Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Der Wink mit dem Zahnstocher

Immer mehr Nordkoreanern gelingt die Flucht aus einem Land, aus dem es einst kein Entrinnen gab. Im Süden angekommen, sind sie überwältigt von ihrer neuen Freiheit. Und enttäuscht vom Desinteresse, mit dem ihnen ihre Landsleute begegnen.

Kim Yong-sun (Copyright Martin Gottske)Kim Yong-sun ist eine Frau, der man ihre Geschichte nicht ansieht. „Das ist mein großer Stolz“, sagt die 71-Jährige mit einem Anflug von mädchenhafter Koketterie. Wie so oft sitzt sie in der sonnigen Fensternische eines Coffeeshops in Seouls Geschäftsviertel, eine elegante Dame in Seidenbluse, umgeben von jungen Büroangestellten. Kim bewegt sich ganz selbstverständlich in dieser Gesellschaft. Dabei hat sie ihren ersten Cappuccino erst vor vier Jahren getrunken. In Nordkorea gibt es keinen Milchkaffee. Ihre Geschichte trägt Kim mit sich herum: einen dicken Stapel eng beschriebener Seiten, auf denen sie ihre Memoiren festgehalten hat. Der Titel lautet: „Die schönste Frau der Welt“…

Bernhard Bartsch | 30. April 2009 um 11:00 Uhr

 

Die Chefin der Virusjäger

WHO-Generalsekretärin Margaret Chan hat bereits als Hongkonger Gesundheitschefin gegen Seuchen gekämpft – mit gemischten Ergebnissen.

Margaret Chan ist in Sachen Seuchenbekämpfung keine Anfängerin. Die 62-jährige Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Kampf gegen die Schweinegrippe als Chefsache betreut, verdankt ihr Amt maßgeblich ihren persönlichen Erfahrungen im Umgang mit lebensgefährlichen Viren. Als Direktorin der Hongkonger Gesundheitsbehörde stand die promovierte Ärztin gleich zweimal vor der Aufgabe, eine potenzielle Pandemie zu verhindern…

Bernhard Bartsch | 29. April 2009 um 01:26 Uhr

 

Kalte Freundschaft

Kurz vor seiner Chinareise versucht Japans Premier mit antichinesischen Tönen aus dem Popularitätstief zu kommen. Peking reagiert gereizt, aber diszipliniert.

Taro AsoEine Topfpflanze überschattet das Verhältnis zwischen China und Japan. Doch zum Scheitern des am Mittwoch beginnenden Gipfeltreffens der beiden asiatischen Großmächte soll das provozierende Geschenk des japanischen Premierministers Taro Aso an den umstrittenen Yasukuni-Schrein allerdings nicht führen, erklärte Gastgeber Peking am Montag. „Wir messen diesem Besuch große Bedeutung bei“, erklärte Außenamtssprecherin Jiang Yu am Dienstag. China hoffe auf gemeinsame Fortschritte bei der Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise sowie im Konflikt um Nordkoreas Atomwaffenprogramm. Noch am vergangenen Donnerstag hatte Jiang „ernste Sorge und Unzufriedenheit“ ausgedrückt…

Bernhard Bartsch | 29. April 2009 um 01:22 Uhr

 

Asiens Angst vor SARS 2.0

Regierungen aktivieren Programme zur Seuchenbekämpfung. Die Angst vor der Schweinegrippe lässt die Börsen absacken.

Im Kampf gegen die Schweinegrippe aktivieren Asiens Regierungen ihre Seuchenschutzprogramme. Mit Gesundheitskontrollen an Flughäfen, öffentlichen Aufklärungskampagnen, Quarantänemaßnahmen und der Untersuchung von Schweinefleischimporten wollen die Behörden eine Ausweitung des H1N1-Virus verhindern, das in Mexiko bereits über hundert Menschenleben gefordert hat…

Bernhard Bartsch | 28. April 2009 um 01:32 Uhr

 

Flirt mit fatalen Folgen

Peking und Taipeh nähern sich weiter an. Die Taiwanesen zahlen dafür einen hohen Preis: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit kostet sie ihre politische Selbständigkeit.

