Warning: Use of undefined constant BASE_URL - assumed 'BASE_URL' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /kunden/193953_76835/www/web11/html/wp-content/plugins/wp-social-share-privacy-plugin/wp-social-share-privacy.php on line 12
August, 2011 | Bernhard Bartsch

Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Wettrüsten der Vorbilder

Mit einer Armada staatlich geprüfter Vorzeige-Chinesen will die Kommunistische Partei ihre Autorität untermauern. Doch das Volk sucht sich seine eigenen Helden.

Der Parteisekretär Niu Yuru starb, wie er gelebt hatte – als Beamter durch und durch. „Wir waren 25 Jahre verheiratet, aber davon höchstens fünf wirklich zusammen“, berichtete seine Frau Xie Li nach seinem Tod. „Die anderen 20 Jahre verbrachte er im Büro und auf Dienstreisen.“ Auf dem Sterbebett sei Niu zuletzt nicht mehr ansprechbar gewesen – außer, seine Frau flüsterte ihm ins Ohr, es sei halb neun, Zeit für die Sitzung. „Da hat er noch einmal die Augen geöffnet und aufmerksam geschaut, bevor er sie für immer schloss.“ Die Geschichte mag wahr sein oder nicht, aber sie hat den 2004 verstorbenen Parteisekretär der nordchinesischen Stadt Hohhot posthum zu einer nationalen Legende gemacht…

Bernhard Bartsch | 29. August 2011 um 03:38 Uhr

 

Japan im politischen Vakuum

Premier Naoto Kan zieht die Konsequenz aus dem schlechten Krisenmanagement in Fukushima und tritt ab. Sein Nachfolger erbt einen politischen Schleudersitz.

Japans unsicherster Job ist wieder zu haben: Premierminister Naoto Kan hat am Freitag seinen Rücktritt erklärt und damit die Konsequenz aus dem desaströsen Krisenmanagement seiner Regierung nach der Tsunami- und Nuklearkatastrophe im März gezogen. Sein Nachfolger wird als sechster Regierungschef in fünf Jahren mit politischen Problemen kämpfen müssen, die noch weitaus größer sind als die Herausforderungen, an denen seine Vorgänger sang- und klanglos gescheitert sind…

Bernhard Bartsch | 26. August 2011 um 17:55 Uhr

 

Japans langer Lauf zu den Grünen

Nach der Katastrophe von Fukushima formiert sich in Japan eine Anti-AKW-Bewegung. Von politischem Einfluss ist sie weit entfernt.

Von ihrem alten Leben ist Chikako Matsumoto nicht mehr geblieben als das, was in den Kofferraum ihres Kleinwagens passte: ein paar Schachteln mit Schnellheftern, Fotos und persönlichen Gegenständen, einige Taschen mit Winterkleidung, die ihr jetzt im Sommer nichts nützen. „Wer hätte ahnen können, dass die Katastrophe ein solches Ausmaß annehmen würde?“, sinniert die Krankenschwester. Jahrzehntelang lebte sie in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Fukushima-Daichi. Und wie alle ihre Nachbarn glaubte sie den Beteuerungen der Regierung und der Betreiber, dass Kernenergie sicher sei…

Bernhard Bartsch | 26. August 2011 um 07:01 Uhr

 

In der Abwärtsspirale

Ratingagentur stuft Japans Kreditwürdigkeit herunter. Die Regierungsprobleme wachsen.

Peking Kreditbewertungen sind für Staaten wie Führungszeugnisse für Menschen: Wer keinen einwandfreien Leumund vorweisen kann, gerät leicht in den Strudel von Verdächtigungen. Denn Länder, deren Kreditwürdigkeit in Zweifel steht, können diese letztlich nur durch gute Wirtschaftsdaten zerstreuen. Doch der Versuch, mit immer neuen schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen Wachstum zu generieren, schlägt häufig fehl. Japan scheint in einer solchen Schuldenspirale gefangen zu sein…

Bernhard Bartsch | 24. August 2011 um 07:02 Uhr

 

China wünscht Reformen in der Euro-Zone

Die Probleme in Europa und den USA kommen Chinas Regierung gelegen, um von den eigenen Problemen abzulenken.

