Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Reiches Entwicklungsland

Die Volksrepublik ist weltweit einer der größten Verteiler von Entwicklungshilfe. Dahinter stecken wirtschaftliche Interessen – nicht Aufbauarbeit im westlichen Sinne.

Darf ein Land gleichzeitig Entwicklungshilfe erhalten und vergeben? Zwar macht Chinas Regierung keinerlei Angaben, wie viel sie jährlich über Institutionen wie die Exim Bank an andere Entwicklungsländer vergibt. Doch einer Weltbank-Studie zufolge finanzierte Peking 2006 allein auf dem afrikanischen Kontinent Infrastrukturprojekte im Wert von 4,7 Milliarden Euro…

Bernhard Bartsch | 31. Oktober 2009 um 09:09 Uhr

 

Kein Geld für China

Deutschlands Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel will die Volksrepublik aus seinem Portfolio streichen. Das ist populär, aber nicht unbedingt klug.

Es passiert nicht häufig, dass Minister ihr eigenes Portfolio beschneiden. Dennoch hat Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel seinen Amtsantritt prompt genutzt, um seine Zuständigkeit für das bevölkerungsreichste Land der Welt aufzugeben: China solle künftig keine deutsche Entwicklungshilfe mehr erhalten, weil es inzwischen selbst genug Geld habe, erklärte der FDP-Politiker…

Bernhard Bartsch | 30. Oktober 2009 um 19:02 Uhr

 

„Deutsche Medien sind die arrogantesten“

China feiert seinen Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse als gelungene Kulturpolitik – trotz angeblicher Sabotageversuche von Medien und Dissidenten.

„Wenn Barack Obama nach China kommt und unser Präsident empfängt am gleichen Tag Osama Bin Laden – was würden die Amerikaner dann von uns denken?“ Mit diesem Vergleich formuliert ein chinesischer Blogger seinen Ärger darüber, dass die Frankfurter Buchmesse neben Chinas offizieller Delegation auch Kritikern und Dissidenten ein Forum gegeben hat…

Bernhard Bartsch | 19. Oktober 2009 um 03:08 Uhr

 

Wenn der Vize nicht grüßt

Ein fehlender Gruß auf der Buchmesse erlaubt einen Einblick in Chinas Parteiapparat.

Chinas Vizepräsident Xi Jinping scheint seinen Deutschlandbesuch anlässlich der Frankfurter Buchmesse für ein machtpolitisches Scharmützel mit Staats- und Parteichef Hu Jintao genutzt zu haben. Hongkonger Medienberichten zufolge soll Xi bei seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Pekings festgeschriebenem Protokoll ausgebrochen sein und nicht die obligatorischen Grüße von Hu übermittelt haben…

Bernhard Bartsch | 16. Oktober 2009 um 04:16 Uhr

 

Pekings Hofnarr

Der Dichter Wang Zhaoshan darf als Mitglied der offiziellen Autorendelegation nach Frankfurt reisen. In China ist er eher berüchtigt als berühmt.

„Die Werke unseres Vizevorsitzenden Wang?“ Die Mitarbeiterin des Schriftstellerverbands der Provinz Shandong ist am Telefon offensichtlich überrumpelt. „Dazu kann ich gar nichts zu sagen, die sind alle so alt.“ Und über Wangs berühmt-berüchtigtes Gedicht „Stimme aus der Tiefe der Ruinen“ will sie nicht sprechen. Natürlich nicht…

Bernhard Bartsch | 14. Oktober 2009 um 00:28 Uhr

 

Wettstreit der Worte

Die Buchmesse ist ein Laborversuch zur chinesischen Meinungsfreiheit.

Vor 2500 Jahren forderte der Philosoph Konfuzius Chinas Herrscher auf, die Dinge beim Namen zu nennen. „Wenn die Bezeichnungen nicht stimmen, spiegelt die Sprache nicht mehr die wahren Umstände wider“, mahnte der Weise. Wo sich Begriffe von ihren Bedeutungen trennen und in leerem Gerede auflösen, drohten die Kultur zu zerfallen, die Regierung ihre Macht zu verlieren und das Volk im Chaos zu versinken. „Der Edle redet deshalb so, dass seine Sprache Sinn macht“, schloss der Nationaldenker. Chinas Mächtige erinnern sich bis heute an seinen Rat – und hüten sich meist davor, ihn zu befolgen…

Bernhard Bartsch | 13. Oktober 2009 um 04:55 Uhr

 

„China ist surreal“

Der Schriftsteller Yu Hua spricht im Interview über sein Lieblingsbuch, konkurrierende Chinabilder und Pekings Instrumentalisierung chinesischer Auslandsstudenten.

Yu_HuaHerr Yu, bei der Frankfurter Buchmesse werden viele verschiedene Chinabilder aufeinanderprallen: positive und negative, geschönte und geschwärzte, gut und schlecht informierte. Was für eines steuern Sie bei?

