Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Wetterfrosch der Reformen

Chinas Starjournalistin Jiang Yiping war wieder einmal fortschrittlicher, als die Partei erlaubt. Ihre Demontage ist der Beginn einer neuen Zensurkampagne.

Die Karriere der chinesischen Starjournalistin Jiang Yiping verläuft im Zickzack. Alle paar Jahre steigt sie zur Chefredakteurin einer der beiden fortschrittlichsten Zeitungen des Landes auf, nur um einige Zeit später in die Redaktion einer Provinzpostille verbannt zu werden. Dann hat sie ihre Arbeit wieder einmal besser gemacht, als die Kommunistische Partei erlaubt – und Chinas Journalisten wissen, dass es mit offener Berichterstattung bis auf weiteres vorbei ist.

Bernhard Bartsch | 08. Dezember 2008 um 10:58 Uhr

 

Vorsprung durch Trägheit

Chinas Banken sind von der Finanzkrise bisher nur schwach betroffen. Ihre Rückständigkeit hat sie vor Schlimmerem bewahrt.

Vor einem Jahr rühmte sich die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), die größte Bank der Welt zu sein – nach Börsenwert. Was von diesem Maßstab zu halten ist, hat sich gezeigt: Vom Wert der meisten Geldhäuser ist nur ein Bruchteil geblieben, und auch der Aktienkurs der ICBC hat seit Anfang des Jahres um mehr als zwei Drittel nachgegeben. Doch inmitten der Trümmer der Branche stehen die chinesischen Banker noch immer recht solide da und trotzen der Krise mit vergleichsweise harmlosen Blessuren…

Bernhard Bartsch | 07. Dezember 2008 um 15:36 Uhr

 

Selbst auf Chinas Polizisten ist in Krisenzeiten nicht Verlass

Wachmänner verlangen mehr Geld, Konjunkturabschwung löst soziale Proteste aus, Arbeiter von Pleitefirmen gehen auf die Straße. Der Wirtschaftsabschwung entwickelt sich in China zunehmend zur politischen Belastungsprobe: Zehntausende Chinesen machen mit Demonstrationen auf ihre prekäre Lage aufmerksam.

“Eine Revolution ist keine Einladung zum Bankett”, sagte einst Mao Tse-tung, “es kann da nicht kultiviert zugehen.” 32 Jahre nach seinem Tod macht der Spruch in China erneut die Runde, nur ist es diesmal die Finanzkrise, die alle guten Sitten vergessen macht und die Chinesen wütend auf die Straße treibt. Täglich organisieren sich Wanderarbeiter, Taxifahrer Bauern, Lehrer oder Polizisten…

Bernhard Bartsch | 06. Dezember 2008 um 15:41 Uhr

 

Melamin-Skandal: Deutschland wieder betroffen

Zahl der Opfer in China sechsmal so hoch wie befürchtet – Nahrungsmittelexporte brechen ein

Vergangene Woche wollte sich Chinas Gesundheitsminister Chen Zhu der ausländischen Presse stellen, zum ersten Mal seit dem im September bekanntgewordenen Skandal um verseuchte Babymilch, in dem seine Behörde denkbar schlecht aussah. Doch dann mied er im letzten Moment doch wieder die Öffentlichkeit. Triftige Gründe gab Chen nicht an, aber wahrscheinlich wusste er zu diesem Zeitpunkt längst, was der Rest der Welt erst viel später erfahren sollte…

Bernhard Bartsch | 03. Dezember 2008 um 15:47 Uhr

 

“Gebt mir die Freiheit, oder gebt mir den Tod”

Zhang Sizhi, Chinas erster Menschenrechtsanwalt, erhält in Berlin den Petra-Kelly-Preis. Peking hüllt sich darüber in eisernes Schweigen.

„Gebt mir die Freiheit oder gebt mir den Tod“, sei von klein auf sein Lebensmotto gewesen, sagt Zhang Sizhi. Als Teenager flog er von der Schule, weil er eine Demonstration gegen den Unterrichtsausschluss eines Mitschülers organisierte…

Bernhard Bartsch | 02. Dezember 2008 um 15:54 Uhr

 

Erschießung statt Dialog

China und die EU streiten weiter – diesmal über die Hinrichtung eines Forschers.

Eigentlich sollte der gestrige Montag ein Tag des europäisch-chinesischen Schulterschlusses werden. Im französischen Lyon wollten beide Seiten auf höchster Ebene an einer gemeinsamen Strategie zur Bewältigung der Wirtschaftskrise arbeiten – immerhin gibt es in Europa und China zusammen 1,8 Milliarden Menschen, über zehntausend kooperierende Unternehmen und ein Handelsvolumen von gut 350 Milliarden Euro im Jahr…

Bernhard Bartsch | 02. Dezember 2008 um 15:50 Uhr

 

Von der Werkbank zur Weltbank

Das Entwicklungsland China wird zum internationalen Großinvestor. In Zeiten der Krise ist China ein Land mit gewaltigen Geldreserven und soll den Industrieländern zu Hilfe eilen.

Für einen Fondsmanager, der 200 Milliarden Dollar verwaltet, erscheint das Gehalt von Lou Jiweis sehr bescheiden. 10 000 Yuan verdient er im Monat, rund 1000 Euro, so schreibt es die Einkommenstabelle für den Rang eines chinesischen Vizeministers vor. Eine Reihe von Vergünstigungen werden ihm immerhin zugestanden…

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2008 um 03:31 Uhr