind aus Fernost

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Billige Kredite sollen die Binnennachfrage stimulieren.

Die Wachstumsmaschinen kommen nachts. Während Peking schlafen will, reißen Bagger die Straßen auf. Arbeitertrupps schaufeln den alten Asphalt auf Lastwagen, andere liefern neuen Teer, Walzen rollen ihn platt. Nach zwei Nachtschichten hat die Straße einen frischen Belag. Dutzende Pekinger Straßenzüge werden derzeit auf diese Weise von Baukommandos modernisiert, doch die Freude der Bewohner hält sich in Grenzen. Nicht nur die nächtliche Ruhestörung sorgt für Missmut, sondern vor allem die Tatsache, dass die meisten Fahrwege keineswegs sanierungsbedürftig schienen…

Bernhard Bartsch | 18. Oktober 2012 um 07:03 Uhr

 

Und täglich grüßt der Klingelbeutel

Chinesische Firmen haben soziales Engagement als Marketinginstrument entdeckt.

Pekinger Bekannte haben mich zu ihrer Firmeneröffnung eingeladen. Ich müsse auf jeden Fall kommen, steht auf der Karte, sonst breche ich ihnen das Herz. Meine Bekannten wollen ihre eigene Marke für Kinderkleidung vorstellen, doch das soll angeblich nur Nebensache sein, denn eigentlich handele es sich um eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Die Einladung ist mit einem „Spendenvorschlag“ von 200 Yuan, 26 Euro, verbunden. Darüber hinaus ist jeder Gast gehalten, sich an der Versteigerung der Musterkollektion zu beteiligen. Mit dem Erlös wollen die Bekannten einen Fonds gründen, mit dem sie soziale Projekte in China unterstützen. Und auch in Zukunft soll im Verkaufspreis ihrer Kleider eine Spende enthalten sein. Je erfolgreicher ihre Marke einmal wird, umso wohltätiger könne sie wirken. Klingt gut? Ich weiß nicht so recht…

Bernhard Bartsch | 17. Oktober 2012 um 02:48 Uhr

 

Der Herr der Halluzinationen

Der chinesische Romancier Mo Yan erhält den Literaturnobelpreis. Die Kommunistische Partei freut sich mit.

In seinem Roman „Die Schnapsstadt“ beschreibt Mo Yan eine drastische Szene, in der ein Polizist mit einer Gruppe Kleinstadtkader beim Bankett sitzt, als die Kellnerin eine Silberplatte hereinträgt, auf der „ein goldbrauner, unglaublich appetitlich duftender kleiner Junge saß.“ Kann das wirklich ein gebratenes Baby sein, versucht der angetrunkene Ermittler Herr seiner Gedanken zu werden. Er löst im Kopf Rechenaufgaben und kommt zu dem Ergebnis, dass er tatsächlich noch bei Sinnen ist. „Man hat mir ein gebratenes Kind serviert“, stellt er fassungslos fest. „Sie nennen es ‚Der Storch bringt einen Sohn‘.“ Der Polizist zückt seine Pistole und muss sich gleichzeitig eingestehen, dass ihm beim Duft des gesottenen Säuglings das Wasser im Munde zusammenläuft…

Bernhard Bartsch | 12. Oktober 2012 um 01:38 Uhr

 

Beim Union Jack sieht China rot

Politisch inkorrekte Nostalgie: Aus Protest gegen Chinas Kommunistische Partei holen Hongkonger Demonstranten die alte britische Kolonialflagge wieder hervor.

Hongkongs Nostalgie löst in Peking patriotischen Alarm aus: Bei Protesten in der ehemaligen britischen Kronkolonie wird neuerdings wieder die alte Flagge mit dem Union Jack geschwenkt. Zuletzt versammelten sich vergangene Woche Demonstranten im Hongkonger Stadtzentrum, um aus Anlass des Gründungstags der Volksrepublik zu zeigen, dass sie lieber wieder unter den Kolonialherren leben würden, als unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei. Im chinesischen Medien und Internetforen riefen die Bilder des Union Jack heftige Reaktionen hervor: Kann – und darf – es sein, dass die Hongkonger 15 Jahre nach ihrer Rückkehr zu China dem kolonialen Zeitalter hinterhertrauern?…

Bernhard Bartsch | 09. Oktober 2012 um 01:21 Uhr

 

Japans Firmen büßen für Inselstreit

Boykott in China: Absatz von Toyota und Mazda bricht nach politischen Spannungen ein.

Im Lexus-Autohaus an Pekings nördlicher Ausfallstraße herrscht gähnende Leere. Obwohl die Chinesen diese Woche Nationalferien haben und die Besichtigung von Neuwagen für wohlhabende Hauptstädter eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist, zeigen sie an den japanischen Luxuskarossen aus dem Hause Toyota nur wenig Interesse. „Die Politik macht uns das Geschäft kaputt“, sagt ein sichtlich frustrierter Händler. „Niemand will derzeit mit einem japanischen Auto gesehen werden.“…

Bernhard Bartsch | 06. Oktober 2012 um 14:42 Uhr

 

Risse in der koreanischen Mauer

In Seoul studiert man die Erfahrungen aus der deutsch-deutschen Vereinigung. Und hofft doch, dass man die Lektionen nicht allzu schnell brauchen wird.

An diesem Mittwoch wird Kim Seung Chul wieder über Deutschland sprechen. „Liebe Zuhörer, heute ist der 22. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung“ – so oder so ähnlich wird er in seiner Nachrichtensendung anfangen zu erzählen, wie es dazu kam, dass aus einem sozialistischen und einem kapitalistischen System ein gemeinsamer Staat wurde. Er wird viel Gutes über die Deutschen sagen, über die vereinte Wirtschaftskraft und eine junge Generation, die sich gar nicht mehr daran erinnern kann, dass ihr Land einmal geteilt war. Zwar ist Kim Seung Chul noch nie in Deutschland gewesen, aber trotzdem wünscht er sich, dass sich seine Landsleute an den Deutschen ein Vorbild nehmen…

Bernhard Bartsch | 03. Oktober 2012 um 08:18 Uhr