Warning: Use of undefined constant BASE_URL - assumed 'BASE_URL' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /kunden/193953_76835/www/web11/html/wp-content/plugins/wp-social-share-privacy-plugin/wp-social-share-privacy.php on line 12
März, 2012 | Bernhard Bartsch

Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Kleine Geschäfte unter Freunden

Korruption gilt als Chinas größtes soziales Übel, doch die Spitzenpolitiker inszenieren sich als Saubermänner. Dabei betreiben auch ihre Familien dubiose Geschäfte.

Chinas Zensoren befinden sich derzeit in höchster Alarmbereitschaft. Seit der Absetzung von Chongqings Parteichef Bo Xilai wird im Internet über den Grund seines Sturzes spekuliert, den die Staatsmedien zwar knapp meldeten, aber nicht erklärten. Von parteiinternen Intrigen und Korruptionsermittlungen gegen Bos Familie ist die Rede – beide Vorwürfe treffen die Führung an einer verwundbaren Stelle. Denn die Parteispitze inszeniert sich gerne als diszipliniertes Kollektiv gewissenhafter Volksdiener. Dass mit Bo einer der größten Polit-Stars des Landes, der bis vor kurzem noch als Schlüsselfigur der künftigen Führungsmannschaft gehandelt wurde, in ein schiefes Licht gerät, nährt Zweifel an der gesamten politischen Elite…

Bernhard Bartsch | 27. März 2012 um 05:06 Uhr

 

Putschgerüchte? Unsinn!

Internetgerüchte über einen Putsch in China zeigen, wie wenig die Kommunistische Partei die öffentliche Meinung im Griff hat.

Hat es in China einen Putsch gegeben? Natürlich nicht. Zwar kursieren in chinesischen Internetforen seit Tagen wilde Gerüchte: Mehrere Pekinger wollen hinter den Mauern des Regierungsviertels Zhongnanhai Schüsse gehört haben, andere berichten von einer verstärkten Militärpräsenz. Angebliche Insider verbreiten, der Chef des Sicherheitsapparats, Zhou Yongkang, habe die Macht an sich gerissen und besetze nun Schlüsselpositionen mit Verbündeten, um sich im Herbst selbst als Parteichef zu inthronisieren. China werde dann einen Linksruck erleben, wird kolportiert, und wieder auf den Weg kommunistischer Wirtschaftspolitik und maoistische Massenmobilisierung zurückkehren…

Bernhard Bartsch | 26. März 2012 um 04:56 Uhr

 

Wolf schlägt Schwein

Der pekingnahe Ex-Immobilienberater Leung Chun-ying wird Hongkongs neuer Regierungschef.

Krach wollen sie machen. Mit Lautsprecheranlagen, Megafonen und Trillerpfeifen belagern sie das Hongkonger Kongresszentrum, damit Volkes Stimme bei der drinnen stattfindenden Wahl des neuen Regierungschefs doch noch gehört wird. „Wir sind gegen Wahlen im kleinen Zirkel“, ruft einer der Demonstranten in die Menge und Tausende stimmen ihm lautstark zu. „Das hier ist keine Demokratie, sondern eine Farce.“ Als kurz nach Mittag das Ergebnis bekannt wird, versuchen einige das Gebäude zu stürmen, vereinzelt kommt es zu Schlägereien mit der Polizei, die Pfefferspray einsetzt…

Bernhard Bartsch | 25. März 2012 um 08:53 Uhr

 

Schlammschlacht im Demokratielabor

Peking wollte den demokratiehungrigen Hongkongern einen Scheinwahlkampf bieten – und löste eine für China beispiellose Reihe von Skandalen aus.

