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Kim der Zahme

Nordkoreas Diktator signalisiert dem ehemaligen US-Präsidenten Carter Gesprächsbereitschaft.

Im Streit um Nordkoreas umstrittenes Atomwaffenprogramm hat Pjöngjang die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert – ohne damit jedoch auch den Willen zu politischen Zugeständnissen zu verbinden. Wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter nach einer Reise in das isolierte Land erklärte, habe Diktator Kim Jong Il ihm eine Botschaft an die Regierung Südkoreas mitgeben lassen…

Bernhard Bartsch | 28. April 2011 um 08:02 Uhr

 

Der Heilige Ai

Liu Yanping gehört seit zwei Jahren zum engsten Kreis um den verschwundenen Künstler Ai Weiwei. Als erste Mitarbeiterin traut sie sich, über Ais Arbeit und die Umstände seiner Verhaftung zu schreiben. Eine Übersetzung:

Vor zwei Jahren stieß ich in einem Internetforum zufällig auf ein Interview mit Ai Weiwei. Er sprach über die Kinder, die im Mai 2008 beim Sichuan-Erdbeben ums Leben kommen waren. „Erst wenn wir diese Kinder vergessen, sind sie wirklich gestorben“, sagte er. Dann wurde die Video-Übertragung plötzlich unterbrochen. Ich wollte etwas für die Kinder tun und schrieb Ai eine E-Mail. Seitdem war ich fast jede Woche in seinem Studio im Pekinger Galerienviertel Caochangdi. Mehr als zehn Freiwillige waren damals für Ai im Katastrophengebiet unterwegs, um eine Namensliste der getöteten Kinder zusammenzustellen. Ich übertrug die Informationen in eine Datenbank und rief die Eltern an. Nach einigen Monaten hatten wir 5197 Kinder identifiziert…

Bernhard Bartsch | 27. April 2011 um 08:10 Uhr

 

Carter besucht Kim

Ehemaliger US-Präsident will im Korea-Konflikt vermitteln.

Mit einer Reise nach Nordkorea will der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter neue Bewegung in den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel bringen. Der Friedensnobelpreisträger traf zu einer dreitägigen Visite in Pjöngjang ein…

Bernhard Bartsch | 26. April 2011 um 08:09 Uhr

 

Von Aufklärung keine Spur

Die „Kunst der Aufklärung“ im Pekinger Nationalmuseum sollte ein Zeichen deutsch-chinesischer Freundschaft werden. Nun ist sie ein diplomatischer Problemfall.

Wer aufgeklärt werden will, muss Zeit mitbringen. Anderthalb Stunden stehen die Besucher an diesem Morgen Schlange, um in Pekings Nationalmuseum zu gelangen. Beim Warten können sie über den Platz des Himmlischen Friedens schauen. Am Eingang herrschen Sicherheitsvorkehrungen wie am Flughafen. Der Eintritt ist kostenlos. Die Ausstellung, deretwegen die Massen anstehen, ist keineswegs die „Kunst der Aufklärung“…

Bernhard Bartsch | 20. April 2011 um 09:01 Uhr

 

Vorfahrt für China

Die Shanghaier Automesse wird zum weltgrößten Branchentreffpunkt.

Der VW-Käfer war die Ikone des deutschen Wirtschaftswunders – sein neuestes Nachfolgemodell wurde symbolkräftig in Shanghai enthüllt. Das Boomland China ist inzwischen der größte Automarkt der Welt und die am Dienstag eröffnete „Auto Shanghai“ mittlerweile die bedeutendste Messe der Branche. Neben VW zeigen sich auch alle anderen internationalen Hersteller bemüht, durch eindrucksvolle Premieren ein Bekenntnis zu ihrem Chinageschäft abzulegen. Fast zwei Dutzend Weltneuheiten zeigen sie in Shanghai, und mehr als 70 neue Modelle werden präsentiert. Damit ist China endgültig zur großen Bühne der Autoindustrie geworden…

Bernhard Bartsch | 19. April 2011 um 17:02 Uhr

 

„Fünf-Sterne-Lakai des Westens“

Mit einer Rufmordkampagne will China den inhaftierten Künstler Ai Weiwei diskreditieren.

