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Blutige Krawalle in Westchina

Zwölf Personen sterben bei Unruhen in Xinjiang. Exil-Uiguren sprechen von einer ethnisch Verzweiflungstat, die Behörden von einem Amoklauf von Terroristen.

In der westchinesischen Region Xinjiang ist es erneut zu einem blutigen Vorfall gekommen. Zwölf Personen kamen bei einer Messerstecherei und Schiesserei im Landkreis Yecheng um. Dabei solle es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Angehörigen der lokalen Bevölkerungsgruppe der Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften gehandelt haben, berichten chinesische Medien und Exil-Uiguren übereinstimmend – auch wenn ihre Interpretationen des Konflikts sonst weit auseinanderliegen…

Bernhard Bartsch | 29. Februar 2012 um 07:50 Uhr

 

Weltbank ruft China zu mehr Wettbewerb auf

Die Organisation fordert neuen Reformschub. Die Vorschläge haben offenbar den Segen der neuen Führung.

In der nächsten Woche steigt in Pekings Großer Halle des Volkes wieder Chinas größtes Politikspektakel: die Jahrestagung der 3000 Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses. Echte Beschlussmacht hat das Quasiparlament nicht, denn wichtige Entscheidungen treffen die Spitzengremien der Kommunistischen Partei und legen sie den Parlamentariern lediglich zur Bestätigung vor. Doch Signalwirkung hat der Volkskongress allemal, besonders in diesem Jahr, wenige Monate bevor im Herbst eine neue Führungsgeneration die Macht in der Partei übernehmen soll und alle Welt sich fragt, welche Impulse die Nachfolger von Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao setzen wollen…

Bernhard Bartsch | 28. Februar 2012 um 08:01 Uhr

 

Toter Affe, verschreckter Tiger

Chinas Führung will das Fernsehen wieder parteitreuer haben – dabei sind die Zuschauer längst an Shows und Seifenopern gewöhnt.

Der Fernseher begleitet Frau An von morgens bis abends. „Wir machen ihn zum Frühstück an und dann läuft er, bis wir schlafen gehen“, erzählt die Pekinger Hausfrau. „Natürlich habe ich keine Zeit, immer hinzuschauen, aber wenn etwas Interessantes läuft, bekomme ich es mit.“ Ihre Hochhauswohnung ist klein genug, dass sie das Programm auch verfolgen kann, wenn sie in der Küche Gemüse schneidet oder im Schlafzimmer die Wäsche macht. Nur wenn die elfjährige Tochter nachmittags am Esstisch Hausaufgaben erledigt, wird der Ton leise gestellt. Zum Ausklang des Tages sitzt die Familie gemeinsam auf der Couch, knackt Sonnenblumenkerne und sieht sich eine Serie oder Unterhaltungssendung an. „Am liebsten schauen wir Casting-shows“, sagt Frau An. „Da geht es schließlich um echte Menschen.“…

Bernhard Bartsch | 24. Februar 2012 um 08:05 Uhr

 

Wachsende Spannungen in Tibet

Die Tibeter feiern ihr Neujahrsfest, überschattet von Selbstverbrennungen und Protesten. Doch Peking propagiert unbeirrt die real existierende Multikulti-Idylle.

Mit Tanz, Musik und Leckereien haben die Tibeter am Mittwoch ihr neues Jahr gefeiert, dankbar für das gute Leben, das ihnen die Kommunistische Partei beschert hat, und zuversichtlich, dass sie – Hand in Hand mit ihren chinesischen Landsleuten – eine rosige Zukunft vor sich haben. So ist jedenfalls das Bild, das Chinas Staatsfernsehen in zahlreichen Sondersendungen inszenierte. Der Glaube an die real existierende Multikulti-Idylle hat in China den Rang einer Staatsdoktrin. Wer daran zweifelt, gilt als Agent böser Mächte…

Bernhard Bartsch | 22. Februar 2012 um 16:41 Uhr

 

Kader im Stressurlaub

China rätselt über den Verbleib von Korruptionsermittler Wang Lijun: Hat er politisches Asyl in den USA beantragt, oder ist das Opfer einer Rufmordkampagne?

Es klingt wie die Handlung eines Politthrillers: In einem amerikanischen Konsulat in China beantragt ein Spitzenkader der Kommunistischen Partei politisches Asyl. Seine Fahnenflucht bringt die beiden Großmächte auf Kollisionskurs. Peking verlangt die Herausgabe des Überläufers, doch Washington kann sich darauf nicht einlassen, weil der Geheimdienst auf sein Insiderwissen brennt und ihm im Falle einer Auslieferung die Todesstrafe droht. Das Konsulatsgebäude wird zum weltpolitischen Panikraum, in das die Chinesen nicht eindringen können, ohne eine Krieg zu provozieren, aus dem die Amerikaner ihren Schützling aber auch nicht in Sicherheit bringen können. Am Ende stehen ein fauler Deal oder die atomare Apokalypse. Der Plot und seine Varianten beflügeln derzeit die Fantasie der chinesischen Internetgemeinde…

Bernhard Bartsch | 08. Februar 2012 um 17:17 Uhr

 

China boykottiert Europas Klimaschutz

China verbietet seinen Fluglinien, sich am europäischen Emissionshandel zu beteiligen und provoziert damit einen Machtkampf.