Dass westliche Regierungen von China Reformen verlangen, hat Tradition. Doch neuerdings gehen die Forderungen auch in die andere Richtung: Je tiefer die USA und Europa in wirtschaftlichen Problemen versinken, desto lauter und selbstbewusster mahnt Peking, es sei Zeit für grundlegende Veränderungen. Nachdem die US-Schuldenkrise die chinesischen Kommentatoren wochenlang beschäftigte, wenden sie sich nun dem Euro zu. „Die Euro-Zone muss konkrete Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen der Märkte in die Euro-Zone und in den Euro wiederherzustellen“, verlangt die Volkszeitung…

Bernhard Bartsch | 22. August 2011 um 07:05 Uhr

 

Kogas Verrat

Ein japanischer Top-Bürokrat gibt seinen Kollegen die Schuld für Japans Misere und die Katastrophe von Fukushima. Sein Buch ist ein Überraschungsbestseller.

Am schlimmsten ist es im Fahrstuhl. „Wenn ich in einen Lift komme, in dem schon ein Kollege steht, beschäftigt der sich sofort demonstrativ mit seinem Handy oder verfolgt angestrengt die Stockwerke“, erzählt Shigeaki Koga. „Hauptsache, er muss keinen Kontakt mit mir haben.“ Auf den Fluren des Tokioter Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie, kurz METI genannt, in dem er seit mehr als 30 Jahren arbeitet, wird Shigeaki Koga kaum noch gegrüßt. Vorgesetzte haben ihm den Rücktritt nahe gelegt. „Je höher jemand in der Hierarchie ist, umso mehr Angst hat er davor, mit mir gesehen zu werden“, sagt der 55-jährige Koga. „Nur einige der Jüngeren trauen sich noch, mit mir Kontakt zu haben und mir hinter vorgehaltener Hand zu sagen, dass sie in Wahrheit genauso denken wie ich.“…

Bernhard Bartsch | 21. August 2011 um 14:13 Uhr

 

Ehrliche Japaner

Im Tsunami-Gebiet finden Katastrophenhelfer Geld in Millionenhöhe – und geben es zurück.

Die Spuren der Zerstörung sind noch frisch. Im Hafen des japanischen Fischerstädtchens Ishinomaki, wo am 11. März Hunderte Bewohner Opfer des Tsunamis wurden, sind Arbeitertrupps damit beschäftigt, Häusertrümmer abzutransportieren. „Leichen gibt es hier keine mehr“, sagt einer der Männer. „Aber beim Abriss der Häuser finden wir noch immer Gegenstände, die den ehemaligen Bewohnern vielleicht noch wichtig sind, sollten sie überlebt haben.“ Jeden Abend geben die Arbeiter ihre Funde bei der Polizei ab, die dann versucht, die Eigentümer zu finden. Unter den Funden sind auch große Mengen Geld…

Bernhard Bartsch | 20. August 2011 um 07:08 Uhr

 

Sexistischer Ritterschlag

Nichts für Alice Schwarzer: Wie Frauen in China zum Mann werden können.

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Einladung zum 70.Geburtstag von „Herrn Dai Qing“. Ich habe mich gefreut – und gewundert. Denn bisher kannte ich Dai Qing nur als Frau. Dai Qing ist Chinas bekannteste kritische Intellektuelle. Als Adoptivtochter des einflussreichen Generals und späteren Staatsoberhaupts Ye Jianying wuchs sie im Kreis der Nomenklatura auf. Doch statt den Weg des geringsten Widerstands und sicheren Erfolges zu wählen, wagte sie es, ihre eigene Meinung zu haben und sich gegen das System zu stellen. In den 80ern wurde sie Chinas erste Umweltaktivistin…

Bernhard Bartsch | 17. August 2011 um 03:56 Uhr

 

Faule Äpfel

Wie in China nicht nur Produkte, sondern gleich der ganze Laden nachgemacht wird.

Chinesen haben zum Urheberrecht ein gespaltenes Verhältnis, zumindest wenn es um die Urheberrechte anderer geht. Das Kopieren fremder Produkte ist so sehr Teil der chinesischen Wirtschaftskultur, dass es unter Managern ausländischer Firmen geradezu als Anfängerfehler gilt, sich darüber aufzuregen oder vor einem chinesischen Gericht sein Recht erstreiten zu wollen. Wer Produkte herstellt, die sich so einfach nachahmen lassen, dass die Kunden den Unterschied nicht merken, hat auf dem chinesischen Markt nichts verloren…

Bernhard Bartsch | 15. August 2011 um 02:11 Uhr

 

Ein gefühlter Sieg

Die USA und Europa versinken in Schuldenkrisen, China boomt. Die Chinesen geniessen den Triumph – aber können sie sich für diesen Sieg etwas kaufen?