Die Stimmung im Club 71 ist so ausgelassen wie lange nicht mehr. Die Kneipe ist ein beliebter Treffpunkt der Hongkonger Demokraten. Seit Jahren hecken sie hier bei Bier und Erdnüssen Demonstrationen und Kampagnen gegen den wachsenden Einfluss von Chinas Kommunistischer Partei aus. Aufsehen erregen sie fast immer, auch wenn sie fast nie gewinnen, weil Politik und Wirtschaft der ehemaligen britischen Kronkolonie fest in der Hand der Chinaloyalen sind. „Aber diesmal waren die Pekingfreunde unsere besten Verbündeten“, freut sich einer der Stammgäste und fragt grinsend, wer denn auf dem Sofa Platz nehmen wolle. Das ist an diesem Abend auch nach dem wer-weiß-wievielten Mal ein sicherer Lacher…

Bernhard Bartsch | 24. März 2012 um 12:37 Uhr

 

Billig ist vorbei

In China steigen die Produktionskosten. Ein Problem für das Land – aber auch eine Chance.

Peking Die Zeiten, da chinesische Wirtschaftsstatistiken immer nur steil nach oben zeigten, sind vorbei. Neuerdings werden die Kurven flacher, und manche Indikatoren weisen sogar nach unten. In letztere Kategorie fällt etwa der Einkaufsmanagerindex der Analysten des Bankhauses HSBC. Im Monat März kam die Befragung von Einkäufern zum fünften Mal in Folge zu dem Ergebnis, dass Chinas Fabriken derzeit immer weniger neue Aufträge bekommen. Die Kontraktion ist so stark, wie zuletzt im Frühjahr 2009, als sich die Weltwirtschaft nach dem Lehmann-Zusammenbruch im Sturzflug befand. Doch warum bleiben in den chinesischen Fabriken jetzt wieder die Aufträge aus, wo es der globalen Konjunktur zwar immer noch nicht wieder so gut geht wie vor der Krise, aber doch deutlich besser als mittendrin?…

Bernhard Bartsch | 22. März 2012 um 12:38 Uhr

 

Wahlkampf auf Chinesisch

Der Sturz von Chongqings populärem Parteisekretär Bo Xilai offenbart chinesische Machtkämpfe, welche die Kommunistische Partei gerne versteckt hätte.

Der Fall hat alles, was ein guter Krimi braucht: politische Intrigen und diplomatische Geheimverhandlungen, organisiertes Verbrechen und unkontrollierbare Polizisten, persönliche Eitelkeiten und öffentliche Schlammschlachten, Gewalt und Verrat, Geld und Sex. In Pekings größter politischer Sensation seit Jahren hat die Kommunistische Partei am Donnerstag die Absetzung von Chongqings populärem Parteisekretär Bo Xilai bekannt gegeben. Vordergründig scheint der 62-Jährige die Verantwortung für den Fluchtversuch eines engen Vertrauten übernehmen zu müssen…

Bernhard Bartsch | 15. März 2012 um 19:55 Uhr

 

Nach der Reform ist vor der Reform

Chinas scheidende Führung hat ihr letztes Gesetzespaket erlassen und Repressionen gegen Regimekritiker sanktioniert. Doch auch sie weiß: So geht es nicht weiter.

Ist dies das Erbe der Ära Hu Jintao? Mit einer sozialistischen 92-Prozentmehrheit hat Chinas Führung den Nationalen Volkskongress ein neues Strafverfahrensrecht verabschieden lassen, durch das sich Repressionen gegen Regimekritiker in das Gewand der Rechtsstaatlichkeit hüllen lassen. Das vorab von Chinas liberalen Kräften sowie von westlichen Regierungen und Menschenrechtsorganisationen scharf angegriffene Gesetzesvorhaben erlaubt den chinesischen Sicherheitsdiensten, Personen, von denen eine „Gefährdung der Staatssicherheit“ ausgehen könnte, sechs Monate lang an einem unbekannten Ort festzuhalten und ihnen den Kontakt zu einem Anwalt zu verweigern…

Bernhard Bartsch | 14. März 2012 um 22:01 Uhr

 

Opa Wens letztes Gedicht

Chinas Premier gibt seine letzte große Pressekonferenz und fordert noch einmal politische Reformen. Wie diese aussehen könnten, weiß er aber offenbar selbst nicht.

