Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Die Tyrannei der Unsensiblen

Die Uiguren-Aufstände zerstören Pekings Wunschbild einer „Harmonischen Gesellschaft“. Chinas Han-Mehrheit sieht Minderheiten als minderwertig.

Die Woche in Urumqi endete schlimmer, als sie begonnen hatte. Viele Moscheen, in denen die Uiguren gewöhnlich zum Freitagsgebet zusammenkommen, blieben diesmal geschlossen. Damit wollten die Behörden neue Proteste verhindern, nachdem am vergangenen Sonntag bei ethnischen Unruhen 156 Menschen getötet und 1080 verletzt worden waren. Die Botschaft war eindeutig: Chinas Regierung weist den Uiguren die Alleinschuld für den Gewaltausbruch zu und sucht die Ursachen in deren muslimischer Religion und Kultur…

Bernhard Bartsch | 11. Juli 2009 um 03:53 Uhr

 

Propagandaschlacht um Xinjiang

Armeeaufmarsch sorgt in Urumqi für gespannte Ruhe. Mit einer Medienkampagne versucht Peking, die Unruhen zu instrumentalisieren.

„Was hier passiert, ist wie die Militärparade zum Nationalfeiertag“, kommentierte ein Bewohner von Urumqi bitter den Armeekonvoi, der am Donnerstag durch Xinjiangs Provinzhauptstadt zog. Vier Tage nach den Krawallen zwischen Uiguren und Han-Chinesen, bei denen nach offiziellen Angaben 156 Menschen starben und 1080 verletzt wurden, zog Chinas Regierung alle Register von Einschüchterung und Propaganda, um die Situation unter Kontrolle zu bringen – und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren…

Bernhard Bartsch | 10. Juli 2009 um 01:40 Uhr

 

Der Wetterfrosch der Erholung

Chinas Konjunktur zeigt weitere Anzeichen der Stabilisierung. Doch die Erholung beruht vor allem auf staatlichen Konjunkturmaßnahmen.

Bei der weltweiten Suche nach konjunkturellen Erholungssignalen spielt China für viele Analysten die Rolle des Wetterfroschs – und gleich zu Beginn des zweiten Halbjahrs sendet die drittgrößte Volkswirtschaft neue Anzeichen für ein mögliches Ende der Krise. Das staatliche Informationszentrum verkündete am Donnerstag, die Talsohle der Konjunktur sei erreicht und die Wirtschaft beginne sich zu erholen, so dass Pekings Wachstumsziel von acht Prozent für das Jahr 2009 erreicht werden könne…

Bernhard Bartsch | 09. Juli 2009 um 23:36 Uhr

 

Mehr Motorlärm!

In Japan müssen Hybridfahrzeuge vielleicht bald künstlich Krach erzeugen – den Blinden zuliebe.

Es sieht aus wie ein Auto, es fährt wie ein Auto, aber es klingt nicht so. Was das ist? Ein Hybridfahrzeug. Wenn die klimafreundlichen Pkw mit dem Doppelantrieb in den Elektromodus schalten, bewegen sie sich fast so leise wie ein Fahrrad. Doch weniger Lärm ist nicht unbedingt besser, warnen japanische Verbraucherschützer…

Bernhard Bartsch | 06. Juli 2009 um 09:37 Uhr

 

Die besten Bomben

In China gelten Männer, die Süßigkeiten essen, als degeneriert. Dabei könnten französische Törtchen womöglich den nordkoreanischen Atomkonflikt lösen.

WindbeutelIn meiner Pekinger Nachbarschaft hat kürzlich eine französische Bäckerei eröffnet. Ich bin zweifellos einer ihrer besten Kunden, aber noch häufiger als ich kommen die Diplomaten der nahen nordkoreanischen Botschaft. Wann immer ich meine Mandel- oder Schokocroissants kaufe, sitzen dort mehrere Männer mit den unverkennbaren roten Kim-Jong-il-Ansteckern bei Törtchen und Cappuccino…

Bernhard Bartsch | 04. Juli 2009 um 15:35 Uhr

 

Der nackte Sprung nach vorn

Der chinesische Künstler Ai Weiwei kämpft gegen die Internetzensur – mit einem Teilerfolg: China verschiebt die Einführung einer obligatorischen Filter-Software.

ai_weiwei_2Was ist das für ein Krieg, in dem sich nackte Männer Kuscheltiere vor den Schritt halten und Luftsprünge machen? Die Selbstporträts, die der Pekinger Künstler Ai Weiwei kürzlich auf seiner Webseite veröffentlichte, waren ein Beitrag zu einem Kampf, dem sich eine ganze Armee chinesischer Blogger und Internetbenutzer verschrieben hat: dem Kampf gegen den “Grünen Damm”. So heißt die Zensursoftware, die in China ab 1. Juli bei jedem Computerkauf mitgeliefert werden sollte, angeblich, um die Benutzer beim Surfen vor Pornographie zu schützen…

Bernhard Bartsch | 01. Juli 2009 um 02:01 Uhr