Der Panda trägt ein Sturmgewehr und lässt keinen Zweifel daran, auf wen er gerne schießen würde: auf Ai Weiwei, den „Verräter des Mutterlandes“ und „Fünf-Sterne-Lakai des Westens“. Das bewaffnete chinesische Nationaltier ist das Maskottchen des Internetportals „Fortschrittliche Gesellschaft“ (www.jinbushe.org), einem nationalistischen Forum, das seine Klicks derzeit vor allem Schmiertiraden gegen den berühmten Künstler und Regimekritiker verdankt: „Ai Weiwei ist ein fetter, vulgärer Mann, der sich gerne nackt auszieht und seinen Pimmel zeigt“, beginnt ein im Lexikonstil geschriebener Artikel…

Bernhard Bartsch | 19. April 2011 um 08:36 Uhr

 

Die Anti-G8

In China etablieren sich die BRICS-Staaten als Bündnis der Schwellenländer und politisches Gegengewicht zu den westlich dominierten Weltorganisationen.

Braucht die Welt einen weiteren Staatenclub? Ist im diplomatischen Betrieb noch Bedarf an einem weiteren Diskussionsforum, in dem Regierungschefs und Minister über Themen sprechen können, die in anderen Runden zu kurz kommen? Reichen nicht etablierte Plattformen wie das Treffen der (ehemals) größten Wirtschaftsmächte (G8), die Versammlung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), die Konferenzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) oder die Sitzungen der zahlreichen Uno-Institutionen, der Bretton-Woods-Einrichtungen (Weltbank und Internationaler Währungsfonds) sowie diverser regionaler Zusammenschlüsse (EU, Asean, Apec)?…

Bernhard Bartsch | 14. April 2011 um 15:45 Uhr

 

Im Repressionsmodus erstarrt

Die Verhaftung von Ai Weiwei hat Chinas Image im Ausland schwer beschädigt. Ob der innenpolitische Nutzen für die Partei den Schaden aufwiegt, ist fraglich.

Der Diplomat ist ratlos. „Mit der Verhaftung Ai Weiweis macht sich China in der Welt ungeheuer viele Sympathien kaputt“, sagt der europäische Gesandte. Auch Kollegen an anderen europäischen Botschaften in Peking schauen konsterniert auf das außenpolitische Desaster, das China mit der Festnahme des berühmten Künstlers und Regimekritikers am vergangenen Sonntag ausgelöst hat. „Der Fall Ai Weiwei könnte Chinas Image weitaus größeren Schaden zufügen als der Fall Liu Xiaobo…

Bernhard Bartsch | 10. April 2011 um 14:55 Uhr

 

So schön ist Nordkorea

Herr Klimke von der CDU will sich ein Bild von Land und Leuten machen. Die Gastgeber wollen ihm zeigen, wie glücklich das Volk ist. Ein Reisebericht.

Der junge Mann ist seltsam. Er steigt als letzter ins Flugzeug, hat eine riesige Sonnenbrille auf, trägt Jeans, Turnschuhe, ein blaues Hemd mit Krawatte und eine Gelfrisur wie asiatische Popstars sie haben. Man kann sich ihn in einer japanischen Disco oder Hongkonger Shopping Mall vorstellen. Aber er ist auf dem Weg nach Nordkorea. In Peking hat er als letzter die Maschine der nordkoreanischen Fluglinie Koryo Air bestiegen und in der ersten Klasse auf Sitz 1A Platz genommen. Die Stewardessen behandeln ihn wie einen Ehrengast. Wer ist er? Drei Plätze weiter, auf Sitz 1D, sitzt Jürgen Klimke von der CDU. Klimke nestelt an einer kleinen Digitalkamera. „Machen wir mal ein Foto“, sagt er, dreht sich zur Seite und drückt schnell ab…

Bernhard Bartsch | 08. April 2011 um 16:25 Uhr

 

Kein Rechtsstaat

Wie Chinas Regierung ihre Kritiker einschüchtert.

Chinas Kommunistische Partei betreibt seit Monaten eine harte Kampagne gegen ihre Kritiker. Festnahmen wie die des Künstlers Ai Weiwei, auf die meist drakonische Strafen folgen, sind dabei nur die letzte Eskalationsstufe einer Reihe von Drohgebärden und Einschüchterungsmaßnahmen. Seit Jahren setzten Polizisten und Beamte der Staatssicherheit den 53-Jährigen unter Druck…

Bernhard Bartsch | 08. April 2011 um 16:01 Uhr

 

Ein Plädoyer für Einmischung

Ob ein Land ein Rechtsstaat ist oder nicht, ist keine Geschmacksfrage. Doch ein besseres Konzept als Wandel durch Annäherung gibt es nicht.