Wen Jiabao hat viel Zeit mitgebracht. Und einen dicken Stapel Sprechzettel. Es ist das zehnte und letzte Mal, dass Chinas Regierungschef die große Pressekonferenz abhält, die traditionell den Abschluss der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses bildet. Im Herbst wird die Kommunistische Partei seinen Nachfolger küren, der im kommenden März die Amtsgeschäfte übernehmen soll, und da Altkader in der Öffentlichkeit gewöhnlich nur noch Statistenrollen spielen dürfen, ist es für den 69-Jährigen die letzte Gelegenheit, sich ausführlich an sein Volk zu wenden. „Ich habe 45 Jahre lang für China gearbeitet und dabei niemals meinen eigenen Vorteil gesucht“, gibt Wen den fleißigen Volksdiener…

Bernhard Bartsch | 14. März 2012 um 07:58 Uhr

 

Dead Men Talking

China stoppt die umstrittene TV-Show „Interviews vor der Hinrichtung“. Dass die BBC Ausschnitte der seit fünf Jahren laufenden Sendung zeigt, ist Peking peinlich.

Ding Yu ist an diesem Montag nicht zu erreichen. Sie sei auf einer langen Drehreise, entschuldigen sie ihre Kollegen beim Justizkanal des chinesischen Provinzsenders Henan TV. Die Fernsehjournalistin möchte im schwierigsten Moment ihrer Karriere offenbar keine Interviews geben. Dabei beruht Dings zweifelhafter Ruhm gerade darauf, dass sie sich nie darum kümmerte, ob ihre Gesprächspartner von ihr befragt werden wollten. In ihrer Sendung „Interviews vor der Hinrichtung“ hat Ding fünf Jahre lang zum Tode verurteilte Verbrecher unmittelbar vor ihrer Exekution einem letzten, oft demütigenden Verhör unterzogen…

Bernhard Bartsch | 12. März 2012 um 14:30 Uhr

 

Japan macht sich Mut

Ein Jahr nach der Katastrophe versucht Japans Regierungschef Noda, Optimismus zu verbreiten. Doch die Aufräumarbeiten kommen nur schleppend voran.

Ein Geiger spielt auf einer aus Tsunami-Trümmern gefertigten Geige, Opferfamilien pflanzen Kirschbäume, Künstler führen traditionelle Rituale auf: Mit hunderten Veranstaltungen haben die Japaner am Sonntag den Jahrestag der verheerenden Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Nuklearunglück begangen, die am 11. März 2011 das Land erschütterte. Um 14:46 Uhr, dem Zeitpunkt des Bebens, fand eine japanweite Schweigeminute statt…

Bernhard Bartsch | 11. März 2012 um 20:36 Uhr

 

Die verdrängte Katastrophe

Ein Jahr nach dem Dreifachunglück aus Erdbeben, Tsunami und Nuklearunfall sucht Japan nach einem Neuanfang. Trümmerschau in einem traumatisierten Land.

Sadami Namie kann es noch immer schwer begreifen, dass aus seinen Birnen nichts mehr werden soll. „Wenn man an den Bäumen ein Jahr lang nichts macht, dauert es natürlich eine Weile, bis sie wieder richtig in Schuss sind“, sagt der 82-Jährige. „Aber in ein, zwei Jahren bekämen wir das wieder hin.“ Der Gedanke an seine Obstplantage weckt Namies Lebensgeister. Als Erstes würde er die Äste nachschneiden, sagt er, und sich dann an das Unkraut machen. Nicht auszumalen, was jetzt zwischen den Bäumen alles wuchere. Und dann … Die Runde lacht. „Und dann?“, unterbricht einer der Männer Namies Redefluss. „Ich weiß es ja selbst“, gibt sich der alte Bauer geschlagen. „Wer will je wieder Birnen aus Fukushima essen?“…

Bernhard Bartsch | 11. März 2012 um 16:32 Uhr

 

Japan ringt um Atomausstieg

Ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind in Japan nur noch zwei der 54 Kernreaktoren am Netz. Über die Wiederinbetriebnahme wird gestritten.

Ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima ringt Japans Politik mit einem Automausstieg. Während sich in Umfragen mehr als drei Viertel der Japaner ein Ende der Kernkraftära wünschen, drängen Stromkonzerne und Industrieverbände auf eine schnelle Wiederinbetriebnahme der heruntergefahrenen AKWs. Im Sommer will die Regierung ein neues Energiekonzept vorstellen, doch inwiefern sie sich darin zu einem vollständigen Ausstieg bekennen wird, ist bisher unklar…

Bernhard Bartsch | 11. März 2012 um 15:33 Uhr

 

China spielt Demokratie

Der Nationale Volkskongress soll das Vertrauen in die Partei stärken. Doch über die wirklich wichtigen Themen wird nur hinter verschlossenen Türen debattiert.

Das Staatsfernsehen wird schon wissen, welche Meinung man haben soll, muss sich Li Xiao’en gedacht haben, als er sich am Montagmorgen zum Auftakt des Nationalen Volkskongresses in Pekings Großer Halle des Volkes den Journalisten seines Heimatsenders stellte. Geduldig ließ sich der Abgeordnete aus der Provinz Hebei von den Medienvertretern die Sätze vorsprechen, die sie von ihm hören wollten, Aussagen wie: „Die Regierung der Provinz Hebei hat im vergangenen Jahr all ihre Planziele erfüllt.“ Dabei gehört Li unter den 2978 Delegierten eigentlich zu der Minderheit derer, die sich problemlos eine eigene Meinung erlauben könnten…

Bernhard Bartsch | 05. März 2012 um 14:44 Uhr

 

„Nordkorea wünscht sich einen Friedensvertrag“

Paik Hak-soon, Nordkoreaexperte des südkoreanischen Thinktanks Sejong Institute, über Pjöngjangs Nuklearmoratorium und die Aussichten für ein Friedensabkommen.

Bernhard Bartsch: Herr Paik, Nordkorea hat den USA am Mittwoch versprochen, sein Atomprogramm bis auf Weiteres einzustellen, im Gegenzug für umfassende Lebensmittellieferungen. Wie ist es zu dieser überraschenden Einigung gekommen?

Paik Hak-soon: Beide Seiten haben praktische Gründe, aufeinander zuzugehen. In den USA herrscht Präsidentschaftswahlkampf, und Barack Obama hat die Vision einer nuklearwaffenfreien Welt zu einer Säule seiner Aussenpolitik gemacht. Da will er sich von den Republikanern nun nicht vorwerfen lassen müssen, er habe zugelassen, dass in Nordkorea so etwas wie ein neues Pakistan entsteht, also eine weitere unkontrollierbare Atommacht…

Bernhard Bartsch | 01. März 2012 um 07:39 Uhr

 

Kim Jong-uns Chance

Nordkoreas Atom-Moratorium lässt die Weltgemeinschaft dezent hoffen.

Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong Un ist für die internationale Diplomatie ein unbeschriebenes Blatt. Als er Ende Dezember die wenigen westlichen Botschafter in Pjöngjang am Sarg seines Vaters empfing, ließ er sich nicht mehr als ein paar koreanische Dankesfloskeln entlocken. Eine Bestätigung für das Gerücht, der etwa 30-Jährige habe in der Schweiz eine internationale Schule besucht und spreche Englisch und Deutsch, suchten die Diplomaten vergeblich. Auch seine Stellung im heimatlichen Machtgefüge ist völlig unklar. Trotzdem bekommt die neue Führung des isolierten und verarmten Landes nun die Chance, zu beweisen, dass sie womöglich friedfertiger agieren will als der verstorbene Kim Jong Il…

Bernhard Bartsch | 01. März 2012 um 06:58 Uhr