Gott vom Fließband
Die größte Bibelfabrik der Welt steht in China. Das Buch der Bücher ist dort ein Bestseller.
Als Gott die Heilige Schrift unter die Menschen bringen wollte, bestellte er Moses zum Diktat auf den Berg Sinai. Es muss ein langer Aufstieg gewesen sein, denn das Volk Israel hatte genügend Zeit, ihn für tot zu erklären, vom Glauben abzufallen und eine goldene Kalbsgottheit zu erschaffen, bevor der Stammesvater mit Steintafeln beladen zurückkehrte. Offenbar muss auch der Höchste gemerkt haben, dass dies auf Dauer keine optimale Lösung sei…
Künstlernamen für alle
Was tun, wenn man einen Chinesen trifft, der Superman heißt? Oder eine Chinesin namens Sexy? Auf jeden Fall nicht lachen. Superman und Sexy sind sonst beleidigt. Sie wissen ja nicht, was an ihren Namen so lustig ist. Schließlich handelt es sich um ein klassisches interkulturelles Missverständnis.
Einen englischen Namen zu haben, ist in China modern. Er klingt international, ist für ausländische Bekannte einfacher auszusprechen und hat gegenüber dem Geburtsnamen den Vorteil, dass man ihn selbst wählen kann…
Ware Schönheit
Viele Chinesen glauben an eine schönere Welt, von Menschenhand erschaffen nach dem Rezept: Viel hilft viel.
Wenn Hao Lulu Langeweile hat – oder sind es Depressionen? –, dann schaltet sie ihren Computer ein und klickt sich durch ihr Fotoalbum. Tausende Bilder hat sie gespeichert, fast alle mit dem gleichen Motiv: sie selbst. Am Meer, im Wald, beim Shopping. Als Girlie, Luder oder Lady. Abwechselnd schwarzhaarig, blond und brünett, lachend, flirtend oder schmollend. „Manchmal sitze ich stundenlang vor dem Bildschirm”, erzählt Hao. Sie kann sich an sich selbst nicht sattsehen…