Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Das Netz lebt

Der Suchmaschinenriese Google hat China verlassen. Doch der Druck der chinesischen Internetgemeinde auf die Regierung wird dadurch kaum geringer.

Am Abend des 25. September 2007 traf sich Han Feng, ein ranghoher Beamter der staatlichen Tabak-Monopolverwaltung, mit seiner Geliebten. „Sie heiratet am 29. und wollte für eine letzte Nummer vorbeikommen“, vermerkte Han in seinem Tagebuch. „Sie ist einfach zu heiß! Wir haben es um Mitternacht gemacht und dann noch einmal am Morgen.“ Es war nicht das Ende der Affäre…

Bernhard Bartsch | 30. März 2010 um 04:24 Uhr

 

Harte Strafen

Rio-Tinto-Manager müssen wegen Korruption für bis zu 14 Jahre in Haft. Doch das Urteil lässt viele Fragen offen.

Es ist das Ende eines internationalen Wirtschaftskrimis: China hat vier Manager des australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto wegen Korruption zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie sollen Schmiergelder in Höhe von 13 Millionen Dollar angenommen und sich durch Bestechung vertrauliche Regierungsdokumente beschafft haben, in denen Chinas Verhandlungsstrategie im Preispoker um Eisenerz beschrieben wurde…

Bernhard Bartsch | 29. März 2010 um 23:47 Uhr

 

Ohne Filter

Googles Umzug könnte auch für China eine Gesicht wahrende Lösung sein.

Wissen ist Macht. Kein Wunder, dass die Kommunistische Partei Chinas es als direkten Angriff auf ihre Herrschaft betrachtet, dass der US-Internetkonzern Google den Chinesen ungefilterten Zugang zu Informationen ermöglichen will. Die strikte Kontrolle darüber, was das Volk wissen darf und was nicht, ist eine tragende Säule der Pekinger Ein-Partei-Diktatur. Die Zensur verhindert, dass in China die Macht vom Volke ausgehen kann…

Bernhard Bartsch | 24. März 2010 um 03:16 Uhr

 

Google geht aufs Ganze

Google betreibt seinen chinesischen Suchdienst künftig von Hongkong aus. Peking sieht das als Affront.

Herr Sun ist ein Zensor. Für einen großen chinesischen Internetkonzern reinigt er Blogs und Chatforen von „ungesunden Inhalten“: pornographischen Bildern und Gewaltdarstellungen, vor allem aber kritischen Texten, die den zentral kontrollierten Wahrheiten der Kommunistischen Partei zuwiderlaufen. „Wir bekommen jeden Tag neue Listen mit Begriffen, die wir überprüfen müssen“, erzählt Sun…

Bernhard Bartsch | 23. März 2010 um 17:13 Uhr

 

Viele Meinungen, ein Weg

Chinas Nationaler Volkskongress endet mit Warnungen an alle, die Pekings Politik in Frage stellen: den Westen, Google und die Querdenker im eigenen Land.

Die Partei hat immer Recht – selbst wenn sie nicht immer einer Meinung ist. So könnte das Fazit des Nationalen Volkskongresses lauten, dessen Jahrestagung am Sonntag in Peking zu Ende gegangen ist. Zehn Tage lang konferierte Chinas 3000-köpfiges Kulissenparlament über die neuesten Richtlinien der Parteiführung und billigte sie schließlich mit sozialistischen 97 Prozent. „Wir müssen immer voller Zuversicht sein“, kommentierte Premier Wen Jiabao den bestellten Vertrauensbeweis…

Bernhard Bartsch | 14. März 2010 um 16:32 Uhr

 

Die Milliarden-Dollar-Damen

Selbst ist die Frau: Jede zweite Selfmade-Milliardärin kommt aus China.

Vor einigen Jahren hatte Zhang Xin noch Zeit – aber da war sie auch gerade mal Millionärin. „Schauen Sie doch einmal aus dem Fenster: alles grau, alles groß, alles gleich“, sagte sie damals bei einem Gespräch in ihrem Büro, einem schlicht eingerichteten Provisorium im obersten Stock ihres ersten eigenen Hochhauses…

Bernhard Bartsch | 12. März 2010 um 04:07 Uhr

 

„Wer schweigt, wird Teil des Systems“

Der Künstler Ai Weiwei über Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, seinen Rechtsstreit mit der chinesischen Regierung und Kunst in Zeiten des Internets.

Bernhard Bartsch: Herr Ai, Sie werden beim Literaturfest lit.Cologne mit Herta Müller über „Politik und Kunst“ diskutieren. Haben Sie schon einmal etwas von ihr gelesen?

Ai Weiwei: Ich habe zwei Bücher und ihre Nobelpreisrede gelesen – aber nur, weil ich sie treffen werde. Ich bin kein guter Leser und habe kaum Vergleichsmöglichkeiten. Trotzdem finde ihre Werke einzigartig und habe großen Respekt davor, wie hartnäckig und leidenschaftlich sie ihre Themen behandelt…

Bernhard Bartsch | 10. März 2010 um 15:05 Uhr

 

Chinas grüne Welle

Immer mehr Chinesen sorgen sich um die gesundheitlichen Folgen der verheerenden Umweltprobleme – und entwickeln ein Bewusstsein für ökologische Lebensmittel.