Vielleicht das surreale. Ich bemühe mich in meinen Büchern zwar um eine objektive Beschreibung der chinesischen Gegenwart. Aber die Entwicklung, die China in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat, ist absolut unwirklich. Normalerweise sehen wir Schriftsteller uns ja gerne als Ärzte der Gesellschaft, die soziale Phänomene diagnostizieren. Aber in der heutigen chinesischen Gesellschaft geht das nicht mehr. Da sind wir alle Patienten…

Bernhard Bartsch | 12. Oktober 2009 um 02:20 Uhr

 

Nischen der Meinungsfreiheit

In China erleben Buchläden eine Renaissance: Denn sie bieten der kritischen Internetgemeinde Gelegenheit, sich in der Wirklichkeit zu treffen.

Neulich wurde im Sanwei-Buchladen wieder viel gelacht. Es war Samstagnachmittag und der 70-jährige Autor Yang Jishen hatte gerade anderthalb Stunden lang aus seinem Buch „Grabstein“ gelesen, einem schonungslosen Recherchebericht über die Hungersnöte der Mao-Zeit, der die offizielle Parteigeschichtsschreibung als hanebüchene Propaganda entlarvt. „Ihr Vortrag frustriert mich“, meldete sich ein junger Mann im Publikum zu Wort. „Ich bin Journalist bei einer Zeitung in der Provinz und darf immer nur gute Nachrichten schreiben, nie die Wahrheit.“…

Bernhard Bartsch | 10. Oktober 2009 um 03:53 Uhr

 

Der rote Rätsler

Krimiautor Qiu Xiaolong ist der weltweit bestverkaufte chinesische Autor. Doch Chinas Zensoren verhindern, dass er in der Heimat bekannt wird.

Qiu_XiaolongQiu Xiaolong besitzt keine Pistole. „Für einen Krimiautor ist das offenbar ungewöhnlich“, meint der 56-Jährige. „Mein amerikanischer Verleger hat mir jedenfalls geraten, mir eine Schusswaffe zuzulegen und sie auch in meinen Büchern häufiger einzusetzen.“ Aber wozu braucht man Gewehre, wenn es auch Messer und Küchenbeile gibt? Und wenn sich Mörder statt von Einsatzkommandos auch mit sozialen Umzingelungsmanövern einkreisen lassen? „Meine Krimis spielen in China“, sagt Qiu, „und dort laufen Verbrechen und Verbrechensbekämpfung eben etwas anders ab als in Amerika.“…

Bernhard Bartsch | 09. Oktober 2009 um 12:32 Uhr

 

Wo Äpfel noch Birnen sind

Die Volksrepublik China feiert ihren 60. Jahrestag ihrer Gründung. Das heißt, eigentlich feiert die Kommunistische Partei 60 Jahre Herrschaft. Doch das ist einerlei.

Ein Herrschaftsjubiläum ist kein Legitimationsbeweis. Dieser Satz ist eigentlich banal, folgt er doch der Binsenweisheit: Äpfel sind keine Birnen. Dennoch dürfte derzeit wohl keine chinesische Zeitung diesen Satz drucken. Denn Chinas Kommunistische Partei serviert ihrem Volk derzeit ein politisches Apfel-Birnen-Kompott…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2009 um 23:45 Uhr

 

„Mao war ein Mensch mit Fehlern“

Mao-Darsteller Tang Guoqiang über Chinas jüngsten Propagandastreifen, Demokratie mit chinesischen Eigenschaften und den Nachruhm des Großen Vorsitzenden.

Tang_Guoqiang_4Herr Tang, seit 13 Jahren sind Sie fast täglich im chinesischen Fernsehen in der Rolle von Mao Zedong zu sehen. Was Ihre Landsleute heute über Mao wissen und denken, geht also maßgeblich auf ihre Darstellung zurück. Wie viel haben denn die Filmfigur und der reelle Mao mit einander zu tun?

Unsere Filme beruhen auf historischen Studien und bilden die Geschichte so ab, wie sie stattgefunden hat. Man kann daraus lernen – deshalb werden sie selbst an den Parteischulen als Lehrmittel eingesetzt…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2009 um 22:31 Uhr

 

Das Wir marschiert

Mit einer pompösen Parade feiert Chinas Kommunistische Partei den 60. Jahrestag ihrer Machtübernahme.

Die Volksrepublik China feiert Geburtstag – doch nicht das ganze Volk ist eingeladen. Dem kritischen Pekinger Autor Yu Jie etwa haben die Sicherheitskräfte in den vergangenen Wochen fünf Bewacher zur Seite gestellt, um zu verhindern, dass er der Kommunistischen Partei die Party verdirbt. Schließlich hat er es gewagt, sich öffentlich gegen die pompöse Militärparade auszusprechen, mit der die Führung den 60. Jahrestag ihrer Machtübernahme feierte…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2009 um 22:23 Uhr