Chiang Pin Kung schaut sich gerne selber ins Gesicht. An den Wänden seines Büros in einem Hochhaus in Taipeh hängen gleich mehrere Ölporträts. Daneben Fotos von den wichtigsten Handschlägen seiner Karriere, darunter einer mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao. Auf seine Bildersammlung ist der 76-Jährige offenbar so stolz, dass er sie auf Briefmarken hat drucken lassen, um sie Gästen mit feierlicher Geste zu schenken…

Bernhard Bartsch | 25. April 2009 um 03:29 Uhr

 

Schneller als die Japaner

Chinas Autohersteller wollen sich aus dem Schatten der internationalen Konkurrenz lösen. Ausgerechnet beim Thema Umwelt könnten sie Wettbewerbsvorteile haben.

Die Messelounge, in der die Manager des chinesischen Fahrzeugherstellers BYD auf der Shanghai Auto Show ihre Gäste empfangen, hat den Namen „Lounge“ kaum verdient. Statt der modischen Designermöbel und kalten Buffets, mit denen Volkswagen und Co. ihre Besucher zu beeindrucken versuchen, sitzt man bei BYD auf unbequemen Bürosesseln und trinkt Wasser aus Pappbechern. Trotzdem herrscht bei dem Unternehmen aus Shenzhen mehr Andrang als bei den namhaften internationalen Konkurrenten…

Bernhard Bartsch | 25. April 2009 um 03:21 Uhr

 

Ausweitung der Kampfzone

Der Pekinger Menschenrechtsanwalt Li Fangping wagt sich an ein Tabuthema: Er verteidigt einen tibetischen Lama und wirft Chinas Polizisten Folter vor.

Am Anfang hat er gezögert, das gibt Li Fangping freimütig zu. „Der Fall ist politisch äußerst sensibel“, sagt der 34jährige Jurist. „Zwei Anwaltsteams haben ihn bereits abgelehnt.“ Aber gerade deshalb übernahm Li die heikle Aufgabe schließlich doch: Seit Anfang der Woche verteidigt der Pekinger Menschenrechtsanwalt den tibetischen Lama Phurbu Tsering Rinpoche, den die Behörden für einen Strippenzieher der blutigen Tibeterdemonstrationen im vergangenen Frühjahr halten…

Bernhard Bartsch | 24. April 2009 um 02:19 Uhr

 

„Demokratie passt auch nach China“

Der damalige Studentenführer Wu’er Kaixi erzählt, was Chinas Jugend im Frühsommer 1989 auf die Straße trieb, wie die Bewegung bis heute nachwirkt und warum er Chinesen für besonders demokratietauglich hält.

Wuer Kaixi (Copyright: Martin Gottske)Frage: Herr Wu’er, vor 20 Jahren begannen die Studentendemonstrationen, die am 4. Juni 1989 in einem Blutbad endeten. Wenn man sich vor Augen hält, wie sehr sich China seitdem verändert hat, könnte einem der zeitliche Abstand noch viel größer vorkommen. Ist es Zeit, das Thema den Historikern zu überlassen?

Wu’er: Dass wir uns hier in Taipei gegenübersitzen und nicht in Peking sagt doch bereits alles: Ich und andere Studentenführer können noch immer nicht in unsere Heimat zurück. Meine Eltern dürfen auch nicht ausreisen…

Bernhard Bartsch | 22. April 2009 um 02:46 Uhr

 

Alles ohne Abwrackprämie

Die Krise macht China zum Schlachtfeld um die Zukunft der Autoindustrie. Bei der Shanghaier Automesse buhlen die Hersteller um ihren letzten Wachstumsmarkt.

Wer Kevin Wale reden hört, könnte gauben, der Chinachef des US-Autokonzerns General Motors lese keine Zeitung. Während seine Vorgesetzten in Detroit Insolvenzpläne schmieden, müssen, verbreitet Wale auf der anderen Seite des Globus rosige Zukunftsvisionen: Die chinesische Nachfrage nach Buicks und Chevys sei so hoch, dass GM mindestens noch ein neues Werk bauen müsse, glaubt Wale…

Bernhard Bartsch | 21. April 2009 um 01:39 Uhr

 

Und Kim spricht doch

Nordkorea nimmt Verhandlungen mit dem Süden wieder auf. Der Weg zu neuen Atomwaffengesprächen führt zunächst über Wirtschaftskontakte.