Peking stemmt sich gegen die Bemühungen der Europäischen Union, Fluglinien für den von ihnen verursachten Klimagasausstoß zur Kasse zu bitten. In einer am Montag veröffentlichten Anordnung verbietet Chinas Luftfahrtbehörde (CAAC) den chinesischen Airlines, den Zahlungsaufforderungen im Rahmen des europäischen Emissionshandels zum Schutz des Klimas Folge zu leisten. Seit Anfang des Jahres müssen alle Fluglinien, deren Maschinen in Europa starten oder landen, Zertifikate für den verursachten Kohlenstoffdioxidausstoß vorweisen…

Bernhard Bartsch | 06. Februar 2012 um 17:01 Uhr

 

Opportunistische Großmacht

Strategie China sieht seine Rolle zunehmend als Gegenspieler des Westens.

Es ist das rituelle Klagelied der transatlantischen Beziehungen: die Amerikaner, beschweren sich die Europäer, interessieren sich nicht mehr so recht für den Alten Kontinent, sondern schenken ihre Aufmerksamkeit zunehmend dem pazifischen Raum. Dabei richten die europäischen Regierungen ihre Augen nicht weniger nach Asien – allen voran Deutschland, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem jüngsten Chinabesuch erneut demonstriert…

Bernhard Bartsch | 04. Februar 2012 um 03:46 Uhr

 

China zensiert Merkels Termine

China verhindert ein Treffen mit dem Anwalt von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo – und demonstriert damit das Ausmaß seiner Menschenrechtsprobleme.

Es sollte ein vertrauliches Gespräch werden, geführt in kleinster Runde in einem abhörsicheren Raum der deutschen Botschaft in Peking. Von einem der mutigsten chinesischen Anwälte und einem der kritischsten Journalisten will Bundeskanzlerin Angela Merkel sich am späten Donnerstagabend erklären lassen, wie es in China um die Menschenrechte steht. Wenige Stunden zuvor hat ihr Premierminister Wen Jiabao versichert, dass die Situation immer besser werde: Noch nie hätten die Chinesen mehr Wohlstand, höhere Bildung und größere Rechtssicherheit genossen. Passt das zusammen mit Nachrichten über eine verschärfte Verfolgung von Kritikern, rigide Zensur der Medien und brutale Unterdrückung von Protesten?…

Bernhard Bartsch | 03. Februar 2012 um 15:42 Uhr

 

Miss Europa

Angela Merkel reist nach China, doch ihre Gastgeber interessieren sich weniger für die deutsche Kanzlerin als für die europäische Chefsaniererin.

Die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaften ist beileibe kein Repräsentationsbau. Der staatliche Thinktank, der landesweit über 3000 Forscher beschäftigt, firmiert in einer angegrauten Büroburg mit niedrigen Decken, dunklen Korridoren und muffigem Interieur. Mag Chinas Weltmachtehrgeiz auch noch so bunte Blüten treiben – seinen Vordenkern verordnet das System demonstrative Bodenständigkeit. Die glanzlose Denkerschmiede ist die erste Station, die Angela Merkel am Donnerstag bei ihrem fünften Chinabesuch als Kanzlerin ansteuert, und ihre Gesprächspartner machen ihr schnell deutlich, welche Erwartungen man in der Volksrepublik an sie hat…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2012 um 17:56 Uhr

 

Partnerschaft mit Vorbehalten

Bei ihrem Besuch in China hat Angela Merkal auch unangenehme Themen auf der Agenda. Ob Menschenrechte oder Außenpolitik – China ist ein schwieriger Partner.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reist nach China. Am Donnerstag trifft sie zu politischen Gesprächen in Peking ein und reist am Freitag weiter in die südchinesische Metropole Guangzhou, wo vor allem wirtschaftliche Fragen auf dem Programm stehen. Offiziell bezeichnen Deutschland und China einander als Partner. Im Juni 2011 hielten die beiden Regierungen in Berlin erstmals eine gemeinsame Kabinettssitzung ab – ein Symbol für die guten Beziehungen. Doch in Wirklichkeit ist das Verhältnis kompliziert…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2012 um 01:36 Uhr

 

Die Bauern stören nur

Für eine chinesisch-deutsche Musterstadt bei Qingdao sollen 14 Dörfer umgesiedelt werden. Deren Bewohner hoffen auf Merkels Hilfe.

„Treibt den Bau des chinesisch-deutschen Ökoparks zügig voran“, steht auf dem Schild am Eingang von Shanwangxi, einem Dorf nahe der chinesischen Hafenstadt Qingdao. „Vorantreiben“ heißt für die Bewohner genau genommen: ihre Heimat aufgeben. Denn Shanwangxi ist eine von 14 Ortschaften, die einer Vision chinesischer und deutscher Wirtschaftspolitiker weichen sollen. Wo heute kleine Gehöfte stehen, soll in den kommenden Jahren eine zehn Quadratkilometer große Musterstadt für umweltfreundliche Lebensweise und zukunftsträchtige Industrien gebaut werden. Es ist das ehrgeizigste Kooperationsprojekt in der Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen. Und die Bauern der Region erscheinen den Planern dabei offenbar als lästiges Hindernis, das es möglichst schnell und diskret aus dem Weg zu räumen gilt…

Bernhard Bartsch | 01. Februar 2012 um 09:47 Uhr