Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Pekings antiautoritäre Erziehung

Mit der Einladung des Dalai Lama wollten die Taiwanesen ihre Unabhängigkeit beweisen. In Wirklichkeit ist der Besuch ein strategisches Geschenk an Peking.

Der Dalai Lama hat am Montag Taiwan besucht, und wie jedes Mal, wenn der Friedensnobelpreisträger seinen Exilwohnsitz im indischen Dharamsala verlässt, erhielten seine Gastgeber umgehend einen Drohbrief aus Peking. Der Besuch werde den Beziehungen Schaden zufügen, warnte Chinas Regierung. „Wir sind entschieden dagegen.“ In der Regel ist das so gemeint, wie es gesagt ist…

Bernhard Bartsch | 31. August 2009 um 17:23 Uhr

 

China greift den Dollar an

Regierung erarbeitet Pläne, um Yuan als Währung für den Welthandel zu etablieren.

China verschärft seine Angriffe auf die Vorherrschaft des US-Dollars: Eine Regierungskommission erarbeitet derzeit Konzepte, wie der Yuan als Währung für den Welthandel durchgesetzt werden kann. Einem Bericht der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post zufolge wird die Taskforce von Vizepremier Wang Qishan und dem stellvertretenden Zentralbankgouverneur Hu Xiaolian geleitet…

Bernhard Bartsch | 31. August 2009 um 17:14 Uhr

 

Wenn Japan Demokratie wagt

Japans Wähler haben ihrer neuen Regierung ein starkes Reformmandat erteilt. Doch in Sachen Strukturwandel ist die Wirtschaftsmacht noch ein Anfänger.

Den Zahlen nach zu urteilen, lässt Japans Wahlergebnis keine Fragen offen. Eine überwältigende Mehrheit der Wähler hat am Sonntag für die Demokratische Partei (DPJ) gestimmt und den Liberaldemokraten (LDP), die das Land 54 Jahre lang fast ununterbrochen regiert haben, deutlich das Misstrauen ausgesprochen. Das Resultat gibt dem designierten Premierminister Yukio Hatoyama ein starkes Mandat für die Reformen, die er im Wahlkampf versprochen hat…

Bernhard Bartsch | 30. August 2009 um 17:03 Uhr

 

Die Sonnenpflückerin

Mit Miyuki Hatoyama bekommt Japan eine First Lady, die ihrem Mann leicht die Show stehlen kann.

Sie lebt von Sonnenstrahlen, näht sich Röcke aus Kaffeesäcken und will in einem früheren Leben mit Tom Cruise liiert gewesen sein – Japans neue First Lady dürfte Japans traditionsverhaftetes Frauenbild ordentlich aufmischen. Miyuki Hatoyama, deren Mann Yukio mit seiner Demokratischen Partei (DPJ) als haushoher Sieger aus den Parlamentswahlen hervorging, ist in ihrer Heimat auch unabhängig von ihrem Gatten ein Star…

Bernhard Bartsch | 30. August 2009 um 16:50 Uhr

 

Länger leben mit Paranoia

Lieber paranoid als tot. Denn wer unter Angstzuständen leidet, stirbt nie den Tod, vor dem er sich fürchtet.

Allmählich werde ich paranoid. Jedenfalls gebe ich mir Mühe. Denn es ist doch so: Wer Angstzustände hat, erleidet nie das Unglück, vor dem er sich fürchtet. Das passiert immer nur den anderen. Deshalb sind Paranoide ja so komisch. Aber das Gelächter meiner Mitmenschen nehme ich gerne in Kauf…

Bernhard Bartsch | 28. August 2009 um 17:16 Uhr

 

Klonpartei auf Siegkurs

Japans Politik steht erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg vor einem echten Machtwechsel. Einen Systemwechsel bedeutet das aber noch lange nicht.

Was man in der Not nicht alles tut: Mit einem abenteuerlichen Aufruf versucht Japans regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) ihre zu erwartende Niederlage bei den Wahlen am kommenden Sonntag im letzten Moment zu verhindern. „Die Situation ist hart, die bösen Wellen der Demokratischen Partei greifen Tokio an“, warnte Finanzminister Kaoru Yosano diese Woche bei einer Wahlkampfveranstaltung. „Wenn das so weiter geht, besteht das Risiko einer Ein-Partei-Despotie.“…

Bernhard Bartsch | 27. August 2009 um 02:43 Uhr

 

Von Henkern und Chirurgen

China kündigt an, künftig weniger Organe von Hinrichtungsopfern zu verpflanzen. Die guten Vorsätze sind nicht neu.

Chinesen, die sich einer Organtransplantation unterziehen, leben danach in der Regel mit dem Körperteil eines Hingerichteten. Das hat Pekings Gesundheitsministerium offiziell eingestanden – und gleichzeitig kritisiert. 65 Prozent der in der Volksrepublik verpflanzten Organe seien Exekutierten entnommen worden…

Bernhard Bartsch | 27. August 2009 um 02:40 Uhr

 

Das Duell der Enkel

Japans Spitzenkandidaten führen einen Generationen alten Familienwettstreit fort: Schon ihre Großväter rivalisierten um das Amt des Premierministers.