Ist China der Gewinner der Krise in den USA und Europa? Wäre die Nachrichtenlandschaft ein reales Abbild der Wirklichkeit, müsste es wohl so sein. Die gegenwärtigen Turbulenzen «könnten der Wendepunkt für den Transfer der globalen Macht von den USA zu ihrem grossen Rivalen China sein», glaubt der britische «Guardian». In Deutschland beschwört «Die Zeit» den Zeitenwechsel mit dem Titel «Geldmacht wird Weltmacht». Die «Bild» fragt: «Kaufen uns die Chinesen jetzt auf?», während die «TAZ» Chinas Aufstieg ihrerseits für ausgemachte Sache hält, weil «der ferne Osten einen Plan hat. Der Westen hat ihn nicht.» Die Fixierung auf China verrät mehr über den Westen als über die künftige Rolle der Volksrepublik oder gar eine neue Weltordnung…

Bernhard Bartsch | 14. August 2011 um 12:02 Uhr

 

Einigkeit geht über Recht und Freiheit

Mit der Verhaftung Ai Weiweis scheinen lokale Kader die Parteispitze blamiert zu haben. Der Fall zeigt die Grenzen von Pekings Kontrolle über den Staatsapparat.

Können einzelne Lokalkader Chinas Image in der Welt ruinieren? Im Fall der Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei scheint genau das passiert zu sein. Anders als bisher allgemein angenommen sei Ais Festnahme am 3. April nicht von der Führung der Kommunistischen Partei angeordnet worden, sondern habe diese völlig unvorbereitet getroffen, erklärten zwei gut informierte Parteiquellen. „Die Verhaftung war die Entscheidung der Beamten des Pekinger Stadtteils, in dem Ai Weiwei sein Studio hat…

Bernhard Bartsch | 11. August 2011 um 15:19 Uhr

 

Intransparente Weltmacht

Inmitten der Turbulenzen in den USA und Europa erscheint China als globaler Stabilitätsanker. Dabei kämpft auch die Volksrepublik mit strukturellen Problemen.

Wer nicht akut gefährdet ist, gilt derzeit als stabil. Angesichts der Turbulenzen in den USA und Europa erscheint China deshalb wie ein Fels in der Brandung. Mit Devisenreserven von über drei Billionen US-Dollar wirkt die Volksrepublik finanziell unerschütterlich. Wie Wirtschaft weist weiterhin boomende Wachstumszahlen auf: Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9,5 Prozent. Und dass China die letzte Krise dank eines gewaltigen Stimuluspakets besser und schneller überstand als alle anderen großen Volkswirtschaften, scheint Gewissheit zu verleihen, dass Peking auch einem neuerlichen Absturz der Weltwirtschaft gewachsen wäre. Doch die öffentliche Wahrnehmung im Westen sagt mehr über die eigenen Sorgen als über die chinesische Realität…

Bernhard Bartsch | 09. August 2011 um 06:25 Uhr

 

Sieben Tage Bitternis

Viele chinesische Eltern schicken ihre Kinder in den Sommerferien in Militärcamps. Sie sollen leiden lernen.

Die Ohrfeige erträgt der Knabe mit Fassung. Keuchend hat er sich über das Klettergerüst gequält, sein Camouflage-T-Shirt klebt ihm am Körper. Im Schatten sind dreißig Grad und hier in der Sonne noch mehr. „Nächstes Mal geht das schneller“, blafft ihn der Soldat an, haut ihm eine runter und wendet sich dem nächsten zu. Der Teenager stellt sich ohne Protest zu seinen Kameraden. Das ist der Ernst des Lebens. Deshalb sind sie hier…

Bernhard Bartsch | 08. August 2011 um 16:23 Uhr

 

China wackelt am Dollar

Peking nutzt die Krise der USA, um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung erneut in Frage zu stellen.

China nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um die Debatte um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung neu anzufachen. Die Nachrichtenagentur Xinhua, das Leitmedium des staatlichen Medienapparats, forderte in einem Meinungsstück, es müsse über eine „neue, stabile und sichere Leitwährung“ nachgedacht werden…

Bernhard Bartsch | 07. August 2011 um 16:23 Uhr

 

Murdochs Tarantel

Wendi Deng wurde von ihren Landsleuten verachtet – bis sie ihren Gatten verteidigte.

Kann es wahre Liebe zwischen alten Männern und jungen Frauen geben? Eher nicht, glaubt man in China, wo die Wertvorstellungen noch immer traditionell sind und generationenübergreifende Beziehungen als anrüchig gelten. Auch die Ehe zwischen dem 80-jährigen Medientycoon Rupert Murdoch und seiner 38 Jahre jüngeren chinesischen Frau Wendi Deng galt als Liaison zwischen lüsternen Altmännerfantasien und konsumgeilen Mädchenträumen – bis ein beherzter Schlag eine andere Lesart anbot…

Bernhard Bartsch | 05. August 2011 um 13:21 Uhr