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Juli, 2011 | Bernhard Bartsch

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„Opa Wen“ gegen den „Großen Bruder Bahn“

Chinas Bevölkerung reagiert wütend auf das Zugunglück von Zhejiang. Der Zorn zeigt das geringe Vertrauen in die Institutionen des Staates.

Das Zugunglück in der südchinesischen Provinz Zhejiang, bei dem am vergangenen Samstag 39 Personen ihr Leben verloren und fast 200 verletzt wurden, ist in der Volksrepublik zu einem Politikum erster Klasse geworden. Familien von Opfern, Internetbenutzer und sogar offizielle Medien zürnen öffentlich über die Arroganz von «Tie lao da», dem «Grossen Bruder Bahn», wie das skandalträchtige Eisenbahnministerium im Volksmund genannt wird. Ministerpräsident Wen Jiabao versuchte am Donnerstag mit einem sorgfältig inszenierten Besuch am Unglücksort und bei Betroffenen, das Vertrauen in die Institutionen des Staates aufrechtzuerhalten…

Bernhard Bartsch | 28. Juli 2011 um 04:13 Uhr

 

Südkoreas Tränenmacher

Das Waisenkind Choi Sung-Bong ist der neue Stern im weltumspannenden Casting-Show-Universum.

Ich möchte einfach normal sein“, murmelt der 22-jährige Choi Sung-Bong leise. Und wer ihn diesen Satz sagen hört, muss kurze Zeit später zum Taschentuch greifen. Acht Minuten und zwei Sekunden dauert das Youtube-Video, das mit Chois schüchtern vorgetragenem Wunsch beginnt und damit endet, dass Choi noch weniger normal wirkt als zuvor. Der 22-jährige Südkoreaner ist der neueste Stern am internationalem Castingshow-Himmel. Mit der richtigen Mischung aus trauriger Lebensgeschichte, unvorteilhaftem Äußeren und bombastischer Stimme hat er sich in die Herzen eines Millionenpublikums gesungen – und das nicht nur in Südkorea…

Bernhard Bartsch | 27. Juli 2011 um 11:17 Uhr

 

Abendessen ohne Gäste

Pekings Behörden hindern Bürgerrechtler an einem Gespräch mit dem Menschenrechtsbeauftragtem der Bundesregierung.

China möchte im Ausland nicht mehr wegen seiner Menschenrechtsverletzungen kritisiert werden, doch ausgerechnet dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), demonstrierte Peking nun, wie unangepasste Intellektuelle in der Volksrepublik derzeit mundtot gemacht werden. Aus Anlass von Lönings Chinareise hatte der deutsche Botschafter in Peking gestern eine Gruppe von Juristen und Journalisten zu einem informellen Abendessen in seine Residenz eingeladen…

Bernhard Bartsch | 22. Juli 2011 um 03:30 Uhr

 

Bordeaux auf ex

Winzer in aller Welt sehen China als Absatzmarkt für ihre Weine – oder bekommen Angebote, ihre Weinberge an chinesische Investoren zu verkaufen.

Die Herren stecken ihre Nasen tief in ihre Rotweingläser, schnüffeln einen Moment und kippen den Inhalt dann ex hinunter. „Bu cuo“, raunzt einer – nicht schlecht. Während er sich mit den Stäbchen noch ein Stück Fleisch von der Drehplatte angelt und andere an ihren Zigaretten ziehen, gießt ein beflissener Kellner aus einer Kristallkaraffe nach. Es folgt das nächste Glas und das übernächste, bis einer den Vorschlag macht, doch endlich die Karaoke-Maschine anzulassen…

Bernhard Bartsch | 21. Juli 2011 um 15:53 Uhr

 

Die verheimlichte Katastrophe

Ein Ölteppich, halb so groß wie Schleswig-Holstein, treibt durchs Gelbe Meer. Unternehmen und Behörden verschwiegen den Unfall – bis das Öl die Küste erreichte.