Japans Parlamentswahl am kommenden Sonntag ist ein Familienduell: Beide Spitzenkandidaten entstammen alten Politikerklans, die seit Generationen rivalisieren und nach dem Zweiten Weltkrieg schon einmal erbittert um das Amt des Premierministers stritten. Allen Prognosen zufolge dürfte der Sieger von damals auch diesmal gewinnen…

Bernhard Bartsch | 26. August 2009 um 02:20 Uhr

 

China – Exportweltmeister auf Probe

China könnte Deutschland 2009 den Titel des Ausfuhr-Champions abnehmen.

Es ist ein statistischer Fotofinish, aber darauf liegt China um Haaresbreite in Führung: Im Rennen um die Exportweltmeisterschaft hat die chinesische Industrie die deutsche im ersten Halbjahr 2009 überholt. Zwischen Januar und Juni führte die Volksrepublik Waren im Wert von 521,7 Milliarden Dollar aus, während Deutschland an seinen Exporten 521,6 Milliarden Dollar verdiente…

Bernhard Bartsch | 26. August 2009 um 02:16 Uhr

 

Zur Sache, Kätzchen

Sie hat keinen Mund und spricht trotzdem zu Millionen: Die japanische Comic-Katze Hello Kitty feiert zum 35. Mal ihren fünften Geburtstag.

Hello KittyLiebe Katzen tanzen Walzer, böse Rock’n’Roll. Das ist die Erkenntnis, mit der die kleine Midori aus dem Märchen vom „Nussknacker“ kommt. „Die Bösen sind immer so wild“, sprudelt die Fünfjährige und schüttelt sich, dass ihre Zöpfe fliegen. „Aber Kitty tanzt gaaanz schön.“ Dann trippelt und kreiselt sie mit verzücktem Blick um ihre Kindergärtnerin und stellt sich vor, sie wäre ein weißes Kätzchen mit rosa Haarband…

Bernhard Bartsch | 25. August 2009 um 07:34 Uhr

 

Blei im Blut

In China sind in der Nähe zweier Schmelzereien und Hüttenwerke mehr als 2200 Kinder an Vergiftungen erkrankt. Sie sind Opfer skrupelloser Betreiber und Beamter.

„In China gibt es einen neuen Klassenkampf: Auf der einen Seite stehen die Gesetzestreuen, und auf der anderen jene, die es nicht nötig haben, sich an Gesetze zu halten.“ So kommentiert ein junger Chinese in einem Internetportal den jüngsten Giftskandal der Volksrepublik: Tausende Kinder sind an Bleivergiftung erkrankt, weil sie in der Nähe von großen Schmelzereien leben, deren Besitzer Umweltauflagen über Jahre ignoriert haben – offenbar mit Wissen der lokalen Behörden…

Bernhard Bartsch | 21. August 2009 um 07:20 Uhr

 

Taiwans Katrina

Die langsame Reaktion auf den verheerenden Taifun Morakot beschädigt das Image von Präsident Ma Ying-jeou und das Vertrauen in das Militär.

Eigentlich ist Ma Ying-jeou ein Mann, der sich auf seine Mimik verlassen kann. In 25 Jahren Politikerkarriere hat Taiwans Präsident sich angewöhnt, sein Mienenspiel weitgehend auf zwei Gesichtsausdrücke zu beschränken, die ihm beide ausgezeichnet stehen und zwischen denen er bei öffentlichen Auftritten alle paar Sekunden hin und her springt: einen kantigen Macherblick und ein entwaffnendes Lachen. Doch nun passt plötzlich keiner davon…

Bernhard Bartsch | 20. August 2009 um 07:13 Uhr

 

Verkohlte Aktien

Chinas Leitindex ist im August um 20 Prozent gefallen. Doch was an der Wallstreet Panik auslösen würde, macht die Chinesen nur leicht nervös.

Chinesen sehen das Börsengeschehen seit jeher sportlich. „Chao gupiao“ nennen sie ihre Aktiengeschäfte, was wörtlich „Wertpapiere braten“ heißt. Das Vorbild ist die Wok-Küche: Zutaten ins heiße Fett werfen, kurz wenden – fertig. Dass dabei gelegentlich etwas anbrennt, gilt als lästig, aber unvermeidlich. Nun sind in China wieder einmal die Aktien verkohlt…

Bernhard Bartsch | 19. August 2009 um 22:02 Uhr

 

Kommando zurück

Durch die Finanzkrise verloren Millionen chinesischer Wanderarbeiter plötzlich ihren Job. Nun sollen sie ebenso plötzlich in die Fabriken zurückkehren.

Zhang Quanshou sucht wieder Angestellte. „Kommt zurück: Im Perlflussdelta mangelt es an Wanderarbeitern“, lauteten die Schlagzeilen, mit denen die Zeitungen kürzlich über die jüngste Geschäftsreise von Chinas berühmtestem Jobvermittler berichteten. „Vor vier Monaten gab es keine Jobs, jetzt gibt es keine Arbeiter“, erklärt der als „Wanderarbeiterkommandant“ bekannte Zhang…

Bernhard Bartsch | 19. August 2009 um 03:43 Uhr

 

China bleibt ein Treibhaus

Regierung stellt Emissionsprognosen vor: Trotz ehrgeiziger Umweltpolitik dürfte der Ausstoß von Treibhausgasen erst nach 2030 wieder sinken.

Es ist eine düstere Prognose – und doch die angeblich bestmögliche: Chinas Treibhausgasemissionen, die höchsten der Welt, werden noch mindestens zwei Jahrzehnte lang weiter steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der chinesischen Regierung, die als Vorlage für den Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember dienen soll…

Bernhard Bartsch | 19. August 2009 um 02:47 Uhr