Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Verschlankte Bedürfnisse

Mit klemmenden Gaspedalen hat Toyota hat seinen Ruf als zuverlässigste Automarke der Welt ruiniert. Wie konnte das passieren? Eine Spurensuche in Toyota City.

Der Griff zur Reißleine ist alltägliche Routine. In weiten Schlaufen hängt das gelbe Seil über den Köpfen der Arbeiter, die mit Akkuschraubern im Sekundentakt um die halbfertigen Autos springen. Immer wieder greift einer über sich und bringt mit einem Ruck das Fließband zum Stehen. „Probleme werden bei Toyota sofort gelöst“, erklärt die junge PR-Dame und lächelt so selbstverständlich, als habe sie seit Wochen keine Zeitung gelesen…

Bernhard Bartsch | 25. Februar 2010 um 02:23 Uhr

 

Glorreiche Zeiten

Big Brother made in China: Ein satirischer Roman beschreibt die Volksrepublik als Orwellschen Alptraum. Das Buch wird trotz Publikationsverbots heiß diskutiert.

China im Jahr 2013: Die Volksrepublik ist wieder ein Reich der Mitte. Der Westen ist in einer zweiten Runde der Finanzkrise kollabiert, doch China hat sich rechtzeitig abkoppeln können und ist nun stärker als je zuvor. Das Staatsunternehmen Wang Wang hat den amerikanischen Kaffeeröster Starbucks übernommen, Pekings Eliten trinken Frankreichs Weinkeller leer, und keine ausländische Regierung wagt mehr, Chinas Regierung zu kritisieren. Das chinesische Volk liebt seine Kommunistische Partei und sieht sich am Beginn eines neuen „glorreichen Zeitalters“. So hat es die Volkszeitung angekündigt, und wer würde an ihren Vorhersagen zweifeln?…

Bernhard Bartsch | 22. Februar 2010 um 11:42 Uhr

 

Tiefpunkt oder freier Fall?

China ist wütend über Obamas Dalai-Lama-Empfang. Die Frage ist: Wie sehr?

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Peking haben sich weiter deutlich abgekühlt. Nachdem US-Präsident Barack Obama am Donnerstag den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen hatte, bestellte China am Freitag den amerikanischen Botschafter ein. Pekings Vize-Außenminister Cui Tiankai habe einen „förmlichen Protest“ eingelegt…

Bernhard Bartsch | 19. Februar 2010 um 11:48 Uhr

 

Saison der Schicksalsingenieure

In China haben die Feierlichkeiten zum Jahr des Tigers begonnen. Es ist die Zeit der Glücksrituale.

Hier werden also die Rätsel des Universums gelöst: im 15. Stock eines schmucklosen Mietshochhauses in der südchinesischen Industriemetropole Guangzhou. Der Teppichboden ist fleckig, die Büromöbel sind abgestoßen, und die Fenster wurden schon lange nicht mehr geputzt. Die Zimmerpflanzen sind kurz vor dem Eingehen. Kein Wunder, dass Pei Weng sich lieber in einem Teehaus verabredet hätte…

Bernhard Bartsch | 14. Februar 2010 um 16:31 Uhr

 

Die Partei will immer Recht haben

Alle Bitten des Westens waren vergeblich: China schmettert den Berufungsantrag des Demokratieaktivisten Liu Xiaobo gegen seine 11-jährige Haftstrafe ab.

In China vergeht derzeit kein Tag, ohne dass die Kommunistische Partei einen ihrer Kritiker hart bestraft. Am Montag wurde der Bürgerrechtler Tan Zuoren zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er nach dem Sichuan-Erdbeben 2008 den Tod von tausenden Kindern in marode gebauten Schulen angeprangert hatte. Am Dienstag erhielt der 20-jährige Fabrikarbeiter Xue Mingkai anderthalb Jahre Gefängnis, nachdem er einer illegalen demokratischen Partei beigetreten war. Am Mittwoch lehnte nun Pekings Oberer Gerichtshof im Schnellverfahren den Berufungsantrag des Menschenrechtlers Liu Xiaobo ab…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2010 um 16:36 Uhr

 

„Näher an Nordkorea“

Der chinesische Aktivist Tan Zuoren muss für fünf Jahre ins Gefängnis, weil er nach dem Erdbeben von Sichuan den Tod von tausenden Schülern untersuchte.