„Penglai ist ein Ort für die Götter“, schwärmen die Chinesen von der ostchinesischen Küstenstadt in der Provinz Shandong. Sie rühmen ihr mildes Klima, das malerische Gelbe Meer und den frischen Fisch. Doch neuerdings haben Chinesen bei dem Namen Penglai eine andere Assoziation: „Wer in Penglai Meeresfrüchte brät, braucht kein Öl mehr in die Pfanne zu tun“, machte ein schwarzhumoriger chinesischer Blogger seinem Ärger über Chinas jüngste Umweltkatastrophe Luft. In dem Ölfeld Penglai 19-3 läuft seit sechs Wochen Öl ins Meer…

Bernhard Bartsch | 20. Juli 2011 um 04:11 Uhr

 

Herr Guan teilt aus

Eine chinesische Ratingagentur zweifelt an der Kreditwürdigkeit der USA: ein PR-Gag oder ein Signal, dass Washingtons größter Gläubiger das Vertrauen verliert?

Die Ratingagentur Dagong Global Credit Rating ist alles andere als ein Global Player. Doch seitdem das Pekinger Bewertungshaus Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA geäußert hat, kann sich Firmenchef Guan Jianzhong vor Interviewanfragen kaum retten. Wenn sich die Haushaltslage der USA nicht bald verbessere, „werden wir die US-Anleihen definitiv herabstufen“, gab Guan mehrfach zu Protokoll…

Bernhard Bartsch | 15. Juli 2011 um 11:17 Uhr

 

Drü Chünüsün…

Ist es rassistisch, ein chinesisches Kindermädchen „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ hören zu lassen?

Ist „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ ein rassistisches Lied? Die Frage durchzuckte mich kürzlich beim Nachhausekommen. Unser chinesisches Kindermädchen hatte eine deutsche CD eingelegt, mir tönte „Dri Chinisin mit dim Kintribiss“ entgegen. „Nur gut, dass sie kein Deutsch versteht“, dachte ich. Dri Chinisin, dro Chonoson, drü Chünüsün – ist das nicht genauso politisch unkorrekt, als würde man eine schwarze Nanny mit „Zehn kleine Negerlein“ beschallen?…

Bernhard Bartsch | 15. Juli 2011 um 03:24 Uhr

 

Zu Füßen der Reichen

Chinas Jugend träumt von Wohlstand, doch die meisten kommen trotz harter Arbeit kaum über die Runden. So wie der Masseur Lin Liang.

Das Widerliche sind die Socken. Die Füße selbst machen Lin Liang nichts aus, auch an lange Zehennägel, dicke Hornhäute oder Blasen hat er sich gewöhnt. Aber seinen Kunden die verschwitzten Strümpfe abzustreifen, findet er eklig. „Zum Glück kommen hier nur reiche Leute her“, sagt der Fußmasseur. „Die sind meistens kultiviert genug, um ihre Socken alleine auszuziehen.“ Lin trägt ein hellblaues T-Shirt mit dem Logo des Pekinger Massagesalons, in dem er seit vier Jahren arbeitet. Unter den Ärmeln schaut ein tätowierter Fisch hervor…

Bernhard Bartsch | 14. Juli 2011 um 15:41 Uhr

 

Aus und raus

Japans Regierungschef will auf Atomausstieg hinarbeiten. Von einem konkreten Plan zu sprechen, traut er sich aber noch nicht.

Vier Monate nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima versucht Japans glückloser Regierungschef Naoto Kan mit der Vision eines Atomausstiegs politisch zu punkten. „Ich glaube, wir sollten eine Gesellschaft anstreben, die nicht mehr von Kernenergie abhängig ist“, sagte der Premier am Mittwoch…

Bernhard Bartsch | 13. Juli 2011 um 14:21 Uhr

 

Chinas Mann für Lagarde

Der Chinese Zhu Min wird Vizechef des Internationalen Währungsfonds und soll dort Pekings umstrittene Wirtschaftspolitik hoffähig machen.

Für den Chefsessel hat es nicht gereicht, doch der Platz daneben ist womöglich ohnehin der mächtigere: Der chinesische Wirtschaftspolitiker Zhu Min, der in den vergangenen Wochen als möglicher Pekinger Kandidat für den Topposten im Internationalen Währungsfonds (IWF) gehandelt wurde, soll eine neugeschaffene Position als Stellvertreter bekommen…

Bernhard Bartsch | 13. Juli 2011 um 10:09 Uhr

 

Steinwurf aus dem Glashaus

Ein Lokalpolitiker aus Xiamen bereist Deutschland und beklagt die Internetzensur. Das macht ihn im Netz berühmt.