Ist Ai Weiwei ein Steuersünder? Auf diese Frage versucht Chinas Regierung den Skandal um die Festnahme des berühmten Künstlers und Regimekritikers zu reduzieren. Wegen „wirtschaftlicher Verbrechen“ werde gegen Ai ermittelt, erklärten die Behörden knapp vier Tage nach der Verhaftung des 53-Jährigen und warnten andere Länder davor, sich in Chinas „innere Angelegenheiten“ einzumischen. Dabei hat das Ausland allen Grund, genau das zu tun…

Bernhard Bartsch | 08. April 2011 um 03:08 Uhr

 

Wie die Zeiten sich ändern

The Times They Are a-Changin‘: Bob Dylan singt erstmals in China – nach einvernehmlicher Rücksprache mit den Zensoren.

Bob Dylans Stellenwert für die Musikgeschichte ist unbestritten, seine Position als gesellschaftsrevolutionäre Ikone dafür umso mehr. Wer schon immer enttäuscht war, dass Dylan in der Öffentlichkeit nicht die politische Rolle spielen wollte, die viele ihm gerne gegeben hätten, ist nun um eine Desillusionierung reicher: Am Mittwoch trat der Barde erstmals in China auf und stimmte seine Liederliste brav mit den chinesischen Zensoren ab…

Bernhard Bartsch | 07. April 2011 um 02:41 Uhr

 

Widerstand als Gesamtkunstwerk

Wie Ai Weiwei zum schärfsten Kritiker der Kommunistischen Partei wurde.

Wer im Pekinger Kreativenviertel Caochangdi das Haus von Chinas bekanntestem Künstler und schärfstem Regierungskritiker sucht, erkennt es an den beiden Überwachungskameras. Die eine ist an einen Laternenmast montiert und auf die Stahltür eines grau ummauerten Gebäudekomplexes gerichtet. Diese Kamera hat die Polizei installiert. Die andere ragt von innen hinter der Mauer hervor und zielt auf die erste Kamera. Dieses Gerät hat Ai Weiwei angebracht. „Wenn die Polizei mich überwachen darf, darf ich auch die Polizei überwachen“, erklärte Ai bei einem Studiobesuch im vergangenen Herbst…

Bernhard Bartsch | 05. April 2011 um 15:53 Uhr

 

„Am Sturz der Diktatur führt kein Weg vorbei“

Der Autor Ran Yunfei schrieb in einem Blog über den Volksaufstand in Ägypten und die Parallelen zu China. Vier Tage nach Erscheinen wurde er verhaftet.

Die Festnahme des chinesischen Künstlers Ai Weiwei ist der Höhepunkt einer seit Monaten anhaltenden Kampagne der Kommunistischen Partei gegen ihre Kritiker. Auch am Tag nach seiner Verhaftung am Pekinger Flughafen, ist Ais Familie noch im Unklaren darüber, welche Vorwürfe gegen den prominenten Regimekritiker erhoben werden. Eine Razzia in seinem Studio, bei der über zwanzig Computer beschlagnahmt wurden, lässt allerdings vermuten, dass die Behörden eine Anklage vorbereiten, möglicherweise wegen Anstiftung zum Umsturz der Staatsgewalt, dem gleichen Vorwurf, wegen dem Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo derzeit eine elfjährige Haftstrafe verbüßt…

Bernhard Bartsch | 04. April 2011 um 16:05 Uhr

 

Razzia bei Ai Weiwei

Chinas Polizei nimmt kritischen Künstler und Mitarbeiter fest. Womöglich droht Ai Weiwei eine lange Haftstrafe.

Chinas Kommunistische Partei hat ihren prominenten Kritiker, den Künstler Ai Weiwei, festnehmen lassen. Der Künstler wurde am Sonntag gegen 8.30 Uhr am Pekinger Flughafen verhaftet, als er nach Hongkong fliegen wollte. „An der Passkontrolle wurde er abgeführt“, erklärte eine Begleiterin. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Wenig später starteten dann rund zwanzig Polizisten eine Razzia in Ais Studio…

Bernhard Bartsch | 03. April 2011 um 16:11 Uhr