„Mein Rechtsverständnis unterscheidet sich von dem des Gerichts und der Richter. Ich bin unschuldig, aber für die Interessen meines Volk gehe ich bereitwillig ins Gefängnis.“ Mit diesen Worten soll der chinesische Bürgerrechtsaktivist Tan Zuoren am Dienstag die fünfjährige Haftstrafe kommentiert haben, zu der er in zweiter Instanz verurteilt worden ist. Der 55-jährige hatte nach dem verheerenden Erdbeben in Sichuan im Mai 2008 den Tod von tausenden Schulkindern untersucht…

Bernhard Bartsch | 09. Februar 2010 um 18:19 Uhr

 

Nationale Karambolage

Toyotas Pannen beschädigen das Image des größten Autoherstellers der Welt – und spiegeln die Probleme der ganzen japanischen Wirtschaft.

Ausgerechnet das Gaspedal! Welch bittere Ironie. Über Jahre hinweg hat der japanische Automobilkonzern Toyota bei Millionen Fahrzeugen Beschleunigungspedale eingebaut, die im durchgedrückten Zustand verklemmen können. Im schlimmsten Fall ist das Auto dann nicht mehr zu stoppen, und die Insassen können nur hoffen, dass wenigstens der Airbag funktioniert…

Bernhard Bartsch | 07. Februar 2010 um 14:55 Uhr

 

Weiche Worte, harte Haltung

China schickt erstmals seinen Außenminister zur Münchner Sicherheitskonferenz.

Diplomaten und Offiziere sind meist Menschen mit Manieren. So werden sie höflich applaudieren, wenn Chinas Außenminister Yang Jiechi heute die Auftaktrede der Münchner Sicherheitskonferenz hält – auch wenn viele Zuhörer die Volksrepublik bei zentralen globalen Konflikten bislang eher als Teil des Problems als der Lösung sehen…

Bernhard Bartsch | 05. Februar 2010 um 06:42 Uhr

 

Falschgeld online

In China floriert der Handel mit Blüten. In der Krise verbessern Unternehmen damit ihre Zahlungsfähigkeit.

Kürzlich hat mir der Bankautomat wieder Falschgeld ausgespuckt. Meistens merke ich das erst, wenn mir ein Verkäufer oder Taxifahrer einen Schein kopfschüttelnd zurückgibt. Ich stecke die Blüte dann in meinem Geldbeutel ganz nach vorne, um sie bei nächster Gelegenheit wieder loswerden. Sitzen geblieben bin ich darauf noch nie, denn im Grunde wird Falschgeld in China genauso benutzt wie echtes…

Bernhard Bartsch | 04. Februar 2010 um 16:40 Uhr

 

Enkel in Not

Akio Toyoda sollte den Autokonzern Toyota durch die Krise steuern. Jetzt steckt er mittendrin.

„Ich werde wieder zu den Grundsätzen zurückkehren, auf denen dieses Unternehmen aufgebaut wurde“, sagte Akio Toyoda im Januar 2009. Damals war der Enkel des Toyota-Gründers gerade zum neuen Vorstandschef des weltgrößten Autokonzerns erkoren worden und wollte das Unternehmen, das durch die Finanzkrise erstmals in seiner 75jährigen Geschichte in die roten Zahlen gerutscht war, wieder in die Profitzone steuern…

Bernhard Bartsch | 03. Februar 2010 um 04:20 Uhr

 

Reichlich Potential

Die OECD traut China langfristig hohes Wachstum zu – vorausgesetzt, die Wirtschaftsreformen gehen weiter.

Die heikelste Frage bleibt an diesem Morgen unbeantwortet: Wie stark unterbewertet ist wohl der chinesische Yuan, will ein Reporter wissen. Wie groß ist also der Wettbewerbsvorteil, den China seiner Exportwirtschaft durch Währungsmanipulation verschafft? Pier Carlo Padoan und Richard Herd, kühlköpfige Ökonomen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), können sich ein Lachen nicht verkneifen…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2010 um 12:22 Uhr

 

Vereiste Fronten

Gespräche zwischen China und Exilvertretern sind wieder einmal gescheitert.

Die Erwartungen waren gering, und sie wurden nicht übertroffen: Die jüngste Gesprächsrunde zwischen der chinesischen Regierung und Vertretern des Dalai Lama hat keinerlei Fortschritte gebracht. Stattdessen machte Peking die Exiltibeter gestern erneut in gewohnt scharfer Rhetorik für die ethnischen Probleme in der Himalaja-Region verantwortlich…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2010 um 10:32 Uhr

 

Diplomatischer Stellungskrieg

Peking droht den USA wegen eines Waffenhandels mit Taiwan Sanktionen an.

Chinesische Diplomaten schieben nicht gerne Wochenenddienste, doch in den vergangenen zwei Tagen waren die Sonderschichten unumgänglich. Nachdem die US-Regierung dem Kongress am Freitag vorgeschlagen hatte, Taiwan moderne Waffensysteme im Wert von 6,4 Milliarden Dollar zu liefern, startete Peking umgehend eine Gegenoffensive…

Bernhard Bartsch | 01. Februar 2010 um 04:27 Uhr