Die Deutschen können einem leidtun. Technisch veraltet und politisch in ideologischer Gefangenschaft. Jeder Chinese sollte froh sein, dass er nicht in Deutschland geboren wurde. Das ist zumindest die Sicht des chinesischen Provinzpolitikers Zang Jiebin. Damit versuchte er seine Landsleute davon zu überzeugen, dass sie in der Volksrepublik demokratische Rechte und Freiheiten genießen, von denen die Menschen im Westen nur träumen können…

Bernhard Bartsch | 11. Juli 2011 um 03:57 Uhr

 

Totgesagte leben länger

Wie Altpräsident Jiang Zemin Chinas Flüsse zm Verschwinden brachte.

Am Donnerstag gab es in China plötzlich keine Flüsse mehr. Suchanfragen nach dem Jangtse oder Chinas Mutterstrom, dem Gelben Fluss, führten im chinesischen Internet in den vergangenen zwei Tagen zur Fehlermeldung: „Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen können die Ergebnisse nicht angezeigt werden.“ Die staatlichen Zensoren hatten sie verschwinden lassen, um Gerüchte über den Tod des ehemaligen Staats- und Parteichefs Jiang Zemin zu stoppen…

Bernhard Bartsch | 07. Juli 2011 um 12:59 Uhr

 

Handelssünder China

Die Welthandelsorganisation fordert die Freigabe von Rohstoffausfuhren.

Chinas Ruf in der Weltwirtschaft ist nicht der beste. Immer wieder muss sich die Volksrepublik den Vorwurf gefallen lassen, sie nehme es mit den internationalen Spielregeln nicht so genau – sei es bei Patentrechten, bei Preisdumping oder bei Marktabschottung. Nun hat auch das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation (WTO) Chinas Praktiken in einem weithin beachteten Fall verurteilt…

Bernhard Bartsch | 06. Juli 2011 um 12:55 Uhr

 

Die Partei bloggt mit

Das Internet kann Diktaturen stürzen – aber auch stärken. Interne Propagandapläne der Kommunistischen Partei Chinas zeigen, wie sie mit einer Armada von Netzagenten die öffentliche Meinung manipuliert.

Ende Februar twitterte der Künstler Ai Weiwei eine Einladung zum Verrat: „Sagt mir eure Meinung: Ich möchte Internetkommentatoren, sogenannte Wumao, interviewen. Das Gespräch dauert 10 bis 20 Minuten, und ich bezahle 2000 Yuan oder nach Vereinbarung.“ 2000 Yuan sind rund 210 Euro. Staatsgeheimnisse haben ihren Preis. Wumao heißt so viel wie „fünf Groschen“. Es ist der Spitzname der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) des Propagandaapparats. Sie sollen gegen Bezahlung im Internet linienkonforme Beiträge verfassen, abweichende Meinungen löschen und Kritiker verpfeifen…

Bernhard Bartsch | 04. Juli 2011 um 01:58 Uhr

 

„Absolute Macht führt zu absoluter Korruption“

Am 1. Juli begeht Chinas Kommunistische Partei ihren 90. Geburtstag. Der ehemalige Reformvordenker Bao Tong erklärt, warum das Jubiläum kein Grund zum Feiern ist und weshalb der wirtschaftlichen Erneuerung auch eine politische folgen muss.

Bernhard Bartsch: Herr Bao, wir sind überrascht, dass die Polizisten vor ihrem Haus uns zu Ihnen gelassen haben und wir unmittelbar vor dem 90. Geburtstag der Kommunistischen Partei mit Ihnen sprechen dürfen.

Bao Tong: Dieses eine Interview hat man mir erlaubt, aber ab heute Nachmittag darf ich keinen Ausländer mehr empfangen.

Warum? Laut Gesetz sind sie ein freier Mann, und die chinesische Verfassung garantiert Meinungsfreiheit.

Ja, aber in der Realität werde ich auf Schritt und Tritt verfolgt. Wen ich auch treffe, was ich auch sage – alles wird notiert…

Bernhard Bartsch | 01. Juli 2011 um 03:44 Uhr