Am Wochenende macht Familie Wang Großeinkauf. In ihrem Kleinwagen fährt sie quer durch Peking, passiert die großen Shoppingzentren am Stadtrand und lässt die letzten Wohnblocks hinter sich, bis nur noch Felder und kleine Bauernhäuser zu sehen sind. Eine Viertelstunde geht es über die Landstraße, dann sind die Wangs am Ziel: «Willkommen im grünen Dorf Liuminying», empfängt sie ein großes Banner…

Bernhard Bartsch | 09. März 2010 um 15:25 Uhr

 

Das chinesische Modell

Chinas Aufstieg erscheint als eine der wenigen Konstanten der Weltpolitik. Ist das chinesische System dem westlichen tatsächlich überlegen?

Wundert einen in China eigentlich gar nichts mehr? Mit größter Selbstverständlichkeit beobachtet die Welt, wie sich dieser Tage in Pekings Großer Halle des Volkes wieder einmal der Nationale Volkskongress versammelt. Noch vor wenigen Jahren sah die Mehrheit der westlichen und kritischen chinesischen Beobachter den anachronistischen Delegiertenaufmarsch nach sowjetischem Vorbild als Zeichen, dass Chinas politisches System den Kontakt mit der Realität verloren habe. Inzwischen stehen die Kollaps-Propheten als Anachronisten da…

Bernhard Bartsch | 05. März 2010 um 15:28 Uhr

 

Peking schnallt den Gürtel enger

Premier schwört China auf ein „kompliziertes Jahr“ ein. Die Staatsausgaben sollen nur noch halb so schnell wachsen wie im Vorjahr.

Da rascheln sie wieder: Das Geräusch, das beim gleichzeitigen Umblättern von 3000 Redemanuskripten entsteht, ist das heimliche Markenzeichen von Chinas Nationalem Volkskongresses, der am Freitag in Pekings Großer Halle des Volkes seine Jahrestagung begonnen hat. Laut Verfassung sollen die Parlamentarier die Arbeit der Regierung überwachen, doch in Wirklichkeit…

Bernhard Bartsch | 05. März 2010 um 15:16 Uhr

 

„China kann nicht mehr unauffällig agieren“

Chinas Einfluss in der Welt hat zugenommen, doch seine Möglichkeiten sind noch immer begrenzt. Ein Interview mit Politologen und Regierungsberater Shi Yinhong.

Frage: Professor Shi, China wird in der Welt zunehmend als neue Supermacht wahrgenommen. Ist man in Peking stolz darauf?

Shi Yinhong: China ist noch weit davon entfernt, eine Supermacht zu sein. Und selbst wenn es einmal eine werden sollte, was bei einem Volk von 1,3 Milliarden Menschen ja nicht besonders überraschend wäre, hieße das noch lange nicht, dass China in irgendeiner Weise die Welt regieren würde. Das haben ja nicht einmal die USA geschafft…

Bernhard Bartsch | 04. März 2010 um 17:58 Uhr

 

Ein bisschen Frieden

Der Militärhaushalt steigt um 7,5 Prozent – deutlich weniger als in den Vorjahren.

China versucht internationale Ängste gegenüber seiner militärischen Aufrüstung zu zerstreuen: Das Budget der Volksbefreiungsarmee soll im laufenden Jahr nur um 7,5 Prozent steigen, halb so viel wie im vergangenen Jahr. „China ist dem Frieden verpflichtet“, erklärte Volkskongress-Sprecher und Exaußenminister Li Zhaoxing. „Der einzige Grund für Chinas militärische Stärke ist die Sicherung von Chinas Souveränität und territorialer Einheit.“…

Bernhard Bartsch | 04. März 2010 um 15:16 Uhr

 

Die Rebellion des Zuhörens

Der regimekritische Autor Liao Yiwu darf nicht nach Deutschland reisen – aber Deutschland zu ihm. Ein Besuch in Chengdu.

Er steht allein am Rand der sechsspurigen Straße und erkennt das Auto schon von weitem. „Hier kommen nicht viele Taxis her“, sagt Liao Yiwu, setzt sich neben den Fahrer und lotst ihn durch die Baustellenlandschaft von Wenjiang, einen Vorort von Sichuans Provinzhauptstadt Chengdu. „Gehen wir lieber in ein Teehaus, zuhause stehen noch immer Polizisten vor meiner Tür.“ Am Vortag haben sie den Schriftsteller am Flughafen in Chengdu festgenommen, weil er zum Kölner Literaturfest lit.Cologne reisen wollte…

Bernhard Bartsch | 03. März 2010 um 14:47 Uhr

 

China verbietet Autor Deutschlandreise

Polizei stellt Regimekritiker Liao Yiwu unter Hausarrest – trotz Bitten der Bundesregierung, ihn zum Kölner Literaturfest lit.Cologne reisen zu lassen.

China hat den regimekritischen Schriftsteller Liao Yiwu daran gehindert, zum Kölner Literaturfest „lit.Cologne“ zu reisen. Der 51-Jährige wurde am Montag am Flughafen der südwestchinesischen Stadt Chengdu festgenommen und anschließend unter Hausarrest gestellt. Er wollte nach Peking fliegen und von dort am Freitag nach Deutschland weiterreisen. „Ich saß bereits im Flugzeug, als die Stewardess mir sagte, dass ich die Maschine wieder verlassen müsse“, sagte Liao in einem Telefonat mit dem Autor…

Bernhard Bartsch | 01. März 2010 um 13:13 Uhr