Kim Jong-il hat es in der Isolation nicht lange ausgehalten. Nur eine Woche, nachdem der Tyrann von Pjöngjang die Welt wissen ließ, dass er seine Atomwaffenentwicklung wieder aufnehmen und „niemals mehr“ über einen Verzicht verhandeln wolle, nahm Nordkorea neue Gespräche mit dem Süden auf…

Bernhard Bartsch | 21. April 2009 um 00:54 Uhr

 

Mit PS aus der Krise?

Porsche feiert in Shanghai die Weltpremiere seines „Panamera“. Mit der neuen Baureihe wollen die Zuffenhausener jährlich bis zu 20.000 Autos mehr verkaufen.

Symbole können tückisch sein. Das mussten am Sonntagabend die Marketingstrategen von Porsche erleben: Für die Weltpremiere der neuen Modellreihe Panamera hatten die Zuffenhausener in den 94. Stock des Shanghai World Financial Center geladen. Der Blick über das Lichtermeer der 20-Millionen-Metropole sollte den Gästen Porsches künftiges Wachstumspotential vor Augen führen. Doch ein Unwetter verdarb die Inszenierung und verwandelte den Funkelteppich in einen trüben Sumpf…

Bernhard Bartsch | 20. April 2009 um 06:16 Uhr

 

Licht am Ende des Tunnels

China verbucht historischen Wirtschaftseinbruch. Doch Pekings Konjunkturpaket zeigt langsam Wirkung.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sieht sich auf dem Weg der Besserung – auch wenn von Genesung noch keine Rede sein kann. Im ersten Quartal verbuchte China zwar mit 6,1 Prozent das langsamste Wachstum seit dem Beginn der Veröffentlichung von Vierteljahreszahlen im Jahr 1992. Doch obwohl das Land damit nach dem vierten Quartal 2008 (6,3 Prozent) zum zweiten Mal deutlich unter der magischen Acht-Prozent-Markte lag, die Peking als Minimalwachstum für die Sicherung der sozialen Stabilität bezeichnet, glauben Chinas Ökonomen seit einigen Wochen ein Ende der konjunkturellen Talfahrt ausgemacht zu haben…

Bernhard Bartsch | 17. April 2009 um 02:11 Uhr

 

Déjà-vu in Nordkorea

Die Weltmächte können mit Sanktionen drohen, so viel sie wollen. Einen Hebel, um Kim an der Wiederaufnahme seines Atomprogramms zu hindern, haben sie nicht.

Kim Jong Il ist wieder ganz der alte. Ein halbes Jahr nach seinem Schlaganfall, der weltweit Hoffnung auf ein Ende der Schreckensherrschaft des nordkoreanischen Tyrannen beflügelte, zeigt der „Geliebte Führer“, dass er von seiner kriminellen Energie nichts eingebüßt hat. Kaum gesundet, hat Kim die Beziehungen zu Südkorea und deren Schutzmacht USA auf Konfrontationskurs gesteuert und sich so einen Vorwand geschaffen, um seinen grausamsten Trumpf auszuspielen…

Bernhard Bartsch | 15. April 2009 um 01:11 Uhr

 

Kim will wieder Bomben bauen

Nordkorea will sein Nuklearprogramm reaktivieren und nie wieder über dessen Einstellung verhandeln.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il lässt den Streit über sein Atomwaffenprogramm weiter eskalieren. Einen Tag nach der Verurteilung von Pjöngjangs jüngstem Raketentest durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) kündigte das erzkommunistische Land am Dienstag die Wiederaufnahme seiner Nuklearforschung an – und drohte damit, künftig nicht mehr über dessen Einstellung verhandeln zu wollen…

Bernhard Bartsch | 15. April 2009 um 01:05 Uhr

 

Chinas unmoralisches Angebot

Peking nutzt die Krise, um mit Investitionen seinen Einfluss auszuweiten. Zu den Profiteuren gehören auch die Diktatoren in Birma.

Als die thailändischen Demonstranten am Wochenende das südostasiatische Gipfeltreffen im Badeort Pattaya platzen ließen, blamierten sie nicht nur ihre eigene Regierung, sondern vermasselten auch Chinas Premierminister einen politischen Coup. Denn eigentlich hatte Pekings Regierungschef Wen Jiabao seinen Amtskollegen ein milliardenschweres Unterstützungsprogramm für die Bewältigung der Wirtschaftskrise ankündigen und sich damit die größte Schlagzeile über die Zusammenkunft sichern wollen…

Bernhard Bartsch | 14. April 2009 um 01:47 Uhr